Andreas Winterer

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Name: Andreas Winterer
Angemeldet seit: 13. August 2012

Aktuelle Beiträge

  1. A project to translate public domain German Sci-Fi novels — 5. Juni 2014
  2. SF-Hörspiel-Prequel: „Mark Brandis – Raumkadett“ — 15. Mai 2014
  3. Neustart: Lovecraft-Verfilmung „Die Traumlande“ sucht Crowdfunder — 15. Mai 2014
  4. Interview zum SF-Film „Das Letzte Land“ aus NRW — 29. März 2014
  5. Jurassic Lust: Dino-Erotik-SF Made in Germany — 9. März 2014

Liste der Autorenbeiträge

A project to translate public domain German Sci-Fi novels

der-rote-kometEs gibt tatsächlich ein paar Wahnsinnige, die alte, deutsche, gemeinfreie Science-Fiction-Romane ins Englische übersetzen wollen. Gemeint ist Bradley Hall, der auf der Crowdfunding-Plattform Indigogo „A project to translate public domain German Sci-Fi novels“ gestartet hat. Bescheidene 1000 Dollar sammelt er, und wenn er die bis 9. Juli zusammen kriegt, will er fünf Bücher übersetzen.

Leider bleibt Bradley etwas vage in der Frage, welche das sein werden – er weiß es wohl selbst noch nicht, nur müssen sie eben deutsch und aufgrund des Alters gemeinfrei sein, sowie noch nie ins englische übersetzt. Klar genannt hat er bislang „Der rote Komet“ von Robert Heymann aus dem Jahr 1909, gemeinfrei auf gutenberg.org.

Profilseite: indiegogo.com/individuals/…
Projektseite: indiegogo.com/projects/…

SF-Hörspiel-Prequel: „Mark Brandis – Raumkadett“

mark-brandis_raumkadett_2Wer kennt ihn nicht: Mark Brandis, Weltraumpartisan, Held, Testpilot der VEGA (Venus-Erde-Gesellschaft für Astronautik) und Ich-Erzähler einen ganzen Reihe von Jugend-SF-Romanen (die beim Wurdack-Verlag wieder zu haben sind).

Die Weltraumabenteuer gibt es natürlich längst auch als Hörspieladaptionen. Doch Gefahr droht aus Zeit & Raum, denn im Jahr 2015 werden die geschriebenen Abenteuer akustisch sozusagen weg-erzählt sein.

Weil Serien aber nun mal nicht aufhören dürfen, schiebt man jetzt Science Fiction-Prequel „Mark Brandis – Raumkadett“ hinterher. Entsprechend spielt es Ende des 21. Jahrhunderts vor den klassischen Mark-Brandis-Episoden – und der junge Mark Brandis hat sein Ziel, Raumfahrer zu werden, noch vor sich.

mark-brandis_raumkadett_1Die Produktion übernimmt wiederum die Firma Interplanar, die schon die Mark-Brandis-Hörspiele solide umgesetzt hat. Die Geschichten werden nun von Balthasar von Weymarn geschrieben, wurden aber von der Witwe des „echten“ Mark Brandis“, Reinhild von Michalewsky, autorisiert. Schaumermal…

Die ersten beiden neuen Folgen „Aufbruch Zu Den Sternen“ und „Verloren Im All“ erscheinen am 23. Mai.

Links:

 

Neustart: Lovecraft-Verfilmung „Die Traumlande“ sucht Crowdfunder

Mit „Die Traumlande“ („The Dreamlands“) könnte uns bald die weltweit erste Verfilmung des Traumlande-Zyklus von H.P. Lovecraft ins Haus stehen – allerdings nur, wenn das Projekt bei der Crowdfunding-Plattform IndieGoGo genug Geld einsammeln kann. DSF unterhielt sich mit Huan Vu, Regisseur und Drehbuchautor der vielfach ausgezeichneten Lovecraft-Verfilmung „Die Farbe” (2010), der sich damit einem weiteren HPL-Werk zuwendet.

Die Farbe (2010)

‚Die Farbe‘ (2010)

deutsche-science-fiction.de: Zuletzt hast Du uns „Die Farbe“ beschert. Wie war, im Rückblick, das Feedback?

Huan Vu:Die Farbe“ kam bei Lovecraft-Kennern äußerst gut an, wobei die Puristen natürlich durchaus ein wenig mit den Änderungen zu kämpfen haben, die wir vorgenommen haben. Wir hatten die Deutungsmöglichkeiten der Schluss-Sequenz eventuell ein wenig zu sperrig umgesetzt. Bei den meisten Vorführungen, bei denen ich selbst anwesend war, hatte das Publikum direkt nach dem Film eher Schwierigkeiten, das gerade Gesehene und Erlebte einzuordnen.

Wer genau hinsieht, und das gelingt oft eher beim zweiten Mal, der erkennt meist jedoch, dass wir Lovecrafts Geist auch innerhalb unserer erzählerischen Erweiterung sehr treu geblieben sind.

Nun also „The Dreamlands“ („Die Traumlande“), eine Verfilmung innerhalb der Fantasy-Geschichten von Lovecraft. Du hast offenbar eine Neigung zu sperrigen Dingen, denn diese Stories sind schwer einzuordnen, bislang kaum verfilmt und selbst einige HPL-Fans mögen sie nicht. Warum also gerade die?

'The Dreamlands' (Still)

‚Ausweg aus der kümmerlichen menschlichen Existenz: Flucht in die Traumdimension‘

Vielleicht gerade, weil es unerforschtes Land ist. Von „The Colour Out of Space“ gab es zwar einige Verfilmungen, aber niemand hatte das visuelle Konzept, das wir uns überlegt hatten. Und beim Traumlande-Zyklus hatte wiederum niemand bisher die Idee, diese lose Geschichtenreihe zu bündeln und daraus etwas zu machen.

Es stimmt, dass einige Lovecraft-Fans mit diesen Geschichten nicht so viel anfangen können, da sie nicht so viel Finsternis und Monstertentakel aufweisen wie die meisten seiner anderen Werke. Celephais – die Geschichte von einem verarmten, einsamen alten Mann, der in unserer Welt dahinvegetiert und stirbt, aber in seinen Träumen ein König ist und ewig weiterlebt – war schon immer eine meiner Lieblingsgeschichten von Lovecraft.

