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Rezension: EXODUS 34

Andreas Eschbach inside!

…und die Jungs von Exodus werben noch nicht mal auf dem Cover damit, haben die es nicht nötig? – Nein! Denn das Magazin könnte locker auch ohne ihn bestehen, was seinen Beitrag jetzt nicht schmälern soll. Es versammelt sich mal wieder viel hochkarätige SF in Exodus. Es hat mir zwar nicht alles gefallen, dann doch aber sehr viel, sodass ich (zwar kein Leser der ersten Stunde, aber einer der zweiten!) denke sagen zu dürfen, dass das eine der besten Ausgaben ist, die ich je in Händen hielt. – Aber kommen wir zu den einzelnen Geschichten, wobei das Problem bei Kurzgeschichten ja ist, dass man naturgemäß nicht allzu viel verraten darf, sonst ist der Clou weg:
Timo Falke – # We are Medusa
Tja, da lobe ich im Vorwort das Magazin über und über, aber zu dieser ersten Geschichte habe ich einfach keinen Zugang gefunden, deshalb unterlasse ich auch jegliche Bewertung.

Hans Jürgen Kugler – Alles zu seiner Zeit

Tolle Schilderung einer um einen herum verlangsamten Zeit. Ist kein neues Thema, aber gut gemacht, prima Stimmung eingefangen. Allerdings für mich unlogisch, dass das Wasser fest ist, die Luft aber atembar bleibt. Die zeitverzögerte Luft, die man trotzdem atmen kann, hat mich nicht überzeugt.

Wolf Welling – Löwenmenschen

Eine mich verwirrende Geschichte. Stilistisch perfekt mit einem (!) Tippfehler (für die, die es interessiert, ich suche seit der letzten Ausgabe die Fehler in Exodus, vgl. meine Rezi auf der Exodus-Homepage zu Nr. 33, wähnte ich dort doch einen gefunden zu haben (einen Fehler) und musste dann doch zurückrudern). (Seite 25 1. Spalte vorletzter Absatz …hinter einer der beiden oben liegenden Fenster…)
In der Fremdenführerin der Geschichte konnte ich Wolfs Frau erkennen! – Gut gemacht, die Story!

Dirk Alt – Die Stadt der XY

Geniale Charakterstudie, beklemmend. Erinnert fatal an die Diskussionen über die Neutronenbombe, die von den Erwachsenen geführt wurden, als ich Kind war.

Rolf Krohn – Der Asteroid

Die altbekannte Geschichte der Bedrohung der Erde, solide verpackt, perfekt geschrieben. Mach Lust auf mehr.

Jacqueline Montemurri – humanoid experiment

Asteroidenbergbau und Kryoschlaf sind Themen, die sich gut kombinieren lassen, wie hier geschehen. Einzig der Transport der Informationen für den Leser geschieht nicht so beiläufig, wie ich es mir gewünscht hätte. Übertrieben gesprochen: Da stellen sich die Protagonisten zu sehr einfach hin und referieren Dinge, die für sie eigentlich alltäglich, d. h., nicht der Erwähnung wert sein sollten. Klar, für uns Leser ist das neu und wichtig zu wissen, aber in der Form rübergebracht ist es ein wenig gestelzt bei mir angekommen. Trotzdem eine gute Story.

Michael Gernot Sumper – Electronica

Eine Fabel? Ein Gleichnis? Leider habe ich die Quintessenz nicht wirklich verstanden.

Victor Boden – Vielleicht ein andermal

Super Story. Die Zeit als veränderliche Konstante! Immer wieder subtile Änderungen, die erneut subtile Änderungen verursachen, einfach Klasse!

Thomas Franke – Der Plan

Hm, eine Persiflage auf Gesundheits- und Regulierungswahn? Ich habe irgendwie keinen Zugang gefunden.

Andreas Eschbach – Acapulco! Acapulco!

Eine Roboterstory, eine tolle! Ich hatte ein Problem hineinzufinden, aber als dann drin war, hatte sie mich gepackt. Eine logische Fortsetzung von Asimovs Gedanken, toll. Mit 16 A4 Seiten der längste Beitrag in diesem Magazin.

Frank W. Haubold – Feenland

Eine Story, die alles hat: eine glückliche/unglückliche Liebe, Verschwörungen, Action – einzig, sie könnte ausführlicher sein. Hier wird mir etwas zu viel berichtet statt erlebt. Das tut der Story etwas Abbruch. Der Stoff reicht für eine Novelle, wenn nicht gar für einen Roman! Gut gemacht!

