Interview mit Dr. Heiner Wolf (Galactic Developments)

20. April 2015
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Galactic Developments ist die fakten- und fiktionsgestützte Historie unserer benachbarten Sonnensysteme und insbesondere der Menschheit bis hinein in eine weit entfernte Zukunft. Fremde Völker, neuartige Technologien, ungeahnte Konflikte – alles was ein gutes SF-Universum ausmacht. Wir haben mit dem Schöpfer Heiner Wolf gesprochen:

Herr Wolf, wie ist Ihnen die Idee für Ihr Projekt gekommen?

Ursprünglich war die Geschichte nur der Hintergrund für die Zeichnungen, die ich damals mit Bleistift und Lineal angefertigt habe. Irgendwann hat sich das Verhältnis dann umgedreht. Inzwischen sind mir die Geschichten viel wichtiger.

 

Warum beginnt die Dokumentation in der Zukunft? Ich meine, die Entwicklung der Völker hatte doch schon eine lange Geschichte hinter sich oder?

Tatsächlich fing die aktuelle Timeline im Jahr 2000 an. Fast alle SF-Autoren fangen etwas weiter in der Zukunft an, um nicht gleich von der Realität widerlegt zu werden. Ich wollte damals mutig sein und „heute“ beginnen. Natürlich hat mich die Realität schnell eingeholt. Ironie der Geschichte: mir sind einmal Daten verloren gegangen und darunter war auch die Datei mit dem ersten Jahrhundert.

 

Inwieweit fließen reale Forschungsergebnisse und Entdeckungen in Ihr Projekt ein?

Ich versuche so nahe wie möglich an Hard Science zu bleiben. Oder zumindest nichts anzunehmen, von dem wir heute schon wissen, dass es unmöglich ist. Allerdings ist nicht alles unmöglich, von dem wir heute glauben, dass es nicht geht. Die Wissenschaft hat immer wieder neue Wege gefunden, um Barrieren zu umgehen, wenn sie sie nicht einreißen konnte. Nichts, was schwerer ist als Luft, kann fliegen. So hieß es einmal und dann kam die Tragfläche. Nichts kann schneller fliegen als das Licht, wissen wir heute. Das wird auch so bleiben, aber es wird Wege geben, woanders zu sein, bevor das Licht dort ankommt. Das wirkt dann wie Überlichtgeschwindigkeit, ist es aber nicht. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass ein verspätetes Licht kein Problem für die Kausalität darstellt.

 

Es gibt ja sogar Zeichnungen der Raumfähren etc. Haben Sie die selbst angefertigt?

Ich war schon ganz früh von Perry Rhodan Risszeichnungen begeistert. So hat das Zeichnen bei mir angefangen. Man sieht am Stil, dass die Zeichnungen noch aus der Zeit vor 3D und CAD stammen. Heute würde man technische Risszeichnungen wohl eher mit Blender in 3D machen. Ich bin ein großer Bewunderer von SF-Darstellungen, von technischen Zeichnungen und (heute meistens in Grafikprogrammen) gemalten Bildern. Ich bin allerdings besser darin, mir Sachen auszudenken und sie aufzuschreiben, statt sie zu zeichnen.

 

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Unter den Dokumenten finden sich verschiedene „Polizeiberichte“ u. Ä. Kann man diese als Storys lesen, d. h. haben sie erzählerischen Tiefgang oder handelt es sich hierbei „nur“ um sachliche Schilderungen?

Begonnen habe ich mit zusätzlichen Erläuterungen in einer sehr sachlichen Form. Als Autor bin ich eher der nüchterne Faktenschreiber. Ich merke aber immer wieder, dass man Geschichten lesen will. Deshalb wird Storytelling immer wichtiger. Leben kommt in ein Szenario nur durch Geschichten und Charaktere mit denen man sich identifizieren kann.

 

Welche Ihrer erschaffenen Zivilisationen betrachten Sie als die außergewöhnlichste?

