Kategorienarchiv: Rezensionen

Rezension: „Walpar Tonnraffir und die Ursuppe mit extra Chili“ von Uwe Post

Man muss ihn mögen, den Walpar Tonnraffir. Und den Post natürlich auch.
Wie schafft man es, so viel Unfug zwischen zwei Buchdeckel zu pressen? Ich kann das nicht. Da stimmt jeder Satz. In jedem einzelnen Absatz sitzt der Schalk. Manchmal urkomisch, manchmal zwingt es den Leser nur zu einem müden Grinsen. Aber, wie schafft man es 189 Seiten lang solche Satzkonstruktionen von Unfug hinzubekomen?
Hut ab, Uwe. Das hat meines Erachtens nur einer vor dir geschafft, und das war Douglas Adams.

Das Buch wird die Leserschaft spalten, das ist mal sicher. Da wird es auf der einen Seite die Fraktion derer geben, die es, wie ich, in den Himmel oben. Auf der anderen Seite wird es die Fraktion geben, die damit absolut nichts anfangen kann. In der Mitte, das wage ich vorherzusagen, wird sich kaum jemand bewegen.

Ach ja, da ist ja noch was: Die Handlung.
Die ist abstrus.
Unser Held Walpar (benannt nach einer Nebenfigur aus der 30. Staffel von Games of Thrones (oder so ähnlich, ich hab jetzt nicht nachgeschlagen, ob es die 30. war)) trifft einen Außerirdischen. Letzterer soll seine Gene der Ursuppe eines Planeten spenden, damit dort in Millionen von Jahren Leben entstehen kann. Allerdings soll der Spendervorgang so ablaufen, wie in dem Alienfilm Prometheus ganz am Anfang dargestellt. – Nun, der Außerirdische hat was dagegen und Walpar hilft ihm. Mit im Team ist da noch die Ex-Schwiegermutter von Walpar und dann wird alles so verworren, dass ich die Handlung nicht mehr wiedergeben kann. Aber das war auch beim Anhalter so. Und darauf komt es mir in diesem vorliegenden Fall auch gar nicht an.
Hier bekommt jeder sein Fett weg und das stellenweise so subtil, dass man genau hinschauen muss.
Also, Hut ab vor der Leistung!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: „Friesisches Inferno“ von Peter Gerdes

Wie sich die Welt nach einer globalen Katastrophe verändert und die Menschheit ums Überleben kämpft, ist keine neu erfundene Geschichte. Vieles wurde schon einmal erzählt: Mutanten, Bandenkriege und neue–alte Gemeinschaftsstrukturen. Aber der Ort, an dem dies alles geschieht, ist neu. Friesland. Gerade für Leser, die sich dort auskennen, ist das Buch besonders lesenswert.

Engel ist verschwunden. Gander, ihr Bruder, und Helm, der sich für beide verantwortlich fühlt, machen sich auf den Weg durch Friesland, um sie zu suchen. Sie folgen verschiedenen Spuren und sind ständig tödlichen Gefahren ausgesetzt. Gefahr droht nicht nur von umherziehenden Banden, sondern die Tiere und Pflanzen haben es auch auf sie abgesehen. Die Natur ist nach der globalen Katastrophe nicht mehr so friedlich in Norddeutschland, wie wir sie kennen. Es gibt jetzt Menschen mit besonderen Fähigkeiten, auch Engel und Gander gehören zu diesen. Und so jemand hat auch Engel entführt, um Ihre Fähigkeiten auszunutzen und noch mächtiger zu werden. Er manipuliert sie und orchestriert kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinschaften. Diese Verkörperung des Bösen muss Helm besiegen, um seine Heimat zu retten. Sie finden Engel und verlieren sie wieder. War ihre Reisen umsonst? Nein, denn Helm erfährt den Grund für die Katastrophe und die Ursache für die veränderte Natur, die diese mit sich brachte.

Auf ihrer Reise denkt Helm oft an seine Kindheit zurück, die Zeit vor der Katastrophe. Er vergleicht, kritisiert und man bekommt den Eindruck, dass das Leben in dieser von Gewalt bestimmten Welt viel besser ist. Manches in der Handlung ist leider nicht so recht nachvollziehbar, zum Beispiel bei der Heimkehr von Helm sind ihm nur eine Handvoll Leute von dort mit Namen bekannt. Die Gemeinschaft dort kann aber nicht so groß sein, dass nicht jeder jeden kennt und außerdem hat er sein ganzes Leben dort verbracht. Die Geschichte ist gut geschrieben und Leser, die die Orte und Eigenheiten der Friesischen Menschen kennen, finden bestimmt die eine oder andere amüsante Stelle.

