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Neu: Andromeda Nachrichten 245

Wie peinlich! Mir ist eben aufgefallen, dass es uns (und speziell mir als SFCD-Mitglied) noch nie gelungen ist, auf eine Ausgabe der Andromeda Nachrichten hinzuweisen!!! Das soll sich jetzt rapide ändern: Denn in der 245. Ausgabe sind zahlreiche interessante und lesenswerte Artikel versammelt. Schaut es euch an: hier!

Satirisches Interview mit Rudi Gerstner (Asimov Kellerbar)

Der Abend war schon etwas fortgeschritten, als ich mich aus der abendlichen Wärme in die Kühle der Asimov-Kellerbar begab. Es schien die übliche Gesellschaft zu sein, die sich bei einigen Bierchen oder Cocktails die Zeit vertrieb, über neue SF diskutierte oder Gerüchte über den SFCD kochte. An der Seitenwand warfen einige SF-Fans gelangweilt Pfeile auf die Dartscheibe mit den Bildern von Perry Rhodan Autoren, nur am Tresen saß eine mir nicht weiter bekannte Gestalt, die sich mit einem Block und einem Stift in der Hand mit Rudi zu unterhalten schien.

Ich schlenderte zum hoffnungsvollen Jungautor Frank Außenstein hinüber, der konzentriert auf die alte Olympiaschreibmaschine starrte und offensichtlich transpiratorisch an der Fortsetzung seines Romans arbeitete.

„Frank, wer ist denn das da vorne am Tresen? Muss ich den kennen?“

Aussenstein schüttelte den Kopf.

„Das ist der Klöpping. Will irgendwie ein Interview machen.“

„Mit Rudi?? Oh je, ich glaube, da gehe ich mal lieber hin!“

Bekanntermaßen ist Kneipenwirt Rudi Gerstner bei kritischen Fragen durchaus auch mal emotional engagiert. Ich setzte mich also betont unauffällig an den Tresen, orderte einen WegaFlip und lauschte bedächtig.

Sven Klöpping: Hallo Rudi, was gibt’s bei euch denn so zu trinken?

Rudi Gerstner: Was halt so läuft. Bier geht natürlich immer. Seitdem der Hansi Mader hier regelmäßig auftaucht, haben wir auch eine Reihe von schottischen Malt-Whiskys auf Lager – probier aber bloß nicht diesen Octomore – schmeckt wie verbrannter Torfballen. Guinness läuft auch gut, da ist der Schreiber Eric immer gut dabei. Mussten ihn schon zweimal völlig weggetreten raustragen. Da kommt immer Laune auf.

Ja, und dann natürlich unsere SF-Cocktails: „Wega-Flip“, „Aldebaran Fizz“, „Klingon-Warrior“ sind die Favoriten. Die Getränkeliste hängt hier hinten. Und seit neuestem die „Weganische Feuerschnecke“ – unser Hausgetränk, auch zum Mitnehmen. Mal probieren?

Sven Klöpping: Also gut, dann nehme ich die Feuerschnecke … Sag mal, wie kam dir eigentlich die Idee für eine SF-Fankneipe? Ich meine, eine Fußballkneipe hätte sicherlich mehr Erfolg …

Rudi Gerstner: Ich bin schon seit ewigen Zeiten mit SF-Fans befreundet. Da war das eine ganz einfache Entscheidung. Fußball spielt hier keiner. Oder sehen die da aus, als ob sie nen Ball bewegen könnten?

Er deutete auf den SFCD-Stammtisch, an dem Manske, Muhrmann und Boldt über die Einführung von Strafzahlungen und körperliche Züchtigungen für nicht engagierte Vereinsmitglieder diskutierten.

Sven Klöpping: Nein, eher nicht …

Rudi Gerstner: Genau. Und SF-Fans sind einfach besser handhabbar. Pass mal auf … HE DU DA, LÜHR! DU HAST HIER NOCH DEINEN DECKEL VON GESTERN OFFEN!

