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1000 Könige: Arthaus trifft Sci-Fi

Der Deutsche Phantastische Film kann sich demnächst wieder über einen Neuzugang freuen. Denn die Science-Fiction-Produktion „1000 Könige“ ging vor kurzem in die post production und wird wohl etwa Anfang 2012 ausgewählte Kinos erreichen.

Der aus Georgien stammende, seit 2000 in Berlin lebende Regisseur Bidzina Kanchaveli hat bisher vor allem anspruchsvolle Kurzfilme gedreht. Entsprechend wird auch dieser Arthouse-Sci-Fi vor allem eines sein: künstlerisch. Das sollte niemanden schrecken, denn die meisten von Bidzinas Werken (kanchaveli.de) haben sich bisher sehr deutlich dem Genre des Phantastischen gewidmet, dabei aber stets die Grenzen zum Außergewöhnlichen überschritten.

Das sieht man bereits an  „Novice No 21“, acht Minuten in Schwarzweiß, die das zunehmende Chaos einer surrealen Bürokratie zeigen und die 1999 als Georgischer Beitrag ins Rennen um den Oscar gingen. Der Neunminüter „7 1/2 Frauen“ begleitet einen Mann, der in einer Art endlosen Korridor der eigenen Klaustrophobie mit nur einer Tür gefangen ist, durch die er nacheinander Besuch von sieben nackten Frauen erhält, die ihn alle mit derselben Forderung bedrängen. Der 30-Minütige Farbfilm „6 Pictures of a Universe“ (Trailer) gibt deutlich abstrakter und in der Art einer Installation fragmentierte Einblicke in völlig fremde Welten, deren Figuren ihren ganz eigenen, dem Zuschauer letztlich unbekannt bleibenden Regeln unterworfen sind.

Als abendfüllender Spielfilm wird der kommende Independent-Science-Fiction-Film „1000 Könige“ in Sachen Tiefe und Abstraktion gewiss noch einen Schritt weiter gehen. Trotz sichtlich hohen Anspruchs macht die Story aber gewiss auch Genrefans neugierig.

In der gezeigten fernen Zukunft hat sich die Menschheit in eine Gesellschaft reiner Wesen aus Vernunft entwickelt. Mit ihrer Körperlichkeit haben sie auch Gefühle und Individualität hinter sich gelassen. Allein die soziale Funktion im Insektenstaat-ähnlichen Gemeinwesen erlaubt noch Unterscheidbarkeit. Sie leben dabei jenseits der Realität, in ungeheuren Räumen, in denen die Menschen der Zukunft vor allem Licht suchen. Reichlich vorhandene sphärische Objekte spenden zuweilen diese Energie, doch nur der Auserwählte – das einzige der Wesen mit Gefühlen – kann erkennen, welche der Sphären die richtigen sind. Als der Auserwählte eines Tages diese Fähigkeit verliert, steht seine einzigartige Position auf dem Spiel. Doch er ist nicht bereit, diese Rolle aufzugeben, und setzt in seinem Ringen darum ihre gemeinsame Existenz aufs Spiel.

Oder so ähnlich. Jedenfalls harter Tobak. Und der knapp zwei Stunden lange Film wird dabei ganz sicher auch höchst abstrakt aussehen, wie erste Konzeptbilder versprechen.

Die in acht Wochen abgedrehten Real-Szenen mit Schauspielern fanden ausnahmslos vor green screen statt, was bisher nur bei wenigen Produktionen (wie Immortal, Sky Captain, Casshern) der Fall war. Die Postproduktion fügt derzeit die fremdartige Virtualität hinzu, in der die Menschen der Zukunft leben. Eine Welt der Farben und Formen, in denen Licht und Geometrie entscheidende Rollen spielen.

Da die Realaufnahmen in hochauflösender 4K-Technik gemacht wurden, darf man beim Endergebnis nicht nur auf eine rätselhafte Begegnung mit unbekanntem, zukünftigem Denken und Fühlen hoffen, sondern auch auf eine außergewöhnliche visuelle Erfahrung, von der die Konzeptbilder sicher nur einen ersten Eindruck geben können.

"1000 Könige"

Worauf man sicher nicht hoffen darf: eine Hollywood-Story mit Dutzendplot. „Meine Absicht war, dem Science-Fiction-Genre etwas Neues hinzuzufügen.“, sagt Regisseur Bidzina Kanchaveli im Interview auf deutsche-science-fiction.de. „Der Zuschauer soll zum eigenständigen Denken angeregt werden – ein Luxus, den das moderne Kino leider immer seltener bietet.“ Das Abenteuer soll den Zuschauer auch emotional erreichen. Dafür sorgt unter anderem eine ausgewählte Garde von Schauspielern mit Theaterhintergrund. Der Sage nach verbrachte man allein zwei Monate mit dem Casting, damit einzigartige Gesichter auch wirklich für sich sprechen.

Für solch kompromisslose Konsequenz darf man eher nicht mit öffentlichen Filmfördermitteln rechnen. „Wir sind mit dem Projekt im September 2009 gestartet und wollten im April 2010 mit dem Drehen beginnen – egal, wie.“, erklärt Produzent Pierre Durst. „Daher wollten wir nicht von irgendeiner Entscheidung der Filmförderung abhängig sein.“. Statt dessen haben private Sponsoren den Film möglich gemacht, viele Teilnehmer auf Gagen verzichtet. Man darf gespannt sein, wie Filmkunst und Science Fiction hier auf innovative Weise ineinander greifen. 2012 soll es so weit sein. Wann genau, kann Durst noch nicht sagen. „Meiner Meinung nach eignet sich der Film für ein A-Festival. Aber es ist noch alles offen.“

Übrigens: Am 9. September zeigt Arte in seinem Kurzfilm-Magazin „KurzSchluss“ einen Beitrag über den Regisseur.

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