Fazit: kurzweilige Friesische Endzeitstory

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: „Die Welten der Skiir 2 – Protektorat“ von Dirk van den Boom

Bunt und vielschichtig ist das Universum in dem die Skiir herrschen. Gekonnten werden die im ersten Band „Das Prinzipat“ (Gewinner des Deutschen Science Fiction Preises 2017) eingeführten komplexen Handlungsstränge in diesem zweiten Teil fortgeführt.

Wir erfahren, dass der Zerstörer ein Hatta-Artefakt mit einem Bewusstsein ist. Das Patronat aktivierte den Zerstörer mit dem Ziel, eine Drohkulisse aufzubauen, um dann als Retter dazustehen und sich dadurch im Machtgefüge des Imperiums eine bessere Position verschaffen zu können. Nach der Vernichtung der Sternenstation (siehe Band 1) wird Eder unfreiwillig zum Herold des Zerstörers und rettet so seine Alienfreunde und Kollegen, die der Zerstörer nach dem Angriff gefangen genommen hatte. Yolana war jedoch nicht unter diesen Gefangenen. Sie erwacht auf Pendora und deckt Experimente zur Personenkontrolle auf, kann aber fliehen und dem Rest der menschlichen Delegation von den Experimenten und von der schwarzen tödlichen Masse erzählen, die für viele Tote auf Pendora verantwortlich ist. Der alte Skiir, der die Widerstandskämpfer begleitet, verfolgt seine ganz eigenen Pläne mit dem Zerstörer. Und Inspektor Markensen lernt mehr über sich selbst und seine ungewöhnliche Herkunft. Kann der Zerstörer mit einem zweiten Hatta-Artefakt ausgeschaltet und die Bedrohung durch ihn abgewendet werden? Eine Jagd nach diesem zweiten Artefakt beginnt und jede Seite versucht, es in die Hände zu bekommen, um den Zerstörer und seine Waffen beherrschen zu können. Der Präsident der Menschen will mit Hilfe des Zerstörers, die Erde von der Skiir-Herrschaft befreien. Die Widerstandsgruppe hat ein ähnliches Ziel: Zerschlagung des Skiir-Imperiums. Am Ende dieses Bandes treffen sich alle Partien im Zerstörer, um zu verhandeln: der Präsident, Eder als Stimme des Zerstörers und die Widerstandsgruppe.

Die meisten Fragen, die nach dem Lesen des ersten Bandes offen blieben, klären sich. Zusammenhänge werden deutlicher, die vorher nur angedeutet wurden. Allerdings bleiben am Ende dieses Bandes kaum unbeantwortete Fragen zurück. Trotzdem bleibt es spannend. Wir erfahren wahrscheinlich erst im nächsten Teil, was mit den Hatta-Artefakten geschehen wird und ob das Skiir-Imperium auseinander bricht. Was passiert dann mit der Erde? Wie schon im ersten Band, erschweren auch hier die schnellen und vielen Wechsel der Erzählstränge das flotte Lesen. Leider wird dadurch die Handlung erst nach vielen Seiten deutlich nachvollziehbar.

Fazit: gelungene Fortführung des ersten Bandes

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: „Junktown“ von Matthias Oden

Junktown von Matthias Oden

Mit „Junktown“ legt Matthias Oden im Heyne Verlag seinen ersten Roman vor.

Die „Konsumrevolution“ hat vor vielen Jahren das alte System weggespült. Jetzt sind Drogen nicht nur legal, sondern der Rausch ist Pflicht. Regelmäßig müssen die Bürger Blutproben abgeben, und wer bei zu wenig Drogenkonsum erwischt wird, wandert in eine „Sozialhygiene“-Einrichtung oder gleich in den „Recyclinghof“. Wer praktisch dauernd auf einem Trip ist, kann natürlich nicht besonders gut arbeiten, deshalb übernehmen Maschinen die unangenehmen Pflichten. Zum Beispiel Produktion von Nachwuchs: um den kümmern sich riesige, intelligente Maschinen namens Brutmutter. Und eine davon wird zu Beginn der Handlung tot aufgefunden. Offenbar ermordet. Inspektor Solomon Cain, ein erfahrener Polizist der Gemapo (Geheime Maschinenpolizei) und gealterter Held der Revolution, übernimmt die Ermittlungen. Er kommt schnell dahinter, dass es hier um viel mehr geht als um einen Mord aus Leidenschaft. Als das Rauschsicherheitshauptamt auf den Plan tritt, geraten die Dinge außer Kontrolle.

