Uwe Post

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Name: Uwe Post
Angemeldet seit: 13. August 2012

Aktuelle Beiträge

  1. Shadowrun: Das große Interview — 28. Mai 2018
  2. Rezension: NOVA Magazin Ausgabe 25 — 2. Mai 2018
  3. Rezension: Shadowrun – “Iwans Weg” von David Grade — 26. April 2018
  4. Neu: “Iwans Weg” von David Grade (Shadowrun-Roman) — 24. April 2018
  5. Neu: Ren Dhark “Weg ins Weltall” Band 75 — 17. April 2018

Liste der Autorenbeiträge

Shadowrun: Das große Interview

Anlässlich des Erscheinens des ersten Bandes der neuen, von Pegasus herausgegebenen Shadowrun-Serie haben wir den Autor des Buchs “Iwans Weg”, David Grade, sowie den Chefredakteur von Shadowrun in Deutschland, Tobias Hamelmann, ausführlich befragt.

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Rezension: NOVA Magazin Ausgabe 25

Seit kurzem ist endlich die 25. Ausgabe von NOVA erhältlich. Auf die Verzögerungen soll hier nicht weiter eingegangen werden, aber da sich das Personalkarussel bei den Herausgebern nunmehr weiter dreht und künftig ein anderer Verlag das Magazin herausbringt, kann man auf Besserung hoffen.

NOVA 25 enthält im Vergleich zur Ausgabe 24 weniger Texte, dafür ist die Schriftart größer. Den Leser erwarten 13 Kurzgeschichten, 12 davon von deutschen Autoren, eine Übersetzung. Hinzu kommen ein Artikel und zwei Nachrufe. Die meisten Storys sind zudem illustriert.

Wie es sich für ein SF-Magazin gehört, decken die Storys ganz verschiedene Subgenres der SF ab, so dass keine Langeweile aufkommt – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Im Folgenden besprechen wir nur einige in unseren Augen bemerkenswerte Geschichten.

In Dirk Alts Story “Die totale Obsoleszenz” geht es um die geplante Schließung des letzten Archivs mit historischen Aufzeichnungen der Menschheit. Leider können die verwahrten Datenträger nicht mehr gelesen werden, aber es besteht Hoffnung. Der Autor ist für seine anspruchsvollen, treffsicheren Geschichten bekannt und enttäuscht auch hier nicht.

“Baum Baum Baum” von Heidrun Jähnchen, die zuletzt für längere Zeit keine neuen Texte vorgelegt hatte, ist eine Geschichte um Kommunikationsprobleme mit Aliens und deren planetare Ökologie. Sie enthält (typisch für die Autorin) kreative Ideen (wie die lustige Pluralbildung) und hintergründigen Humor.

In “Intervention” von C.M.Dyrnberg wird eine Art Selbstjustiz auf einer Raumstation vorgestellt. Eine ideenreiche Geschichte, über die man inhaltlich aber durchaus diskutieren könnte.

In “Entkoppelt” führt Markus Hammerschmidt ein Gedankenexperiment durch: Wie fühlt sich jemand, der sich mehr oder weniger freiwillig von der vernetzten Alltagswelt abnabelt. Eine irgendwie schrullige, durchaus liebenswerte Episode.

Das Lachen im Hals stecken bleibt dem Leser in “Selfie mit Alien” von Altmeister Horst Pukallus, mehr sei dazu nicht verraten.

Das Highlight der Ausgabe ist “Enola in Ewigkeit” von Thomas Sieber. Diese Geschichte ist nicht nur sprachlich überaus gelungen, voll von abgründigem Witz und explodiert vor Ideenreichtum, sie ist außerdem gleichzeitig herrlich schräg, unendlich traurig, von epischer Breite, astrophysikalisch nach aktuellem Stand der Forschung korrekt und bietet auch noch viel Stoff zum Nachdenken, zum Beispiel über das erstaunlich “religiöse” Ende. Es würde uns wundern, wenn wir diese Geschichte nicht im nächsten Jahr auf den Nominierungslisten der einschlägigen Preise finden würden.

Naturgemäß kann nicht jede Geschichte ein Volltreffer sein. Warum ein Magazin, das den Begriff “neu” im Titel trägt, eine lahm inszenierte, beliebige Variante einer Zeitreisestory mit Jesus veröffentlicht (“Das Evangelium nach Erasmus” von Hans Lammersen), ist dem Rezensenten unverständlich.

Trotzdem kommt jeder Freund der modernen, durchaus experimentierfreudigen deutschen SF bei NOVA auf seine Kosten.

NOVA 25 gibt es derzeit nur im Verlagsshop.

 

Rezension: Shadowrun – “Iwans Weg” von David Grade

Der Pegasus-Spieleverlag versucht sich am Neustart einer Shadowrun-Rollenspiel-Romanserie – geschrieben von deutschen Autoren. Den Anfang macht mit David Grade ein bisher in der SF-Szene eher unbeschriebenes Blatt – daher sind wir auf das Ergebnis ganz besonders gespannt.

“Iwans Weg” spielt vollständig im Dortmund der “Sechsten Welt” anno 2077/78, also einer düsteren Cyberpunk-Zukunft mit Fantasy-Elementen. Die Titelfigur, alles andere als ein strahlender Held, gerät zwischen die Fronten eines gnadenlosen Kampfes: Letztlich sind es zwei Feenwesen, die ihre Konflikte statt in ihrer eigenen Welt in der Menschenwelt austragen, sich metamenschliche Handlanger suchen, und dabei auf keinerlei Kollateralschäden Rücksicht nehmen.

Der Roman ist hart, dreckig, blutig (aber nicht blutrünstig) und das genaue Gegenteil einer romantischen Zukunftsvision. Aber das ist eben Shadowrun.

Dass es sich um ein Rollenspiel-Universum handelt, fällt – im Gegensatz zu anderen Werken – dem Leser nicht negativ auf. Natürlich verwendet der Roman die üblichen Begriffe und Elemente wie Decks und Komms, Runs und Chummer (es gibt im Anhang ein Glossar und eine kurze Einführung in die Welt). Aber an keiner Stelle hat man das Gefühl, als hätte der Autor wie in einem Rollenspiel das Ergebnis eines Kampfes ausgewürfelt, oder trifft auf Verhältnisse, die nur Eingeweihte nachvollziehen können. Lediglich die kapitelweise wechselnde Figurenperspektive erinnert an ein Rollenspiel, das von mehreren Spielern getragen wird, aber das ist wegen der durchaus unterschiedlichen Handlungsträger sogar von Vorteil. Dabei sind Story und Handlungsweise der Figuren in sich plausibel, was man gar nicht genug betonen kann, wenn man sich anschaut, was für Aneinanderreihungen von Plot-Holes dem SF-Fan üblicherweise etwa in aktuellen SF-Filmen aufgetischt werden.

Es ist deutlich hervorzuheben, dass dieser Roman keinesfalls nur für Fans oder Kenner von Shadowrun zu empfehlen ist. Er geht inhaltlich weit über ein oder zwei Runs – also Abenteuermissionen – hinaus. Der Autor nimmt sich viel Zeit, um seinen Figuren, insbesondere Iwan, Tiefe zu verleihen. Die meisten schleppen üble persönliche Probleme mit sich herum, die durchaus relevant für die Handlung sind. Dabei versteht der Autor, wovon er redet, denn er arbeitet als Therapeut in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, mit einem Schwerpunkt auf posttraumatischen Belastungsstörungen.

Wer einen temporeichen, dreckigen, coolen Cyberpunk-Roman mit Tiefgang und authentischem Ruhrpott-Lokalkolorit lesen möchte, ist hier genau richtig.

Den 344 Seiten starken Roman gibt es für €12,95 überall, wo es Bücher gibt. Infos beim Verlag.

Natürlich sind wir nach diesem gelungenen Neustart der Shadowrun-Romanserie sehr gespannt auf weitere Bände, die bereits angekündigt sind. Wir werden das Thema in naher Zukunft mit Interviews und weiteren Artikeln im Auge behalten.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Neu: “Iwans Weg” von David Grade (Shadowrun-Roman)

Schon lange verfügt der deutsche Pegasus-Spieleverlag auch über die Romanrechte am Shadowrun-Universum. Zuvor erschienen bereits zig Romane bei Heyne und bei Fantasy Productions. Abgesehen vom Rollenspiel-Material hat man sich nun dazu entschlossen, eine neue Romanserie aufzulegen – und zwar von deutschen Autoren, weitgehend in Deutschland spielend. Im Deutschland der Sechsten Welt, um genau zu sein.

Den Anfang macht mit “Iwans Weg” ein Roman, der im Ruhrgebiet des Jahres 2078 spielt – genaugenommen in Dortmund. Gleichzeitig legt damit der Autor David Grade (aus Dortmund) seinen Debütroman vor.

