Axel Kruse

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Name: Axel Kruse
Angemeldet seit: 31. Mai 2016

Aktuelle Beiträge

  1. Rezension: „Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili“ von Uwe Post — 5. August 2017
  2. Rezension: „Babylon“ von Thomas Thiemeyer — 20. April 2017
  3. Rezension: „Transport 3 – Todeszone“ von Phillip P. Peterson — 16. Januar 2017
  4. Rezension: „Vektor“ von Jo Koren — 19. Dezember 2016
  5. Rezension: „Blumen vom Mars 2, Unter Göttern“ von Gabriele Nolte — 5. Dezember 2016

Liste der Autorenbeiträge

Rezension: „Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili“ von Uwe Post

Man muss ihn mögen, den Walpar Tonnraffir. Und den Post natürlich auch.
Wie schafft man es, so viel Unfug zwischen zwei Buchdeckel zu pressen? Ich kann das nicht. Da stimmt jeder Satz. In jedem einzelnen Absatz sitzt der Schalk. Manchmal urkomisch, manchmal zwingt es den Leser nur zu einem müden Grinsen. Aber, wie schafft man es 189 Seiten lang solche Satzkonstruktionen von Unfug hinzubekomen?
Hut ab, Uwe. Das hat meines Erachtens nur einer vor dir geschafft, und das war Douglas Adams.

Das Buch wird die Leserschaft spalten, das ist mal sicher. Da wird es auf der einen Seite die Fraktion derer geben, die es, wie ich, in den Himmel oben. Auf der anderen Seite wird es die Fraktion geben, die damit absolut nichts anfangen kann. In der Mitte, das wage ich vorherzusagen, wird sich kaum jemand bewegen.

Ach ja, da ist ja noch was: Die Handlung.
Die ist abstrus.
Unser Held Walpar (benannt nach einer Nebenfigur aus der 30. Staffel von Games of Thrones (oder so ähnlich, ich hab jetzt nicht nachgeschlagen, ob es die 30. war)) trifft einen Außerirdischen. Letzterer soll seine Gene der Ursuppe eines Planeten spenden, damit dort in Millionen von Jahren Leben entstehen kann. Allerdings soll der Spendervorgang so ablaufen, wie in dem Alienfilm Prometheus ganz am Anfang dargestellt. – Nun, der Außerirdische hat was dagegen und Walpar hilft ihm. Mit im Team ist da noch die Ex-Schwiegermutter von Walpar und dann wird alles so verworren, dass ich die Handlung nicht mehr wiedergeben kann. Aber das war auch beim Anhalter so. Und darauf komt es mir in diesem vorliegenden Fall auch gar nicht an.
Hier bekommt jeder sein Fett weg und das stellenweise so subtil, dass man genau hinschauen muss.
Also, Hut ab vor der Leistung!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: „Babylon“ von Thomas Thiemeyer

Babylon

„Babylon“ von Thomas Thiemeyer ist für den diesjährigen Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie bester Roman nominiert.

Das Buch ist nicht schlecht. Hebt sich deutlich von dem Trash ab, von dem so viel heutzutage produziert wird. Aber es ist leider vorhersehbar, was passiert. Es ist konstruiert, klar, das ist jedes Buch, aber hier ist es überdeutlich. Ich hatte es befürchtet.

Nun, warum habe ich es gelesen? Warum habe ich die drei Vorgängerromane gelesen?

Die Antwort auf die zweite Frage ist einfach: Mir wurde Babylon als überragendes Science Fiction Buch empfohlen. Da es sich um den vierten Teil handelt, habe ich zuerst die ersten drei gelesen. Alle nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend. Und nun dies. Der Grund für die Lektüre der ersten drei. So gesehen hat es mich sehr enttäuscht.

Aber bleiben wir fair.

Der Autor beleuchtet einen Krisenherd unserer Zeit: Kleinasien mit allem, was dazu gehört. Dabei versucht er durchaus jede handelnde Figur zu durchleuchten, versucht, dem Leser deren Motive nahezubringen. Das gelingt teilweise recht gut, teilweise bleiben die Figuren eindimensional. Das mag daran liegen, dass es einfach zu viele sind. Klar benötige ich Nebendarsteller in einer Handlung, das war schon in Star Trek so. Wenn ich aber jedem Nebendarsteller das Recht einräume, sehr viel zur Handlung beizutragen, dann benötige ich viel mehr, sehr viel mehr, Platz, als dieser Roman hergibt.

Die Story ist schnell erzählt. Da wird ein Tempel entdeckt, im uralten Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Ein Turm, in die Tiefe gebaut und nicht in die Höhe. Ist es der alte Turm zu Babel? Unsere Protagonisten und so manche andere Nebenfigur (z. B. IS Schergen) machen sich auf den Weg, finden nebenbei in Griechenland den uralten Schlüssel, der benötigt wird, um das Portal zu öffnen. Man dringt ein, metzelt sich gegenseitig nieder, bis lediglich eine Handvoll Protagonisten übrig bleiben und dann kommt die Esoterik… zu Hauf!

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist das hochbegabte Kind. Einerseits bezweifle ich, dass es Kinder in dieser Ausprägung gibt und ich habe insoweit Erfahrung damit, dass eines meiner Kinder ebenfalls hochbegabt ist. Da fehlt Tiefe, da fehlt die Aggression auf das Leben auf die Welt, da fehlt so viel! Das ist leider nicht realistisch geschildert, das erinnert eher an Wesley Crusher! – Der hat auch nur genervt. Ein wenig ist die Figur sicher der Tatsache geschuldet, dass der Roman jugendliche Leser ansprechen soll, aber mögen die sich mit Wesley Crusher identifizieren?

Und der Science-Fiction-Aspekt?

So gut wie nicht vorhanden. Leider. Ganz am Ende kommt dann kurz ein Außerirdischer vor, so man ihn so nennen mag. Und eine direkte Verbindung zum ersten Band. Das war es dann. Ansonsten ein stinknormaler Thriller mit einem ganzen Haufen Esoterik.

Das Buch ist etwas für Leser, die nicht an Überraschungen während des Lesens interessiert sind, die es sich gemütlich machen möchten und der Handlung folgen, so, wie wenn man auf einer geradlinig gebauten Autobahn stundenlang fährt und am Horizont sieht, was auf einen zukommt.


Außerdem wird der SF-Aspekt dann auch noch von zu viel Fantasy und Esoterik überlagert. – Schade.

 

Rezension: „Transport 3 – Todeszone“ von Phillip P. Peterson

Der Mann mit dem Pseudonym, von dem man nicht weiß, ob es einen angloamerikanischen oder einen norddeutschen Namen suggerieren soll, legt den dritten Teil der „Transport“-Reihe vor.

Die unfreiwilligen Siedler auf New California müssen sich damit abfinden, dass die Erde sie wiedergefunden hat. Das geschah bereits auf den letzten Seiten des zweiten Bandes. Hier wird nun klar, wie sie es geschafft haben: Der Transporter auf der Venus ist genutzt worden. Russell und sein Team hatten diesen nicht zerstört, weil sie davon ausgingen, dass er für die Erdenmenschen ohnehin unerreichbar war – ein Trugschluss.