Der Autor legt mit seinem Debütroman eine erfindungsreiche Dystopie vor, die – schon durch die der DDR und dem Drittem Reich entlehnten Begriffe ersichtlich – keinen Zweifel daran aufkommen lässt, wie die Rollen von Gut und Böse verteilt sind. Man fragt sich unweigerlich, wie ein System, in dem der Rausch ein erzwungener (Dauer-)Zustand ist („Alle Macht den Drogen!“), wenn man nicht gerade einen ABS (Abstinenzberechtigungsschein) besitzt, überhaupt wirtschaftlich und verwaltungstechnisch funktionieren kann. Der Autor zeichnet kein vollständiges Bild der Gesellschaft. Vielmehr bedient er sich punktuell verschiedenster Gestaltungselemente, die sich zu einem Gesamtbild fügen. So entstammen die verwendeten uralten Telefone, der mental angeknackste Inspektor und die später auftretende femme fatale eindeutig dem film noir. Die (kurze) Liebesgeschichte hat mich allerdings nicht besonders überzeugt. Moderne Technik gibt es so gut wie gar nicht; entweder gab es nach der Revolution also eine Rückentwicklung oder die Handlung spielt in einer (alternativen) Vergangenheit (eine Jahreszahl wird nicht genannt). Da die Handlung bis zum Ende auf die Perspektive der Hauptfigur beschränkt bleibt, bleibt sehr vieles offen, und als Resultat wirkt die Welt nicht immer völlig authentisch. Gleichzeitig bezieht der Roman seine Spannung zum einen aus dem Kriminalfall (dessen Entwicklung voller Wendungen ist, die man durchaus erahnen kann) und zum anderen aus der Frage danach, wie diese seltsame Gesellschaftsform des Konsumismus eigentlich entstanden ist. Das wird am Schluss tatsächlich aufgeklärt – aber erstens nur in wenigen Sätzen, und zweitens handelt es sich um Informationen, über die der Protagonist die ganze Zeit verfügt, aber nicht mit dem Leser teilt. Letztlich sind alle Entwicklungsschritte der Handlung so konsequent wie düster – bis zum Ende. Man sollte von diesem Buch weder Fröhlichkeit noch ein Happy End erwarten.

Unter dem Strich ist „Junktown“ eine lesenswerte Dystopie mit viel Erfindungsreichtum – und ohne jede Hoffnung.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: „Helix“ von Marc Elsberg

Was tust Du, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt und dir ein verlockendes Angebot gemacht wird, mit dem du dir dein Kind designen kannst? Wie würden diese Kinder die Welt wahrnehmen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der neuen Roman von Marc Elsberg.

Die Geschichte beginnt mit einem gezielten Anschlag auf den US Außenminister. Die Untersuchungen ergeben, dass ein optimierter Virus, angepasst an seine Gene, den Tod verursacht hat. Jill, eine Studentin, verschwindet und hinterlässt eine Warnung vor einem gewissen Gene. Genmanipulierter Mais und Veränderungen an Nutztieren in abgelegenen, unter Dürre leidenden Gegenden der Erde stellen den Leser vor weitere Fragen. Wer ist dafür verantwortlich? Und dann ist da noch das Institut „New Garden“, in dem Kinder mit außergewöhnlichen Fähigkeiten verzweifelten kinderlosen Paaren vorgeführt werden. Schließlich werden Pläne aufgedeckt, die die Zukunft der Menschheit beeinflussen und das nicht unbedingt auf positive Weise.

Die Geschichte ist temporeich und weist nur wenige, ruhige Passagen auf. Man erfährt viel über Genmanipulation, was ab und an etwas zu theoretisch wird, aber dennoch gut vom Autor recherchiert ist. Dementsprechend erscheint einem zwar einerseits die detaillierte Schilderung der Genmanipulation durchaus plausibel, andererseits geht sie nicht über den derzeitigen Stand der Wissenschaft hinaus. Auch ethische Fragen im Zusammenhang mit Genmanipulation werden im Laufe der Handlung diskutiert.

