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Rezension: „Kirkasant“ von Axel Kruse

Das Axel Kruse sein Handwerk versteht, soll hier nicht weiter zum Thema gemacht werden, denn das steht außer Frage.

In seinem Roman „Kirkasant“, der wie schon die anderen Werke aus der Feder Kruses auf einem abseits gelegenen Planeten spielt, sind es eher die kleinen Probleme vor Ort.

Es gibt keine universellen Mächte, die um die Vorherrschaft ganzer Quadranten Armaden von Schiffen aufeinander schicken. Es sind die kleinen Dinge. Einzelne glaubwürdige Menschen, die ihre eigenen glaubwürdigen Dinge erleben. Das macht auch den Charme dieser Geschichten aus. Hier sei noch einmal „Glühstern“ erwähnt, das man unbedingt gelesen haben sollte.

Zurück zu Kirkasant:

Samuel ‚Sam‘ Kors, Besitzer des Frachters ›Lahme Ente‹ landet nach langer Abwesenheit einmal mehr auf dem zum Roman gleichnamigen Planeten, um sein Schiff einmal gründlich überholen zu lassen. Es ist viel passiert auf dieser Welt:  Aktuell steht eine Abstimmung an, ob die Bewohner des Planeten sich zu Terra oder zum Königreich Deroila zugehörig sein wollen, da beide Mächte diesen Planeten beanspruchen. Beides hat seine unbestrittenen Nachteile, die Unruhe bei den Menschen, aber auch bei den Derolianerm wecken.

Um sich die Reparaturen leisten zu können, lässt sich Sam darauf ein, eine Reisegruppe über den Planeten zu führen, was wie selbstverständlich zu weiteren Problemen führt. Aus dem Touristenspaß wird ein Planet-trek zurück in eine der wenigen Siedlungen Kirkasants.

Das ganze Buch hat etwas ruhiges, stilles. Ein wenig erinnert es an alte Zeiten auf der Erde und doch ist es modern und die Spannung wird gehalten. Die Welt, über die uns der Autor führt ist eine fremde und zugleich erschreckend bekannte. Eine gelungen Mischung aus Bauchweh und Faszination.

Auf jeden Fall empfehlenswert.

Fazit:
Schade ist, dass hier vom Verlag her ordentlich Seiten geschunden worden sind. So hat man diese kurze Geschichte auf knapp 110 Seiten gestreckt, indem man sich hier und da einiges an Freiraum hineingeschummelt hat, weshalb man nun auf das nächste Heftchen warten muss, das sich dann Fortsetzung nennt. Es sei nicht dem Autor angelastet. Vermutlich lag diese Entscheidung beim Verlag.

Sollte es eine zweite Auflage geben, kann ich nur empfehlen, den Roman als ganzes zwischen einen Deckel zu schieben, das macht dann deutlich mehr her.

 

Ebenfalls sollte man das beeindruckende Coverbild des begnadeten Lothar Bauer beachten!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

Verlag: Atlantis Verlag

Print, € 10,90

E-Book € 3,99

Rezension: „Versuchsreihe 13“ von Uwe Hermann

Wer die Kurzgeschichten von Uwe Hermann kennt, wird sich vielleicht verblüfft die Augen reiben: Ein Zombie-Thriller?!?

Tatsächlich kommt Humor in diesem Roman bestenfalls am Rande vor. Aber das liegt in der Natur der Sache, wenn halb Hamburg von Nanorobotern bevölkert wird. Oder, besser gesagt: Hamburgs Bewohner.

