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Interview mit Wilko Müller

Wer kennt sie noch, die alten Fanzines, Anthologien und Netzprojekte? Wilko hat ein legendäres davon herausgegeben: Solar-X. Viele (angehende) Autoren von damals sind heute hoch angesehene Vertreter der deutschen SF-Schreibkunst. Wir haben Wilko einige Fragen über das Gestern gestellt … aber auch über das Heute und Morgen:

wilko müller

Wilko, du hast seinerzeit das Fanzine Solar-X editiert. Erzähl uns doch mehr darüber!

Es entstand 1989 als Publikation des gerade gegründeten Andromeda SF Clubs in Halle. Clubmitglieder aber auch andere Autoren steuerten vor allem Geschichten und Rezensionen bei. Mit der 8. Ausgabe gingen wir zum gehefteten A5-Format über und erreichten zeitweise ca. 70 Seiten. Über einen längeren Zeitraum erschien das Heft regelmäßig monatlich. Es gab etwa 100 Abonnenten in Deutschland, Österreich und anderen Ländern. In der letzten Zeit wurden die Beiträge auch auf einer Internetseite veröffentlicht. Neben dem SOLAR-X gab es auch noch 17 Ausgaben des SOLAR Tales, ein Ableger, der für längere Storys gedacht war. 2006 beendete ich aus Zeitgründen die Herausgabe mit der Nummer 180. Von 2003 bis 2006 gab ich neben dem Fanzine auch bereits etwa 30 Bücher heraus. So entstand die Edition.

 

In der „Edition Solar-X“ versammelst du sowohl alte als auch neue Bücher. Welche kannst du besonders empfehlen?

Die 2014 wieder als Verlag „aktivierte“ Edition SX veröffentlicht hauptsächlich phantastische Literatur, aber auch nicht-phantastische Titel sind schon erschienen. Natürlich finden sich hier auch meine eigenen Bücher (außer dem Fantasy-Zyklus, der bei Editia herauskam). Für Fantasy-Leser ist die Rich Finigon Reihe von Julia Laginha zu empfehlen, deren 2. Teil in diesem Sommer erscheint. Im SF-Bereich arbeiten wir ebenfalls an der Neuherausgabe einer Trilogie von Detlef Köhler. Sehr schön geworden ist die erweiterte und illustrierte Gesamtausgabe der drei Fur Fiction Bände, die Helge Lange zusammenstellte. Übrigens unser erstes neues Hardcover. Die „alten Bücher“ setzen unsere schon vor einigen Jahren begonnene Klassiker-Reihe fort. Hier ist neu „Die Republik des Südkreuzes“ des Russen W. Brjussow erschienen. Drei weitere Bände mit Übersetzungen aus dem Englischen sind lieferbar. Ein zweiter, aber moderner Russe ist Juri Petuchow mit dem Action-Knaller „Rache aus den Sternen“.

solar-x edition fur fiction

Du arbeitest schon lange in der Verlagsbranche, speziell im SF-Bereich. Welches waren deine Höhen und Tiefen? Besondere Erlebnisse?

Als es finanziell machbar wurde, habe ich angefangen, selbst Bücher drucken zu lassen. Damals gab es nur wenige Kleinverlage. Es war schon schön, selber Bücher zu machen. Ich erkannte darin sozusagen meine Berufung, wenn das jetzt mal nicht zu übertrieben klingt. Später hatte ich die Möglichkeit, in einem Verlag zu arbeiten, der schon etwas größer war. Für einen Autor ideal. Dachte ich jedenfalls. Dafür gab ich den eigenen Verlag sogar zeitweise auf. Der Verleger wirtschaftete die Firma jedoch zugrunde, obwohl sie ein enormes Potenzial besaß. Unfähigkeit, familiäre Streitigkeiten und viel zu viele Kredite bedeuteten das Aus. Trotzdem habe ich in den acht Jahren viel gelernt und erlebt. Ich war als Aussteller auf den Buchmessen von Leipzig, Frankfurt und Wien, habe unzählige Lesungen besucht und viele Bücher „gemacht“. Leider reichte die Zeit nicht, um ein ehrgeiziges Projekt ganz abzuschließen, auf das ich stolz war: die Werksausgabe von Alexander Kröger. Wir brachten auch Karl-Heinz Tuschel und Carlos Rasch neu heraus, zwei weitere Legenden der DDR-SF. Heute versuche ich daran anzuknüpfen, doch das ist schwer. Es gibt inzwischen eine Menge Kleinverlage und dann ist da noch der unselige Wahn des Self-Publishing. Man findet kaum noch Autoren, die vernünftige Manuskripte anbieten.

 

Wo siehst du die deutsche SF derzeit?

Leider muss ich sagen, dass ich mich kaum um deutsche SF kümmere, wenn sie mir nicht gerade zur Veröffentlichung angeboten wird. Ich lese lieber amerikanische oder englische SF im Original. Wahrscheinlich bin ich von dem Wenigen, das ich zu lesen versuchte, zu oft enttäuscht worden. Endlosserien schrecken mich ab, schlechter Stil lässt mich ein Buch schon nach wenigen Seiten zur Seite legen. Nicht, dass es nicht auch im Englischen so etwas gäbe.

 

Kannst du uns einige Autoren nennen, die damals in Solar-X veröffentlicht haben, und immer noch aktiv sind, womöglich sogar bekannt?

Monika Angerhuber, Christian von Aster, Alfred Bekker, Pascal Gregory, Andreas Gruber, Frank Haubold, Sven Klöpping, Christel Scheja und viele andere. Auch die „Profis“ wie Rolf Krohn oder Karsten Kruschel oder den Belgier Frank Roger könnte man nennen.

 

Welches sind deine persönlichen Lieblingsbücher der deutschsprachigen SF?

Da fällt mir nichts ein, was ich als Lieblingsbuch bezeichnen würde. Jedenfalls nichts, das jünger als 30 – 40 Jahre wäre … Siehe oben!

solar-x edition

Was planst du in Zukunft noch so alles? Sind weitere Kooperationen mit Verlagen anberaumt?

Als nächstes wird im Oktober das Buch „Leipzig Visionen“ herauskommen, das der Freundeskreis SF Leipzig zusammenstellt. Ich arbeite außerdem an Übersetzungen für einen weiteren Band der Klassiker-Reihe. Ob es mit der geplanten Zusammenarbeit mit TES Erfurt etwas wird, steht noch in den Sternen. Dann versuche ich natürlich auch selbst weiter zu schreiben.

 

Wenn du es dir aussuchen könntest: Welche Autoren (deutsch oder international) würdest du am liebsten in einer Anthologie zusammen herausgeben?

Eine Militär SF Anthologie würde mich reizen, so mit David Weber, John Ringo, Eric Flint usw. Aber selbst ein wenig bekannter Autor wie Ryk Spoor hat Agenten, die für alles endlos Geld wollen, so dass sich so etwas nicht lohnt. Anthologien sind sowieso wirtschaftlich uninteressant. Man hat enorm viel Arbeit, muss allen Autoren Belegexemplare geben und macht am Ende meistens finanziell Verlust. Dazu habe ich im Augenblick keine richtige Lust.

 

Vielen Dank für den kurzen Einblick in dein Leben als Verleger!

 

Hier geht’s zur Edition Solar-X.