Der Unterschied zu seinen sonstigen durch und durch nihilistischen Werken ist hier der, dass Lovecraft uns hier einen Ausweg aus der Misere der kümmerlichen menschlichen Existenz bietet: die Flucht in eine Traumdimension. Aber Lovecraft wäre nicht Lovecraft, wenn seine Ausflüge ins Fantasy-Genre nicht dann letztlich doch hinter all der Schönheit und Eleganz ganz viel Melancholie und auch existentielle Bedrohung bereithalten würde. Diese Gegensätze und diese Spannung filmisch umzusetzen, darauf freue ich mich.

The Dreamlands bei Indiegogo

Indiegogo: ‚Es steckt viel Arbeit und Vorbereitung dahinter‘

Du sammelst Geld via Crowdfunding auf IndieGoGo. Bleibt heute nur dieser Weg, Filme im Genre der Phantastik zu finanzieren? Und reicht das überhaupt?

Im Falle eines erfolgreichen Crowdfundings werden wir auf jeden Fall auch die klassischen Finanzierungswege anstrengen. Mit Kapital und Publikumszuspruch ausgestattet, wird es hoffentlich leichter sein, auf Wohlwollen zu stoßen. Für eine solche Produktion wie die unsrige sieht es sonst schwierig aus. Wir sind weder das übliche kleine, lokale Arthouse-Sozialdrama noch sind wir Constantin Film, die eine große Komödie mit Schweiger und Schweighöfer drehen. Und dann auch noch die düsteren Fantasy-Visionen eines H.P. Lovecraft – ohne den Support des Publikums im Vorfeld sehe ich da eher schwarz.

Natürlich ist so ein Crowdfunding aber auch nicht gerade der minder einfachere Weg. Es steckt viel Arbeit und Vorbereitung dahinter, und man ist abhängig davon, wie sehr das Projekt in den Medien verbreitet wird.

traumlande_keyAnders als „Die Farbe“ machst Du diesen Film gleich international, in englischer Sprache. Versacken wir hier zuweilen in der Provinzialität?

Ich würde die „Die Traumlande“ gerne wieder auf deutsch drehen. Aber es wäre eben fraglich, ob dann genug Crowdfunding zusammenkommen würde, um ein Projekt dieser Größe zu tragen. Crowdfunding ist beispielsweise in den USA viel verbreiteter und anerkannter, was an der amerikanischen Kultur liegt, wo man es gewohnt ist, Eigeninitiative zu zeigen.

Hier in Deutschland hinkt die Entwicklung noch etwas hinterher. Man ist es gewohnt, monatlich die GEZ-Gebühr zu überweisen und dann unabhängig vom Geld etwas vorgesetzt zu bekommen, was man selbst nicht ausgesucht hat. Siehe auch die hochwertigen Fernsehserien der Gegenwart – die allermeisten stammen von Bezahlsendern, oder neuerdings Video-on-Demand-Anbietern wie Netflix.

Ergo: Ja, ich fürchte, das deutsche Film-Fernseh-System, das aus der Zeit nach dem 2. WK stammt, führt dazu dass man hierzulande solchen Trends hinterherhecheln muss. Und wenn wir nicht aufpassen, dann sind wir hier irgendwann komplett abgehängt.

Du bist auch beteiligt an der Initiative „Neuer Deutscher Genrefilm“. Was ist das und wieso brauchen wir das?

Die Gruppe wurde Ende 2012 gegründet, um uns Nachwuchs-Genrefilmemachern eine Plattform und ein Sprachrohr zu ermöglichen. Uns geht es um Filmgenres, die in Deutschland lange verpönt waren, eben zum Beispiel Science-Fiction, Fantasy und Horror. Wir fordern, dass auch hier mehr Mut bewiesen wird und dass die kulturelle Bandbreite geöffnet wird.

'The Dreamlands': 'Wir brauchen ein subversives Genrekino'

‚Wir brauchen ein subversives Genrekino‘

Wir schätzen auch den Autoren- und Kunstfilm und die typisch deutschen Krimis und Komödien. Aber wir wollen nicht nur diese Art von Kino.

Wir brauchen auch das subversive Genrekino, das abseitigere Themen anspricht und verhandelt. Und in anderen Ländern funktioniert das ja auch wirtschaftlich sehr gut. Hier bei uns ist sehr schwierig, denn auch das Publikum ist verständlicherweise kritisch eingestellt bzgl. Genrefilmen aus heimischen Gefilden. Es besteht keine ausgeprägte kulturelle Tradition und man wurde oft enttäuscht durch die wenigen Testballons der Industrie. Unsere Gruppe versucht für Vertrauen zu werben, damit wir Chancen zu bekommen uns entwickeln zu können.
(Mehr dazu auch hier bei DSF.)

'The Dreamlands' (Still)

‚Irgendwo zwischen elegischer Naturmystik und morbid-abgründigen Phantasien‘

Kannst Du filmische Vorbilder nennen?

Bei „Die Farbe“ ist es schwierig, Vorbilder zu benennen. Beispiele für die Verwendung von Farbe in sonst schwarzweißen Bildern kennt man aber z.B. ja von „Schindlers Liste“ oder „Sin City“. Der deutsche Expressionismus hat ansonsten natürlich auch einen starken Einfluss gehabt, so wie auch Film-Noir-Filme und der italienische Neorealismus.

Bei „Die Traumlande“ sind Caspar David Friedrich und der polnische Künstler Zdzislaw Beksinski zwei wichtige visuelle Ausrichtungspunkte für mich. Irgendwo in dieser Spannung zwischen elegischer Naturmystik und morbid-abgründigen Phantasien werden wir unsere Spielwiese abstecken.

Ansonsten gibt es drei Filme, die ich in dem Kontext gerne nenne: „Pans Labyrinth“, „The Fountain“ und „The Fall“. Wer diese Filme mochte, wird sich in unseren Traumlanden gut aufgehoben fühlen.

Huan Vu (Foto: Elisabeth Mochner)

Huan Vu (Foto: Elisabeth Mochner)

Was machst Du, wenn’s klappt?