Der so Gerufene rannte verschreckt zur Theke und legte mit einer gemurmelten Entschuldigung einen Zwanziger hin.

Stefan Klöpping: Verstehe. Und wer kommt so zu euch? Immer dieselben Gesichter? Oder auch mal ein paar Unwissende, die ihr in die Geheimnisse der SF einweihen dürft?

Rudi Gerstner: Na ja, ab und zu verirren sich auch mal ein paar Nichtfans hierher. So am Wochenende, wenn sowieso nicht viel los ist. Die wundern sich dann manchmal, warum da einer auf einer Schreibmaschine arbeitet, und was der Kerl da hinten an der Rückwand mit dem Pinsel in der Hand macht. Das ist übrigens der Krischan Holl: Der malt jetzt seit über 20 Jahren an einem lebensgroßen Flugdrachen bei freien Getränken. War ein echter Fehler von mir … Immer wenn es so langsam an die Fertigstellung geht, kriegt er wieder Durst, es fällt ihm ein „Fehler“ auf und er beginnt von vorne. Kostet mich ein Vermögen an Getränken. Oder unser Frank Aussenstein. Hoffnungsvoller Nachwuchsautor. Schreibt hier immer an seinem neuen Roman. Momentan sind es, glaube ich, „Schleimschnecken auf Ursa Minor“, oder so. Findet aber keinen Verleger. Ich hoffe, es bleibt dabei! Na, dann Prost!

Sven Klöpping: (trinkt einen Schluck) Mann ist das aber ein SCHARFES ZEUUUG… AAHH!!!

Rudi Gerstner: Gell, das ist ein Stöffchen! Original Pfefferschnaps aus deutscher Produktion, für uns als „Weganische Feuerschnecke“ abgefüllt.

Sven Klöpping: ARG! CHRG! RGGG!! KROAH! RAAAA …

Rudi Gerstner: Ich mache Dir einen „Klingon Warrior“. Der beruhigt den Hals. Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, Gäste! Letzte Woche war der Klaus N. Frick mal wieder da. Der ist immer ganz lustig. Gibt auch gerne mal ne Runde aus. Bei den Perry Rhodan Autoren ist das so eine Sache. Manche Gäste finden es lustig, im gedämpften Licht auch mal mit alten Taschenbüchern nach denen zu werfen. Aber natürlich nur ganz scherzhaft …

HE, HÖRT AUF, DEM AUSSENSTEIN SCHON WIEDER BIER IN DIE SCHREIBMASCHINE ZU SCHÜTTEN! Das machen die immer wieder! Aber, das ist eigentlich schon Tradition. Und es steigert den Bierumsatz …

Sven Klöpping: RRGH… Puuh … Mann, das Zeug dürft ihr aber nicht jedem geben, echt nicht! Und … was wollte ich noch sagen? Ach ja: Wie sieht’s mit Veranstaltungen aus? Was habt ihr da üblicherweise so im Angebot? Auch Lesungen?

Rudi Gerstner: Hier, trink mal den „Klingon“. Na, der ist lecker, oder? Lesungen haben wir regelmäßig. Meistens dieser komische Klaus Marion da drüben, der gibt öfters mal was zum Besten. Über aktuelle amerikanische SF-Magazine, oder angelsächsische SF-Literatur oder ähnliches. Auch unser hoffnungsvoller Jungautor Aussenstein hat hier schon mal ein Kapitel vorgetragen …

Sven Klöpping: Und das stößt auf Interesse?

Rudi Gerstner: Aber klar doch. Für ein oder zwei Freibierrunden hören sich SF-Fans die erstaunlichsten Dinge an. Für die, die am Abend nicht vorbeischauen können, gibt es dann die exklusive Facebook-Gruppe „Asimov-Kellerbar“.

Sven Klöpping: Auf eurer Homepage steht, dass es mittlerweile auch ein Buch zur Bar gibt: „Geschichten aus der Asimov-Kellerbar“ von Klaus Marion. Was gibt es darin Interessantes zu lesen?

Rudi Gerstner: Was hier halt so passiert, worüber hier diskutiert wird. Das Elend des Science Fictions Fans eben. Die Typen, denen man auf jedem Con begegnet. Und das Ganze noch satirisch angehaucht. Fan-Satiren über die SF-Fans, das SF-Fandom und all die seltsamen Gestalten aus unserer Szene. Gesammelt aus 25 Jahren. Nicht zu verachten sind aber auch meine leckeren SF-Mixgetränkerezepte.

Die Satiren erscheinen übrigens auch regelmäßig in den ANDROMEDA-NACHRICHREN des SFCD. Die erste Satire aus meiner Bar erschien 1989! Kaum zu glauben. Dabei würde ich wetten, dass das höchstens 3 oder 4 Jahre her ist. Aber die Zeit scheint hier manchmal anders zu laufen.

Der Klaus N. Frick hat da übrigens das Nachwort von dem Buch geschrieben. He, MARION: Auf dem MucCon im Herbst machst Du doch ne Buchlesung, oder? Samstag, 17 Uhr? Von den Veranstaltern parallel gegen den Jeschke gelegt. Hähä.

Im Ernst: Ist sehr zu empfehlen: Und es gibt auch für Teilnehmer nen Fläschchen  „Weganische Feuerschnecke gratis!

Sven Klöpping: Wie viel Kladra … äh … Quadratmeter hat die Bar eigentlich? Und hat sie auch ein Kellergewölbe?

Rudi Gerstner: Nee, das is’n Baucontainer!? Quatsch, natürlich haben wir hier ein Gewölbe. Du stehst ja drin. Schau mal hoch. Das waren anscheinend doch ein paar Prozente zu viel in Deinem Drink. Hier, ein Bier zum Verdünnen. Sind übrigens knapp 80 Quadratmeter.

Habe ich erwähnt, dass der Johannes Unnewehr auch eine Asimov-Kellerbar-Hymne komponiert und arrangiert hat? In den nächsten Tagen wird sie hier live aufgeführt!

Die üben hier aber schon manchmal… Den Refrain find ich gut (legt eine CD auf)

Sie kämpfen gegen Feuerschnecken, und Vurrguzz und Jahr für Jahr

Science Fiction Fans gehen gafia oder in Asimov’s Kellerbar

Sven Klöpping: Nun, tja, und dann wollte ich noch fragen … hmmm, was könnte man da noch fragen? Frach dich selbst doch einfach ma was, isch bin jetzt zu beschwipst.

Rudi Gerstner: Gerne: Hast Du auch Geld dabei? Und erinnerst Du Dich im alkoholisierten Zustand daran, wenn Du mehrmals bezahlt hast?

Sven Klöpping: Sachma … jetz janz ehrlisch: Was hältste eigentlich vonner deutschen SF-Scene so? Alles larifari oder humta-humta-täterä?

Rudi Gerstner: Nun, das ist echt schwierig. Die echten Fans, die noch Fanzines produziert haben, sich regelmäßig Briefe geschrieben oder sich in Leserbriefen runtergemacht haben – die sind weniger geworden. Heute ist alles sehr elektronisch, schnell und manchmal sehr oberflächlich geworden. Deswegen ist es so schön, dass wir hier zusammenkommen können. Echte Fans!

Sven Klöpping: Puuuh … Ich glaub, noch n Schluck un ich muss pullern gehn. Also, was wollt ich gleich noch loswerdn? Ach ja, war’n schon irgendwelche Promis bei euch? Vielleischt sogar ausm Ausland?

Rudi Gerstner: John Varley fand die Idee dieser Kneipe sehr lustig, auch dass man aus der Ferne per Facebook daran teilnehmen kann. Er hat in der Asimov-Kellerbar einen Vortrag gehalten, über seinen ersten Conbesuch als Autor. Der Marion hat das übersetzt und die Erlaubnis für die Veröffentlichung bei John eingeholt. Aber er spricht kein Deutsch, so ist er nur selten da.