Deutschland 2078 – die Welt hat sich verändert, die Magie ist erwacht, Mysterien sind auferstanden und Megakonzerne regieren das Geschick der Welt. Der junge Hacker Iwan stammt aus einem Gebiet voll Chaos und Anarchie mitten im Rhein-Ruhr-Megaplex: der Dortmunder Nordstadt. Der verzweifelte Mensch versucht alles, um einen Weg ans Licht zu finden. Als er scheitert, ist seine letzte Hoffnung die Seelie Mae. Doch ein dunkles Geheimnis umgibt diese Fee. Und sie ist auf der Flucht, verfolgt von skrupellosen Mördern. Der brutalste unter ihnen ist Rhoslyn, der sich in einer Schneise der Zerstörung durch die für ihn neue Welt von Matrix und Maschinen fräst. Auch ein Team Shadowrunner wird zur Jagd auf Mae erpresst. Jäger und Gejagte erzeugen einen Strudel aus Gewalt und Alpträumen, der Iwan für immer zu verschlingen droht.

Das knapp 350 Seiten starke Taschenbuch ist für EUR 12,95 überall erhältlich, wo es Bücher gibt. dsf wird in Kürze eine Rezension bringen und ausführlich über Shadowrun in Deutschland berichten.

Weitere Infos gibt’s direkt bei Pegasus

Neu: Ren Dhark “Weg ins Weltall” Band 75

REN DHARK “Weg ins Weltall” Band 75 ist unter dem Titel “Kharamaks Geschäfte” erschienen:

Kaum ist die POINT OF in die Milchstraße zurückgekehrt, fängt sie einen Notruf auf. Ren Dhark und seine Getreuen gehen dem nach und fliegen dabei in das Gebiet der Nögk ein. Mit diesem kriegerischen Volk besteht zwar seit einiger Zeit ein Friedensvertrag, dennoch ist Vorsicht angebracht. Und tatsächlich kommt es zu einem Konflikt, der sich vor allem um eines dreht: Kharamaks Geschäfte …

Autoren: Jan Gardemann, Achim Mehnert und Nina Morawietz; nach dem Exposé von Ben B. Black.

Weitere Infos beim Verlag

Game-Test: “Surviving Mars”

Habt ihr auch den Eindruck, als wäre der erste bemannte Flug zum Mars das “nächste große Ding” der Menschheit? Seit dem Film “Der Marsianer” wirkt das gar nicht mehr so weit weg. Da wundert es nicht, wenn sich einer der großen Macher von Strategiespielen – Paradox Interactive – auf das Thema stürzt und ein Aufbauspiel herausbringt, das uns in die gar nicht so ferne Zukunft befördert, um den Mars tatsächlich zu besiedeln. Genau darum geht es in “Surviving Mars”. Weiterlesen »

Retro-SF in frischem Gewand

Was 60 Jahre alte elektrische Träume uns lehren können

Betrachtet man die zeitgenössische Science Fiction, kann einem angst und bange werden. Nicht, weil diverse Dystopien das Ende der Welt, zumindest aber das des freien Willens oder des physischen Sexualverkehrs vorhersagen. Vielmehr verbirgt sich hinter einer bunten Fassade aus aufwändigen Special Effects häufig – rein gar nichts. Jedenfalls nicht der Grund, wegen dem die SF eine Sonderstellung in Literatur und Medien einnimmt: Das Genre eignet sich mehr als andere, um dem Jetzt den Zerrspiegel vor die Nase zu halten, um soziale Probleme zu extrapolieren oder philosophische Fragen zur Verortung des Menschen im Universum zu stellen.

Kein Wunder, dass Fans heute immer noch uralte Schmöker oder Filme abfeiern, wenn man sie nach den Highlights des Genres fragt: Retro geht immer.

Aber war früher wirklich alles besser? Wohl kaum. Besteigen wir doch eine Zeitmaschine, wahlweise in Form einer blauen Telefonzelle, und reisen Genre-standesgemäß in die Vergangenheit.