Förderanträge, zusätzliche Finanzierungsgespräche, Casting, Drehortsuche, Kostümdesign, Setbauten, usw. usf. Die üblichen nächsten Schritte eben. Die Dreharbeiten finden auf jeden Fall erst nächstes Jahr statt.

Und wenn’s nicht klappt?

Da, falls wir die Zielsumme nicht erreichen sollten, alles wieder zurückfließt, würde das Projekt erst einmal gestoppt werden.

Und na ja, klingt vielleicht komisch, aber ich würde mich dann vermutlich erst einmal entspannen und das Leben für eine Zeit lang ein wenig ruhiger angehen. Die Teaser-Trailer und die Kampagne kosten ja viel Zeit und Energie. Es wird ja auch Sommer sein, da rufen das Freibad und die Fußball-Weltmeisterschaft … Im Prinzip also eine Win-Win-Situation!

[UPDATE:]
Die erste Runde ist gescheitert, doch Huan gibt nicht auf und entspannt sich auch nicht. Er hat das Crowdfunding mit einem anderen Modell neu gestartet: Ein Teil des Geldes kommt jetzt von Investoren, sofern ein (nunmehr kleinerer) Teil des Geldes über Crowdfunding hereinkommt. Wir wünschen ihm viel Glück!

Links:
the-dreamlands.com/de/ – offizielle Webseite
indiegogo.com/projects/the-dreamlands – neue Indiegogo-Crowdfunding-Kampagne
the-dreamlands.com/de/blog/ – Produktionsblog „700 Stufen“

Interview zum SF-Film „Das Letzte Land“ aus NRW

Science-Fiction-Filme, zumal deutsche, sind ja derart rar, dass man jedem applaudieren muss, der einen macht, zumal zum Discountpreis von 8500 Euro: Das ist die Geldmenge, mit der eine Gruppe Filmemacher auf der Crowdfunding-Plattform Startnext ihr Langfilm-Projekt „Das Letzte Land“ umzusetzen versprach, inzwischen konnten sie die Summe sogar übertreffen (können aber auch noch mehr brauchen). Das Letzte Land soll ein „rätselhaftes Roadmovie im Weltraum“ in Spielfilmlänge werden und in einem kleinen, alten, gestohlenen Raumschiff spielen, in dem zwei entlaufende Sträflinge (echte Schauspieler) eine „unvorstellbare Reise“ unternehmen. Visuell demonstriert bereits der (CGI-freie!) Teaser-Videoclip, dass die Macher von Das Letzte Land eine gute Vorstellung davon haben, wo sie hinwollen.

DSF unterhielt sich mit Massimo Müller, der unter anderem für Bauten, Kulissen, Modelle zuständig ist.

deutsche-science-fiction.de: Komme ich ohne Schreiner ins Weltall?

Massimo Müller und ein Modell des Raumschiffs

Massimo Müller und ein Modell des Raumschiffs

Massimo Müller: Im Film jedenfalls nicht. Ein Projekt unserer Größenordnung, mit der Vielzahl an Ideen und mit einem gewissen Anspruch an Professionalität, Qualität und Ästhetik braucht definitiv Mitwirkende, die ihr Handwerk verstehen. Durch meine handwerklichen Ausbildungen, dem Ingenieurstudium und nicht zuletzt durch die Beteiligung an vielen kleineren Filmprojekten in der Vergangenheit habe ich ein Gespür dafür entwickelt, welche Idee umsetzbar ist, welche verworfen und ersetzt werden sollte und welche Alternativen sich anbieten würden, um zumindest die Idee der Idee zu verwirklichen.

Da wir mit relativ wenig Leuten das Projekt stemmen wollen – eigentlich sind es im Moment nur drei Aktive – ist es wichtig, dass jeder Schaffende gleich mehrere Funktionen erfüllt. Trotzdem braucht es auch schiere Drecksarbeit mit Spänen, Krach und Fluchen, damit eine sichere, stabile und die unmöglichsten Anforderungen erfüllende Kulisse entsteht, in der zwei Schauspieler, Kameramann, Tonangler und Co. gleichzeitig Platz finden und trotzdem eine enge, beklemmende Atmosphäre in einem Raum entsteht, der zudem noch kippbar und beweglich sein muss. Und für diese Drecksarbeit ist der Schreiner prädestiniert.

Bist du ein SF-Film-Fan?

In der Werkstatt ...

In der Werkstatt …

Kurz und bündig: ja! Man muss filmbegeistert sein, um so etwas Verrücktes zu machen. Schon ganz früh hat mich das Medium fasziniert. Zum Beispiel schaute ich meinen ersten Horrorfilm – American Werewolf – mit meiner Mutter im Alter von fünf Jahren. Ich bewunderte die Kunst der Filmemacher, fiktive Dinge so real aussehen zu lassen – meine Mutter versicherte mir, die Menschen werden nicht in Wirklichkeit gefressen …

Leidenschaft und Begeisterung für Science-Fiction sind natürlich nicht verkehrt. Ich stehe darauf, wenn unsere heutige Welt mit den heutigen Problemen in der Zukunft extrapoliert dargestellt wird. Stanislav Lem, H.G. Wells, Isaac Asimov und Arthur C. Clarke gehören für mich zur Pflichtlektüre und inspirieren uns sowohl beim Entwickeln der Story als auch beim Arbeiten am Set. Da mich Verfilmungen dieser Klassiker sowohl enttäuscht aber auch begeistert haben, bin ich motiviert und gespannt, welchen Beitrag unser Film in der Science-Fiction-Welt wohl leisten wird.

Bist du eher SF-Leser oder eher SF-Film-Seher?

Eine Modelllandschaft entsteht ...

Eine Modelllandschaft entsteht …

Im Grunde beides. Science-Fiction ist ein wahnsinnig spannendes Genre. Herausragend ist für mich der Bezug zur Realität oder die Kritik an der modernen Gesellschaft. In welcher Form dieser Bezug erfolgt, ist mir egal. Ob gutes Buch oder guter Film, ich weiß beides zu schätzen, sofern sie mich nachdenklich machen und ein wenig in die Tiefe gehen und dabei kommt es mir gar nicht auf Effekthascherei an.