Sven Klöpping: So, ich halt’s nich mehr aus, ich bin dann mal für kleene Jungs. Erzähl einfach noch irgendwas Interessantes, was dir gerade so einfällt.

Rudi Gerstner (blickt ihm nach): Okay, welcher Witzbold hat ihm die weisse Farbe auf den Sitz geschmiert??

Klöpping kam nach gefühlten 45 Minuten wieder.

Sven Klöpping: Sooo … das war aber wieder mal ne Begegnung der dritten Art, das kann ich dir sagen! Wo war’n wir stehngeblieben? Sach ma … Ah, stimmt. Also, ich mein, die Toiletten sind ja noch in nem ganz ordentlichen Zustand, wenn man bedenkt, wie trinkfest der gewöhnliche Fan ist …?

Rudi Gerstner: Ja, das ist schon ein trinkfester Haufen. Aber alle ganz lieb. Am besten ist es, wenn abends die Stimmung ins Melancholische abgleitet, man sich über frühere Erlebnisse unterhält, und an die Freunde von früher erinnert. Manchmal, spät abends, da kann man dann die alten Fans sich liebevoll unterhalten und streiten sehen. Da sitzen dann manchmal der Walter Ernsting und der Willi Voltz da hinten in der Ecke, und unser alter Kumpel Joachim legt wieder was von seiner Musiksammlung auf.

Sven Klöpping: Machst du das eigentlich alles allein oder hast du noch Hilfe?

Rudi Gerstner: Ich versuche das hier alleine zu machen, aber wenns mal knapp wird, helfen die SF-Fans hier auch mal aus. Der Mark Pepper, Annissa Heinrichs und Марк Генри haben schon ab und zu mal das Kommando an der Theke übernommen. Denn ohne engagierte Gäste ist keine SF-Kneipe einen Pfifferling wert.

Sven Klöpping: Zum Schluss noch die Formali … äh … dingens: Wie kommt man zu euch, wo kann man kostenlos parken und wo sich abschleppen lassen? Oder abschleppen? Jetzt aber zacki, Mann. Wir woll’n die ganze Wahrheit hören!

Rudi Gärstner: Den Weg hierher ist einfach zu finden. In die Innenstadt, dann links um die Ecke, und einfach einen einheimischen SF-Fan fragen. Für alle, die es nicht bis hierher schaffen, gibt es auch noch die Facebook Gruppe Asimov-Kellerbar.

Sven Klöpping (trinkt schwankend einen letzten Schluck): So, das war aber mal wieder n harter Abend. Bis denne, Rudi. Guter Laden, Reschpekt. Und danke für deine Antschworten!

 

Ich betrachtete interessiert, wie Klöpping langsam vom Barhocker glitt und auf dem Boden aufschlug.

Rudi Gerstner winkte einigen stämmigen Gestalten vom Ordnerdienst des SFCD und trug ihnen auf, dem Gast draußen vor der Bar ein ruhiges Lager zu bereiten.

Ich nickte Rudi zu und machte mich wieder auf den Weg nach Hause.

Ja … doch, war mal wieder ein interessanter Abend.

 

Asimov Kellerbar

Klaus Marion – Geschichten aus der Asimov Kellerbar

 

Aufgezeichnet von Klaus Marion

Die Fragen stellte Sven Klöpping

DSFP-Nominierungen

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Kruse komplett

Wer den ganzen Axel Kruse möchte, folgt bitte diesem Link.

Familiensonntag im Haus der Geschichte

Beim Familiensonntag am 17. Februar im Haus der Geschichte in Bonn (siehe Kalender) ist auch der SFCD prominent vertreten – mit einem Infostand. Eine gute Chance, auch Nicht-Fandomler für die deutsche SF(-Szene) zu begeistern. Hier alle Infos.

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Bald ist es so weit: Endlich werden die drei (!) Bände des Story Centers erscheinen. Weil der Herausgeber Michael Haitel stark in andere (Buch-)Projekte eingebunden war, musste das Story Center leider warten. Bis jetzt.

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