Sie haben kein solches Gerät zur Verfügung? Dabei sollte es doch einem Lieferdienst der Zukunft ohne weiteres möglich sein, Ihnen eines zuzustellen, oder? Na, lassen wir das. Den umgekehrten Weg zu nutzen, ist viel leichter, weil jemand freundlicherweise kürzlich einen Haufen Retro-SF in unsere Gegenwart katapultiert hat. Die Rede ist natürlich von »Electric Dreams«, der Anthologie-Serie von Channel 4 und Sony Pictures Television, die unter anderem bei Amazon Prime zu sehen ist. Die Macher haben sich 10 Kurzgeschichten von Genre-Legende Philip K. Dick vorgenommen, die alle Mitte der 50er Jahre entstanden sind, und sie modernisiert. Mister Dick, hinlänglich bekannt als geistiger Vater von Bladerunner oder The Man In The High Castle, hat also keineswegs SUVs, Smartphones oder Twitter vorhergesagt, die in den Episoden durchaus vorkommen. Das ist letztlich eine modernisierte Fassade, hinter der sich allerdings immer humanistische Fragen verbergen und nicht nur die nächste Tüte Popcorn:

Wie erkennen wir eigentlich die »echte« Wirklichkeit, wenn es zwei gibt, die sich beide verdammt real anfühlen? Können, dürfen oder sollten Roboter lügen, um Menschen vor unangenehmen Wahrheiten zu schützen? Und was ist so schlimm daran, Menschen durch Maschinen zu ersetzen, wenn die sich viel menschlicher verhalten als die Menschen selbst?

An solchen Fragen – auf die es freilich ganz unterschiedliche Antworten geben kann – kann sich eine gute Geschichte messen lassen, und in dieser Hinsicht schneiden die 60 Jahre alten Storys von PKD deutlich besser ab als das meiste, was uns heutzutage unter dem Label SF aufgetischt wird.

Das sieht in Buchform nicht viel anders aus: Dicke Wälzer mit Raumschiffen vor einem Sternenhimmel sind nicht selten so leer wie das abgebildete Vakuum, wenn man nach Substanz, Humanismus oder gar Sozialkritik sucht.

Nicht zuletzt deshalb verorten manche Zeitgenossen die SF längst auf dem Müllhaufen der Geschichte – Gebrauchs- oder Wegwerfliteratur. Und: Nein, Raumschiff Enterprise hat nicht das Smartphone in Form des Tricorders vorhergesagt. Allzu groß ist die Ähnlichkeit tatsächlich nicht: Oder können Sie Ihr Handy zu einem Hyperphasenwellenmodulator umbauen, wohlgemerkt ausschließlich unter Verwendung einer zum Lötkolben umfunktionierten Phaserpistole?

Sicher dienen mehr oder weniger verschmitzte Pointen rund um verwirrte Lieferdrohnen und sprechende Autos, mit etwas Glück auch über Psycho-Bots, tschuldigung, Apps zur psychologischen Betreuung, durchaus der Unterhaltung. Kurzgeschichten mit solchen Inhalten findet man zuhauf in einschlägigen Anthologien oder Magazinen (z.B. in EXODUS). Dass die SF an sich viel mehr kann als seichte Pointen, vergessen manche Autoren leider häufig. Auf dem Altar des nächsten Spezialeffekts oder Cliffhangers wird bisweilen sogar jegliche Plausibilität geopfert. Beispiele dafür fallen sicher jedem Fan zur Genüge ein der ST: Discovery nicht durch die Trekker-Brille geschaut hat.

Vielleicht ist nach 60 Jahren dank »Electric Dreams« die Zeit gekommen, erneut hinter der bunten Fassade einer knackigen Geschichte so etwas wie Substanz zu verstecken. Natürlich kann es dabei nicht schaden, Stars wie Geraldine Chaplin, Liam Cunningham und Richard Madden im Cast zu haben. Aber eine gute Story schafft es auch ohne bekannte Schauspieler, im Gedächtnis zu bleiben.

Das zeigen auch Autoren hierzulande, sei es in Form von Romanen (z.B. »Qualityland« von Marc-Uwe Kling), Kurzgeschichten oder youtube-Filmen wie diesem.

SF muss nicht entweder kreischbunt oder intelligent sein. Es geht auch beides gleichzeitig.

Das ist der Traum von Philip K. Dick und auch der meiner Wenigkeit.

Neu: EXODUS Ausgabe 37

Ab sofort erhältlich ist die 37. Ausgabe des deutschen SF-Magazins EXODUS.

Auf über 100 teils farbigen Seiten im Großformat bringt EXODUS erneut Kurzgeschichten von namhaften deutschen Autoren, Illustrationen, ein Essay und eine Galerie mit Arbeiten des Künstlers Mario Franke.

Zu haben auf der EXODUS-Homepage

Neu: “Sternenfutter” von Frank Schuster

Soeben ist im Mainbook-Verlag der Roman “Sternenfutter” von Frank Schuster erschienen.