In „Versuchsreihe 13 – Die Epidemie“ hat eine Firma Nanobots entwickelt, die einen Menschen kurzzeitig wiederbeleben können – sehr praktisch, wenn es etwa darum geht, ein Mordopfer nach dem Täter zu fragen. Allerdings dreht sich die eigentliche Geschichte um eine ganz bestimmte Sorte dieser Nanobots: Solche nämlich, die einen Menschen permanent wiederbeleben können. Bis sie – ähnlich Mutationen – immer mehr Fehler in die Nachfolgegeneration einbauen und den Träger letztlich zu einer Art Zombie werden lassen. Dagegen hilft nur die Originalversion der Bots, ebenjene „Versuchsreihe 13“, und die befindet sich nur im Körper von Florian Richter, dem ehemaligen Leiter des Reanimierungsteams der Kripo Hamburg. „Ehemalig“, denn auch Richter ist längst tot. Eine tote Hauptfigur ist schon einmal eine tolle Sache, und wenn dann auch noch diverse Interessenten an seinen Nanobots hinter ihm her sind, sind Tempo und Spannung garantiert.

Geschickt flechtet der Autor ein Netzwerk an Beziehungen zwischen den vielen Handlungsträgern. Bisweilen blendet die Erzählung um zu einem völlig unerwarteten Schauplatz, um ein Einzelschicksal zu schildern – aber Sie können sich darauf verlassen, dass das nicht ohne Grund geschieht.

Uwe Hermann hat einen rasanten Roman vorgelegt, der vor allem in der zweiten Hälfte nochmal eine Schippe drauflegt, und abgesehen von heftigen Explosionen und erstaunlichen Wendungen auch einfühlsam die menschliche Seite des Dramas zeigt. Dabei bleibt die Geschichte deutlich plausibler als durchschnittliches Action-Kino – und drängt sich durch das gelungene Lokalkolorit zur Verfilmung förmlich auf.

 

 

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

Atlantis Verlag, 370 Seiten, 14,90, auch als E-Book erhältlich

Rezension: Paul Lung – Das Eden-Projekt

Klappentext:

Der freiberufliche IT-Techniker Ilay Gador ist ein Eigenbrötler aber einer der Besten seines Fachs. So erhält er auch den Auftrag, die Zerstörung eines Kommunikationsrelais zwischen Erde und Mars zu untersuchen. Als er durch diesen Auftrag in Tatverdacht gerät, ist er gezwungen, untertauchen. Im Versuch „seine Unschuld zu beweisen“ muss er bald erkennen, dass er nur ein Spielball größerer Mächte ist, die nicht nur seine eigene Existenz bedrohen, sondern die ganze Welt.

Meinungen:

Zurückgezogen lebend wird der IT-Techniker Ilay Gador zum Staatsfeind Nummer eins, als ein möglicher Terroristischer Anschlag eine Kette globaler Katastrophen auslöst.

Die Gesetzesvertreter haben mehr Indizien als Hinweise, dass der Hauptprotagonist die Verantwortung für das auf der Erde voranschreitende Chaos trägt und setzt alles daran, ihn dingfest zu machen.

Natürlich ist er Unschuldig, das steht nie zur Debatte und es geht in dem Roman auch viel mehr um Ilay Gador, wie dieser von einem Punkt zum nächsten fliehen muss und nebenbei versucht seine Unschuld zu beweisen.
Beides lässt sich schwer unter einen Hut bringen, aber er ist nicht allein, was ihm Kraft gibt durchzuhalten und weiter zu machen.

Und natürlich erkennt er recht bald, ‚was‘ die eigentliche Verantwortung trägt, jedoch bleibt ihm und den Leser das ‚wer‘ und ‚warum‘ lange Zeit verborgen, was durchaus fesselt.
Vor allem aber beschäftigt einen die Frage: Wie geht man in der aktuellen Situation um, in der nichts mehr ist, wie es war. Fast schon ein kleiner Endzeitroman, schließlich geht die Erde gerade vor die Hunde.

Der Fokus bleibt jedoch auf Ilay Gador und dummerweise ist dieser Roadtrip an vielen Stellen sehr anstrengend, manchmal ein wenig zu hektisch. Natürlich ist die Hauptfigur auf der Flucht!
Aber ist er der beste IT-ler der Welt? Er tat nichts, was ich nicht verstanden habe, oder was jeder andere IT-Techniker mit seiner Grundausbildung auch können könnte.