Bleibt noch die Galerie von Markus Vogt. Überwiegend tolle Bilder. Wobei für mich eindeutig die Bilder, die Landschaften/Raumschiffe zeigen als die eindrucksvolleren zu bewerten sind. Die Bilder mit Menschen, die sich z. T. verwandeln haben für mich zu starke nekrophile Züge, das ist einfach nicht mein Fall.
Auch die restlichen Innenillustrationen der anderen Künstler sind den ein oder anderen Hingucker wert.
Alles in allem eine gelungene Ausgabe, in der ich auch gerne mit einer Story vertreten gewesen wäre. Warum war das nicht der Fall? Vermutlich, weil ich keine hingeschickt habe…

Fünf von fünf möglichen Sternen!

Wertung-5-Sterne

Exodus Magazin 34, ISSN 1860-675X, herausgegeben von René Moreau, Olaf Kemmler, Fabian Tomaschek, 12,90 €, zu beziehen über www.exodusmagazin.de.

Ren Dhark: Das große Interview

Bevor hier Missverständnisse auftreten: Nein, wir haben leider nicht Ren Dhark höchstpersönlich, den Helden der gleichnamigen Romanserie, zu einem Interview überreden können. Aber immerhin den Kopf der Truppe, die dahinter steckt: Exposéautor und Herausgeber Ben B. Black.

REN DHARK ist eine feste Größe in der deutschen SF: Eine Heftromanserie, die Ende der 1960er Jahre erschien, und nach langer Pause von einem neuen Autorenteam in Form von Hardcover-Romanbänden weitergeführt wird. Die Serie hat eine Fangemeinde ansehnlicher Größe. Das Internet-Portal dazu ist unter ren-dhark.de zu finden. Aber nun zum Interview!

Damals und heute: Ben B. Black präsentiert einen der alten Heftromane

Griff in die Vergangenheit: Ben B. Black präsentiert einen der alten Heftromane

dsf: Die ursprüngliche Heftromanserie von Kurt Brand erschien Ende der 60er Jahre. Worum ging es (grob) in der alten Serie, worum geht es in der neuen?

Black: Zunächst einmal muss man wissen, dass in den ersten Büchern, die ab 1994 erschienen, die original Heftserie in überarbeiteter Form neu aufgelegt wurde. Diese Überarbeitung war stellenweise jedoch relativ drastisch, denn sie verfolgte primär die Ziele, Logikfehler, die sich in die Heftromane eingeschlichen hatten (z.B. starb ein und dieselbe Person in einem der Originalhefte zweimal) zu beseitigen und auch Handlungsstränge herauszukürzen, die in einer Sackgasse geendet hatten oder auf sonst eine Weise für die Serie ohne Belang waren (ich erinnere mich da z.B. an ein Heft, das sich komplett um die Erforschung einer Kristallhöhle drehte, die später nie wieder in der Serie auftauchte; dieses Heft wurde in den Büchern auf wenige Sätze heruntergekürzt).

Diese Neufassung der Hefte kam bei den Lesern so gut an, dass mit Band 6 ein weiterer Schritt gewagt wurde: Bei den Bänden 6, 7 und 8 handelt es sich um Neuschreibungen, die eine zeitliche Lücke in der Originalserie schließen. Von da war es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zu der Entscheidung, dass die Serie mit Ende des Classic-Zyklus – also mit Ende der Aufarbeitung der Originalromane – fortgesetzt wird. Den Büchern ist damit also das gelungen, was den ursprünglichen Heften auch in drei Auflagen immer wieder verwehrt geblieben ist, nämlich diese überaus spannende Sternensaga fortzusetzen. Und das liegt nun über 20 Jahre zurück.

Um aber auf die eigentliche Frage zurückzukommen: In der neuen Serie geht es prinzipiell immer noch um dasselbe, also um Ren Dhark und dessen Abenteurer im Weltraum. Er und seine Getreuen entdecken dabei stetig Neues, und die Geschichten bringen die Leser nach wie vor zum Staunen, Schmunzeln und Träumen.

dsf: Wie ist die Erscheinungsweise? Es gibt ja nicht nur die Hauptserie.

Black: Derzeit gibt es zwei Reihen. Das ist zum einen die eigentliche Serie Weg ins Weltall, und zum anderen sind es die UNITALL-Bände.

Pro Jahr erscheinen sieben Weg ins Weltall-Bände, und zwar immer in den geraden Monaten eines Jahres plus ein zusätzliches Buch im November. Ursprünglich waren es sechs Bände pro Jahr, aber da die Leser nach mehr Lesestoff verlangten, haben wir noch ein zusätzliches Buch draufgepackt.

