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Interview mit Cyborg

Cyborg, das sind vier beherzte Männer, deren Myokarde halb für Stahl und halb für Fleisch schlagen. Gerade sind sie voll am Durchstarten: z. B. auf der Wacken Warmup-Party in Bremen (siehe auch unseren Artikel). Das Interessante dabei: Frontmann Micha schreibt Texte, die als Klappentext auf einem SF-Roman stehen könnten. Und noch besser: es sind deutsche Texte! Grund genug also, ihnen mal ein paar Fragen zu stellen. Los geht’s:

 

@Micha:  Wie kamt ihr auf die Idee, SF-Metal zu machen?

In dieser Band verbinde ich meine großen Leidenschaften. Ich habe eine große Faszination für die Raumfahrt und den dazugehörigen technischen Fortschritt. Die Sciencefiction gibt einem die Möglichkeit zu träumen, wo die Fahrt in Zukunft hingehen könnte. Dazu gesellt sich der Metal, den ich für eine sehr ausdrucksstarke Musikrichtung halte. Ich kann dort viele Emotionen ausdrücken, die in mir sind und verarbeitet werden wollen.

 

@all: Wieso deutsche Texte? Englische wären doch viel erfolgreicher – oder?

Philipp: Ja und nein. Englisch wäre natürlich praktisch, wenn man im Ausland unterwegs ist. Jedoch bleibt man mit deutschen Texten eher in Erinnerung. Auch im Ausland.

Basti: Deutsche Texte gehen direkt in den Kopf (und im besten Fall auch noch woanders hin), da kann man sich nicht entziehen. Das finden wir gut, wir wollen ja, dass unsere Texte verstanden werden.

Micha: Zudem ist Deutsch zwar eine sehr harte Sprache, meines Erachtens jedoch auch eine sehr poetische, da sie viele Möglichkeiten zum Herumspielen mit Wörtern und deren Bedeutungen gibt. Das gibt mir viele Freiräume, meine Geschichten so zu erzählen, wie ich es möchte.

 

@Peer: Wie schafft man derart koordinierte Fingermovements an den Saiten? Hast du da spezielle Übungen? Irgendwelche Tipps?

Ich habe drei Ratschläge, die mir sehr weiter geholfen haben: 1) Such dir einen guten Lehrer und hör auf das, was er sagt. 2) Sei selbstkritisch und fleißig, aber vergiss nicht, dich an dem zu erfreuen, was du schon gelernt hast. 3) Baue „Fitnessübungen“ auf der Gitarre ein zum Aufwärmen aber auch zum Trainieren. Simple kleine Sequenzen, die du jeweils 3 Minuten am Stück spielst und zwar gleichmäßig und sauber. Wer das regelmäßig macht, dem wird alles andere ein gutes Stück leichter fallen. Alle Feinheiten werden über Punkt 1 und 2 abgedeckt 😉

 

 

@all: Jetzt seid ihr ja ziemlich am Durchstarten. Schon irgendeinen Plan, wie es weitergehen soll?

Philipp: Bis jetzt sieht der Plan vor, die Konzerte dieses Jahr maximal geil zu spielen und möglichst viele Leute von unserer Musik zu überzeugen. Außerdem fängt nach der Tour das Songwriting für die nächste Scheibe an. Die Cyber-Revolution ist noch nicht zu Ende, wir fangen gerade erst an.

Peer: Mit Plänen ist das so eine Sache: Es ist gut, einen zu haben. Aber man sollte sich nicht stur darauf fokussieren und verlassen. In der Musik-Branche passieren viele Dinge einfach, oftmals ohne dass man es richtig mitbekommt. Und auf die muss man dann spontan reagieren. Ich würde sagen, dass ca. die Hälfte aller Dinge, die wir immer so schaffen, nicht das Ergebnis von Plänen sind, sondern vielmehr aus der jeweiligen Situation heraus entstanden sind.

 

@Micha: Du schreibst die Texte. Gibt es AutorInnen, an denen du dich dabei orientierst? Eventuell sogar deutsche?

In meinen Songtexten habe ich keinen direkten Bezug zu einem Autor oder einem Buch. Vielmehr versuche ich, wenn ich einen Text schreibe, meine eigene kleine Welt zu erschaffen und aus dieser Momente mitsamt ihrer Emotion zu entnehmen. Jedoch wird es natürlich äußere Einflüsse geben, da ich stets an einer guten SciFi Geschichte interessiert bin, ob sie nun über Buch, Film, Game, oder andere Medien erzählt wird. Spontan fallen mit Per Anhalter durch die Galaxis, Isaac Asimovs Roboter Geschichten, Ex Machina und The Zero Theroem ein.

 

@all: Was meint ihr: Welches Image hat die Sciencefiction derzeit in Deutschland? Geht es aufwärts oder eher abwärts?

Basti: Es gibt gerade durch Serien wie „The Big Bang Theory“ und „Black Mirror“; sowie div. Marvel Produktionen und die wiederaufgelebte Star Wars Reihe viel Aufmerksamkeit für verschiedene Aspekte des „Nerd-Seins“ oder klassische Sciencefiction-Formate. Das macht uns natürlich erstmal Spaß und inspiriert uns auch. Ob sich da jetzt ein Trend abzeichnet, ist schwer zu sagen … das werden wir sehen, wir sind dann ja (hoffentlich) auch ein Teil davon!! 😉

 

@all: Zum Schluss noch die obligatorische Frage nach dem nächsten Album, der nächsten Tour. Schwebt euch da schon irgendwas vor – oder jetzt erst mal Mensch/Maschine voll durchziehen?

Micha: Wir werden uns jetzt erstmal auf unsere Tour konzentrieren, jedoch sind bereits neue Songideen in den Startlöchern und wir brennen darauf, diese auch umzusetzen. Wir werden uns also vermutlich nicht lange zurückhalten können 😉

 

So, jetzt wünschen wir euch viel Erfolg bei der Tour und ein knöchernes „Hail to the machines“. Weiter so!

 

Band-Website

 

Und weil’s so schön war, hier noch einmal „Stahl und Fleisch“ von Cyborg: