Künstlerportrait Thomas Hofmann

thomas hofmannThomas ist schon seit den 80ern fester Bestandteil der hiesigen SF-Szene. Zunächst im Osten (Andymon, ASFC), schon bald aber auch im Westen sorgte er für fantasievolle Illustrationen und Buchcover. Nach Wilko Müller erzählt also jetzt ein weiteres SF-Urgestein aus seinem Leben als Kreativer und Szene-Supporter …

Was war zuerst da: Die Begeisterung für die Phantastik oder für das Zeichnen?

Gezeichnet habe ich schon immer, aber als ich auf der „Penne“ dann die SF für mich entdeckte, hatte ich auch „meine“ Motive gefunden: Raumschiffe, Aliens, Raumschlachten, Planetenerkundungen. Alles schön groß und in Farbe, für die eigene Zimmerwand; erste Comics (Auflage = 1, echte Handarbeit) entstanden.

Blei-Waldmenschen

Für eine professionelle Nutzung meines kleinen Talents hat es dann nicht gereicht. Habe mich für ein Lehrer-Studium für die Fächer Kunsterziehung und Geschichte beworben. Da musste man zuerst eine Voreignungs- (bestanden) und eine Eignungsprüfung (nicht bestanden) ablegen. Na gut, konnte ich wenigstens mein Hobby behalten. Und das erfuhr Aufwind, als ich Kontakt zum ostdeutschen SF-Fandom (ANDYMON) knüpfen konnte (1988). Bald schon gab es den SF-Club in Halle (ASFC) und meine Zeichnungen konnten in Fanzines erscheinen (SOLAR-X, ALIEN CONATCT). Nach der „Wende“ ging es dann richtig los: erste Buchveröffentlichungen, viele Fanzines.

Neben der SF begeisterten mich schnell die dunklen Welten der Phantastik; neben frühen Lieblingsautoren Steinmüller, Szameit, Strugazki, Bradbury, dann auch Dick, Simmons, Morrow, Dietmar Dath, faszinierten mich die deutschsprachigen Phantasten, Boris Koch, Jörg Kleudgen, Michael Marrak, Uwe Jans und die Horror-Phantastik-Zines der 90er, speziell die (alte) Goblin Press von Jörg Kleudgen.

 

Vorbilder für die Zeichnerei?

Besser: Meine Lieblings-Künstler, die ich nie nachahmen, geschweige denn erreichen könnte: (Klassiker) Dürer, Schwind, Richter, (moderne Manieristen und Surrealisten) Werner Tübke, Heinz Zander, Ernst Fuchs, Beksiński, Peter Gric, aber auch die Illustratoren Werner Ruhner, Carl Hoffmann.

 

So um die Jahrtausendwende war meine Hoch-Zeit als Zeichner, da hatte ich genug zu tun für die leider nicht mehr existierenden Verlage Aarachne, Abendstern, K&C Buchoase, für den auch nicht mehr existierenden Rollenspielverlag Caedwyn Games. Das war dann fast schon zu viel, artete sozusagen in Stress aus; war aber auch sehr schön und inspirierend. Aber es zeigten sich so was wie Ermüdungserscheinungen. Irgendwie brauchte ich immer länger für die Zeichnungen, dazu kam, dass ein paar Projekte „starben“, nachdem ich aber schon viel dafür gemacht hatte, teilweise – nach meinem Empfinden – mit den besten Zeichnungen, die ich so zustande gebracht habe. Das führte bei mir dazu, dass ich den Spaß an der Sache verlor und tatsächlich einige Jahre so gut wie nichts mehr zeichnete, Aufträge ablehnte. Diese Krise scheint überwunden, auch wenn ich mir jetzt ausdrücklich keinen Stress mehr mache, zeichne ich wieder gern und es liegen auch wieder ein paar Projekte an. Ich freue mich, dass neben den aktuell ja hoch im Kurs stehenden Computergrafiken, die dank der neuen Medien und möglicher Vervielfältigungsweisen vor allem auch farbig möglich sind, auch wieder die einfachen, handgemachten Zeichnungen gefragt sind. Das Genre sollte nicht aussterben, wäre Schade (nicht nur wegen mir)!

 

vog-port

Deutsche SF-Szene heute, im Vergleich zu vor 10-20 Jahren?

Kurz gesagt: Brummt wie Sau! Im Grunde werden viele SF-Fandom-Träume vom Beginn der 90er war (und sicher auch aus den 80ern, die ich aber nicht so aktiv und bewusst mitbekommen hab; in der DDR waren das völlig weltfremde Träume, eigene SF-Bücher zu machen): Jede und jeder kann heute sein oder ihr Buch machen. Kein Problem – oder doch?

Mein „Problem“ mit der schönen neuen Buchwelt der Selfpublisher- und Buch-Auf-Bestellung-Kultur: Ich mochte die Fanzines, trotz oder gerade wegen ihres Amateur-Anspruchs. Heute will man gleich Profi sein – und ist dann so oft bitter enttäuscht, wenn das nicht klappt.

Einen Überblick über die Szene habe ich längst nicht mehr; könnte mir vorstellen, dass mir da ein paar Perlen durch die Lappen gehen. In den 90ern konnte ich kaum erwarten, wenn ein neues Buch von einem deutschsprachigen Autor erschien; heute hab ich keine Chance mehr, all die Neuerscheinungen zu rezipieren, und das, obwohl ja die „großen“ Verlage sich eher bedeckt halten in Sachen SF.

 

Mehr Artwork und Infos von Thomas Hofmann könnt ihr auf seinem Blog sehen.

 

Okay, eins noch: kosmisch1