Nun, die Kolonie auf New California wird unterdrückt. Soldaten oder vielmehr Söldner im Dienst der Erde, die selber auf einer one-way-Mission sind, gehen recht brutal vor. Als wäre das alleine nicht schon schlimm genug stellt sich heraus, dass irgendjemand damit begonnen hat, das Transporternetz in der Galaxis zu zerstören. Bald ist klar, dass nur noch wenig Zeit vergehen wird, bis auch der Transporter auf New California und wenig später dann der auf der Venus diesem Phänomen zum Opfer fallen wird.

Nun, Russell wäre nicht Russell, wenn ihm dazu nicht etwas einfiele. Was, wird an dieser Stelle selbstredend nicht erwähnt.

Das Buch ist spannend geschrieben, die einzelnen Figuren und deren zwischenmenschliche Beziehungen flechten sich gut in den allgemeinen Kontext ein. Ein gelungener Mix! Ich habe das 323 Seiten starke Werk an drei Abenden verschlungen.

Einen Kritikpunkt habe ich dennoch und der wirkt in meinen Augen recht schwer: Der Pathos. Immer wieder haben wir hier die (etwas übertriebene) Freiheitsliebe der Kolonisten auf der einen und die unbedingte Befehlstreue der irdischen Söldner auf der anderen Seite. Hm, so handeln m. E. normale Menschen nicht. Ob das in Ausnahmesituationen (und in denen befinden sich nunmal alle handelnden Personen in dem Roman) so sein mag, kann ich logischerweise nicht beurteilen, aber vorstellen mag ich es mir nicht. Wenn ich an meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr zurückdenke (gut, das ist lange her, Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts), dann erinnere ich, dass uns Rekruten von der ersten Stunde an eingebleut wurde, das Befehle zu hinterfragen und ggf. auch abzulehnen sind, wenn sie zu weit gehen. Nun, vielleicht ist das wirklichkeitsfremd, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich einen Befehl befolge, der mich und viele andere mit Sicherheit durch mein eigenes Handeln umbringen wird, wo doch eine ungefährliche Alternative vorhanden ist und sogar vorgeschlagen wird.

OK, das ist der Dramaturgie geschuldet, aber vorstellen kann ich es mir trotzdem nicht.

Und dann ist da noch der Pathos der Aufopferung! Sorry, aber das stieß mir ganz übel auf. Da wundern wir uns über die Selbstmordattentäter, reden davon, dass das nur mithilfe von Gehirnwäsche möglich ist und bedienen das Klischee stets und ständig in der Literatur. Da hätte es auch andere Lösungen gegeben, als Autor hat man es in der Hand.

Grundsätzlich ein spannendes Buch ohne Logikbrüche. Wegen der vorgenannten Punkte dennoch einen Punkt Abzug. Demnach vier von fünf möglichen.

Rezension: „Vektor“ von Jo Koren

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt!
Warum?
Nun, zuallererst ist es in der Ich-Perrspektive geschrieben. Ich mag diese Form sehr gern, weil sie den Autor beschränkt. Er kann nicht allwissend agieren, seine Sicht der Dinge ist eine ganz persönliche, das tut dem Werk gut. Es baut Spannung auf, es zieht den Leser in den Text. Es entsteht eine Art Lagerfeueratmosphäre. Da erzählt jemand aus seinen höchstpersönlichen Erfahrungen.

Alpha Novak ist Ärztin, wie auch die Autorin, die hier unter Pseudonym auftritt (keine Angst, ich lüfte das Geheimnis nicht). Sie befindet sich auf einer Raumstation, die um den Mars kreist. Hierher kommen die Prospektoren mit ihren Raumschiffen, die den Asteroidengürtel ausbeuten. Hier behandelt sie die kleinen und großen Wehwehchen ihrer Patienten.
Eines Tages entdeckt sie ein defektes Implantat bei einem ihrer Patienten. Ein Virus scheint sich dort eingenistet zu haben. Sie unternimmt alles, um diesen Computervirus einzudämmen. Implantate tragen viele in dieser Zeit. Sie sorgen dafür, dass besser, präziser gearbeitet werden kann, helfen gegen Krankheiten, wie z. B. Parkinson. Es wimmelt demnach von potentiell Infizierten auf der Station. Sie selbst gehört auch dazu. Eine Nebenhandlung zeigt uns, dass die Menschenaffen, ebenfalls durch Implantatversorgung, uns (fast) auf Augenhöhe begegnen. Ihr engster Mitarbeiter ist einer davon.
Dann spielt irgendwann die Raumstation verrückt. Die künstliche Schwerkraft verstärkt sich temporär dramatisch. – Hier habe ich einen Kritikpunkt. Diese Verstärkung der Schwerkraft, hervorgerufen durch die Fliehkraft des großen Rades, kam mir zu plötzlich. M. E. müsste das langsamer vonstatten gehen. Aber, ich bin kein Ingenieur, da darf ich eigentlich gar nicht mitreden.
Letztendlich kommt es zum Showdown und alles ist nicht ganz so, wie ich es erwartet hatte.
Prima gemacht, finde ich einfach toll.

Ganz am Ende gibt es dann noch ein paar Rezepte hinsichtlich der im Text erwähnten Backwaren. Auch die hören sich interessant an, muss ich mal backen. – Aber vor allem, vor Kit verstecken, sonst hat man selbst nichts davon.

Rezension: „Blumen vom Mars 2, Unter Göttern“ von Gabriele Nolte

 Schade, ich hatte mehr erwartet. Der erste Band gefiel mir sehr gut. Der zweite fällt ab.
Warum?
Nun, einerseits empfand ich keine Spannung oder nur sehr wenig. Es waren mir zu viele handelnde Personen vorhanden und vor allem ging mir die Esoterik auf die Nerven. Das hört sich jetzt hart an, aber wenn ich gegen Religion eingestellt bin (bin ich auch) und vor allem gegen religiöse Eiferer jeglicher Couleur (das muss ich der Autorin hoch anrechnen, sie geht hier wirklich mit jeder existierenden großen Religion hart ins Gericht), dann muss ich nicht eine Ersatzreligion anbieten, die sich außerdem noch eines zentralen Themas der christlichen bedient (bei ihr fahren die „Götter“ auch gen Himmel, auch wenn sie das als nächste Evolutionsstufe des Menschen beschreibt). Schade, kommen wir denn nicht wirklich ohne Religion besser zurecht?
Allerdings, und das sehen wir in den heutigen Tagen nur zu deutlich, brauchen wir ja noch nicht einmal eine Religion, um Populisten nach vorne zu bringen.
Nun, gefallen hat mir durchaus der Stil, in dem die Autorin schreibt. Auffällig war allerdings auch, dass sich hier im zweiten Band doch recht viele Rechtschreibfehler zeigten. Auch waren häufiger Wortwiederholungen zu finden. (Vgl. einfach mal meine vorherigen drei Sätze, zweimal „allerdings“, das sollte auffallen, wenn man den Text auch nur ein zweites Mal liest) Hier hätte es geholfen, wenn ein Lektor sich des Bandes einmal angenommen hätte. Grundsätzlich ist das Werk jedoch auch in dieser Hinsicht noch eine Perle, verglichen mit den meisten anderen selbstverlegten Büchern, auf die man heutzutage so trifft.
Somit verbleiben in meiner Wertung 3 von möglichen 5 Sternen.