Es ist schade, dass man nach der Hälfte des Buches ahnt, wie es weiter geht und wie alles enden wird. Die Herangehensweise erinnert doch sehr an amerikanische Filme. Eine nicht so geradlinige Handlung mit der einen oder anderen überraschenden Wendung hätte dem Werk gut getan.

Fazit: nette Unterhaltung, aber keine wirklich neuen Ideen.

Unterhaltung: 

Anspruch:

Originalität:

In eigener Sache: Differenziertere Bewertungen

Die Welt der SF ist bunt und vielfältig. Es gibt Military SF, Space Opera, Dystopien, Alternativweltgeschichten und so weiter. Es gibt anspruchsvolle Leser und solche, die einfach nur gut unterhalten werden wollen.

Wir haben uns gefragt: Werden wir dieser Vielfalt gerecht, indem wir ein Werk mit einer einzigen Sterne-Wertung zwischen 1 und 5 beglücken?

Wohl eher nicht.

Klar, Amazon macht es auch so. Aber mal ehrlich: Eine Rolle Klebeband kann man vielleicht mit einer Einzelwertung fair bewerten (klebt: 5 Sterne, klebt nicht: 1 Stern). Aber ein Buch, ein Spiel, einen Film?

Dabei machen es Fernsehzeitschriften seit Jahrzehnten vor: Sie bewerten Spielfilme in überschaubaren Kategorien wie Anspruch, Action, Humor. Wenn man Lesern dieser Zeitschriften zutrauen kann, dieses Schema zu begreifen, dann euch, den Besuchern unseres Portals, erst recht!

Deshab bewerten wir künftig in unseren Rezensionen nach Kategorien. Die können sich durchaus mal unterscheiden, je nachdem, um was für ein Werk es geht. Anspruch und Unterhaltung sind gesetzt, hinzu kommt bei SF die Kategorie „Originalität“. Wir glauben, dass gute, originelle Ideen ein Markenzeichen der SF sind. Wir sind aber flexibel: Wenn ein Rezensent es für angebracht hält, ein Werk in einer bestimmten Kategorie wie Sprache, Humor oder Erotik (soll es geben!) zusätzlich zu bewerten, kann und wird er das tun.

Wir bemühen uns, nach und nach auch existierende Rezensionen entsprechend aufzubessern. Den Anfang macht die Besprechung von „Die Krone der Sterne“ von Kai Meyer.

Sicher werden die neuen, differenzierten Rezensionen den Werken besser gerecht. Unser Praktikant ist jedenfalls dieser Ansicht:

Diese Änderung ist sinnvoll: 

 

 

Rezension: „Die Krone der Sterne“ von Kai Meyer

Kai Meyer ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. Mit „Die Krone der Sterne“ legt er im Rahmen des recht neuen SF-Programms von Fischer TOR seinen ersten SF-Roman vor.

Zunächst ein Wort zur Ausstattung des Bandes: Opulent. Das Cover glänzt in Bronze auf edlem Blau, die Seiten bis zum eigentlichen Beginn des Romans sind außergewöhnlich ansprechend illustriert. Diese Bilder tragen durchaus dazu bei, sich die ungewohnten Konstruktionen, die im Roman vorkommen, richtig vorzustellen.

Zur Geschichte: Die junge Adelige Iniza ist die Auserwählte der Gottkaiserin, aber da das eine mehr als zweifelhafte Ehre ist, entzieht sie sich dem Zugriff der Hexen, die sie mit ihrer Weltraum-Kathedrale abholen wollen. Auf ihrer Flucht trifft sie einen grummeligen Waffenmeister, ihren aufrechten Geliebten, eine Alleshändlerin und später eine mysteriöse Androidin, die gerne nackt (seufz) durchs All schwebt. Diese bunte Truppe unternimmt dann gemeinsam alles, um vor der bösen Hexe Setembra auf einen versteckten Piratenplaneten zu flüchten.

