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Rezension: „Blumen vom Mars“ von Gabriele Nolte

Ich stehe dem Selfpublishing skeptisch gegenüber, sehr sehr skeptisch. Da wimmelt es normalerweise nur so von Rechtschreibfehlern, die Geschichten sind hanebüchen und so weiter, das muss ich nicht ausführen. Deswegen finden solche Werke auch auf dieser Webseite nur Berücksichtugung, wenn sie es wirklich verdienen.
Das hier vorliegende Buch hätte ich im Leben nie gelesen, hätte mein Freund Heinz Zwack es mir nicht empfohlen. Und zwar so wärmstens, dass ich nicht anders konnte, als es schleunigst zu lesen.
Nun, ich bin selber als SF-Schriftsteller unterwegs. Habe 2014 für meine Novelle „Seitwärts in die Zeit“ den Deutschen Science Fiction Preis verliehen bekommen. Aktuell wurde mein Roman „Glühsterne“ als bester deutschsprachiger SF Roman für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Warum erzähle ich das? – Nun, ich habe das Gefühl, dass meine Texte nicht an das Niveau des hier vorliegenden Romans heranreichen.
Das Setting ist die Erde in naher Zukunft. Die Konfrontation zwischen arabischer und westlich geprägter Welt ist weiter fortgeschritten, Europa ist teils islamisiert. Als weitere Mächte existieren noch China und Russland. In dieser Situation gibt es zwei geheime Kolonien auf dem Mars, eine arabische und eine US-amerikanische. Beide sind im Stich gelassen worden, sind auf sich allein gestellt.
Nun wird anschaulich im Kleinen demonstriert, was sich auch auf der Erde im Großen abspielt: Der Kampf der Kulturen. Einfühlsam schildert Nolte uns die Gefühlswelt arabischer Frauen und amerikanischer Männer. Zeigt zwischen den Zeilen, dass es die arabischen Frauen (die Mütter) sind, die ihre eigenen Kinder so erziehen, dass sie (die Jungen) sie später unterdrücken. Hut ab, das ist realistisch. Genauso realistisch, wie sie zeigt, wie es einzelnen Frauen gelingt, sich dagegen aufzulehnen. Wie sie zeigt, wie sich durch Zusammenarbeit der Kulturen, das Beste aus allem herausholen lässt.
Schonungslos zeigt Nolte auf, was kritisierungswürdig ist, ohne auszugrenzen. Sie zeigt Lösungsmöglichkeiten im Kleinen, die sich wahrscheinlich schwerlich auf das ganz Große übertragen lassen. Aber sei es drum, wir haben hier eine Utopie, die aus einer Dystopie erwächst. Ganz großes Kopfkino!
Am Ende wird es für meinen Geschmack etwas zu esoterisch, aber das ist der Handlung geschuldet.

Wertung-5-Sterne