Wertung-3-Sterne

Rezension: EXODUS 35

exodus35Das EXODUS-Team hat mit Ausgabe 35 (Oktober 2016) mal wieder ein sehens- und lesenswertes Magazin auf die Beine gestellt. Es enthält eine Fülle von Stories unterschiedlichster Art:

  1. Sven Holly Nullmeyer – Mein geliebtes Kometenschweifchen

Da habe ich leider keinen Zugang gefunden, deshalb enthalte ich mich jeder Wertung.

  1. Arno Behrend – Drachenreiter

Klasse Story, aber das Ende kommt zu plötzlich und ist ein wenig zu melodramatisch. Könnte zu einer Novelle ausgearbeitet werden.

  1. Nicole Rensmann – Du bist das Beste!

Melodramatische Geschichte, die mich als Pflegevater stark emotional berührt hat.

  1. Fabian Tomaschek – Spectaculum Veritatis Homini

Toll, aus der Seele geschrieben. Wir müssen uns mal kennenlernen!

 

  1. Uwe Post – Amen, Smartgod

Nette Story über virtuelle Computergötter. Klasse umgesetzt! Bei der Gelegenheit: Ich habe einen Heidenrespekt vor Menschen, die an etwas glauben, was es nicht gibt!

  1. Frank Neugebauer – Das grüne und das rosa Medaillon

Solide erzählte Geschichte, die mich zwischendurch fesselte, nachdem ich Schwierigkeiten hatte hineinzufinden. Zum Ende hin wurde sie dann aber doch zu banal.

  1. R. B. Bonteque – New Mars Mayflower

Spannende Geschichte… was würden wir wirklich machen, wenn wir einen fremden Planeten besiedeln würden? Sind wir dann die Invasoren?

  1. Gabriele Behrend – Suicide Rooms

Stimmungsvoll, irgendwie poppte in meinen Gedanken immer wieder das Bild Edward G. Robinsons aus Soylent Green hoch. – Und dann zeigt sich noch die wahre Seele der Frau! Beeindruckend – und das alles ohne Raumschiffe! (Das versteht nur Gabi)

  1. Sven Holly Nullmeyer – Liebes Sternengefunkel

Nette Geschichte und irgendwie kommt mir der geschilderte Supermarkt der Zukunft gar nicht so weit hergeholt vor.
Alles in allem eine runde Ausgabe, die es lohnt gelesen zu werden. Absolute Empfehlung, die 12,90 sind gut angelegt.

 

Weitere Infos und Bestellmöglichkeit: exodusmagazin.de

 

 

Rezension: Paradox, Transport und Transport 2 von Phillip P. Peterson

Phillip P. Peterson ist das Pseudonym eines deutschen Autors. Ich weiß, wer sich dahinter verbirgt, werde aber das Geheimnis nicht lüften. Eines Selfpublishers, der mittlerweile von seinen Büchern lebt. Seine Bücher sind professionell lektoriert und machen einen guten Eindruck. Nachstehend mal eine Darstellung der bislang erschienen Werke in der Reihenfolge ihres Erscheinens.

peterson-paradox

 

Wertung-3-SterneTransport

Gateway von Frederik Pohl stand hier wohl Pate. Zumindest ist mir die Grundidee dort zum ersten Mal begegnet. Nicht, dass es ein Plagiat wäre, nein, das nicht. Aber die Grundidee kommt daher.
Für ein Erstlingswerk beeindruckend gut umgesetzt. Auch das Lektorat hat gute Arbeit geleistet, mir sind lediglich drei Tippfehler aufgefallen, erstaunlich gute Quote. Der Sprachstil ist einfach, die Charakterisierung der Protagonisten ebenfalls, aber das ist nicht weiter schlimm. Das Buch unterhält und das ist es, worauf es ankommt. Da habe ich schon weitaus schlechtere Texte von etablierten Autoren gelesen.
Das Problem, das ich mit dem Buch hatte, war, dass die (Auf-)Lösung ein wenig altbacken daherkommt. Ich verrate nichts, keine Sorge, aber es hätte dem Buch und der Story besser zu Gesicht gestanden, nichts aufzulösen. Die Phantasie des Lesers zu bemühen, das ist meines Erachtens die Kunst, an der sich ein Autor versuchen sollte. Egal, wie bereits angeführt, für ein Erstlingswerk beeindruckend. Ich werde den Autor beobachten und mir weitere seiner Bücher kaufen. Die Lektüre ist auf keinen Fall Zeitverschwendung, auch wenn manche Dinge sicherlich entwicklungsfähig sind.

Wertung-4-SterneParadox: Am Abgrund der Ewigkeit

Ich stehe Selfpublishing grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber… aber hier zu unrecht. Der Roman ist toll. Handwerklich solide geschrieben, da gibt es absolut nichts zu bemängeln. Rechtschreibung, Zeichensetzung, Storyline alles nahezu perfekt. Außerdem eine grandiose neue Idee für den SF-Kanon. Meines Wissens (und ich habe schon viel, sehr sehr viel im Genre gelesen) ist diese Idee neu! (Welche das ist, werde ich nicht verraten, das verdirbt einem Leser die Spannung).
Warum vergebe ich trotz meiner Lobrede nur 4 von möglichen 5 Sternen? Weil mich die zu lange Anfangssequenz gestört hat. Ich möchte kein Buch lesen, das mir beschreibt, wie Raumfahrt wirklich geht, das ermüdet mich. Da bin ich Purist, ich wünsche mir SF, reine SF und rund 2/3 des Buches würde ich unter Mainstream einsortieren. Das stört mich. – Bitte nicht falsch verstehen, auch dieser Teil ist gut geschrieben, auch da hebt sich Peterson wohltuend von vielen anderen Autoren ab, aber da bin ich der falsche Adressat.
Insgesamt auf jeden Fall eine Leseempfehlung, der Roman hat den Kindle Storyteller Award nicht zufällig gewonnen.

 