Klingt wie ein rasantes Weltraumabenteuer? Genau das ist es. Raumschiffe und Blaster ballern mit bunten Laserbolzen, verstecken sich in abgewrackten Raumstationen und passieren dabei verfallene Hypersprungtore. Da die Figuren nicht unbedingt übereinstimmende Ziele verfolgen, gibt es den einen oder anderen Konflikt in der Truppe, so dass unter dem Strich kaum eine Gelegenheit bleibt, um Atem zu holen.

Der Roman verarbeitet bekannte und beliebte Elemente einer Space Opera: diverse Raumschiffe, fremdartige Artefakte, schrullige Typen, jede Menge Kanonenfutter, und nicht zuletzt ungeklärte Verwandtschaftsverhältnisse („Ich bin dein Vater, Luke!“). Ja, Anleihen an Star Wars sind nicht nur offensichtlich – bisweilen kommt man sich vor, als säße man im Kino vor einem hypothetischen Spinoff der berühmten Saga. Denn genau so ist der Roman gestaltet. Sehr visuell geschrieben, voller Cliffhanger, mit Szenen, die man sofort vor den Augen hat. Indem sich Meyer ausgiebig bei der einschlägigen Popkultur bedient, gelingt es ihm, einen krachenden Popkorn-Eventmovie in Buchform vorzulegen.

Leider übernimmt er dabei auch die hinlänglich bekannten Nachteile, insbesondere bleiben Plausibilität und Logik öfter mal auf der Strecke, von physikalischen Gesetzen gar nicht zu reden. Wer aufmerksam liest, bemerkt ganz genau, wie der Autor die Handlung konstruiert hat. Sie wirkt deshalb nicht natürlich, nicht lebendig. Die Figuren fühlen sich keinen Moment lang authentisch an, sondern wie Schauspieler, die versuchen, die ihnen zugedachte Rolle auszufüllen.

Wen das nicht stört, wer beim Lesen abschaltet, wird bis zum Schluss bestens bedient mit überraschenden Wendungen und flotter Action. Freilich muss man sich um die Hauptfiguren keine Sorgen machen. Dies ist nicht die Sorte Buch, in dem Handlungsträger einer der vielen Gefahren, denen der Autor sie aussetzt, auch mal zum Opfer fallen. Wer mehr von einem SF-Roman erwartet als bunte Action, der wird möglicherweise enttäuscht. Es gibt keine kreative Alien-Biologie (eigentlich überhaupt keine nennenswerten Aliens), einen einzigen etwas ungewöhnlichen Planeten (der Rest findet im Weltraum bzw. Raumschiffen oder -stationen statt), es fehlt völlig an sozialen Fragen, ethischen oder moralischen Themen, Anregung zum Nachdenken. Dabei hätte es durchaus Anknüpfungspunkte für etwas Anspruch gegeben.

Fazit: Perfekt inszenierte Unterhaltung, aber ohne Tiefgang.

Unterhaltung: 

Anspruch: 

Originalität: 

Rezension: „Babylon“ von Thomas Thiemeyer

Babylon

„Babylon“ von Thomas Thiemeyer ist für den diesjährigen Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie bester Roman nominiert.

Das Buch ist nicht schlecht. Hebt sich deutlich von dem Trash ab, von dem so viel heutzutage produziert wird. Aber es ist leider vorhersehbar, was passiert. Es ist konstruiert, klar, das ist jedes Buch, aber hier ist es überdeutlich. Ich hatte es befürchtet.

Nun, warum habe ich es gelesen? Warum habe ich die drei Vorgängerromane gelesen?

Die Antwort auf die zweite Frage ist einfach: Mir wurde Babylon als überragendes Science Fiction Buch empfohlen. Da es sich um den vierten Teil handelt, habe ich zuerst die ersten drei gelesen. Alle nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend. Und nun dies. Der Grund für die Lektüre der ersten drei. So gesehen hat es mich sehr enttäuscht.

Aber bleiben wir fair.

Der Autor beleuchtet einen Krisenherd unserer Zeit: Kleinasien mit allem, was dazu gehört. Dabei versucht er durchaus jede handelnde Figur zu durchleuchten, versucht, dem Leser deren Motive nahezubringen. Das gelingt teilweise recht gut, teilweise bleiben die Figuren eindimensional. Das mag daran liegen, dass es einfach zu viele sind. Klar benötige ich Nebendarsteller in einer Handlung, das war schon in Star Trek so. Wenn ich aber jedem Nebendarsteller das Recht einräume, sehr viel zur Handlung beizutragen, dann benötige ich viel mehr, sehr viel mehr, Platz, als dieser Roman hergibt.