Das in diesem Buch nicht alles ist, wie es scheint, streut der Autor sorgfältig in seine Geschichte ein, auch wenn es manchmal ein wenig zu offensichtlich ist, so das die ein oder andere Wende einen nicht mehr überrascht, mehr noch, als Leser fragt man sich hin und wieder, wie naiv die Hauptfigur ist, dass sie es einfach nicht kapiert.
Zugegeben, wir erleben die Ereignisse aus mehreren Perspektiven und haben mehr Wissen als die Figur. Dennoch, da war Luft nach oben.

Ohne viel zu Spoilern gibt es natürlich noch unerwartete Wendungen, die erfrischen, im Detail aber unnötig waren. Dienten sie doch nur dazu, eine brenzlige Situation nicht sofort auflösen zu lassen

Im Fazit muss man sagen, das Paul Lung sein Handwerk versteht. Gerade der Anfang ließt sich flüssig wie klares Wasser, es fesselt, es zieht in den Bann.

Gegen Ende wird es ein wenig holprig. Da ließt man dann auch mal ein „Er traute es sich nicht“ anstatt das sehr viel angenehmere „Er wagte es nicht“.

Die gesamte Geschichte ist gut durchdacht, der Aufbau und Spannungsbogen ist gelungen und der Abschluss befriedigend.

Rund um ein gutes Buch, mit dem man sich einige vergnügliche Stunden machen kann.

Positiv sei noch zu erwähnen, dass es keine einzige ‚Kopfschmerz-szene‘ gab, in der irgendwer irgendwas so blödes macht, dass man aufstöhnend den Lesefluss unterbrechen muss. Einzig vielleicht die Herren und Damen aus dem Ermittlungsbereich – die waren teilweise noch begriffsstutziger als die Hauptfigur an einigen wenigen Stellen. Aber das sollen ja auch Ermittlungsbeamte sein, das war dann schon irgendwie authentisch

 

 

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

Verlag: Hybrid Verlag

Nur als Print, € 11,90

Interview mit Cyborg

Cyborg, das sind vier beherzte Männer, deren Myokarde halb für Stahl und halb für Fleisch schlagen. Gerade sind sie voll am Durchstarten: z. B. auf der Wacken Warmup-Party in Bremen (siehe auch unseren Artikel). Das Interessante dabei: Frontmann Micha schreibt Texte, die als Klappentext auf einem SF-Roman stehen könnten. Und noch besser: es sind deutsche Texte! Grund genug also, ihnen mal ein paar Fragen zu stellen. Los geht’s:

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Rezension: „Leichter als Vakuum“ von Simon&Steinmüller

„Fake Olds“ – unter dieser Überschrift, in Anspielung auf „Fake News“, saßen Angela und Karlheinz Steinmüller und Erik Simon im Juni beim Dortmunder U-Con und plauderten über das vorliegende Buch, das sich einer Subgenre-Zuordnung weitgehend entzieht. Auf den ersten Blick könnte man es als Alternativhistorie bezeichnen, tatsächlich aber, so erklärte Professor Steinmüller, sei es erfundene Geschichte, die aber nicht im Widerspruch zu belegten Ereignissen stehe, also keineswegs kontrafaktisch ist, sondern sozusagen geschickt ergänzend. Der Kniff, nicht explizit im Widerspruch zur tatsächlichen Historie zu stehen, macht das Buch sehr reizvoll.

Die „Fake Olds“ werden uns in Episodenform dargebracht durch einen Historiker namens Simon Zwystein, der erstaunliche historische Dokumente kommentiert und vorstellt. Zwystein ist natürlich eine Kunstfigur. Weder er noch alle Texte sind übrigens neu, einige stammen aus den Achtzigern, andere sind neueren Datums, alle wurden für die Veröffentlichung überarbeitet. Den komplexen Entstehungsprozess beleuchtet Erik Simon im Nachwort.