Von den UNITALL-Bänden erscheinen drei Stück pro Jahr, derzeit je einer im Februar, Juni und Oktober.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von abgeschlossenen Spin-Offs zur Serie, die teilweise noch über den Verlag bezogen werden können. Da ist einmal Sternendschungel Galaxis mit 54 Bänden. Diese Reihe schließt eine zeitliche Lücke von drei Jahren in der Haupthandlung. Dann gibt es Der Mysterious, eine sechsbändige Reihe, die die Lebensgeschichte des Worgunmutanten Arc Doorn erzählt sowie zwölf Bände Forschungsraumer Charr, wobei Letztere meines Wissens inzwischen komplett vergriffen sind.

dsf: Federführend war lange Zeit Hajo F. Breuer, aber der ist leider vor zwei Jahren verstorben. Was bedeutet(e) das für die Serie?

Black: Der Tod von Hajo F. Breuer war für uns alle zunächst einmal ein großer Schock, denn keiner im Team hatte damit auch nur ansatzweise gerechnet. Hajo hat die Serie über viele Jahre erfolgreich unter seinen Fittichen gehabt, und nun mussten wir Knall auf Fall sehen, wie wir das Schiff auf Kurs halten.

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, als er mich anrief, um mich um einen Gefallen zu bitten. »Du musst ein paar Exposés für mich fertigschreiben«, meinte er, »mir geht es gerade nicht so gut.« – »Klar springe ich für Dich ein«, antwortete ich, nicht ahnend, dass das mein letzter Kontakt mit ihm sein würde. Ich – wir alle – sind seinerzeit noch davon ausgegangen, dass Hajo zwei, vielleicht drei Wochen später wieder das REN DHARK-Ruder fest in der Hand halten würde; aber es kam völlig anders, wie wir heute wissen.

Zum Glück blieb uns damals nicht viel Zeit zum Überlegen, denn es galt, Bücher fertigzubekommen, Termine einzuhalten. Erschwerend kam hinzu, dass dieser Umbruch genau in die Zeit fiel, in der es ohnehin bei REN DHARK immer ein wenig hektisch zugeht, weil im November ein zusätzlicher Weg ins Weltall erscheint. Ergo haben wir einfach gehandelt und das getan, von dem wir überzeugt waren, dass es Hajo so gewollt hätte.

Wie gut uns das Anknüpfen gelungen ist, müssen die Leser entscheiden. Wir haben jedenfalls versucht, so wenig wie möglich zu ändern – wer ändert schon freiwillig ein erfolgreiches Konzept? –, allerdings war ich damals gezwungen, einen neuen Satzspiegel zu erstellen. Aus diesem Grund sehen die Bücher seit Weg ins Weltall Band 52 im Inneren ein wenig anders aus als zuvor, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut.

ColoniaCon: Beim Panel standen einige der Macher Rede und Antwort. Von links: Achim Mehnert, Ben B. Black, Andreas Zwengel.

ColoniaCon: Beim Panel standen einige der Macher Rede und Antwort. Von links: Achim Mehnert, Ben B. Black, Andreas Zwengel.

dsf: Im vorliegenden Band 61 der Hauptreihe „Weg ins Weltall“ haben drei Autoren Einzeltexte beigetragen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Black: Ich hole vielleicht ein wenig weiter aus, damit besser verständlich wird, wie wir hinter den Kulissen der Serie arbeiten.

In regelmäßigen Abständen – genauer: alle zwölf Weg ins Weltall-Bände – trifft sich das ganze Team in einem Hotel zu einem Arbeitswochenende. Von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag rauchen unsere Köpfe, während wir gemeinsam die Rahmenhandlung für die nächsten zwölf Bücher festlegen. Für Interessierte finden sich übrigens Berichte und Bilder zu diesen Autorenkonferenzen auf der offiziellen REN DHARK-Homepage im Bereich »Background« (http://www.ren-dhark.de/background/ – in der rechten Spalte schauen).

Aus dem so erstellen Rahmen-Exposé fertige ich dann pro Teilroman ein Feinexposé, das dem ausführenden Autor einen detaillierteren Handlungsrahmen vorgibt. Auf dieser Grundlage entsteht dann das eigentliche Manuskript, bei dem der Autor aber auch immer genug Freiräume hat, um sich und seine Ideen in die Serie einzubringen. Natürlich bewegen sich diese Freiräume innerhalb dessen, was die Serie vorgibt, und Dinge, die entsprechende Auswirkungen auf die Rahmenhandlung oder gar den gesamten Serienkosmos haben, müssen im Vorfeld abgesprochen werden.