Wertung-4-SterneTransport 2 – Todesflut

Der zweite Teil von Transport gefiel mir gut bis sehr gut.
Wir haben hier ein uraltes SF Szenario. Eines, was z. B. Heinlein bereits ausgearbeitet hat, die Besiedlung eines fremden Planeten unter widrigen Umständen. Peterson schildert uns das einhergehend mit einer interessanten Charaktersierung seiner Protagnonisten. In anderen Rezensionen wird bemängelt, dass der SF-Teil fehlen bis schwächeln würde, ich sehe das nicht so. Der Roman zieht gerade seine Stärke aus einer Art Robinsonade, die Protagonisten sind auf sich allein gestellt. Sie haben keine andere Wahl, sie müssen sich selbst helfen, von außen kann es keine Hilfe geben. Unter dem Druck, dem sie ausgesetzt sind, kommen die wirklichen Persönlichkeiten zum Vorschein. Hass bricht sich Bahn, aber auch Aufopferung für die Gemeinschaft. Das alles ohne großen Pathos, zumindest wirkte für mich die Schilderung der Personen und deren Handlungen durchaus glaubhaft und nachvollziehbar.
Schwächen hat das Buch auch, aber an anderer Stelle. Da wird seitenweise technisiert. Kein Technobabbel, wie in Star Trek, nein, es geht darum, eine Atombombe wieder funktionstüchtig zu machen, warum, das verrate ich hier nicht. – Nun, einerseits irgendwie merkwürdig, dass sich ein so kleines Häuflein ohne besondere Kenntnisse daran wagt, aber das thematisiert der Autor ja selber auch. Nein, mich stört andererseits, dass es zu sehr ins technische geht. Klar, der Auto ist selber von Haus aus Wissenschaftler, aber da ist er etwas zu weit gegangen, für mich wurde es stellenweise doch etwas langatmig, als es um das Thema ging.
Und der zweite Punkt, an dem ich stocken musste, ist die Ökologie des Planeten. Ein Paradies für die (unfreiwilligen) Siedler, wenn auch (wie bei Heinlein) mit kleinen Schönheitsfehlern. Hier gibt es Raubtiere, die ihre Beute mittels Säure in einen Brei auflösen, den sie dann absorbieren. Nettes Bild, ziemlich eklige Vorstellung, sei es drum. – Aber, wo sind die Beutetiere? Peterson beschreibt uns anschaulich Kämpfe mit Rudeln von Raubtieren unterschiedlicher Art und Gattung, zum Showdown hin geht er gar ins Gigantische! Aber wovon leben denn die Viecher, wenn sie nicht gerade Kannibalismus betreiben? Da ist ein Logikfehler, den man hätte beheben können/müssen. Notwendig wären doch auch gar nicht diese Massen an Raubtieren gewesen, auch eine durchgegangene Herde von Beutetieren stellt eine ernsthafte Bedrohung dar, Peter! Aber sei es drum, das alles ist der Dramatik geschuldet.
Durch die Bank weg ein spannendes Buch, das durchaus 5 Sterne verdient hätte, wegen den o. g. Punkten dann aber doch einen Stern Abzug von mir bekommt. Demnach 4 von 5 möglichen.
Auf seiner Lesung in Oldenburg gab der Autor Einblicke in den dritten Teil, der wohl bald das Licht dieser Welt erblicken soll. Es geht spannend weiter, diesmal spielen die Transmitter wieder eine weitaus größere Rolle, so viel sei verraten.

Interview: Gabriele Nolte

gabriele nolteZu Gabriele Noltes erfolgreichem, bei Amazon erschienenen Roman Blumen vom Mars haben wir vor kurzem eine Besprechung gepostet. Eine erfolgreiche Selbstverlegerin in der deutschen SF, die ansonsten in der Szene unbekannt ist – Grund genug für ein Interview hier bei dsf.

dsf: Hallo Gabriele, ich freue mich, dass du dich zu einem Interview bereit erklärt hast. Sagst du uns in ein zwei Sätzen kurz etwas zu deiner Vita?

Ich komme aus Bielefeld, der Stadt, die gar nicht existiert, wenn man den Verschwörungstheoretikern glaubt. Wahrscheinlich prädestiniert einen das für das Schreiben über mögliche Varianten unserer Zukunft. Danach ging es erst einmal realistischer weiter: Schule und Studium in Deutschland und Amerika, viele Jahre Management in der Bau-, Immobilien-, und Hotelbranche, mittlerweile selbständig als Unternehmensberater.

dsf: Dann fangen wir mal mit deinem Roman „Blumen vom Mars“ an. Zuerst mal ein paar organisatorische Sachen. Wann ist er denn jetzt erschienen, 2015 oder 2016? Bei amazon steht 2016, es gibt aber eine Rezension aus 2015.

Ach ja, eigentlich wäre es korrekt zu sagen, daß er 2016 erschienen ist. Aber eine erste Version habe ich tatsächlich im Dezember 2015 bei Amazon hochgeladen – gewissermaßen als Weihnachtsgeschenk für mich selber.

dsf: In der SF-Szene gibt es viele hervorragende Cover-Künstler, die ihre Werke zum Teil auch unentgeltlich zur Verfügung stellen. Du scheinst das Cover selber gestaltet zu haben. Nimm es mir nicht übel, aber es scheint mir nicht sonderlich verkaufsfördernd zu sein. Wie kam es zu diesem Cover?

Dafür fällt es aber unter der Menge der sogenannten professionellen Cover auf, die meiner bescheidenen Ansicht nach inzwischen auch alle gleich aussehen. Ich wollte einfach nicht noch einen weiteren im All schwebenden Planeten mit oder ohne Rakete auf dem Cover sehen und nur von Männern gelesen werden. Da bin ich eben eigen. Und deshalb gibt es dieses sehr gewöhnungsbedürftige Cover mit in Stein gemeißelten Pflanzenresten. Hat aber wie gesagt den Vorteil, daß auch weibliche Leser darauf hereinfallen.

dsf: Mich erstaunte die Professionalität des Textes, das ist bei Selfpublishing die Ausnahme. Gab es hier einen Lektor?

Nein. Ganz platt gesagt: Ich finde, entweder man lernt im Laufe seines Lebens so zu schreiben, daß man seine Leser bei der Stange hält, oder man lernt es nicht. Und ich habe in der harten Schule der betrieblichen Aktennotiz gelernt, nach dem Prinzip: „Sie haben dreißig Sekunden, um meine Aufmerksamkeit zu erregen, und wenn Sie das geschafft haben, gebe ich Ihnen nochmal drei Minuten, um mich zu überzeugen. Ansonsten dürfen Sie unverrichteter Dinge hinter Ihren Schreibtisch zurückkriechen.“

dsf: Warum hast du überhaupt den Weg des Selfpublishing gewählt? Es gibt eine Vielzahl von Kleinverlagen, die sich um gute Titel geradezu reißen. Warum bist du nicht bei einem von denen gelandet?

Das ist der Lektorin eines großen deutschen Verlages zu verdanken, die zu meinem ersten SF-Roman „Alphacode“ bemerkte, daß ein Autist und ein Virus in einem Roman ja wohl ein bißchen zuviel sei. Danach habe ich die traditionelle Verlagswelt für mich abgeschrieben. Ich sehe auch nicht ein, weshalb ich Lebensläufe (am besten handgeschrieben), Zusammenfassungen (bitte ohne Cliffhanger!) und zehnseitige Leseproben mit der Schneckenpost an einen Verlag schicken und dann drei Monate auf Antwort warten soll, während ich ein komplettes Buch bei Amazon in einer halben Stunde mit allen Informationen hochgeladen habe, und ab dann täglich und sogar stündlich über die Verkäufe informiert werde. Außerdem kann man sich an der größten Leihbibliothek der Welt beteiligen, und bekommt die gelesenen Seiten seiner Bücher ebenfalls tagaktuell gemeldet (und bezahlt). Ganz abgesehen vom Honorar ist es einfach ein gutes Gefühl, morgens zu sehen, daß über Nacht wieder einmal fünftausend Seiten gelesen wurden. Für mich ist das die beste Therapie gegen Schreibblockaden.

Ich halte also nicht viel von traditionellen Verlagen, egal wie groß oder klein. Für mich sind sie alle angezählt. Es amüsiert mich nur immer, wenn der Hauptpreis bei einem deutschen Ebook-Wettbewerb ein Vertrag bei einem angestaubten Altverlag ist. Irgendwie widersinnig, aber eben auch zum Schreien komisch.

dsf: Verrätst du uns die Höhe der verkauften Auflage?

Einige tausend bis jetzt. Eine Auflage im klassischen Sinn, deren Restanten dann im Supermarkt verramscht werden, gibt es ja im E-publishing und bei Print on Demand nicht.

dsf: Wie viele Anschläge (mit Leerzeichen) hat dein Buch und wie lange hast du für das Verfassen benötigt?

