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Rückblick: MediKonOne

Am 12. und 13. August traf sich die SF-Gemeinde in Oldenburg zum MediKonOne – aber dieser Con war anders. Böse Zungen könnten ja behaupten, dass die Überalterung der SF-Szene irgendwie ganz gut zu einem Klinikum als Location passe. Aber Medizin und SF haben eine erhebliche Schnittmenge: Denn dass im Gesundheitssystem gewisse teils unangenehme Zukunftsfragen auf der Tagesordnung stehen, ist allgemein bekannt. Die Babyboomer erreichen bald das Alter, in dem ernsthafte Erkrankungen immer wahrscheinlicher werden. Und schon jetzt können Krankenhäuser nicht alle offenen Stellen für Pflegepersonal besetzen. Moderne Technologie hilft schon längst bei der Diagnose Behandlung, aber wie geht der Weg weiter? Welche Antworten haben Mediziner, welche SF-Autoren?

Die Location: Das MAZ des Klinikum Oldenburg

Die Location: Das MAZ des Klinikum Oldenburg

An zwei Tagen (zuzüglich SFCD-Versammlung am Sonntag) wartete auf drei bis vier Schienen ein abwechslungsreiches Programm auf die Gäste. Im großen Saal gab es meist Vorträge zu medizinischen Themen, in den kleineren Räumen fanden ganz unterschiedliche Lesungen statt. Im Treppenhaus der Location, des Medizinischen Ausbildungszentrums (MAZ) des Klinikum Oldeburg, hatten außerdem mehrere Anbieter Büchertische aufgebaut. Pech für die Veranstalter: Zwei der Ehrengäste, nämlich Dirk C. Fleck und Dietmar Dath, mussten leider kurzfristig absagen.

Einer der Höhepunkt am Freitag war der Auftritt des verbliebenen Ehrengastes, Herbert W. Franke (89). Der Künstler und Autor unzähliger Kurzgeschichten und Romane trug nicht nur auf unnachahmliche Weise zwei Geschichten und ein Gedicht vor, er zeigte auch einen auf Basis einer seiner Storys entstandenen Kurzfilm. Außerdem stand er während des Cons ständig zum Signieren von Büchern und für Gespräche zur Verfügung – ein SF-Altmeister zum Anfassen.

Herbert W. Franke in Aktion

Herbert W. Franke in Aktion

Eine besondere Art des Sponsorings hatte sich übrigens der Heyne-Verlag einfallen lassen: So erhielt jeder Besucher nicht nur je ein Gratis-Exemplar des Essays „Die Zukunft“ von Heyne-Lektor Sascha Mamczak, sondern auch den aktuellen Roman „Unsterblich“ von Jens Lubbadeh.

Stapelweise Unsterblichkeit

Stapelweise Unsterblichkeit

Permanent zu bewundern war außerdem eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Lothar Bauer im Treppenhaus der Location.

Ausstellung mit Werken von Lothar Bauer

Ausstellung mit Werken von Lothar Bauer

Einer der Höhepunkte am Samstag: Die Verleihung des Deutschen Science Fiction Preises. Beide Preisträger waren anwesend. Andreas Brandhorst wurde für seinen Roman „Das Schiff“ ausgezeichnet, Frank Böhmert für die Kurzgeschichte „Operation Gnadenakt“. Vom fachkundigen Publikum erfreut aufgenommen wurde außerdem eine Neuerung: Erstmals verteilte das DSFP-Komitee Urkunden für die Platzierungen Zwei und Drei, um auch diese erfolgreichen Autoren auszuzeichnen.

Die Träger des DSFP 2016: Andreas Brandhorst (links), Frank Böhmert (rechts)

Die Träger des DSFP 2016: Andreas Brandhorst (links), Frank Böhmert (rechts)

Nach den Lesungen der Preisträger war ein weiterer gut besuchter Höhepunkt die Podiumsdiskussion über die Zukunft der Medizin mit Gesprächspartnern aus Klinikum und SF-Szene. Ethische Fragen wurden genauso angesprochen wie ganz praktische: Ein zukünftiger Patient wird vielleicht von einem netten Androiden betreut, aber wer nimmt die Beschwerden beispielsweise über nicht aufgeladene Akkus entgegen?

Ebenfalls bekanntgegeben wurden die Gewinner des Curt-Siodmak-Preises. Der SFCD prämierte in dieser Publikumsabstimmung die beste TV-Serie („Dr. Who“) und den besten Spielfilm („Der Marsianer“, mit Abstand) und verloste zwei DVD-Boxen.

Der MediKonOne war eine gelungene Crossover-Veranstaltung: Es kam tatsächlich zu Begegnungen zwischen zwei Welten. Auch medizinisches Personal wurde gelegentlich beim Kauf von SF-Literatur und im Gespräch mit SF-Fans beobachtet; die Lesungen und Diskussionsrunden boten jederzeit spannende Unterhaltung. Bis auf Kleinigkeiten funktionierte die Organisation wie am Schnürchen, und zumindest am Samstag konnte sich auch niemand über zu wenig Publikum beklagen (mehr geht natürlich immer!). Gleich mehrere jüngere „Ersttäter“ (also SF-Fans, die zum allerersten Mal einen Con besucht haben und – sorry, Altersgenossen! – noch keine grauen Haare haben), wurden gesichtet. Da kann man sich nur bei Cheforganisator Ralf Boldt und seinem Team bedanken!

Wir tun mal so, als wäre der Con ein Buch und dies eine Rezension und vergeben:

Wertung-5-Sterne

Das Fazit: Hoffentlich sehen wir uns wieder beim MediKonTwo!

(Alle Fotos: Uwe Post)

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