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Interview mit Kaleb Lechowski („R’ha“)

Kaleb Lechowski ist Filmemacher, aber nicht im klassischen Sinn. Er braucht keine aufwändigen Sets, nörglige Schauspieler und verregnete Drehtage. Kaleb nutzt u. a. CGI-Scripts, um seine Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Mit seinem animierten Kurzfilm R’ha erregte er sogar international einiges Aufsehen. Wir haben ihm einige Fragen gestellt.

R´ha Poster

Kaleb, du bist eine Seltenheit: ein deutscher Filmemacher, der statt Komödien animierte SF-Filme erschafft. Wie bist du auf den Trichter gekommen, was hat dich dazu bewegt (bzw. wie verrückt muss man sein)?

Sci-Fi bietet viel Freiraum zur Gestaltung. Man erschafft Kreaturen, Fahrzeuge, Fluggeräte, Dinge die es noch gar nicht gibt oder nicht geben kann. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Das hat mich immer schon fasziniert und ich habe früh angefangen solche Dinge zu entwerfen. Im Studium wurden wir angehalten je ein kleines Animationsprojekt im Alleingang zu erstellen. Nicht jeder mag Sci-Fi, also sah ich hier meine beste Chance. Es gab ja keinen, der einen Gegenvorschlag gebracht hätte.

 

Sogar der Spiegel berichtete über deine Aktivitäten. Trotzdem hast du dich gegen Hollywood und für Kickstarter entschieden. Nenne uns deine Gründe!

Ich habe meinen beiden Produzenten aus Los Angeles drei Jahre lang vertraut und versucht ihren Plan zu verfolgen. Dieser beinhaltete Visuelle Konzepte und vor allem ein Drehbuch. Jeder ihrer Versuche das Projekt finanziert zu bekommen scheiterte aber und ständig gab es einfach einen neuen Plan. Erst wollte man eine grobe Umreißung der Geschichte des Films, dann ein volles Drehbuch, dann ein zweites Drehbuch, dann Schauspieler für das Projekt gewinnen … alles im Versuch, die Finanziers dazu zu bringen es zu wagen uns zu finanzieren. In diesen drei Jahren habe ich vollzeit an R‘ha gearbeitet, unbezahlt, und auch nur wenige gute, dafür kleine, Freelance Jobs nebenbei bekommen. Ich bin verheiratet und habe mein zweites Kind auf dem Weg. Drei Jahre lang in einer solchen Situation zu stecken übt einen enormen Druck aus auf eine Familie. So konnte ich nicht mehr weiter arbeiten und darüber hinaus wollte ich den Plänen der Produzenten nicht mehr hinterherlaufen. Nichts hat je so viel bewirkt für R‘ha oder meine Karriere wie der erste Kurzfilm selbst. Also entschloss ich mich einen zweiten zu erschaffen. Endlich wieder ein Stück Film zum anschauen, statt nur einem weiteren Script. Etwas das die Fans sehen können, etwas das die Finanziers sehen können. Denn nichts beweist das Potential des Projekts mehr als ein fertiges Stück eben dieses Projekts. Um mich während dieser Arbeitszeit finanziell halten zu können und, um die Möglichkeit zu haben das Team zu erweitern und nicht nur alleine arbeiten zu müssen, entschloss ich mich darüber hinaus auf Kickstarter zu gehen, was gut geklappt hat.

 

Nun interessiert uns natürlich vor allem dein „Rh’a“-Konzept. Wie wird es sich weiterentwickeln, wo geht die Reise hin?

Wie die Geschichte weitergeht verrate ich nicht, aber was das Projekt angeht haben sich schon mit der Kickstarter Kampagne neue Gespräche und Möglichkeiten ergeben. Es ist schwierig über die konkreten Schritte zu sprechen, aber sagen wir ganz grob, dass wir mithilfe des neuen Kurzfilms und eines fertigen Drehbuchs für den Langfilm viel besser aufgestellt sind in die Produktion zu starten, als in den letzten drei Jahren.

 

Wird es irgendwann sogar einen Spielfilm in voller Länge geben?

Das ist nach wie vor mein Plan.