Die Teilromane haben immer wieder Berührungspunkte zueinander oder bauen sogar aufeinander auf. In dem Fall sprechen sich die Autoren untereinander ab, übernehmen Personen- und Ortsbeschreibungen voneinander etc. Wir kennen uns im Team durch besagte Konferenzen persönlich, treffen uns hin und wieder auch auf Veranstaltungen (zuletzt auf der ColoniaCon in Köln) und sind gut aufeinander eingespielt. Die Kommunikation im Team klappt demzufolge hervorragend, denn schlussendlich haben wir ein gemeinsames Ziel, das wir mit vereinten Kräften verfolgen: Bücher zu machen, die die Leser gut unterhalten.

Die fertigen Manuskripte landen dann wieder auf meinem Schreibtisch, wo sie von mir lektoriert werden, bevor sie an die Korrektoren weitergehen. Am Ende erstelle ich aus dem Ganzen eine PDF-Datei für die die Druckerei, wo i.d.R. auch schon die Daten für den Umschlag vorliegen. Die gedruckten Bücher gehen schließlich an den Verlag, und der sorgt dafür, dass die Leser ihren neuen REN DHARK-Band pünktlich in ihrem Briefkasten vorfinden.

dsf: Ist es der Normalfall, dass die drei Texte so gut wie nichts miteinander zu tun haben?

Black: Nebenhandlungsstränge haben bei REN DHARK eine lange Tradition. Die gab es schon in der original Heftserie aus den 60er Jahren. Derzeit legen wir den Fokus aber vermehrt darauf, dass die Handlungsteile stärker zueinander in Beziehung stehen. Aktuell wird das sogar so weit gehen, dass es eigentlich gar keine Nebenhandlung mehr gibt. Der Eindruck, dass es sich in Band 61 um drei Geschichten handeln, die so gut wie nichts miteinander zu tun haben, täuscht also, und wird sich mit den Folgebänden auch nach und nach verflüchtigen. Alles wird sich mit der Zeit zu einem großen Ganzen zusammensetzen, und ich kann jetzt schon verraten, dass wir im Zuge dessen mindestens ein großes Rätsel aus dem REN DHARK-Kosmos aufklären werden.

Im Gegensatz dazu stehen die Sonderbände, also die UNITALL-Reihe. Bei diesen halten wir es seit einiger Zeit bewusst so, dass sie so gut wie gar nichts mit der Handlung in den Weg ins Weltall-Bänden zu tun haben, folglich also auch völlig losgelöst davon gelesen werden können. Jeder Band enthält einen in sich abgeschlossenen Roman, der auch ohne Kenntnis des REN DHARK-Kosmos Lesevergnügen bereitet. Natürlich lassen sich nicht immer alle Berührungspunkte vermeiden, denn schließlich spielen auch die UNITALL-Bände im selben Serienuniversum, dennoch ist dessen Kenntnis zum Verständnis der Handlung nicht notwendig. Ich vergleiche das gerne mit den Perry-Rhodan-Planetenromanen, die ich als junger Mensch mit Begeisterung verschlungen habe, ohne die Serie selbst je gelesen zu haben.

dsf: Wer ist Ren Dhark? Was für ein Mensch?

Black: Ren Dhark ist zunächst einmal ein Raumfahrer, ein Abenteurer. Bereits als junger Mann ist er mit einem Kolonistenraumer, der Galaxis, in die Weiten des Alls aufgebrochen. Dabei kam es allerdings zu einem folgenschweren Zwischenfall, der das Schiff so weit vom Kurs abbrachte, dass niemand mehr wusste, wo die Erde zu finden ist – ganz zu schweigen davon, dass die Galaxis so schwer beschädigt war, dass sie den Rückflug ohnehin nicht mehr überstanden hätte. Im Zuge weiterer Verwicklungen entdeckt Ren Dhark dann schließlich sein legendäres Raumschiff, die Point of, und macht sich daran, die Heimatwelt der Menschen wiederzufinden. Das gelingt ihm auch, allerdings ist die Erde inzwischen von Invasoren besetzt, die die Menschheit geistig komplett versklavt haben, und es ist wieder Ren Dhark, der nach einer Möglichkeit sucht, die unterjochten Menschen zu befreien.

Dieser kurze Abriss zeigt eigentlich schon recht deutlich, was Ren Dhark für ein Mann ist. Er will in erster Linie Gutes tun, will den Menschen helfen. Er kämpft gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung, ist zugleich aber auch von einem unbändigen Forscherdrang beseelt, der ihn ein ums andere Mal in neue Abenteuer führt.

dsf: Welchen Fokus hat die Serie? Weltraum-Abenteuer? Oder steckt mehr dahinter?

