Nadine Boos

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Rezension: “Im nächsten Leben wird alles besser” von Hans Rath

Ein Mann erwacht. Jedoch nicht am folgenden Tag, sondern 25 Jahre später, als alter Mann. Weder kann er sich an seinen Assistenten Gustav erinnern, noch daran, was mit seiner Ehe passiert ist, noch an seine eigenen Handlungen, Gefühle und Gedanken.

Mühsam beginnt er damit, diese ihm fremde Zukunftswelt zu erkunden und seine Erinnerungen wiederzufinden.

Hans Rath schafft hier eine grundsätzlich interessante Ausgangslage, indem er die zukünftige Welt durch die Augen eines Mannes erklärt, für den alles neu und unbekannt ist. Als zweite Ebene arbeitet der Roman mit Rückblenden. Man erfährt viel über das alte Leben des Ich-Erzählers: Seine Freunde, wie er seine Frau kennenlernte und natürlich über ihn, den pessimistischen Schwarzseher.

Die gefällige, schnörkellose Sprache und die geschickte Konstruktion beider Ebenen machen den Roman zu einem gut lesbaren Werk für alle, die wenig oder keine Erfahrung mit SF haben.

Routinierten SF-Fans werden dagegen die meisten Ideen vertraut sein, für sie gibt es wenig Neues zu entdecken. Wer zuvor Hillenbrand oder Suarez gelesen und die Matrix-Filme gesehen hat, langweilt sich schnell, viele Stellen sind dann vorhersehbar, die philosophischen Überlegungen bekannt und der Schluss unbefriedigend.

Dass der Schluss durchaus offen lässt, ob alles so ist, wie es scheint, funktioniert mäßig gut. Vor allem aber ärgert man sich darüber, dass man sich vorher über einige Dinge geärgert hat, die natürlich vom Schluss her betrachtet logisch sind, den Lesegenuss zwischendurch aber sehr schmälern.

Da der Autor selbst Philosoph ist, muss man darüber hinwegsehen, dass Szenen teilweise dafür benutzt werden, Überlegungen zur Zukunft und dem menschlichen Sein zu transportieren. Das wirkt an mehr als einer Stelle eher wie ein Essay denn wie eine Diskussion unter echten Menschen – die Wortgefechte passen etwas zu flüssig ineinander. So wirkt dann auch die Wandlung von Arnold vom dauermeckernden Besserwisser zum tiefenphilosophisch-geläuterten Weltversteher konstruiert, vor allem wichtig, um Botschaften des Autors zu transportieren.

Dafür entschädigen die gut gezeichneten Figuren und deren realistische Biografien. Der Roman ließt sich zügig genug, um ihn nicht abzubrechen.

Wer gerne philosophische Romane liest und wenig Erfahrung mit SF hat, wird gut unterhalten.

Unterhaltung:
Anspruch:
Ideenreichtum: