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„Weil wir Science Fiction lieben“

Mit ihrer Schundheftchen-Reihe „Super Pulp“ wollen die beiden Wiener Herausgeber namens „r.evolver” und „Dr. Trash” die Tradition der Schundliteratur in diesem ganz speziellen Format neu beleben. „Super Pulp” mischt dabei alle fantastische Genres von Horror bis SF und beeindruckt auch mit schaurigen Covern.

In der Ausgabe „Super Pulp 2” beackert der Österreicher Alex De das Cyberpunk-Genre mit seiner Story „Cooking Kangoo”, der Hamburger George T. Basier nimmt sich in einem Kurz-Psychothriller Superhelden-Fans vor und Helmuth Santler aus Wien treibt in „Suicide New!” das böse Spiel mit den Reality-Fernsehshows von Morgen auf die Spitze. Deutsche-science-fiction.de sprach mit dem Herausgeber Dr. Trash, zugleich einer der beiden Verleger bei Evolver Books.

Andreas Winterer: Science Fiction, erst recht im Heftchen-Format, hat einen ganz üblen Ruf im deutschsprachigen Raum. Zu Perry Rhodans 50sten wurden Fans der Hefte bei DIE ZEIT gar als ewig gestrige Vollpfosten abgestempelt. Wollt ihr da jetzt mit SUPER PULP den letzten Nagel in den Sarg der deutschsprachigen SF hauen?

Dr. Trash: Zu Sargnägeln aller Art haben wir ein harmonisches Verhältnis… und wer liest schon DIE ZEIT? Das sind doch genau die Leute, die auch Tarantino-Filme gut finden, sich all die langweiligen Mumblecore-Streifen vom Sundance-Festival anschauen (und dann zutiefst betroffen sind, weil sie schon wieder eineinhalb Stunden ihrer wertlosen Lebenszeit vergeudet haben). Überall erzählen sie herum, dass Fernsehen blöd ist, aber anschauen tun sie nur ARTE und 3SAT, wegen der Kultur und der intellektuell ansprechenden Qualität und so weiter und …

Äh, war das Ihre Frage, Herr Winterer?

aw: Nein, war sie nicht …

Dr. Trash und r.evolver (Foto: Chris Haderer)

Dr. Trash und r.evolver (Foto: Chris Haderer)

Dr. Trash: Also: Science Fiction hat seit jeher bei den Feuilleton-Deppen einen schlechten Ruf. Dessen ungeachtet geht sie (vor allem, wenn man den Young-Adult-Phantastik-Boom der letzten paar Jahre einrechnet) anscheinend ganz gut.
Und wir von EVOLVER BOOKS machen ja – bei SUPER PULP, aber auch unseren anderen Publikationen – nicht nur in Science Fiction, sondern (wie man unschwer am Titel unserer Heftchen erkennen kann) in gepflegtem Pulp. Also auch Horror, Phantastik generell, Thriller, Abenteuer – alles, was den Leser unterhält und ihm keine grauenhafte Selbstfindungs-Literatur vorsetzt.

aw: Wollt ihr mit diesen Heftchen der Genreliteratur ein Denkmal setzen?

Dr. Trash: Im Gegenteil. Wir wollen sie aktiv weiterführen. Wir wollen zeigen, dass es auch im deutschsprachigen Raum begabte Autoren auf diesem Gebiet gibt. Und interessierte Leser.
Und weil wir Science Fiction natürlich lieben – und daher immer ein Herz für solche Beiträge haben – gibt es nicht nur eine, sondern sogar gleich zwei SF-Geschichten in SUPER PULP 2, auch wenn „Suicide New!” nur die berühmten fünf Minuten in der Zukunft spielt.

aw: Die andere SF-Story, „Cooking Kangoo”, ist ausgerechnet Cyberpunk: Das Genre ist doch eigentlich töter als tot, oder?