Black: In erster Linie soll REN DHARK den Leser gut unterhalten. Wenn die Leute etwas von Problemen hören wollen, können sie die Nachrichten einschalten, dort gibt es mehr als genug davon. Daher versuchen wir primär, Bücher zu machen, die einen beim Lesen entspannen lassen und den Leser auf unterhaltsame Weise in die Weiten des Weltraums entführen. Trotzdem greifen wir von Zeit zu Zeit auch immer wieder Themen auf, die im weiteren Sinne als gesellschaftskritisch zu bezeichnen sind. Und wir nutzen die Möglichkeit, die es in dieser Form eigentlich nur in der SF gibt: Wir spielen »was wäre, wenn?« und experimentieren auf dieser Basis mit möglichen Gesellschafts- und Kulturformen, wollen den Leser bewusst ein wenig zum Nachdenken anregen – natürlich alles in einem Rahmen, der REN DHARK nicht zur »schweren Kost« werden lässt.

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle ein »was wäre, wenn?«, das nun schon etliche Bände zurückliegt. Dabei haben wir mit dem Gedanken gespielt, wie es wohl wäre, wenn es auf einem Planeten eine gute Diktatur und eine schlechte Demokratie gäbe, und es dem Leser selbst überlassen, in welcher dieser beiden Gesellschaften er lieber leben würde. Selbstverständlich war das provokant und hat in der Folge auch zu heißen Diskussionen geführt, bei denen auch wir Autoren teils heftig angegangen wurden. Dennoch sage ich: Ziel erreicht, in den Köpfen der Leute hat sich etwas bewegt.

dsf: Welchen Raum nehmen menschliche Komponenten in der Serie ein?

Black: Viele Leute, die keine SF lesen, denken beim Begriff »Science-Fiction« zuerst an Technik und dass diese bei den Erzählungen das zentrale Thema darstellt. Wenn es dann einmal gelingt, so jemanden dazu zu überreden, doch »einen DHARK« zu lesen, sind die Betreffenden dann meist überrascht, wie menschlich es in den Büchern zugeht, und dass es eben gerade die menschliche Komponente ist, die dabei nicht zu kurz kommt. Eine gute Geschichte zeichnet sich ja i.d.R. nicht zuletzt dadurch aus, dass sie eben auch erzählt, was mit den Menschen ist, die in der spannenden Handlung agieren. Wie fühlen sie? Was denken sie? Warum verhalten sie sich so und nicht anders?

All das versuchen wir, ebenfalls in die Bücher zu stecken, weil wir davon überzeugt sind, dass die Menschheit eines Tages nur dann erfolgreich zu den Sternen aufbrechen kann, wenn sie auch menschlich bleibt und sich nicht sklavisch irgendwelchen technischen Innovationen oder sonstigen Dogmen unterwirft.

dsf: Ren Dhark hat auch Eheprobleme … ein SF-Held, der nicht mit seinem Raumschiff verheiratet ist?

Black: Oh doch, Ren Dhark IST mit seinem Raumschiff verheiratet, es ist ihm nur nicht immer so ganz klar. Und das ist sicherlich einer der Punkte, die seine Beziehung zu Amy Stewart streckenweise so schwierig machen. Gemütliches Herumsitzen geht unserem Helden ziemlich schnell auf die Nerven, was zu Beginn des neuen Zyklus einer der Gründe ist, warum er und Amy sich eine Auszeit nehmen.

Und dann gibt es da ja noch diesen Iondru – ein geheimnisvoller Mann, der genetisch mit Ren Dharks verstorbenem Sohn aus seiner Beziehung zu Joan Gipsy identisch ist. Natürlich ist unser Raumfahrer neugierig auf diesen Menschen, und umso mehr trifft ihn dessen Zurückweisung, bringt ihn zum Grübeln. Womit wir wieder bei der menschlichen Komponente der Serie wären – eine Seifenoper wird daraus trotzdem nie werden.

Und keine Sorge, der weibliche Cyborg Amy Stewart mit dem fantastischen Äußeren kehrt bereits im Folgeband wieder in die Handlung zurück und wird auch weiterhin eine tragende Rolle in der Serie spielen. Und wer weiß, vielleicht finden Ren und Amy auch eines Tages wieder zueinander …

dsf: Die alte Serie wurde vor bald 50 Jahren geschrieben. Weg ins Weltall spielt nur wenige Jahre danach – und scheint mehr Wert auf Kontinuität denn Aktualität zu legen. Sonst gäbe es keine Roboter, die sich nicht mal bemühen, nicht wie Menschen zu wirken, mächtige Mutanten, Zeitungsreporter, die aus einem Versteck heraus Verbrecher beobachten statt eine Überwachungskamera zu hacken – ist Ren Dhark gezielt unmoderne SF? Sprich: Retro?