Für mich ist Science-Fiction eine besondere Art, die Gesellschaft und den Menschen zu verstehen. Ähnlich wie es die Ökonomie versucht, Verhaltensmuster und Vorgänge aus der Vergangenheit zu verstehen und so zu analysieren, dass man sich Maßnahmen für die Zukunft überlegen kann, spinnt Science-Fiction gesellschaftliche Prozesse weiter, die wir heute vorfinden oder in der Vergangenheit beobachteten.

Wie gestaltet man „das Innere eines Raumschiffs“ im Film?

Skizze des Inneren

Skizze des Inneren

In der ersten Bauphase standen uns lediglich alte Bohlen, Bretter und Balken zur Verfügung, die glücklicherweise zuhauf in einem Keller lagen. Das setzte uns zwar gewisse Grenzen, aber innerhalb dieser konnten wir unserer Kreativität freien Lauf lassen. Danach waren wir kreativ im Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen oder der kostengünstigen Beschaffung davon. Kleinanzeigen waren und sind ebenso wichtig wie der Kontakt zu Leuten, die uns beim Aufspüren oder Bereitstellen der verschiedensten Baumaterialien unterstützt haben.

Natürlich haben wir laut Story ein Grundkonzept für das Innere des Schiffs, welches uns die wichtigsten Anforderungen vorgibt. So gibt es den Cockpitbereich, eine „Hydroecke“, eine automatische Schiebetür, einen Maschinenraum, eine Ladeluke, Heckfenster, diverse Verstauräume und Schächte usw. Lage, Funktion und Zugänglichkeit dieser Bereiche sind durchaus festgelegt.

Gerüst für Kulissen ...

Gerüst für Kulissen …

Aber das ganze Drumherum ergibt sich während des eigentlichen Baus – je nachdem was uns im Augenblick zur Verfügung steht. Gerade das wird auch später den besonderen Look unseres Sets ausmachen und zum jetzigen Zeitpunkt würde ich sagen, dass uns diese Schwierigkeiten eher zum Vorteil gereichen als zum Nachteil. Ich glaube, dass auf diese Weise die Kulisse extrem authentisch wirkt, vor allem weil wir am Ende ein altes, verwittertes und charismatisches Weltraumvehikel vor uns sehen werden, bei dem jedes verbaute Teil bereits eine Geschichte hat.

Wie entstand das Modell-Raumschiff (hat es einen Namen)?

Das geheimnisvolle Raumschiff ...

Das geheimnisvolle Raumschiff …

Zuerst nahmen wir das, was wir hatten, dann schauten wir, was wir noch brauchen und das besorgten wir. Es wuchs ständig weiter und entsprach mit jedem angeklebten Teil von einer Miniaturlokomotive oder einem Militärhubschraubermodell immer mehr unserer Vorstellung von einem klobigen und trägen Schiff.

Das Schiff soll den Eindruck erwecken, es sei von den Ingenieuren der Zukunft konzipiert worden, um gemächlich und unerschütterlich durch das All zu treiben, um eine Mission zu erfüllen, die ich hier noch nicht verraten möchte. Einen Namen haben wir gar nicht für unser kleines Schätzchen, aber vielleicht wäre es mal an der Zeit, es mit einer mikroskopisch kleinen Sektflasche zu taufen.

Wie macht ihr die „kosmischen Staubwolken“, die man im Trailer sehen kann?

Filmbild: Das Raumschiff

Filmbild: Das Raumschiff

Wie alle special effects bei Das Letzte Land entstehen auch die kosmischen Staubwolken auf die gute alte handwerkliche Art. Man nehme ein großes durchsichtiges Gefäß, eine ganze Menge Salzwasser, eine ganze Menge Süßwasser, Pigmente, Bindemittel, ein paar Spritzen und Schläuche, gutes Licht und vor allem Geduld. Geschick und Feingefühl sind auch nicht schlecht, außerdem ein guter Blick fürs „Mikromakroskopische“.

Die ersten Testaufnahmen lieferten schon gute Ergebnisse, die in dem bereits veröffentlichten Trailer zu sehen sind. Aber da ist noch Luft nach oben. Wir haben bei den Arbeiten daran gute Erfahrungen sammeln können und wissen nun, an welchen Schrauben wir drehen müssen, um noch bessere Bilder zu erzeugen.

Ihr habt jetzt bei startnext mehr Geld eingesammelt als geplant – hilft das auch Dir?

Mal abgesehen davon, dass ich das noch gar nicht richtig glauben kann, wie viele Leute uns bisher unterstützt haben und an uns glauben, kann ich tatsächlich ein wenig aufatmen, was meine eigene Haushaltsführung angeht. Im Grunde steht mir als Student nur das BAföG zur Verfügung und ich stecke jeden einzelnen Cent, der nicht für Wohnung und ein wenig Essen aufgewendet werden muss, in Baumaterial, um voranzukommen. Ein weiterer großer Kostenfaktor ist das Benzingeld, was sich monatlich auf ca. 200 Euro beläuft, da die Werkstatt relativ weit weg liegt.

Es wäre also schön, wenn ich schon mal diese monatlichen Kosten nicht mehr nur aus eigener Tasche bezahlen müsste – dann könnte ich mir mal wieder was anderes leisten als Haferflocken und Brot. Das klingt vielleicht krass und unglaubwürdig, aber es ist in der Tat so, dass einige von uns große Opfer bringen. Neben der gesunden Ernährung schwebt mir außerdem vor, die geplante und vorkonstruierte Schiebetür aus Metall zu fertigen. Das hätte unglaubliche Vorteile gegenüber Holz und Sperrholz. Und scheinbar ist das nun möglich. Das macht mich richtig glücklich. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle Unterstützer, denn die Schiebetür wird mein drittes Meisterstück!

Was dürfen die Zuschauer von „Das Letzte Land“ am Ende erwarten?