In den Texten erfährt der Leser aus Zwysteins erstaunlichen historischen Quellen über bislang unbekannte Beziehungen zwischen dem Kalifat von Bagdad und Karl dem Großen, über eine Reise zum Mond, über die Malteser Tontafeln, über den sagenhaften Ort Germelshausen, und über die Weltreise eines römischen Bürgers. Die zweite Hälfte des Buchs nimmt der Roman „Die große Reise“ ein, der dem weitgehend vergessenen deutschen Utopiker Ernst Wegbreiter „zugeschrieben“ wird. Darin finden anno 1909 zwei Männer und eine Frau ein fremdartiges Raumfahrzeug und begeben sich auf die titelgebende Reise. Wenngleich an vielen Stellen herausragend geschrieben, kämpft der Roman auch mit ein paar Längen, was aber aus heutiger Perspektive mit Sicherheit auf fast jeden utopischen Roman vom Anfang des 20. Jahrhunderts zutrifft (also auch auf die, die wirklich damals geschrieben wurden). Ein oder zwei Wendungen lassen den Leser etwas ratlos zurück – was war real, was Einbildung oder erfunden? Letztlich steht diese Frage über dem ganzen Buch und macht seinen Reiz aus: Die Fake Olds sind wirklich sehr gute Fakes, denn man erkennt sie kaum als solche.

Wie Angela und Karlheinz Steinmüller sowie Erik Simon hier gemeinschaftlich mit Geschichte spielen, stets eine für die jeweilige Form (Tagebuch, Brief, Tontafeln) geeignete Sprache finden, die trotzdem immer gut lesbar ist, wie sie trotz der ungewöhnlichen Form mit Leichtigkeit liebenswerte Figuren erschaffen, zwischen den Zeitaltern springen, und letztlich ganz und gar moderne Botschaften transportieren, davor kann man nur den Hut ziehen. Gleichzeitig wird der Leser vorzüglich unterhalten, blitzt doch immer wieder zwischen den Zeilen ein verschmitztes Lächeln auf; ein feiner, intelligenter Humor („Ganz schlechtes Feng Shui!“), der sich wie ein roter Faden durch die so unterschiedlichen Geschichten zieht, und sie zu einem Gesamtwerk verbindet, dessen Bedeutung weit über die Buchdeckel hinausgeht: Es ist eine Nachricht an all die Autoren und Leser dort draußen, und sie lautet: Lesen und Schreiben mit angeschaltetem Gehirn macht besonders viel Spaß!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Tote Quote?

Alle reden über die Einschaltquoten. Werbebudgets werden auf Grundlage dieser Statistiken geplant. Serien werden zu Blockbustern – oder abgesetzt. Aber ist die herkömmliche Ermittlung der Einschaltquoten in Zeiten sozialer Netzwerke und viralem Internet überhaupt zeitgemäß? Und was hat das bitteschön mit deutscher Sciencefiction und Haßloch zu tun?

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Rezension: „Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili“ von Uwe Post

Man muss ihn mögen, den Walpar Tonnraffir. Und den Post natürlich auch.
Wie schafft man es, so viel Unfug zwischen zwei Buchdeckel zu pressen? Ich kann das nicht. Da stimmt jeder Satz. In jedem einzelnen Absatz sitzt der Schalk. Manchmal urkomisch, manchmal zwingt es den Leser nur zu einem müden Grinsen. Aber, wie schafft man es 189 Seiten lang solche Satzkonstruktionen von Unfug hinzubekomen?
Hut ab, Uwe. Das hat meines Erachtens nur einer vor dir geschafft, und das war Douglas Adams.

Das Buch wird die Leserschaft spalten, das ist mal sicher. Da wird es auf der einen Seite die Fraktion derer geben, die es, wie ich, in den Himmel oben. Auf der anderen Seite wird es die Fraktion geben, die damit absolut nichts anfangen kann. In der Mitte, das wage ich vorherzusagen, wird sich kaum jemand bewegen.