Die Story ist schnell erzählt. Da wird ein Tempel entdeckt, im uralten Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Ein Turm, in die Tiefe gebaut und nicht in die Höhe. Ist es der alte Turm zu Babel? Unsere Protagonisten und so manche andere Nebenfigur (z. B. IS Schergen) machen sich auf den Weg, finden nebenbei in Griechenland den uralten Schlüssel, der benötigt wird, um das Portal zu öffnen. Man dringt ein, metzelt sich gegenseitig nieder, bis lediglich eine Handvoll Protagonisten übrig bleiben und dann kommt die Esoterik… zu Hauf!

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist das hochbegabte Kind. Einerseits bezweifle ich, dass es Kinder in dieser Ausprägung gibt und ich habe insoweit Erfahrung damit, dass eines meiner Kinder ebenfalls hochbegabt ist. Da fehlt Tiefe, da fehlt die Aggression auf das Leben auf die Welt, da fehlt so viel! Das ist leider nicht realistisch geschildert, das erinnert eher an Wesley Crusher! – Der hat auch nur genervt. Ein wenig ist die Figur sicher der Tatsache geschuldet, dass der Roman jugendliche Leser ansprechen soll, aber mögen die sich mit Wesley Crusher identifizieren?

Und der Science-Fiction-Aspekt?

So gut wie nicht vorhanden. Leider. Ganz am Ende kommt dann kurz ein Außerirdischer vor, so man ihn so nennen mag. Und eine direkte Verbindung zum ersten Band. Das war es dann. Ansonsten ein stinknormaler Thriller mit einem ganzen Haufen Esoterik.

Das Buch ist etwas für Leser, die nicht an Überraschungen während des Lesens interessiert sind, die es sich gemütlich machen möchten und der Handlung folgen, so, wie wenn man auf einer geradlinig gebauten Autobahn stundenlang fährt und am Horizont sieht, was auf einen zukommt.


Außerdem wird der SF-Aspekt dann auch noch von zu viel Fantasy und Esoterik überlagert. – Schade.

 

Rezension: „Die Welten der Skiir – Prinzipat“ von Dirk van den Boom

Vor 200 Jahren wurde die Frage, ob wir allein im Universum sind, endgültig beantwortet. Eine übermächtige Alienrasse, die Skiir, startete eine Invasion der Erde, die nach kurzen, aber heftigen Kämpfen vorüber war. Die Herrscher der Galaxis hatten einen weiteren Planeten erobert. Sie verboten die Technik und übernahmen die Kontrolle der Polizei, der Verwaltung und der Religion. Diese Dreiteilung gibt es auch in der Gesellschaft der insektenähnlichen Skiir: das Protektorat, das Prinzipat und das Patronat. Es folgte eine komplette Isolierung der Erde, kein Kontakt zu anderen Planeten und kein technischer Fortschritt.

Wir lernen im Verlauf der Handlung, dass jede Gruppierung der Skiir eigene Ziele verfolgt. Und mittendrin befinden sich die Menschen. Nach der langen Isolation darf endlich eine kleine Gruppe von Menschen unter der Führung der Skiir die ersten Schritte zur Eingliederung in die Gemeinschaft der Außerirdischen unternehmen. Sie machen sich auf den Weg zur Sternenstation, dem Verwaltungszentrum der Skiir. Dort treffen sie auf viele sehr verschiedenartige Bewohner der Galaxis. Zu dieser ausgesuchten Gruppe gehören der Botschafter Flokhart Eder (er macht eine erstaulich Verwandlung durch), seine Assistentin Bixa Li (die mehr als eine Assistentin ist), eine menschliche Vertreterin des Patronats Yolana (sie ist fanatisch den Skiir ergeben) und ein Wissenschaftler. Vor dem Abflug wird jedoch der ursprünglich ausgewählte Wisenschaftler, Dr. Torgen, ermordet. Das Motiv für den Mord ist eines der Rätsel in dieser Story. Außerdem greift eine starke unbekannte Macht den Planeten der Auleli an. Die Königin wird bei diesem Angriff getötet und somit ein ganzes Volk ausgelöscht, da nur sie für Nachwuchs sorgen kann. Wer ist für den Genozid verantwortlich? Auch die Skiir sind erschrocken über diese Tat. Und wir treffen noch auf eine Widerstandsgruppe, die im Geheimen gegen die Skiir agiert. Gehören die Aliens, die auf der angeblich isolierten Erde entdeckt werden, auch dazu? Und was sind das für schwarze, blitzschnelle und tödliche Schatten, die es dem Investigator schwer machen, den Mord von Dr. Torgen aufzuklären, der im Übrigen kein Mensch war. Und diese Schatten greifen dann auch noch die Sternenstation an. Gehören sie zu einem geheimen Projekt der Skiir und wenn ja, zu welcher Fraktion?