O je, interessiert das jemanden? Also gut: rund 660.000 Zeichen oder 103.000 Wörter. Das tatsächliche Schreiben hat knapp drei Monate gedauert, die Entwicklung der Geschichte allerdings schon ein bißchen länger.

Gabriele Nolte - Blumen vom Marsdsf: Woher stammt die Idee zu Blumen vom Mars? Es macht auf mich den Eindruck, dass dir vor allem die Auseinandersetzung der arabischen mit der westlich orientierten Kultur am Herzen liegt. Wie kam es dazu, das in einen SF-Roman umzusetzen?

Die Idee geht zurück auf die Leseerfahrung des inzwischen klassischen Dreibänders über die Mars-Besiedlung von Kim Stanley Robinson. Irgendwas hat mir an diesem Mammutwerk gefehlt, vielleicht die zu wenig lebendigen Figuren, vielleicht die fehlende Gegenüberstellung mit der alten Heimat, vielleicht auch nur eine Prise Humor. Daraus entstand dann meine Idee zu einem ganz kleinen Mars-Buch. Aber wäre nicht nach langer Durststrecke in Sachen Mars das Buch von Andy Weir „The Martian“ erschienen und verfilmt worden – ich hätte es wahrscheinlich nicht gewagt, meine eigenen Marsbücher zu schreiben.

Die Gegenüberstellung von westlicher und islamischer Welt liegt natürlich in diesen Tagen nahe, und der Zusammenprall dieser Kulturen wird uns ja mittlerweile täglich in den Medien vorgeführt. Daß es dabei weit weniger um Kultur und Glauben als um den Aufbau neuer Machtblöcke geht, wird einem spätestens bei einem Blick auf die Landkarte klar. Aber die Auswirkungen davon lassen sich viel schöner und einsichtiger in einem Zukunftsroman beschreiben als in einem Blog oder Zeitungskommentar. Der zweite Teil „Blumen vom Mars – Unter Göttern“ fügt diesem Krieg der Kulturen als vermittelndes Drittes noch die pragmatischen Chinesen hinzu. Aber das klingt wieder viel zu theoretisch. Tatsächlich lasse ich die unterschiedlichen Menschen einfach aufeinanderprallen und warte ab, was dabei herauskommt. Die Guten dürfen sich am Ende ein Glas marsianischen Apfelschnaps genehmigen.

dsf: Blumen vom Mars scheint nicht deine erste Publikation zu sein, wie bist du zum Schreiben gekommen? Gibst du uns einen kurzen Überblick zu deinem Schaffen?

Mein erster Versuch war, wie schon gesagt, „Alphacode“, die Geschichte von einem bei der Heimatschutzbehörde in Detroit aktenwälzenden Autisten, der unversehens in eine weltumspannende Verschwörung gerät, die ihn letztlich nach Deutschland führt. Das ist dann ein richtiger Wälzer von mehr als 800 Seiten geworden, weil die Geschichte sich gewissermaßen einmal um die eigene Achse dreht.

Dann kamen zwei Bände einer Kinderbuch-Trilogie, die ich zuerst auf Englisch geschrieben und dann ins Deutsche übersetzt habe. „Das magische Handy“ („The Wishing Phone“) und „Die blaue Katze“ („The Blue Cat“). Der dritte Band steht noch aus. Den werde ich irgendwann in dunklen Winternächten mal schreiben. Die Bücher spielen in Amerika, wo sich vier Kinder ganz unterschiedlicher Herkunft zusammenraufen müssen und auf einer zweiten Ebene in einem Feenreich, wo sich ein Haufen von Dschinns und anderen magischen Kreaturen ebenfalls zusammenraufen müssen.

Dann kamen die Marsbücher. Und als kleine Fingerübung ist dieses Jahr noch „Jihad Jackpot“ erschienen, ein überaus ernsthaftes Werk, das sich mit der Frage auseinandersetzt, was passiert, wenn ein Selbstmordattentäter auf dem Weg zu seinem Einsatz erfährt, daß er einen Acht-Millionen-Lottojackpot geknackt hat. Das geht auf eine Wette mit Freunden zurück, die nicht glaubten, daß man so etwas Beklopptes zu einem Buch verwurschteln könnte.
dsf: Ich habe entdeckt, dass es auch englischsprachige Ausgaben deiner Werke gibt. Wer hat da übersetzt? Wie ist die Aufnahme deiner Titel im internationalen Markt?

Sorry, wie schon gesagt, genau umgekehrt. Ich habe sie zuerst auf Englisch geschrieben und dann übersetzt. Früher habe ich fast nur in englischer Sprache geschrieben, mittlerweile gewöhne ich mich langsam wieder an die deutsche Sprache. Seltsamerweise verkauft sich das recht gut in Japan. Aber ganz allgemein ist der englischsprachige Ebook-Markt bei Amazon so riesig, daß man ohne Werbemaßnahmen untergeht. Und ich bin einfach ein Werbe-Muffel.
dsf: Was mich ein wenig in deinem Roman Blumen vom Mars gestört hat, waren die Fähigkeiten der (unfreiwilligen) Kolonisten. Da werden von Strafgefangenen zuerst sinnlose Tunnel gebohrt und später von den Überlebenden mit Hilfe der Tunnelbohrmaschine und 3-D Druckern eine Maglev errichtet. Das schien mir ein wenig überzogen. Warum dieser „Gigantismus“?

Die sinnlosen Tunnel sind das Symbol für die Arbeiten eines vergessenen Armee-Vorpostens. Und gerechterweise geht der Armee-Vorposten unter. Meiner Erfahrung nach werden Fähigkeiten durchaus überbewertet. Was letztlich zählt, ist nur der Wille. Und daraus entsteht die erste Maglev-Bahn, als erste privatwirtschaftliche Initiative, sozusagen. Tausend Kilometer Strecke, einmal Flensburg – München, nicht viel im Vergleich zur Größe des Planeten. Ein bißchen phantastisch, sicherlich, aber was zum Teufel soll man denn auf dem Mars anderes tun als an der Erschließung zu arbeiten? Ich glaube, man muss sich dazu immer bewusst machen, wieviel unserer Lebenszeit wir hier auf der Erde damit zubringen, die Errungenschaften der längst erfolgten Erschließung unseres Planeten zu genießen. Eigentlich furchtbar, sich vorzustellen, wieviel wir erreichen könnten, wenn wir mal zwanzig Jahre lang richtig gefordert und nicht ständig abgelenkt würden.
dsf: Am Ende wurde es dann etwas esoterisch. Marfa verschwindet und taucht als eine Art Geistwesen wieder auf. Hm, das hat mich als rational denkenden Menschen vor ein Problem gestellt. Warum diese Esoterik, wo doch bisher alles sehr rational ablief?

Kein Geistwesen, sondern die nächste Stufe der Evolution, einfach ein Umbau auf Zellebene. Außerdem geht es schließlich auch um Religion, und da müssen wir uns notgedrungen ab und an von unserer so geschätzten Rationalität verabschieden, die ja auch nur der Verschiebebahnhof unseres derzeitigen Wissenstandes ist. Wenn ich mir den Hype um Dunkle Materie und Dunkle Energie ansehe, dann frage ich mich, wie sich diese verzweifelten Erklärungsversuche von noch nicht Erklärbarem in fünfzig Jahren anhören werden.
dsf: Verrätst du uns etwas über die private Gabriele? Was hat sie für Interessen? Gibt es Lieblingslektüre? Gibt es Vorbilder in der SF?