Ach ja, da ist ja noch was: Die Handlung.
Die ist abstrus.
Unser Held Walpar (benannt nach einer Nebenfigur aus der 30. Staffel von Games of Thrones (oder so ähnlich, ich hab jetzt nicht nachgeschlagen, ob es die 30. war)) trifft einen Außerirdischen. Letzterer soll seine Gene der Ursuppe eines Planeten spenden, damit dort in Millionen von Jahren Leben entstehen kann. Allerdings soll der Spendervorgang so ablaufen, wie in dem Alienfilm Prometheus ganz am Anfang dargestellt. – Nun, der Außerirdische hat was dagegen und Walpar hilft ihm. Mit im Team ist da noch die Ex-Schwiegermutter von Walpar und dann wird alles so verworren, dass ich die Handlung nicht mehr wiedergeben kann. Aber das war auch beim Anhalter so. Und darauf komt es mir in diesem vorliegenden Fall auch gar nicht an.
Hier bekommt jeder sein Fett weg und das stellenweise so subtil, dass man genau hinschauen muss.
Also, Hut ab vor der Leistung!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Cyborg: Mensch-Maschinen-Metal!

Lange haben wir warten müssen, endlich ist es so weit: eine SF-Metal-Band mit deutschen Texten! Auf, schultert die Headbanger-Toupées, zwängt euch in die alte Lederriemenhose – denn am 28. Juli eröffnet die Band das Wacken-Festival auf der Bremer Warmup-Party!

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Rezension: „Die Welten der Skiir 2 – Protektorat“ von Dirk van den Boom

Bunt und vielschichtig ist das Universum in dem die Skiir herrschen. Gekonnten werden die im ersten Band „Das Prinzipat“ (Gewinner des Deutschen Science Fiction Preises 2017) eingeführten komplexen Handlungsstränge in diesem zweiten Teil fortgeführt.

Wir erfahren, dass der Zerstörer ein Hatta-Artefakt mit einem Bewusstsein ist. Das Patronat aktivierte den Zerstörer mit dem Ziel, eine Drohkulisse aufzubauen, um dann als Retter dazustehen und sich dadurch im Machtgefüge des Imperiums eine bessere Position verschaffen zu können. Nach der Vernichtung der Sternenstation (siehe Band 1) wird Eder unfreiwillig zum Herold des Zerstörers und rettet so seine Alienfreunde und Kollegen, die der Zerstörer nach dem Angriff gefangen genommen hatte. Yolana war jedoch nicht unter diesen Gefangenen. Sie erwacht auf Pendora und deckt Experimente zur Personenkontrolle auf, kann aber fliehen und dem Rest der menschlichen Delegation von den Experimenten und von der schwarzen tödlichen Masse erzählen, die für viele Tote auf Pendora verantwortlich ist. Der alte Skiir, der die Widerstandskämpfer begleitet, verfolgt seine ganz eigenen Pläne mit dem Zerstörer. Und Inspektor Markensen lernt mehr über sich selbst und seine ungewöhnliche Herkunft. Kann der Zerstörer mit einem zweiten Hatta-Artefakt ausgeschaltet und die Bedrohung durch ihn abgewendet werden? Eine Jagd nach diesem zweiten Artefakt beginnt und jede Seite versucht, es in die Hände zu bekommen, um den Zerstörer und seine Waffen beherrschen zu können. Der Präsident der Menschen will mit Hilfe des Zerstörers, die Erde von der Skiir-Herrschaft befreien. Die Widerstandsgruppe hat ein ähnliches Ziel: Zerschlagung des Skiir-Imperiums. Am Ende dieses Bandes treffen sich alle Partien im Zerstörer, um zu verhandeln: der Präsident, Eder als Stimme des Zerstörers und die Widerstandsgruppe.

Die meisten Fragen, die nach dem Lesen des ersten Bandes offen blieben, klären sich. Zusammenhänge werden deutlicher, die vorher nur angedeutet wurden. Allerdings bleiben am Ende dieses Bandes kaum unbeantwortete Fragen zurück. Trotzdem bleibt es spannend. Wir erfahren wahrscheinlich erst im nächsten Teil, was mit den Hatta-Artefakten geschehen wird und ob das Skiir-Imperium auseinander bricht. Was passiert dann mit der Erde? Wie schon im ersten Band, erschweren auch hier die schnellen und vielen Wechsel der Erzählstränge das flotte Lesen. Leider wird dadurch die Handlung erst nach vielen Seiten deutlich nachvollziehbar.