Einmal hat mich meine Freundin herausgefordert etwas wirklich Neues zu erfinden. Nicht nur „normal“ anders, also Wesen mit drei statt zwei Augen, oder ganz fremdartiger Mentalität, sondern so anders, dass man es sich nicht vorstellen kann. Zugegeben ein hoher Anspruch. Heraus gekommen sind die Bavandara von Wotan. Wesen, die auf einem jupiterähnlichen Planeten aus Turbulenzen in der Atmosphäre bestehen. Die Individuen sind bis 500 km groß. Im Inneren finden komplexe stoffwechselartige Prozesse statt. Systeme von Mikrowirbeln transportieren Energie und Informationen zwischen Untereinheiten. Die Wesen können sich fortbewegen indem sie gerichtete Wirbel an ihrer Oberfläche ausbilden. Sie nehmen an der Oberfläche kinetische Energie der Atmosphäre auf und scheinen dafür den energiereichen Regionen in der turbulenten Atmosphäre ihres Riesenplaneten zu folgen.

 

Was ist die Solare Koalition?

In der Anfangszeit der interplanetaren Entwicklung ist die solare Koalition ein Zusammenschluss von Raumstationen und Asteroidenbasen. Das ist eher als eine UNO zu sehen, denn die Mitglieder sind selbständig und sich nicht immer wohl gesonnen. Einige Jahrhunderte findet Geschichte vor allem im interplanetaren Raum statt und es geht trotz solarer Koalition drunter und drüber. Mit der interstellaren Expansion wird die Koalition zur zentralen Regierung im Solsystem. Noch später wird die Koalition wieder auf die Erde beschränkt, obwohl das Solsystem eine gemeinsame Regierung bitter nötig hätte.

 

Wie geht es in Zukunft weiter mit Galactic Developments? Sind z. B. Zusammenstellungen der Dokumente in Buchform geplant?

Zurzeit habe ich mehrere Projekte. Ich bin dabei, die Timeline zu verdichten und zu verlängern. Das mache ich jeweils in 30-Tage-Challenges. Die letzte Challenge bestand darin, jeden Tag eine neue Entdeckung oder Erfindung zu beschreiben und irgendwo in die Timeline einzubauen. In meiner aktuellen Multikulti-Challenge habe ich mir vorgenommen, jeden Tag ein Ereignis zu schreiben, das mit einem nicht-europäischen/-englischen Namen verbunden ist. Die Vielfalt der modernen multipolaren Welt ist nämlich etwas unterrepräsentiert. Weitere Projekte sind: die nächsten 500 Jahre ab 2800 zu skizzieren, das verlorene Jahrhundert 2050 – 2150 wieder herzustellen und echte Kurzgeschichten statt nur Ereignisse zu schreiben.

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Es gibt ganz viele Stellen an denen man Geschichten aufhängen kann. Nicht jeder Autor will sich ein ganzes Universum ausdenken. Manche wollen einfach nur ihre Idee in einer Geschichte umsetzen. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch andere ihre Geschichten in den Galactic Developments Hintergrund einbetten. Dann entsteht ein Gesamtwerk, das vielleicht stärker ist als Einzelromane, bei denen man die Leser immer wieder neu begeistern muss. Wenn man als Leser/in weiß, dass eine Geschichte 50 Jahre nach einem anderen Ereignis spielt, dann wird man vielleicht mehr hineingezogen. Da können ganz andere Protagonisten eine Rolle spielen, aber der „historische“ Kontext gibt der neuen Geschichte Tiefe ohne ihr die Selbständigkeit zu nehmen.

Die Rahmenhandlung Galactic Developments wird erstmal online bleiben. Andere Medien hängen davon ab, wie viele Leser es gibt. Aber bei Beiträgen anderer Autoren gibt es natürlich keine Einschränkungen. Einen Roman, der irgendwo in Galactic Developments spielt, würde ich wahrscheinlich ganz klassisch als Buch oder Ebook veröffentlichen.

 

Vielen Dank für diese Einführung in Ihr Universum!

 

Hier geht es zur Website von Galactic Developments.

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