Black:  In der Tat ist Kontinuität für uns und die Leser sehr wichtig. Das bedeutet auch, dass wir mit dem Versuch, Neues in die Serie zu bringen, sehr vorsichtig sind, denn ansonsten hören wir von den Stammlesern schnell den Vorwurf »Das ist nicht mehr REN DHARK!«. In unserer hektischen Zeit bietet die Serie daher einen Ruhepol, ist etwas Verlässliches, bei dem man weiß, auf was man sich einlässt.

Änderungen und Neuerungen bleiben trotzdem nicht aus, und das geht ja auch gar nicht anders. Klackten in den 60er-Jahren noch allenthalben irgendwelche Relais in Raumschiffen, würde eine solche Schilderung heute wohl eher die Frage aufbringen, ob die moderne Technik komplett an den Machern der Serie vorbeigezogen ist, zumal viele jüngere Leser – den Halbleitern sei Dank – unter Umständen gar nicht mehr wissen, was ein Relais überhaupt ist. In einem der letzten Bände hatten wir sogar eine Cyber-Attacke, die einem intelligent gewordenen Hyperkalkulator heftig zusetzte. Dieser Angriff trug auch Züge dessen, was heutzutage nahezu jedermann als DoS-Angriff ein Begriff ist. Allerdings machen wir keine ausgedehnten Ausflüge in virtuelle Welten, wie es sonst in der SF inzwischen gerne getan wird, fabulieren nicht stundenlang über Nano-Technologie und Ähnliches. Wie ich oben schon schrieb, steht das Abenteuer und dabei der Mensch meist im Vordergrund, und das ist auch gut so, denn das ist REN DHARK.

Die augenscheinlichste Veränderung, die die Serie über die Jahre erfahren hat, ist dann auch prompt bei den Menschen zu finden. Ich spreche dabei vom Frauenbild in der SF. Bildeten Frauen zu früheren Zeiten nur das schmückende Beiwerk, das allenfalls dazu diente, von den Helden gerettet zu werden, sind heutzutage starke weibliche Charaktere aus den Erzählungen nicht mehr wegzudenken. Den Grundstein dafür hat jedoch bereits Kurt Brand, der Schöpfer von REN DHARK, gelegt, indem er die Figur der Anja Riker, geb. Field, schon recht früh in die Serie einbrachte. Anja ist nicht nur sehr hübsch – ihre hautengen Pullis sind bei Lesern wie Autoren gleichermaßen legendär –, sondern auch noch hochintelligent. Sie ist eine begnadete Mathematikerin, der es als Erste gelungen ist, die Mathematik der Mysterious, den geheimnisvollen Erbauern der Point of, zu entschlüsseln. Die schon mehrfach erwähnte Amy Stewart gehört auch zu diesen starken Frauen, ebenso wie die überaus fähige Biologin Rani Atawa und die knallharte Ausbilderin der Rauminfanterie Maria Morales, um nur ein paar weitere Beispiele zu nennen.

REN DHARK ist also beides: modern und retro zugleich. Sowohl die Leser als auch die Autoren fühlen sich sehr wohl damit, und das dürfte auch einer der Punkte sein, der REN DHARK von dem abhebt, was es sonst noch im Bereich der deutschsprachigen SF am Markt gibt.

dsf: Zeit für Dein Schlusswort!

Black: Hier sei vielleicht noch der Hinweis auf die REN DHARK-Gruppe bei Facebook erlaubt, an der sich neben vielen Lesern auch die Mitglieder des REN DHARK-Teams beteiligen: https://www.facebook.com/groups/124865850914078/

Wichtig ist mir darüber hinaus vor allem, dass es weiterhin viele Geschichten gibt, die die Leser gut unterhalten. Zum Glück haben wir im deutschsprachigen Raum eine lebendige SF-Szene, in der es regelmäßig viele gute Veröffentlichungen gibt, sodass ich mir in dieser Richtung derzeit wohl keine Sorgen zu machen brauche. Hoffen wir, dass das auch noch lange so bleiben wird. In diesem Sinne: Ad astra!

dsf: Vielen Dank für das Gespräch!

SF, Technik und Musik!

Gerade eben habe ich Christian Weis‘ Artikel über Kraftwerk gelesen – und natürlich gebe ich ihm Recht. Schon immer hatte (elektronische) Musik den „touch of future“. Technischer Fortschritt wurde vorausgeahnt und visionär vertont. Erstaunlich oft kamen dabei Player aus Deutschland ins Spiel …

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E-Books, die’s drauf haben: „Das Amt für versäumte Ausgaben“ von Uwe Hermann

Selten nur empfehlen wir im Selbstverlag erschienene E-Books, noch seltener Story-Sammlungen, die allgemein bei Verlagen als unverkäuflich wie drei Tage altes Brot gelten. Einem Sechser im Lotto gleicht dann wohl eine vom Autor selbst verlegte Story-Sammlung, die nicht nur für empfehlenswert befunden wurde, sondern auch statt heutzutage üblicher Dystopien mit einer ordentlichen Portion Humor daherkommt. Die Rede ist von einem der wenigen Spezialisten für humorvolle SF in Deutschland: Uwe Hermann (Homepage).