Filmbild: die Darsteller

Filmbild: die Darsteller

Man wird dem kompletten Film später ansehen, dass dort ganz viel von uns selbst drinsteckt. Man wird nicht nur von einer guten Story, guten Schauspielern, einem guten Set oder von guten Effekten reden. Im Grunde weiß doch jeder, dass ein Film nicht echt ist, dass die Bilder alle gestellt sind und dass die Schauspieler halt nur schauspielern. Aber wir werden eine Illusion erschaffen, die den Zuschauer das ganze genauso vergessen lässt, wie es auch andere Filme machen.

Wenn der Abspann läuft, wird man dasitzen und sich fragen: Wie haben die Jungs das bloß gemacht? Wo waren denn jetzt der Traktoranhänger und das Aquarium? Wie viel haben die nochmal in den Film reingesteckt? Ich hab denen 25 Euro für ne DVD gegeben und die machen daraus dieses Science-Fiction-Spektakel? Und das noch in Deutschland? In Feudingen?! …
Das werden sich die Zuschauer fragen, da bin ich mir sicher. Und selbst wenn der Film nicht gefällt: Staunen wird jeder.

Das production design entscheidet oft darüber, ob ein Film als „Independent“ oder „Trash“ wahrgenommen wird. Grämt es Dich, dass „der Regisseur“ im Mittelpunkt steht, während Deine Arbeit vom Zuschauer eher unbewusst hingenommen wird?

Das Innere eines Schiffs ...

Das Innere eines Schiffs …

Ja und Nein und Jein. Ja, weil es schließlich gang und gäbe ist, dass vor allem Regisseur und Schauspieler dem Publikum im Kopf bleiben. Wer, außer uns Fexen, Fans, Nerds uns Spinnern bleibt schon bis zum allerletzten Ende eines Films sitzen und liest sich die Namen all derer durch, die scheinbar nur aus formalen Gründen im Abspann aufgelistet werden? Und selbst wenn man sich die Mühe macht, namhaft sind die wenigsten.

Und nein, es grämt mich eher doch nicht, weil bei uns das Feld der am Projekt beteiligten Akteure sehr übersichtlich ist. Wie gesagt, bisher sind wir zu dritt, bald sind es vier, fünf sechs, am Ende vielleicht nicht mehr als zehn Leute, die sich die Aufmerksamkeit des Publikums teilen werden. Und da ich von Anfang an dabei war und schließlich nicht bloße exekutive Gewalt am Set bin, wird mein Beitrag sicherlich angemessen gewürdigt werden.

Zu guter Letzt jein, da ich grundsätzlich nicht sonderlich scharf drauf bin, im Mittelpunkt zu stehen und mich feiern zu lassen. Mir reicht auch die indirekte Anerkennung. Wenn ein Film, also ein komplexes Kunstwerk, insgesamt gelobt und geschätzt wird, dann muss es wohl auch an den Effekten, dem Set und allem anderen liegen, was lediglich unbewusst wahrgenommen wird.

Liest Du deutschsprachige Science-Fiction?

Eigentlich kenn ich mich auf diesem Gebiet nicht so gut aus. Dies mag daran liegen, dass die Klassiker bekannter und zugänglicher sind. Wobei ich hier mit Zugänglichkeit auch meine, was man von anderen empfohlen bekommt, bei jemandem im Regal stehen sieht, welche Verfilmungen man kennt oder was halt irgendwie schon fast zum Alltags-Kanon gehört. Dies mag auch der Grund sein, warum ich dann doch auch die beiden bekannten Romane von Frank Schätzing gelesen habe – sie waren halt in aller Munde.

Massimo Müller

Massimo Müller

Wenn ich ehrlich bin, dann faszinieren mich die alten Klassiker mehr als die modernen, da ich mich gerne in die Zeit zurückversetzen möchte, als es noch so viel Mysteriöses und Ungeklärtes auf der Welt und um uns herum gab. Heute, so scheint es mir, ist viel entzaubert worden – vor allem durch den enormen Fortschritt in der Technik. Kaum etwas kann einen heute noch vom Hocker hauen.

Ich denke in dem Zusammenhang zum Beispiel an den recht alten Roman von Zulawski, Auf dem Silbermond. Zu dieser Zeit dachte man noch, auf der Rückseite des Mondes sei Leben und Menschen könne man bloß mittels eines riesigen Projektils zu diesem Himmelskörper befördern: Einmal abgeschossen gab es keine Rückkehr mehr! Aus heutiger Sicht erscheinen solche Ideen geradezu lächerlich, was ich eigentlich schade finde.


Offizielle Website: http://www.dasletzteland.de/
Crowdfunding: http://www.startnext.de/dasletzteland
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Jurassic Lust: Dino-Erotik-SF Made in Germany

jurassic_lust_1_auf_die_hoerner_genommenDas Thema „Dino-Pornos“ stampfte Ende 2013 wie ein bunt angemalter Godzilla durch die Medien: Gemeint sind erotische Geschichten, in denen Saurier aller Art eine nicht unmaßgebliche Rolle spielen. Nachdem im November mit „Jurassic Lust – Science Fiction im Stil der klassischen Pulps und Dino-Erotik“ die deutsche Antwort darauf erschien, stellten wir dem Autorinnenduo Cat Crimson und Alana Troy ein paar Fragen.

deutsche-science-fiction.de: Sex sells heißt es immer, und es mag wohl wahr sein: Selbst eure noch unveröffentlichten E-Books rangieren bei Amazon ja besser als mein veröffentlichtes. Aber könnt ihr dem unbescholtenen Bürger von der Straße bitte mal kurz erklären, was „Dino-Pornos“ sind?

Alana Troy: „Dino-Porn“ – so nennen wir das nur intern, das ist eher ein Insiderwitz. Wir schreiben auch keinen Porno, sondern Sci-Fi mit Erotik (und natürlich Dinosauriern). Wir veröffentlichen die Reihe ausdrücklich unter „Science Fiction/Abenteuer“. Über die relativ vielen Vorbestellungen sind wir auch etwas erstaunt und natürlich höchst erfreut. Ich vermute, es liegt an den Covern, die sehr schön zeigen, worum es in der Serie geht und was unsere Intention ist: kein Porno, sondern Pulp und „tongue in cheek“. Dazu kommt, dass im Oktober des letzten Jahres sehr viel über Dino-Erotik durch die sozialen Netzwerke ging.