Wenn ich kann und das Licht gerade mal wieder gut ist, pflege ich mein Lieblingshobby Fotografie, ansonsten bin ich immer noch sehr eingespannt in die Zahlenwelt meiner Arbeit.

Vorbilder? Wahrscheinlich wieder lauter Namen, die in der deutschen Science Fiction nahezu unbekannt sind, wie z.B. Sheri Tepper und „The Gate to Women’s Country“, einer der brutalsten SF-Romane, die je geschrieben wurden. Und natürlich Terry Pratchett, was Sprachwitz und Killer-Dialoge angeht, auch wenn die deutsche Sprache da so viel sperriger ist als die englische.
dsf: Wie bist du zur SF gekommen? Warum schreibst du SF und nicht Mainstream? Ich meine, wir kennen alle das Gefühl als Nerd abgetan zu werden, wenn wir erwähnen, dass wir uns für SF interessieren und dann auch noch selber schreiben? Was sagt dein Umfeld dazu?
Science Fiction hat einfach im angelsächsischen Raum einen anderen Stellenwert und ein viel weiteres Spektrum. Man hat da dieses Nerd-Problem eigentlich kaum oder nur bei ganz extrem technischen Büchern, weil es diese strikte Trennung zum Mainstream gar nicht gibt. Das ist etwa so wie die im Deutschen immer noch vorherrschende Unterscheidung zwischen U und E, so als ob etwas Unterhaltendes nicht einen ernsten Hintergrund haben könnte. Oder als ob man nicht witzig über den Weltuntergang schreiben könnte. In Deutschland ist SF offensichtlich immer noch sehr eingeschränkt auf einen vorwiegend technischen, vorwiegend männlichen Bereich, die alte Perry Rhodan-Clique, wenn ich das mal so salopp in den Raum werfen darf.

Wenn ich dir jetzt sagen würde, daß eins der größten Werke der Science Fiction im letzten Jahrhundert Daniel Keyes „Charly“ („Flowers for Algernon“) ist, dann wärst du vermutlich ziemlich überrascht. Da kommt kein einziges Raumschiff vor. Aber ich kenne niemanden, der es gelesen hat und nicht schwer ins Grübeln gekommen ist. Und obwohl das Buch bald fünfzig Jahre alt ist, hat es nichts an Aktualität verloren, weil das, was wir über die Funktionsweise unseres Gehirns wissen, einen auch fünfzig Jahre später nicht wirklich vom Hocker reißt.

Die angelsächsische Schreibwelt ist da einfach inklusiver. Science Fiction beginnt ja mit der Frage: „Was wäre, wenn dies oder jenes technisch möglich wäre?“ Und diese Frage kann sich auf Entwicklungen in der Technik, aber auch beim Menschen selber oder in ganzen Gesellschaften beziehen. Insofern ist das Spektrum dieser Literaturgattung im englischsprachigen Raum viel größer und die Abgrenzung zu anderen Kategorien viel schwieriger. Was natürlich auch den unschätzbaren Vorteil hat, das es sehr viel mehr weibliche Leser anzieht, und Frauen machen nun einmal den größten Teil der Leserschaft aus.
dsf: Mit dem Fandom bist du nach eigener Aussage noch nie in Berührung gekommen, obwohl das bereits seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sehr gut in Deutschland organisiert ist. Es existieren viele Clubs und sonstige Zusammenschlüsse, stellvertretend sei hier der SFCD (Science Fiction Club Deutschland e. V.) erwähnt. Wie erklärst du dir, dass du das nicht wahrgenommen hast? Fehlt da die Durchdringung der Szene in die Öffentlichkeit?

Wie schon gesagt, ich komme da eigentlich aus einer ganz anderen Richtung. Und mir hat immer die Zeit gefehlt, um intensiv in Clubs mitzuarbeiten.
dsf: Gibt es neue Projekte, über die du hier etwas verraten möchtest?

Ein neuer SF-Thriller. Arbeitstitel: „Die Wiederkehr des Khans“. Stichwörter: Die Suche nach dem Grab von Genghis Khan, Umweltzerstörung beim Abbau seltener Erden in der Mongolei, Meteoriten, Quasi-Kristalle mit bisher unbekannten Eigenschaften. Wie ich das alles zu einem sinnvollen und hoffentlich spannenden Ganzen übereinander bringen soll, steht allerdings noch in den Sternen.
dsf: Vielen Dank für das Interview.

Der Roman „Blumen vom Mars“ ist als Taschenbuch sowie digital für Kindle (inkl. Kindle unlimited) exklusiv bei Amazon erschienen.

 

Rezension: „Blumen vom Mars“ von Gabriele Nolte

Ich stehe dem Selfpublishing skeptisch gegenüber, sehr sehr skeptisch. Da wimmelt es normalerweise nur so von Rechtschreibfehlern, die Geschichten sind hanebüchen und so weiter, das muss ich nicht ausführen. Deswegen finden solche Werke auch auf dieser Webseite nur Berücksichtugung, wenn sie es wirklich verdienen.
Das hier vorliegende Buch hätte ich im Leben nie gelesen, hätte mein Freund Heinz Zwack es mir nicht empfohlen. Und zwar so wärmstens, dass ich nicht anders konnte, als es schleunigst zu lesen.
Nun, ich bin selber als SF-Schriftsteller unterwegs. Habe 2014 für meine Novelle „Seitwärts in die Zeit“ den Deutschen Science Fiction Preis verliehen bekommen. Aktuell wurde mein Roman „Glühsterne“ als bester deutschsprachiger SF Roman für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Warum erzähle ich das? – Nun, ich habe das Gefühl, dass meine Texte nicht an das Niveau des hier vorliegenden Romans heranreichen.
Das Setting ist die Erde in naher Zukunft. Die Konfrontation zwischen arabischer und westlich geprägter Welt ist weiter fortgeschritten, Europa ist teils islamisiert. Als weitere Mächte existieren noch China und Russland. In dieser Situation gibt es zwei geheime Kolonien auf dem Mars, eine arabische und eine US-amerikanische. Beide sind im Stich gelassen worden, sind auf sich allein gestellt.
Nun wird anschaulich im Kleinen demonstriert, was sich auch auf der Erde im Großen abspielt: Der Kampf der Kulturen. Einfühlsam schildert Nolte uns die Gefühlswelt arabischer Frauen und amerikanischer Männer. Zeigt zwischen den Zeilen, dass es die arabischen Frauen (die Mütter) sind, die ihre eigenen Kinder so erziehen, dass sie (die Jungen) sie später unterdrücken. Hut ab, das ist realistisch. Genauso realistisch, wie sie zeigt, wie es einzelnen Frauen gelingt, sich dagegen aufzulehnen. Wie sie zeigt, wie sich durch Zusammenarbeit der Kulturen, das Beste aus allem herausholen lässt.
Schonungslos zeigt Nolte auf, was kritisierungswürdig ist, ohne auszugrenzen. Sie zeigt Lösungsmöglichkeiten im Kleinen, die sich wahrscheinlich schwerlich auf das ganz Große übertragen lassen. Aber sei es drum, wir haben hier eine Utopie, die aus einer Dystopie erwächst. Ganz großes Kopfkino!
Am Ende wird es für meinen Geschmack etwas zu esoterisch, aber das ist der Handlung geschuldet.