In seiner mittlerweile vierten bei Amazon KDP erschienenen Story-Sammlungen vereint Uwe Hermann höchst unterhaltsame Storys, die in den vergangenen Jahren in verschiedenen Magazinen erschienen sind, sowie neue Geschichten. In Uwe Hermanns Helden erkennen wir uns oft selbst wieder, fehlerbehaftet, Opfer kafkaesker, monströser Bedrohungen des (zukünftigen) Alltags. Insgesamt zehn Geschichten vereint die Sammlung, die übrigens via Createspace auch in Papierform erhältlich ist.

Übrigens stehen wir von dsf mit  unserer Leseempfehlung nicht allein da: Zwei der neuen Storys in der Sammlung wurden für den Deutschen Science Fiction Preis respektive den Kurd-Laßwitz-Preis 2016 nominiert.

Ganz klar: Dies ist eines der besten 2015 erschienenen E-Books in der deutschen SF-Selbstverlags-Szene.

Link zu Amazon

Interview mit den Verantwortlichen von „Wir sind die Flut“

wir sind die flut - titelWie versprochen haben wir weder Kosten noch Mühen gescheut, uns hinter die Kulissen von Berlinale und Filmindustrie zu schleichen und euch Insiderinfos zum neuesten deutschen SF-Film zu präsentieren. Weiterlesen »

Neuer deutscher SF-Film!

In „Wir sind die Flut“ von Sebastian Hilger geht es zur Abwechslung mal nicht darum, dass Küstenstädte wegen Klimaerwärmung und Eisschmelze geflutet werden, sondern dass sich ein Meer zurückzieht. „Einfach so“. Warum? Das versuchen Wissenschaftler herauszufinden. Und auch, warum gleichzeitig sämtliche Kinder aus Windholm verschwunden sind …

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Sternentreck

So oder so ähnlich könnte sie heißen, die neue Star Trek Trilogie aus deutscher Feder 😉

Aber Spaß beiseite, natürlich freuen wir uns, dass bald  Star Trek Romane von deutschen Autoren herauskommen und zwar bei Cross Cult, ab Juli 2016. Also pünktlich zu „Star Trek Beyond“. Dies meldete die Marketingabteilung des Ludwigsburger Verlags. Weiterlesen »

Blick hinter die Kulissen von „Biom Alpha“

Seit knapp zwei Wochen ist die neue deutsche SF-Serie BIOM ALPHA (biomalpha.de) auf dem E-Book-Markt. Einiges an dieser Serie ist anders als bei anderen – Grund genug für ein kleines Frage-Antwort-Spiel mit dem „Obersten Bionauten“, Uwe Post.

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Worum geht es in BIOM ALPHA?

Die Serie spielt in der nahen Zukunft: Ein Schwarm fremdartiger, offenkundig biologisch geprägter Raumschiffe nähert sich der Erdumlaufbahn. Die Entdecker – allen voran April Reignar, eine US-amerikanische Astronomin – geraten sofort in Schwierigkeiten mit Militärs und Politikern. Einige Schiffe landen auf der Erde – eines davon in der Nähe von Hamburg, wo eine Gruppe UFO-Fanatiker schon sehnsüchtig wartet. Aber als schlurfende, geflügelte Aliens mit vier Beinen und zwei Armen aussteigen, erleben die Beobachter eine Überraschung… (selbst die, die eine gewalttätige Invasion erwartet haben!) Dies ist, grob gesagt, das Geschehen in Episode 1. In den folgenden Episoden werden weitere Aliens auf der Erde landen und einige Menschen die riesigen Habitatschiffe des Biom Alpha betreten … und noch mehr Überraschungen erleben.

Wie ist die Serie konzipiert?

BIOM ALPHA erscheint zunächst alle zwei Monate im Wurdack-Verlag als E-Book. Sechs Episoden ergeben eine Staffel. Auch auf Papier wird es die Serie geben: In Form von zwei Sammelbänden, die jeweils drei Episoden enthalten.
Die Handlung ist fortlaufend. Es gibt zahlreiche Storyfäden, die miteinander verbunden sind. Man munkelt, der eine oder andere könnte mit dem Tod der zugehörigen Hauptfigur enden … aber das muss man wohl abwarten, noch leben alle. Am Ende von Staffel 1 gibt es gleich mehrere Paukenschläge, die einiges erklären aber gleichzeitig neue Fragen aufwerfen. Staffel 2 ist bereits in Planung.