Wenn es nur harmlose Erotik ist, warum dann hinter Pseudonymen verstecken?

Alana: Die Pseudonyme gehören zum Konzept der Serie. Sie sollen auch als solche erkennbar sein.

Cat: Dazu gehören auch die Anleihen an Pulp und die 1960er-Jahre, wie man ja am Gold-Bikini, den unsere Heldin Doctor Miranda Cassidy trägt, wunderbar erkennen kann.

Es ist also Science-Fiction. Warum habt ihr euch für SF entschieden (statt für Fantasy oder Dinos ohne Zeitreise)?

jurassic_lust_3_schwingen_der_ekstaseAlana: Ah ne, kreischendes Höhlenmädchen wird von T-Rex gejagt …? Das ist doch langweilig. Und Fantasy stand nicht zur Diskussion, weil wir so weit wie möglich realistisch bleiben wollten. Wir wollten uns auch bewusst von den amerikanischen Büchern absetzen. Nachmachen ist langweilig. Abgesehen davon hat uns das, was wir gelesen haben, nicht sehr gefallen.

Cat: Es fließt eine ganze Menge Recherchearbeit in die Stories ein, was die Faktizität der Kreidezeit betrifft. Mammuts oder Säbelzahntiger werden also nicht auftauchen. Was zwischen Miranda und den Dinos abgeht, ist dann wiederum Fantasie und Phantastik.

Alana: … und Erotik, die kommt natürlich nicht zu kurz.

Wie viel Science-Fiction wird den Leser erwarten? Mehr als nur ein paar blinkende Flash-Gordon-Konsolen und etwas Zeitreise? Ist auch die SF eher „augenzwinkernd“ gemeint?

Alana: Obwohl wir uns auf die Pulps beziehen, ist es keine blinkende Flash-Gordon-SF. Unsere Protagonistin sieht das zwar etwas anders, denn als Miranda das Labor der Chronologen sieht, zieht sie Vergleiche zu alten Sci-Fi-Filmen. Aber die Rahmenhandlung spielt in der Zukunft, und wie diese aussieht, wird nach und nach beschrieben werden. Und Miranda hat auch einige Utensilien, die etwas futuristisch sind. Auch unsere Zeitmaschine ist kein Gimmick, sondern wichtiger Teil der Handlung.

Wer macht diese fantastischen Cover?

Alana: Ich.

Ihr habt jetzt euren vierten Dino-Roman draußen. Wie ist das Feedback?

Alana: Wir wissen, dass wir bereits eine kleine Fangemeinde haben, was wir natürlich ganz toll finden.

jurassic_lust_2_heisse_beuteCat: Vor Kurzem erschien ein Telepolis-Interview mit uns. Die Reaktionen waren deutlich gemischt. Die einen fanden unsere Idee und die Umsetzung witzig und haben erkannt, dass es uns um die Kombination von Sci-Fi, Fantasy, Erotik und Humor geht. Die anderen kamen mit Schlagworten wie Sodomie, Zoophilie etc. oder unterstellten uns, wir wollten die Leute veräppeln. Immerhin setzt man sich mit unseren Büchern auseinander und das freut uns.

Eines eurer Bücher („Heiße Beute“) gibt’s sogar beim sonst ja eher prüden Weltbild-Shop – wie habt ihr es da reingeschafft?

Alana: Oh, das hat nichts zu bedeuten. Da hat wohl nur jemand nicht aufgepasst.

Eure vier Bände haben zusammen eine einzige Kritik bei Amazon erhalten. Worauf führt ihr die eher zaghafte Publikumskritik zurück?

Cat: Mittlerweile sind es zwei Leser-Rezensionen, wir konnten einen Buch-Blogger für unsere Dinos erwärmen 😉 Aber viele Leser kennen uns noch nicht. Und typische SF-Leser können vermutlich auch nicht so viel mit unseren Geschichten anfangen. Das ist vielleicht eine Frage der Mentalität. Doch das kommt. Wir sind da ganz zuversichtlich. Und wenn sich passende Buch-Blogger bei uns melden, lassen wir ihnen gerne ein Rezensionsexemplar zukommen.

Alana Wir sind allerdings recht erstaunt, dass wir z. B. auf Facebook bekannt sind wie zwei bunte Hunde. Es hat schon was für sich, wenn man seinen Einstand mit so schrägem Zeug macht.

Wie steht ihr zur deutschsprachigen Science Fiction, die ja als schwieriges Genre gilt, das oft totgesagt wird?

Alana: Cat liest eher keine SF und was das Totsagen anbelangt: Ist nicht alle SF irgendwie etwas tot in letzter Zeit? Ich merke immer mehr, dass ich auf die alten Titel zurückgreife. Allerdings gibt es unter den Self Publishern auch einige gute, neue deutsche SF-Autoren, die ich lesenswert finde.

Wie geht’s weiter mit den Dinos?

Alana: Wir haben noch einiges mit Doctor Miranda Cassidy vor. Und wünschen uns natürlich, dass unsere Leser der Jurassic Lust-Serie treu bleiben. Was wir sonst für die Zukunft planen – unsere Zeitmaschine funktioniert bisher nur in eine Richtung. Aber wer weiß … ? Nur soviel: Es gibt ja von der ersten Staffel einen Sammelband als Taschenbuch und die nächsten drei Folgen werden auch wieder als Tb erscheinen. Schließlich möchten wir, dass die Fans von gedruckten Büchern auch in den Genuss von Mirandas amourösen Abenteuern kommen können.

jurassic_lust_4_wasserspieleCat: Außerdem haben wir uns überlegt, was wir unseren Fans Gutes tun können und Alana hatte die Idee zu einer Bonus-Story, bei der die Leser Gelegenheit bekommen, sich zu beteiligen. Mehr möchten wir an dieser Stelle aber noch nicht verraten – alles Weitere steht dann demnächst auf unserem Blog und der Jurassic Lust-Fanpage auf FB.

Alana: Und wir werden – vermutlich im März – ein kleines Gewinnspiel anlässlich des Starts der zweiten Staffel machen.

Was machen Cat und Alana, wenn sie nicht in ihrer Text-Zeitmaschine sitzen?