Wertung-5-Sterne

Rezension: Dirk C. Flecks Trilogie Tahiti/Südsee/Feuer

Das Tahiti Projekt

Das ist kein Roman
…sondern ein als Roman verbrämtes Sachbuch. Als solches nicht schlecht, als Roman fällt es leider völlig durch.
Warum?
Nun, da fehlt so ziemlich alles, was einen Roman ausmacht. Eine Spannungskurve zum Beispiel. Wer hier Spannung sucht, sucht sie vergebens. Im Gegenteil, der Text ist sehr langatmig aufgebaut, immer wieder wird Information transportiert an Stellen, an denen Handlung einen Roman nach vorne treiben würde. Die Protagonisten agieren hölzern. Die Liebesbeziehung zwischen dem Hauptprotagonisten und Maeva, der indigenen Schönheit, wirkt aufgesetzt. – Schade, hier wurde viel Potential verschenkt.
Denn das Thema ist es wert, dass man darüber diskutiert.
Fleck schildert uns hier eine Welt, die unsere Umwelt- und sonstigen Probleme in den Griff bekommt oder zumindest auf einem guten Weg dahin ist.
Fleck schlägt als Lösung mehrere entscheidende Dinge vor:
1. Einführung von Expertenparlamenten anstelle des heutzutage vorhandenen. Gleichzeitige Abschaffung der Parteienlandschaft. Für Grundwerte, Kultur, Politik und Wirtschaft soll es eigene unabhängige Gremien geben, die ihren Bereich in Unabhängigkeit regeln.
2. Bodenreform. Der Boden wird Allgemeingut und von den Menschen lediglich gepachtet, so wird Geld erwirtschaftet, dass der Allgemeinheit im Wege des Grundeinkommens wieder zur Verfügung gestellt wird.
3. Steuerreform. Arbeitseinkommen wird nicht mehr besteuert. Ein Grundeinkommen wird jedem Bürger unabhängig von seiner Arbeitsleistung zur Verfügung gestellt, damit er seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Die Steuer wird auf Verbräuche erhoben. Luft, Wasser, Boden, Rohstoffe und Energie werden besteuert.
4. Geldreform. Geld nimmt regelmäßig im Wert ab. D. h., wer zu lange sein Geld hortet, hat am Ende weniger Wert in der Tasche, als vorher. Zinsen gibt es nicht mehr. Dieses System bringt die Menschen dazu, das Geld (Tauschleistung) nicht auf Dauer dem Kreislauf zu entziehen. Damit wird die Wirtschaft angekurbelt. Dieses System wurde in Österreich in der Gemeinde Wörgl 1932 praktiziert und dann durch die Regierung verboten.
5. Arbeitsreform. Jeder Bürger darf arbeiten, muss aber nicht. Damit wird Arbeit wieder als Selbstverwirklichung und nicht als Last empfunden.
In Flecks Gesellschaftsentwurf funktioniert das. Er stellt die unverdorbene indigene Bevölkerung Tahitis als die neue Menschheit dar, die uns alle auf den richtigen Weg, quasi zurück zu den Wurzeln, zurück zum Einklang mit der Natur, bringt.
Ein schöner Traum.
Meine Realitätswahrnehmung ist eine andere, sehr viel pessimistischere.
In vielen Punkten kann ich Flecks Plan teilen. Expertenparlamente, Boden- und Steuerreform und vor allem die Geldreform erscheinen mir nicht unlogisch.
Womit ich aber ein erhebliches Problem habe ist die Arbeitsreform. Dies nicht unbedingt mit dem Argument, dass ein erheblicher Anteil der Bevölkerung nicht mehr arbeiten würde; die würden irgendwann die Notwendigkeit einsehen, aber dazu kommen wir gleich. Vielmehr kann der Mensch in meinen Augen nur dann Selbstbefriedigung aus der Arbeit ziehen, wenn er seinen Neigungen nachgeht und beispielsweise ein fertiges Werk schafft, anstelle einer einzelnen Handlung an einem größeren Werk. – Hier sehe ich den alles entscheidenden Haken des Ganzen. Es würden sich niemals so viele Menschen zusammenfinden, um ein größeres Werk (welches ist völlig egal) herzustellen. Die Arbeitsteilung, die uns allen einen gewissen Wohlstand ermöglicht, würde völlig zusammenbrechen. – Tut mir leid, Herr Fleck, aber das ist meine Meinung.
Kennen Sie (natürlich werden Sie das kennen) das Buch Planet der Habenichtse von Ursula K. LeGuin? Hier wird eine ähnliche Gesellschaft dargestellt, wie Sie sie entworfen haben. Allerdings mit der Konsequenz, dass, wenn die Umsetzung funktioniert, der Lebensstandard für alle Bevölkerungsschichten drastisch sinkt. Sicherlich, die Umweltprobleme etc. bekommen wir in den Griff, bezahlen damit aber mit einem für den Einzelnen sehr wichtigen Gut: dem Lebensstandard!
Insofern fürchte ich, dass der Entwurf, den Fleck hier macht, nicht umsetzbar ist. Er muss alleine schon an dem Willen der Bevölkerung scheitern, weil sie nicht bereit sein wird auf Konsum zu verzichten. Hier bräuchte es den „neuen Menschen“, den Sie in der indigenen Bevölkerung, die im Einklang mit der Natur lebt, erkannt zu haben glauben.
Auch hier möchte ich widersprechen. M. E. ist der Mensch anders aufgebaut. Schauen wir doch nur einmal in die Bibel (auch wenn ich nicht religiös bin). Hier will ich nur verdeutlichen, dass der Mensch bereits vor über 2000 Jahren mit denselben menschlichen Problemen wie z. B. der Habgier umgegangen ist. Anders ist dieses Gebot m. E. nicht zu erklären. Wirft man auch einen Blick auf das Artensterben in geschichtlicher Zeit, so glauben Wissenschaftler zu erkennen, dass dieses mit der Ausbreitung des Urmenschen einherging. – Insofern glaube ich nicht an den „guten“ im Einklang mit der Natur lebenden Eingeborenen. Ich sehe den Menschen als Individuum, der nur auf seinen Vorteil aus ist und allenfalls in seiner engsten Umgebung (Familie) etwas andere Maßstäbe gelten lässt. Und das ist schichtenunabhängig. – Aber das führt jetzt zu weit.
Über eine Replik würde ich mich freuen.
Das Buch wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Science Fiction Preis, einem der drei bedeutenden Literaturpreise in diesem Genre in Deutschland.
Ich vergebe 5 Sterne für die Ideen die in diesem (Sach-) Buch transportiert werden. 4 Sterne ziehe ich für die leider nicht wirklich vorhandene Romanstruktur ab.
Das Südsee Virus
Da thrillt nix…
Tut mir leid, da kam bei mir null Spannung auf. Das Buch ist meiner Meinung nach alles andere, als ein Thriller. Ich musste mich zwingen, die Seiten zu lesen, nach dem ersten Drittel konnte ich nur noch querlesen.
Warum?
Nun, der Autor ist bemüht. Ihm liegt viel, sehr viel am Thema. Er bringt dem Leser viele ökologische wie auch politische Ideen nahe. Viele Sachen und Dinge, die absolut notwendig erscheinen, um dem Menschen und mit ihm dem Ökosystem Erde das Überleben zu ermögliche.