Wer schreibt BIOM ALPHA?

Ein paar erfahrene Autoren der deutschen SF-Szene waren der Ansicht, dass sich Buchserien durchaus mehr an erfolgreichen TV-Serien orientieren könnten. Man darf einem Leser ruhig zumuten, drei bis vier Handlungsebenen zu folgen, mit verschiedenen Figuren zu fiebern und anspruchsvollere Geschichten als „fürchterliche Aliens greifen mit schwerem Lasergeschütz an!“ zu begreifen.
Zwingend ergab sich die Schlussfolgerung, dass eine solche nicht-klassische Serie nicht auf die klassische Weise geschrieben werden kann, also mit einer Exposé-Redaktion und einer Reihe Autoren, die je einen Roman verfassen.
Deshalb versammelte Serien-Erfinder Uwe Post besonders teamfähige und ideenreiche Kollegen um sich, die das neuartige Konzept gemeinsam umsetzen: Frederic Brake, Frank Lauenroth, Uwe Hermann, Niklas Peinecke, Merlin Thomas und Christian Weis. Diese Autoren entwickeln alle Ideen gemeinsam, und jeder schreibt „seinen“ Handlungsstrang. Da in jeder Episode mehrere Handlungsstränge vorkommen, kommen letztlich in jedem Band mehrere Autoren zu Wort. Damit es keine stilistischen Sprünge gibt und alles zusammenpasst, wird jedes Manuskript von einem Kollegen redigiert. Dann setzt der Chefredakteur die Episoden zusammen, lektoriert sie dabei, und gibt sie schließlich an den Herausgeber, der nochmal ein Schlusslektorat durchführt.
Niemand muss übrigens vor dem berüchtigten schrägen Humor des Serien-Masterminds Uwe Post Angst haben. Zwar gibt es auch mal witzige Stellen, insgesamt aber ist die Geschichte „ernst gemeint“ und keine Satire.

BiomAlphaCover1_2_Cover1000Was heißt „biologisch geprägt“?

Dieses Konzept ist keine Erfindung von BIOM ALPHA. Man denke an das lebendige Raumschiff in Farscape oder auch den an Ameisenvölkern orientierten Borg. Wir finden, dass es genug SF-Storys gibt, in denen Raumschiffe aus Stahl oder Plastik gebaut sind und matt im Sternenlicht glänzen. Die Außenseite der BIOM-Habitate sind von Flechten überzogen, die Photosynthese betreiben. Innen gibt es ökologische Kreisläufe, Bio-Recycling und Genmanipulation. Das BIOM baut nicht biologische Systeme aus verschraubtem Kunststoff nach – es züchtet sie, wie es sie braucht. Alles ist miteinander verbunden, es gibt Symbionten und für die „Bionauten“ alsbald die eine oder andere Überraschung an oder in ihrem eigenen Körper … eine erstaunliche, vielfältige Welt, die sich zu entdecken lohnt. Ganz abgesehen von den Planeten, die die Bionauten noch besuchen werden.

Warum sollte ICH diese Serie lesen?

Neugierig auf eine gute Geschichte? Eine große Geschichte? Auf eine Geschichte mit unerwarteten Wendungen? Auf lebendige Figuren statt den typischen Raumschiffkapitän? Neugierig darauf, was deutsche Autoren, die Fans von Game of Thrones, Battlestar Galactica oder Frankie goes to Hollywood sind unter einer modernen Space Opera verstehen?
Die E-Books sind nicht teuer (EUR 2,99), die Episoden nicht übertrieben lang. Alles in allem wenig Gründe, KEINEN Blick in die erste Episode zu werfen, oder?

BIOM ALPHA beim Wurdack-Verlag

Michael Iwoleit mit klarem Standpunkt

Michael K. Iwoleit hat schon zahlreiche SF-Preise und Nominierungen erhalten. Als Mitherausgeber von Nova trägt er dazu bei, dass die Storyszene in Deutschland lebendig bleibt. Außerdem schreibt er immer wieder Essays und Artikel zur SF-Literatur. Lesen Sie nun exklusiv bei uns seine Meinung zur literarischen Einordnung aktueller SF, die er bereits in TERRAsse (Begleitheft zum Pentacon 2015) kundgetan hat:

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Rezension: „Die Welt mein Herz“ (Theaterstück v. Mario Salazar)

<schnipp> … Die Welt mein Herz (nicht Paco Rabanne)! Was letzten Samstag noch so geschah: Weiterlesen »

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