«

»

Rezension: „Babylon“ von Thomas Thiemeyer

Babylon

„Babylon“ von Thomas Thiemeyer ist für den diesjährigen Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie bester Roman nominiert.

Das Buch ist nicht schlecht. Hebt sich deutlich von dem Trash ab, von dem so viel heutzutage produziert wird. Aber es ist leider vorhersehbar, was passiert. Es ist konstruiert, klar, das ist jedes Buch, aber hier ist es überdeutlich. Ich hatte es befürchtet.

Nun, warum habe ich es gelesen? Warum habe ich die drei Vorgängerromane gelesen?

Die Antwort auf die zweite Frage ist einfach: Mir wurde Babylon als überragendes Science Fiction Buch empfohlen. Da es sich um den vierten Teil handelt, habe ich zuerst die ersten drei gelesen. Alle nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend. Und nun dies. Der Grund für die Lektüre der ersten drei. So gesehen hat es mich sehr enttäuscht.

Aber bleiben wir fair.

Der Autor beleuchtet einen Krisenherd unserer Zeit: Kleinasien mit allem, was dazu gehört. Dabei versucht er durchaus jede handelnde Figur zu durchleuchten, versucht, dem Leser deren Motive nahezubringen. Das gelingt teilweise recht gut, teilweise bleiben die Figuren eindimensional. Das mag daran liegen, dass es einfach zu viele sind. Klar benötige ich Nebendarsteller in einer Handlung, das war schon in Star Trek so. Wenn ich aber jedem Nebendarsteller das Recht einräume, sehr viel zur Handlung beizutragen, dann benötige ich viel mehr, sehr viel mehr, Platz, als dieser Roman hergibt.

Die Story ist schnell erzählt. Da wird ein Tempel entdeckt, im uralten Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Ein Turm, in die Tiefe gebaut und nicht in die Höhe. Ist es der alte Turm zu Babel? Unsere Protagonisten und so manche andere Nebenfigur (z. B. IS Schergen) machen sich auf den Weg, finden nebenbei in Griechenland den uralten Schlüssel, der benötigt wird, um das Portal zu öffnen. Man dringt ein, metzelt sich gegenseitig nieder, bis lediglich eine Handvoll Protagonisten übrig bleiben und dann kommt die Esoterik… zu Hauf!

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist das hochbegabte Kind. Einerseits bezweifle ich, dass es Kinder in dieser Ausprägung gibt und ich habe insoweit Erfahrung damit, dass eines meiner Kinder ebenfalls hochbegabt ist. Da fehlt Tiefe, da fehlt die Aggression auf das Leben auf die Welt, da fehlt so viel! Das ist leider nicht realistisch geschildert, das erinnert eher an Wesley Crusher! – Der hat auch nur genervt. Ein wenig ist die Figur sicher der Tatsache geschuldet, dass der Roman jugendliche Leser ansprechen soll, aber mögen die sich mit Wesley Crusher identifizieren?

Und der Science-Fiction-Aspekt?

So gut wie nicht vorhanden. Leider. Ganz am Ende kommt dann kurz ein Außerirdischer vor, so man ihn so nennen mag. Und eine direkte Verbindung zum ersten Band. Das war es dann. Ansonsten ein stinknormaler Thriller mit einem ganzen Haufen Esoterik.

Das Buch ist etwas für Leser, die nicht an Überraschungen während des Lesens interessiert sind, die es sich gemütlich machen möchten und der Handlung folgen, so, wie wenn man auf einer geradlinig gebauten Autobahn stundenlang fährt und am Horizont sieht, was auf einen zukommt.


Außerdem wird der SF-Aspekt dann auch noch von zu viel Fantasy und Esoterik überlagert. – Schade.