Alana: Och, das übliche Mädchen-Zeugs, Schuhe kaufen, den Velociraptor bespaßen, was halt so anfällt. 😉

Danke für eure Zeit!

 

Infos:
Blog: http://spicy-fantasies.blogspot.de/
Leseprobe: http://spicy-fantasies.blogspot.de/p/leseproben-jurassic-lust.html

 

Heute Gratis: Zeit-Zwirbel-Effekt und seine Knöpfchendrücker

Also, okay, ich habe es weder gelesen noch auch nur angelesen, und ich weiß auch nichts drüber … aber ich fand es gerade, es klang interessant (auch wenn der Meister sicher Einsprüche wegen des ‚Zeitreise‘-Themas erheben würde), daher sei hiermit darauf hingewiesen:

Die Kurzgeschichtensammlung „Der Zeit-Zwirbel-Effekt und seine Knöpfchendrücker“ von Daniela Rohr ist heute auf Amazon kostenlos abgreifbar.

Die Autorin verspricht elf Kurzgeschichten rund um das Durcheinander im Raumzeit-Gefüge, das entsteht, wenn zu viele Knöpfe und Schalter existieren, sowie Wesen, die sie mehr oder minder freiwillig betätigen.

Link zu Amazon: hier,
Leseprobe dort: Die Fettnäpfchen-Skala

Im Interview: Horus W. Odenthal

Am 1. Mai 2013 erscheint unter dem Titel „Hyperdrive: Mantikor erhebt sich” Horus W. Odenthals Mischung aus Space Opera, Abenteuerroman und Polit-Thriller erstmals komplett in einem E-Book. (Zusammenfassung hier.)

deutsche-science-fiction.de: Worum geht‘s überhaupt?

Horus W. Odenthal

‚Diese ganzen Tolkien-Epigonen, die nur alte Rezepte wiedergekäut haben …‘

Horus W. Odenthal: „Hyperdrive“ erzählt von Schicksalen, die sich im Angesicht eines bevorstehenden Krieges miteinander verknüpfen. Es geht also in erster Linie um Menschen, die Technik steht nicht im Vordergrund; sie umgibt die Protagonisten so selbstverständlich wie uns auch in unserer gegenwärtigen Welt.

Du hast ja auch viel Fantasy gemacht. Fühlst Du Dich eher der SF oder der Fantasy nah?

Angefangen habe ich als SF-Leser. Erst später habe ich die Fantasy entdeckt, auch bedingt durch das Angebot in Deutschland. Dann habe ich mich lange Zeit von der Fantasy verabschiedet, weil mich die Wiederholung des ewig Gleichen gelangweilt hat. Diese ganzen Tolkien-Epigonen, die nur alte Rezepte wiedergekäut haben, fand ich unendlich fade. Wenn ich irgendwo den Begriff „dunkler Herrscher“ oder „drei/fünf/neun Schwerter/Schatullen/Trading Cards müssen gefunden werden um ein uraltes Übel“ oder auch nur das Wort „Knabe“ in einem Klappentext las, hat mich das in die Flucht geschlagen.

Ich habe mich also über lange Zeit der SF näher gefühlt. Die Fantasy musste ich für mich erst wiederentdecken. Indem ich sie für mich neu definiert habe und meine eigenen Geschichten düsterer, realistischer, moralisch ambivalenter gestaltet. Dann habe ich später die neue Welle von Fantasy-Autoren entdeckt, die im Ausland schon parallel einen ähnlichen Weg einschlugen – Leute wie R. Scott Bakker, Joe Abercrombie, Richard Morgan, Glen Cook, George R.R. Martin – und habe mich dieser Bewegung sehr verbunden gefühlt.

Ninragon 1

‚Ninragon‘ (Fantasy)

Und heute?

Mittlerweile schreibe ich Fantasy und SF so, dass es eigentlich keinen Unterschied mehr macht, bzw. dieser Unterschied in der Stimmung und der Terminologie liegt. Jemand hat das Ende meiner Ninragon-Trilogie, in der es zu magischen Schlachten und Reisen kommt, einmal als Cyber-Fantasy bezeichnet. Man kann es Magie nennen, man muss es aber nicht. Es kommen in Ninragon viele SF-Elemente vor, nur werden die nicht so benannt und erklärt. Man kann es Kampfroboter oder Cyborg nennen. Oder man kann dazu Homunkulus oder Ankchoraik sagen und es durch eine magisch-geistige Weltsicht erklären. Das gleiche gilt für Bewusstseinsdownloads oder Klontechniken. Genauso existiert in meinen SF-Geschichten das sogenannte Übernatürliche. Die Fähigkeiten der Nirloten, der Hyperdrive-Piloten in „Hyperdrive“ haben schon etwas Magisches. Ich mag mittlerweile beide Genres gleich gern. Beide haben ihre Vorzüge. Die Unterschiede verwischen sich für mich immer mehr.

William Voltz: Quarantäne (heyne 1973)

Begeisterte Horus: William Voltz‘ ‚Quarantäne‘ (Heyne 1973)

Welche Science-Fiction würdest Du Deinen Töchtern schmackhaft machen?

Meinen Zwillingstöchtern werde ich zu gegebener Zeit „Quarantäne“ von William Voltz in die Finger drücken. Das war auch eines der ersten Bücher, nach den üblichen Verdächtigen unter den Jugendbüchern wie „Raumschiff Monitor“ oder „Mark Brandis“, die mich für Science Fiction begeistert haben. Aber sie sind auch jetzt schon mit 4 1/2 große Darth-Vader-Fans, singen sein Thema und lachen sich scheckig, wenn ich mit asthmatischer Stimme röchle: „Zoe/Grace ich bin dein Papa!“

Schreibt man mit zwei Töchtern mehr oder weniger als vorher?

Anders! Anders! Aber das ändert sich auch, je älter sie werden. In den ersten Jahren, vor dem Kindergarten, habe ich quasi ein Sabbatical genommen. Weil die Zeit nie mehr zurückkommt und die Erlebnisse so schön und wertvoll sind. Und ich ohnehin nichts gescheites hätte schreiben können. Darum hat der Ninragon so lange gedauert. Aber die Mädchen geben mir auch viel Kraft. Und erden mich. Und lenken mich immer wieder zu den Dingen, die wirklich wichtig sind. Vessels of soul, vessels of love, vessels of spirit, that’s what we are. „All you need is love.“ John Lennon.