Leider scheitert der Roman (nicht die Idee!) eben genau daran. Es ist einfach zu viel des Guten. Der Leser wird ständig belehrt. Offensichtliches wird erklärt. Weniger wäre viel (sehr viel) mehr gewesen. Handlung in dem Sinn, dass hier auch nur ein wenig Action gebracht wird, existiert nicht. Dabei hätte das Buch, anders aufgebaut, sehr viel Potential. Man könnte tatsächlich einen Thriller daraus machen und so auch die Thesen, die es wirklich wert sind, diskutiert zu werden, an die Leser bringen.
Ich vermute jetzt einfach mal, das sich dieser Roman sehr viel schlechter verkauft hat, als der erste Teil. Vermutlich hat Piper aus diesem Grunde darauf verzichtet, auch den dritten Teil zu bringen. Der kam in einem (hervorragenden) Kleinverlag heraus.
Bleibt natürlich noch die Kernaussage, die Thesen. Hier wird dem Equilibrismus der Mund geredet. Das ist grundsätzlich nicht schlecht. Für meine Begriffe wird aber nicht genug hinterfragt. Indigene Bevölkerungen als grundsätzlich gut und die industriell westlich geprägte Gesellschaft als schlecht hinzustellen, ist für mich zu platt. Meine (evtl. unmaßgeblichen) Erfahrungen mit Menschen jeglicher Couleur deuten hier doch auf die weit verbreitete Habgier jedes einzelnen hin. Und das scheint mir in indigenen Bevölkerungen auch nicht anders zu sein, sie hatten bislang einfach nur noch nicht die Chance, derart Einfluss auf die Ökologie des Planeten zu nehmen, wie wir. – Wenngleich, es scheint erwiesen zu sein, dass bereits unsere entfernten Vorfahren (was anderes sind sie, als indigene Völker) für das vielfältige Artensterben verantwortlich sind, was mit der Ausbreitung des Menschen über unseren Planeten hereinbrach.
Insofern hat Fleck hier den zweiten Teil seiner Utopie geschaffen. Wie auch bei Thomas Morus, muss das nicht schlecht sein, es überzeugt mich aber nicht.
Egal, der dritte Teil liegt auf meinem Nachttisch, ich werde ihm eine Chance geben, des Themas wegen.
Feuer am Fuss
Nun, auch der dritte Teil der Maeva-Trilogie hat mich nicht überzeugt. Ich habe ihn in weiten Teilen nur quer lesen können. Der Text liest sich häufig wie ein Auszug aus Reden von Politikern. Allerdings von Politikern, die reden können. Denen ihr Anliegen wirklich am Herzen liegt. – Nichtsdestotrotz, das ist harter Stoff für jemanden, der einen Roman erwartet.
In meinen Augen haben wir hier keinen Roman vorliegen, sondern eher eine Art Manifest. Eine Darstellung einer sterbenden Gesellschaftsform (Kapitalismus) und dem Versuch aus den Ruinen etwas Neues zu schaffen. – Nun, das mag gelingen. Ich teile in vielen Bereichen die Sorgen und Nöte des Autors, kann nachvollziehen, dass in unserem westlichen System vieles im Argen liegt.
Allerdings scheint er mir dann doch an manchen Punkten die Keule herausgeholt und einen Rundumschlag gemacht zu haben. So nach dem Motto: und was ich sonst noch so sagen wollte, das und das und das stört mich auch.
Das tut dem Text insgesamt nicht gut. Er liest sich nicht flüssig, zumindest hatte ich damit meine Probleme.
Einen durchgehenden (spannenden) Handlungsfaden konnte ich nicht erkennen. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass ich häufig nur quer gelesen habe, aber die Handlung hat mich einfach nicht gefesselt. Das war mehr ein Aneinanderreihen von Begebenheiten. Manche Situationen (z. B. das Treffen mit dem russischen Oligarchen oder das Treffen mit einem der Superreichen, der auf der Todesliste steht) lasen sich für mich wie die bei Sozialpädagogen so beliebte Einstiegsrunde bei der Vorstellung im Stuhlkreis: Ich bin der und der und mache das und das… Das thrillt nicht wirklich, sondern hat bei mir nur quälende Langeweile hervorgerufen. Tut mir wirklich leid, ich möchte dem Autor nicht zu nahe treten, aber als Roman taugt auch dieser dritte Teil in meinen Augen nichts.
Der Inhalt, so wie ich ihn wahrgenommen habe, ist kurz erzählt: Unser westlich kapitalistisches System kollabiert. Die Gründe sind vielfältig, lassen sich aber im Grundsatz auf die Habgier einiger weniger Menschen zurückführen. Die indigenen Völker zeigen sich aufgeschlossen den neuen alten Ideen gegenüber und schaffen es (vielleicht) eine neue Gesellschaftsordnung aufzubauen.
Nun, auch damit habe ich so mein Problem. In meinen Augen ist der westlich kapitalistisch geprägte Mensch nicht wirklich schlecht und der indigene nicht von sich aus gut. Das ist mir einfach zu platt und, ganz ehrlich, es war mir an vielen Stellen einfach zu viel des Guten. Immer wieder die weisen Sprüche der Indianer oder der australischen Aborigenies (bewusst mit Genies geschrieben) vorgekaut zu bekommen. Das langweilt. Das ist gut gemeint, aber es hat mich mal vor vierzig Jahren beeindruckt, jetzt nicht mehr. Das ist m. E. einfach nur platt, denn würden wir diesem Weg kompromisslos folgen, dann würden wir auch wieder so leben, wie einfache Stammesgemeinschaften das getan haben: Von der Hand in den Mund. Da fehlt mir etwas, vielleicht habe ich es auch einfach nicht verstanden.
Warum habe ich trotzdem (wenn auch nur quer) weiter gelesen?
Weil das Thema an sich wichtig ist. Weil es wichtig ist, sich mit den Ideen, die Fleck hier transportiert, auseinanderzusetzen. Weil viel von dem, was er beschreibt, tatsächlich kommen könnte. Weil viel ggf. umsetzbar ist und auch sinnvoll wäre, umgesetzt zu werden. Parlaments-, Geld-, Boden-, Steuerreform, alles Dinge, die sich wirklich lohnen diskutiert zu werden.
Allerdings teile ich mit dem Autor auch nicht alle Ansätze. Ich glaube, dass tatsächlich bei wirklich reichen Mitmenschen (ich meine hier Multimilliardäre) ein Umdenken stattfindet. Zumindest habe ich dies bei zwei mir persönlich bekannten festgestellt, die einen ganz erheblichen Teil ihres Vermögens in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht haben, die als Zweck die Völkerverständigung hat. Insofern glaube ich, dass unsere Gesellschaft durchaus wandelbar ist und zwar nicht in dem Sinne, von dem der Autor ausgeht.
Das hört sich jetzt recht merkwürdig an, aber ich würde dem Anliegen des Buches 5 von 5 möglichen Sternen geben, dann aber 4 Sterne für die mangelnde Umsetzung abziehen. Ich wage zu prophezeien, dass sich das Buch nicht als Kassenschlager entwickeln wird (leider) und insoweit die Ideen, die hier aufgeworfen wurden im Sande verlaufen werden.

 

Wertung-1-Stern

Alle drei Bücher sind im Paket nur bei p.machinery zum Preis von 24,90 € zu beziehen.

 

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