Endlich mal ein schönes Weltraumabenteuer, bei dem nicht gleich ersichtlich ist, was als nächstes passiert. Mehrere Handlungsstränge führen uns in eine komplexe Welt von Morden, Intrigen und Geheimnissen. Eine bunte Vielfalt an Außerirdischen und reichlich Action halten die Spannung bis zum Schluss. Die Handlung ist soweit schlüssig. Der Cliffhanger am Ende dieses ersten Bandes verlangt nach der Fortsetzung. Warum kam es zu internen Machtkämpfen zwischen den so mächtigen Skiir und was für eine Rolle spielen die Menschen in dem Ganzen?

Rezension: „Vektor“ von Jo Koren

Dr. Alpha Novak ist Ärztin auf der Raumstation Eris TKS, die sich auf einer Umlaufbahn um den Mars befindet. Das Leben dort ist sehr beengt. Viel Platz und Ablenkung vom täglichen Geschäft gibt es nicht. Aber sie hat sich für fünf Jahre verpflichtet, hier unter nicht ganz idealen Bedingungen zu arbeiten.

Sie ist eine engagierte Ärztin, die nicht abgestumpft ist, denn sie möchte helfen. Auch dem Patienten, der mit einem defekten Herzimplantat in ihre Praxis kommt. Ein altes Modell, doch die Software kann repariert werden und dem Patienten geht es wieder gut. Trotzdem sollte das Implantat bald ausgewechselt werden. Als sie ihn in seiner Unterkunft aufsucht und ihn in die Klinik bittet, scheint er aber sehr verwirrt zu sein. Er spricht in seiner Muttersprache. Scheint zu träumen. Ein weiterer Check, auch des Hirnimplantates, wirft einige Fragen auf. Denn ebenfalls dieses scheint defekt zu sein.

So gut wie alle Menschen haben zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, Hirnimplantate zur Leistungssteigerung. Immer mehr Fälle von Gedächnisausfällen treten auf. Und dann spielt die Raumstation verrückt. Es gibt Probleme mit der Gravitation und zu alledem wird auch noch der Cheftechniker ermordet aufgefunden. Nebenbei erfährt man, warum Alpha auf der Station ist und was es mit ihrem Gehilfen Kit, einem Schimpansen, auf sich hat, der ebenfalls ein Hirnimplantat zur Intelligenzsteigerung besitzt. Während sich die Ärztin auf die Suche nach dem Problem macht, erfahren wir viel über Hirnforschung.

Die Geschichte verpackt sehr gut, wohin sich diese Forschung entwickeln kann und sie befasst sich außerdem mit den heiklen ethischen Fragen. Was passiert mit den intelligenteren Menschenaffen, die zu Testzwecken Hirnimplantat bekamen? In der Story bekommen diese eigene Rechte zugesprochen und können sogar einen Beruf ergreifen. Trotzdem finde ich es unglaubwürdig, dass es die ganze Zeit keine Viren in der Software der Hirnimplantate gab. Es gibt immer Menschen, die hier mit einem Eingriff eine Möglichkeit zur Manipulation von Menschen ausnutzen würden oder es einfach nur tun, weil sie es können. Ein spontanes, natürliches Auftreten eines solchen Virus ist da eher fragwürdig.

Störend für den Lesefluss waren die zum Teil sehr kurzen Kapitel. Besser wären hier vielleicht Abschnitte gewesen, um große Brüche zu vermeiden.

(Anm. d. Red.: Wir haben bereits eine Rezension zu diesem Buch veröffentlicht, aber diese hier hat einen anderen Blickwinkel auf das Buch, das mittlerweile auch für den DSFP nominiert wurde)

Infos beim Verlag

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