Dr. Trash: Wenn es eine modernisierte Version von Cyberpunk ist, nur her damit! Schließlich war das ein Subgenre, das uns alle sozialisiert hat und uns hoffen ließ, dass die SF sich nicht ewig mit langweiligen „humanistischen” Gedankenexperimenten aufhalten muss.
Das ist wie beim Jazz oder in der Popmusik: Die einzelnen Stile und Genres sind dazu da, dass man sich ihrer heute bedient, sie verändert und darüber improvisiert.

aw: Klingt plausibel. Dennoch möchte man euch vor allem bei diesem Heftchen-Format fragen: Seid ihr noch bei Sinnen? Wie kam es dazu, dass ihr euch ausgerechnet dafür entschieden habt?

Dr. Trash: Weil wir in jungen Jahren Hefte gelesen und gesammelt haben, so wie die günstigen Krimi-Taschenbücher, die vielen Comics und alles andere, was verboten war. (Das heißt, in meiner Familie war das alles nicht verboten; meine Eltern gaben mich schon relativ früh ans Lesen verloren …) Und dann sind all diese Sammlungen beim ersten oder spätestens zweiten Umzug irgendwie verloren gegangen, wurden verkauft, verschenkt, vernichtet (und waren später natürlich zum Teil viel wert, wie das bei allem der Fall ist, was man weggibt). Und dann fingen wir doch wieder an, sie zu kaufen – neue Serien aus Neugier in der Bahnhofsbuchhandlung, alte Serien aus Nostalgie in der Romantauschzentrale, “Perry Rhodan” und “Jerry Cotton”, weil plötzlich Bekannte mitschrieben.

Als Marketing-Mensch würde ich sagen: ein erhaltenswertes Format. Als hoffnungsloser Pulp-Romantiker sage ich: niemals vergessen! Zumal das österreichische Romanheft ja einst von der staatlichen Zensur gekillt wurde – also lassen wir es jetzt wieder auferstehen. Zwar mit Kurzgeschichten statt Romanen, aber im traditionellen Stil und optisch möglichst den Originalen nachempfunden. Preisgünstig, zutiefst unterhaltsam und garantiert nicht recyclingfähig.

aw: Warum keine eBooks? Für Schund, oder sagen wir: unterhaltsame Weltraumabenteuer, Horror und andere Phantastik scheint das ja die kommende Plattform zu sein…

Dr. Trash: Wir brauchen für alles viel zu lange … und eigentlich nervt uns, dass E-Books anscheinend sein müssen. Weil wir ja eigentlich als erklärte Freunde des gedruckten Wortes mit dem Verlag angefangen haben. Aber: Wir werden E-Books machen, demnächst als Versuchsballon – da wird zum Erscheinen von POL POT POLKA, dem zweiten Abenteuer mit Kay Blanchard, der Vorgänger NAZI ISLAND MYSTERY elektrotechnisch erscheinen. Also: Modern, schön und gut, aber bitte keine Hektik!

aw: Wann gibt’s das nächste SUPER PULP, und wird wieder eine SF-Story dabei sein?

Dr. Trash: Wenn alles klappt (und wann hat es das jemals?) noch vor dem Weltuntergang zum Jahresende. Ob SF dabei sein wird, wissen wir noch nicht, weil wir noch auswählen – aber ohne Phantastik wird´s auch nächstes Mal nicht gehen.

aw: Und was ist mit diesem „Pol Pot Polka”? Klingt nicht nach Science Fiction…

Dr. Trash: So wie r.evolvers NAZI ISLAND MYSTERY spielt auch der neue, trashige Drugs & Sex & Rock’n’Roll-(und noch mehr Sex)-Thriller POL POT POLKA in der Zukunft. Oder in einer Parallelwelt, in der es eben geklonte Diktatoren, das Vierte Reich, Alien-Bolschewiken, Zombies und ähnliche Handlungselemente gibt. Das Buch wird übrigens demnächst erscheinen, dann kann jeder selber nachlesen, wie SF heute aussehen soll. Oder kann.

aw: Gibt es noch was, was die Welt wissen sollte?

Dr. Trash: Kauft dieses Heft – für euch selbst, eure Freunde und Ange/vertrauten oder am besten gleich für die ganze Firma/Schulklasse/Wohnanlage! Und wer zwei EVOLVER BOOKS kauft, kriegt ein SUPER PULP nach Wahl (also No. 1 oder 2) geschenkt!

aw: Wir danken für dieses Gespräch.