Hyperdrive

‚Hyperdrive‘ als E-Book-Serie

„Hyperdrive“ erschien ja zuerst als E-Book-Serie. Wie sind Deine Erfahrungen damit?

Das Serien-Format ist generell sehr interessant. Ich finde es spannend, das über das E-Book der klassische Fortsetzungsroman á la Dickens und Dumas seine Renaissance erlebt. „Hyperdrive“ wird wahrscheinlich nicht mein letzter Versuch mit diesem Format sein. In meinem Hinterkopf spukt derzeit die Idee einer Serie im Ninragon-Universum herum. Arbeitstitel ist „Die Rauhe Schar“. Ich freue mich darauf, diese Geschichte zu verwirklichen.

Horus W. Odenthal

‚Ich finde es spannend, das über das E-Book der klassische Fortsetzungsroman seine Renaissance erlebt.‘

Woran arbeitest Du gerade?

Wenn ich nach einer aufregenden Phase des Weichenstellers für meine Zukunft wieder zum Schreiben komme arbeite ich an einem Roman mit dem Titel „Homunkulus“. Er spielt einige Jahre nach dem Ende von „Ninragon“ und beantwortet einige der offenen Fragen, was, über die Geschichte Aurics des Schwarzen hinaus, das Schicksal dieser Welt betrifft. Es ist ein Hybrid aus Fantasy und Hard-Boiled-Cop-Story. Mit der Erstfassung bin ich inzwischen so zur Hälfte durch.

Machst Du Deine Cover selbst? (…fragte er blöd den Grafiker…)

Nein.

Huch! Wie kommts?

Da wäre ich außerhalb meines Teiches. Ich bin Zeichner, kein Maler. Und fotorealistische Sachen, wie ich sie auf dem Cover haben wollte, sind erst recht nicht mein Ding. Aber ich habe die Layout-Entwürfe gemacht und die Motive ausgesucht. Martin Schlierkamp hat für mich das Logo entworfen, hat die Ursprungsbilder durch Himmel und Hölle gejagt, hat sie so mit Texturen versehen und bearbeitet bis die kleinen Wunder herauskamen, die jetzt die Cover zieren. Und er hat das End-Layout gemacht.

Ich bin zwar Zeichner und Grafiker – und gelegentlich auch Perfektionist und Kontrolle-Freak – aber ich kann auch ganz gut Aufgaben abgeben, wenn ich denke, dass andere das besser können oder es besser für meine Gesamt-Produktivität, den Arbeitsprozess und das endgültige Produkt ist.

Hyperdrive: Mantikor erhebt sich

Hyperdrive komplett: ‚Mantikor erhebt sich‘

Zurück zum aktuellen Werk: Wie viele Buchseiten hätte „Hyperdrive: Mantikor erhebt sich“ wohl ungefähr? Und was wird das finale E-Book kosten?

Mein Seitenzähler zeigt mir 560 Normseiten an. Das E-Book wird 4,99 € kosten. Der Roman ist gegenüber der Serial-Fassung überarbeitet, das heißt er hat seine ursprüngliche Kapitelstruktur, nicht mehr die Episodenstruktur.

Du hast Extras angedeutet…

Als Zusatzmaterial gibt es eine Karte des Planere Baijaku, den Anhang „Die Geschichte der Panhumanas“, die den geschichtlichen Hintergrund des Erzähluniversums vermittelt, einen Glossar und eine Covergalerie aller Episoden-Cover.

Worauf hättest Du schreiberisch mal so richtig Bock?

Auf genau das, was ich gerade mache! Und all das, was noch in der Pipeline hängt. Macht euch auf etwas gefasst! „Sphärenbrand“ – Hier kommt Banepunk!

Horus, wir danken für das Gespräch!

Leseproben:

Infos im Web:

 

Hyperdrive: Mantikor erhebt sich

Hyperdrive: Mantikor erhebt sich

Hyperdrive: Mantikor erhebt sich

Sam B. bezeichnet sich als „Krisenmanagerin mit robuster Kompetenz“. Als sie einen neuen Auftrag annimmt, weiß sie nicht, worauf sie sich einlässt: Der Mann, den sie aus feindlicher Gefangenschaft befreien und rekrutieren soll, ist ein berüchtigter Aufrührer mit charismatischer Persönlichkeit …

So beschreibt Horus W. Odenthal den Auftakt seiner Serie „Hyperdrive“, einer Mischung aus hard-boiled Space Opera, Abenteuerroman und Polit-Thriller. Am 1. Mai 2013 erscheint die Serie unter dem Titel „Hyperdrive: Mantikor erhebt sich“ als komplett in einem Band im E-Book-Format. Der Autor verspricht eine komplett überarbeitete Version mit zusätzlichem Material wie Karten, Anhänge, Glossar, Covergalerie. Man darf gespannt sein…

Mehr Infos:

 

XUN 9: Dunkle Materie

XUN TdF Nr. 9

XUN TdF Nr. 9

Das 9. XUN-Taschenbuch der Fantastik ist jetzt im Handel und über die Redaktion beziehbar. Zehn Autorinnen und Autoren grasen darin diverse Subgenres der Fantastik ab:

  • Martina Bauer: Hirntot
  • Martin Beckmann: Der letzte Bürger von Moskau
  • W. Berner: In einem Augenblick
  • Christian Damerow: Dunkle Materie
  • Marie Haberland: Eine Urlaubsreise
  • Werner Hermann: Ein idealer Ort
  • Kai G. Klein: Der Tod des Schattenmanns von unter dem Bett
  • Mark-Denis Leitner: Der Wakeboardlift
  • Eberhard Leucht: Die Botschaft
  • Peter Mair: Human Capital

Info im Web: xun-online.de

xtme:phantastik

Verlage waren lange die einzige Möglichkeit, ernsthaft Leser zu erreichen; heute hingegen bietet sich zusätzlich „Self Publishing“ (SP) als Möglichkeit an, als Autor direkt für Leser zu schreiben. Weiterlesen »

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