 

Arbeitest du eigentlich alleine oder in einem ‚Team fähiger Programmierer‘ (wovon zwei Drittel ständig nur Pizza bestellen)?

„Programmierer“ ist wohl der falsche Begriff. Im Grunde sind das alles Künstler. Davon abgesehen habe ich kein festes Animationsteam, sondern werde gewisse Aufgaben beispielsweise an Freelancer delegieren, die so viel Pizza bestellen dürfen, wie sie mögen, solange die Arbeit stimmt. Darüber hinaus habe ich Kontakte zu Autoren, die mir bei der Entwicklung der Story helfen, und arbeite natürlich mit Schauspielern, deren Performance ich per Motion Capture einfangen möchte – und auch deren Stimme aufgenommen wird.

 

Was sagt man an der Uni eigentlich zu deinen SF-Ausflügen? Belächelt man dich eher oder nimmt man dich mittlerweile ernst?

Ich hatte nie das Gefühl belächelt zu werden. Die größte Skepsis war, denke ich, ob ein Projekt von solcher Größe tatsächlich zu schaffen wäre.

 

Hast du jetzt eigentlich Angebote aus Hollywood? Oder kommen die eher aus dem ‚Valley‘?

Das meiste ist vor drei Jahren während meinem zweiwöchigen Aufenthalt in Los Angeles passiert. Konkrete Angebote gab es aber nicht, dazu fehlte ein Drehbuch. Seither habe ich wie erwähnt mit den beiden Produzenten gearbeitet.

 

Wie ist deine Meinung zum deutschen SF-Film? Wir durften bei dsf ja schon einige Projekte und Filme vorstellen, worüber wir sehr glücklich sind. Aber irgendwie ist uns seit Metropolis kein echter Erfolg mehr vergönnt gewesen … oder?

Das sieht wohl so aus. Das einzige woran ich mich erinnere ist eine deutsche Mitarbeit an Cloud Atlas. Aber welcher Deutsche Film hat denn schon ein großes, befreiendes Budget.

 

Denkst du, wir Deutschen werden irgendwann unsere Genrephobie überwinden?

Es gibt ja viele in Deutschland, die Genre machen möchten. Solange dafür aber kein Geld locker gemacht wird bleibt es nun mal schwierig. Gute Sci-Fi ist teuer und Deutschland produziert mit winzigen Budgets.

 

Wie weit sind die Arbeiten an R’ha 2 fortgeschritten?

Ich arbeite noch immer an der neuen Geschichte. Sie ist selbstverständlich das Rückgrat des Films. Erst wenn sie gut genug ist werde ich in die Vorproduktion mit Konzepten, Storyboards und Vorvisualisierungen gehen.

 

Inwieweit beeinflusst die Arbeit an R’ha und anderen Filmen eigentlich dein Studium?

Ich habe nach dem Erfolg des Kurzfilms mein Studium pausiert und ein Jahr später schließlich abgebrochen. Ich war nie auf einen Bachelor Abschluss aus, sondern darauf in Animation geschult zu werden und Erfahrungen zu sammeln. Die Chance mich als Regisseur zu versuchen hat mich erst richtig gepolt, denn ursprünglich ging ich schlicht davon aus, dass es in Deutschland gar nicht möglich ist Sci-Fi Filme zu machen. Jetzt arbeite ich trotzdem an einem.

 

Wo, denkst du, führt dich dein Weg in Zukunft hin? Wirst du deiner SF-Leidenschaft treu bleiben?

Ich werde weiter Projekte umsetzen. Ich bin kein Freund von Deals und Verhandlungen. Ich möchte Filme machen. Und wenn ich manche Unterstützung nicht bekomme, geht es eben auf eine andere Weise weiter. Man muss es nicht jedem recht machen. Ich denke Gott hat mich bisher gut durchs Leben geführt.

 

Wir wünschen Kaleb Lechowski natürlich viel Erfolg mit R’ha 2 – hier noch mal der erste Teil zum Genießen:

 

 

Es gibt übrigens auch ein ausführliches Making Of. Und hier steht unser letzter Artikel zum Thema …