Fazit: gelungene Fortführung des ersten Bandes

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: „Junktown“ von Matthias Oden

Junktown von Matthias Oden

Mit „Junktown“ legt Matthias Oden im Heyne Verlag seinen ersten Roman vor.

Die „Konsumrevolution“ hat vor vielen Jahren das alte System weggespült. Jetzt sind Drogen nicht nur legal, sondern der Rausch ist Pflicht. Regelmäßig müssen die Bürger Blutproben abgeben, und wer bei zu wenig Drogenkonsum erwischt wird, wandert in eine „Sozialhygiene“-Einrichtung oder gleich in den „Recyclinghof“. Wer praktisch dauernd auf einem Trip ist, kann natürlich nicht besonders gut arbeiten, deshalb übernehmen Maschinen die unangenehmen Pflichten. Zum Beispiel Produktion von Nachwuchs: um den kümmern sich riesige, intelligente Maschinen namens Brutmutter. Und eine davon wird zu Beginn der Handlung tot aufgefunden. Offenbar ermordet. Inspektor Solomon Cain, ein erfahrener Polizist der Gemapo (Geheime Maschinenpolizei) und gealterter Held der Revolution, übernimmt die Ermittlungen. Er kommt schnell dahinter, dass es hier um viel mehr geht als um einen Mord aus Leidenschaft. Als das Rauschsicherheitshauptamt auf den Plan tritt, geraten die Dinge außer Kontrolle.

Der Autor legt mit seinem Debütroman eine erfindungsreiche Dystopie vor, die – schon durch die der DDR und dem Drittem Reich entlehnten Begriffe ersichtlich – keinen Zweifel daran aufkommen lässt, wie die Rollen von Gut und Böse verteilt sind. Man fragt sich unweigerlich, wie ein System, in dem der Rausch ein erzwungener (Dauer-)Zustand ist („Alle Macht den Drogen!“), wenn man nicht gerade einen ABS (Abstinenzberechtigungsschein) besitzt, überhaupt wirtschaftlich und verwaltungstechnisch funktionieren kann. Der Autor zeichnet kein vollständiges Bild der Gesellschaft. Vielmehr bedient er sich punktuell verschiedenster Gestaltungselemente, die sich zu einem Gesamtbild fügen. So entstammen die verwendeten uralten Telefone, der mental angeknackste Inspektor und die später auftretende femme fatale eindeutig dem film noir. Die (kurze) Liebesgeschichte hat mich allerdings nicht besonders überzeugt. Moderne Technik gibt es so gut wie gar nicht; entweder gab es nach der Revolution also eine Rückentwicklung oder die Handlung spielt in einer (alternativen) Vergangenheit (eine Jahreszahl wird nicht genannt). Da die Handlung bis zum Ende auf die Perspektive der Hauptfigur beschränkt bleibt, bleibt sehr vieles offen, und als Resultat wirkt die Welt nicht immer völlig authentisch. Gleichzeitig bezieht der Roman seine Spannung zum einen aus dem Kriminalfall (dessen Entwicklung voller Wendungen ist, die man durchaus erahnen kann) und zum anderen aus der Frage danach, wie diese seltsame Gesellschaftsform des Konsumismus eigentlich entstanden ist. Das wird am Schluss tatsächlich aufgeklärt – aber erstens nur in wenigen Sätzen, und zweitens handelt es sich um Informationen, über die der Protagonist die ganze Zeit verfügt, aber nicht mit dem Leser teilt. Letztlich sind alle Entwicklungsschritte der Handlung so konsequent wie düster – bis zum Ende. Man sollte von diesem Buch weder Fröhlichkeit noch ein Happy End erwarten.

Unter dem Strich ist „Junktown“ eine lesenswerte Dystopie mit viel Erfindungsreichtum – und ohne jede Hoffnung.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

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