SF auf der gamescom

Jährlich treffen sich Hersteller, Spieler, Geeks, Hostessen, Cosplayer und noch mehr Geeks auf der Messe gamescom in Köln. Auch dsf hat vorbeigeschaut.

Es wirkt fast schon etwas verzweifelt, wenn Spiele wie Assassins Creed III die Fläche einer halben Messehalle in Beschlag nehmen. Fullprice-Games kosten in der Entwicklung Millionen, und die müssen irgendwie wieder reinkommen. Da zu allem Überfluss fast alle Games fast gleich aussehen und sehr ähnliche Themen haben, muss man eben protzen, um aufzufallen.
Und was soll ich sagen? Es funktioniert. Junge Leute stehen sich in Zickzack-Warteschlangen stundenlang die Beine in den Bauch, um 20 Minuten Doom 3 oder das neue WoW-Addon zocken zu dürfen. Bei anderen Games ist der Andrang überschauberer: Das neue XCOM spiele ich ohne Wartezeit, aber auch ohne großes Interesse: Das Spiel zeigt mir immer genau, wohin ich zielen muss. Ich fühle mich als Sklave des Tutorials.

Thematisch ist nichts neues zu erwarten. Aliens erobern wahlweise die Erde oder übernehmen gleich die menschlichen Körper mit ihren PSI-Kräften. Dann gibt es da natürlich die obligatorischen Zombies, aber eins ist immer gleich: Die rot markierten Wesen müssen mit möglichst klobigen Waffen niedergemäht werden.
A propos rote Markierung: Bei einem ungenannt bleiben wollenden Seeschlacht-Spiel bleibt es völlig ohne Folgen, wenn ich die blau markierten eigenen Schiffe bombardiere. Ich gehe spaßeshalber auf Kollisionskurs mit dem feindlichen Zerstörer – und beide Schiffe gleiten berührungslos durcheinander hindurch. Puh. Gut, dass ich dafür kein Geld ausgegeben habe. Dabei sieht’s irgendwie cool aus, mit den Feuerbällen und dem glitzernden Meer und den uniformierten Hostessen nebendran… ups.

Dann doch lieber retro: Dringend zu empfehlen ist ein Besuch in Halle 10, wo nahezu alle Homecomputer und Spielekonsolen der Anfangszeit ausgestellt sind und sogar bespielt werden können. Nicht weit entfernt wird gesägt und gebastelt, was das Zeug hält: Die Case Modder sind in Aktion.

Mehr Schein als Sein: Alles ist laut (Djs, Bühnenprogramme) und bunt (der größte Bildschirm ist geschätzte 20 Meter breit) und sieht wirklich beeindruckend aus, aber neue Spielkonzepte sind Mangelware. Der x. Klon von Starcraft wechselt sich ab mit dem typischen Egoshooter oder Farmville-Klon. Kein Wunder: Neue Konzepte sind riskant. Probiert man etwas aus, das die Spieler nicht mögen oder kapieren, sind die Entwicklungskosten futsch. Was man den Typen, die auf die durchgeknallte Idee gekommen sind, einen Oktoberfest-Manager zu entwickeln, irgendwie nicht wünschen mag.
Alles, was als Browser- oder online-Spiel durchgeht, muss eh kostenlos sein. Daher sucht man nach neuen Einnahmequellen, bisher mit wenig Erfolg. Bis auf World of Warcraft stoßen Abogebühren auf wenig Akzeptanz. So ist auch Star Wars – The Old Republic demnächst kostenlos spielbar, woran die missmutig dreinschauenden imperialen Truppen auch nichts ändern konnten.

Weit und breit nichts zu sehen von echten Cybergames, bloß LG versucht massiv mit riesigen 3D-Screens und passenden Spielen zu punkten, bloß kriegen die meisten Leute davon ziemlich schnell Kopfweh. Aber vielleicht ist das ein gutes Mittel gegen Spielsucht… die ja nicht zuletzt im Messe-Partnerland Korea ein Problem zu sein scheint. Thematisiert wurde das aber nicht groß. Aber das ist dann wohl auch eher der Job der SF-Autoren.