Schuster, Journalist und freier Autor, entwirft darin eine Zukunft, in der die Menschheit von Invasoren als Mastvieh gehalten wird.

Die Erde in naher Zukunft. Jara wird mit anderen Menschen in einer Mast- und Zuchtstation gehalten. Sie werden überwacht und sollen für Nachwuchs sorgen. Die Phagen, eine dem Mensch überlegene Spezies, hat die Erde erobert. Ihr Heimatplanet wurde von einer Pandemie heimgesucht, sodass es dort nichts mehr zu essen gibt. Nun halten sie die Menschen wie einst die Menschen die Tiere in Stationen, um möglichst viel Fleisch zu erhalten. Plötzlich taucht ein Fremder in der Station auf. Er versucht Jara dafür zu gewinnen, nach draußen zu den Wildmenschen, einer Gruppe von Umstürzlern, zu gelangen. Ihre Mission: die Erde von den Phagen zu befreien. Für Jara beginnt ein gefährliches Abenteuer …

Weitere Infos beim Verlag

Interview: Bernd Behr und die Storys in c’t

Bernd Behr ist vielen Insidern der Szene gut bekannt: Jahrzehntelang war er beim c’t-Magazin für die Story-Rubrik zuständig, d.h. er war Ansprechpartner für all die Autoren, die SF-Kurzgeschichten im c’t-Magazin unterbrachten – wohlgemerkt gegen ordentliches Honorar und in hoher Auflage, was im deutschen Sprachraum so ziemlich einzigartig ist. Nun ist Bernd Behr in den Ruhestand gegangen – höchste Zeit, ihm einige Frage zu seiner Tätigkeit zu stellen.

dsf: Lieber Bernd, hast Du eigentlich irgendeine Ahnung, wie viele
eingesendete Storys Du in der ganzen Zeit gelesen hast? Und wieviele
Jahre waren diese “ganze Zeit” insgesamt eigentlich?

bb: Gefühlt an die zehntausend in genau 30 Jahren. Aber ich habe mal überschlagen, dass wir mehr als 500 Storys seit November 1987 in c’t veröffentlicht haben müssen. Bei einem geschätzten Verhältnis von eingehenden Manuskripten und tatsächlich gedruckten von 10:1 müsste ich dann etwa 5000 Manuskripte gelesen haben.

dsf: Wie fing das alles eigentlich an? Wie kamt ihr auf die Idee,
ausgerechnet in einer Computerzeitschrift Kurzgeschichten abzudrucken?

bb: Die Idee hatte einer der beiden Chefredakteure, Detlef Grell – selbst ein eingefleischter SF-Fan. Er hatte Kontakt zu ein paar Hannoverschen SF-Autoren, und wir trafen uns zu einer Besprechung mit Gero Reimann und Winfried Czech in einer Kneipe, wo bei einigen Bierchen das Projekt geboren wurde. Nachdem die Redaktionsleitung zugestimmt hatte, habe ich dann die Betreuung des Projekts übernommen. Es hatte natürlich nur eine Chance, indem wir uns von vornherein auf Story-Inhalte beschränkten, die mit IT zu tun hatten.

dsf: Gibt es eigentlich viel Feedback von den Lesern? Negativ kann es ja grundsätzlich nicht sein, sonst gäbe es die Rubrik sicher längst nicht mehr …

bb: In den ersten Jahren gab es häufiger positives Feedback, später, als die c’t-Story zur Selbstverständlichkeit wurde, nur noch selten. Kritik gab es eher versteckt, direkt an die Chefredaktion herangetragen. Als Folge davon wurde ich dann angewiesen, die Themeneinschränkung enger zu ziehen. Es hatten sich wohl einflussreichere c’t-Leser beschwert, dass Fiktion in einem technischen Magazin, das vorwiegend von Ingenieuren gelesen wird, nichts zu suchen habe.

dsf: Oft sind die Illustrationen zu den Geschichten nicht weniger
kreativ als die Texte selbst. Gehört das zum künstlerischen Gesamtkonzept?

bb: Absicht war, dass die Story-Aufmachung sich deutlich von den Fachartikeln unterschied. Die Illustratoren Susanne Wustmann und Michael Thiele waren schon für den Verlag tätig. So lag es nahe, sie mit Illustrationen für die Storys zu beauftragen. Die Zusammenarbeit mit den beiden war 30 Jahre lang sehr fruchtbar.

dsf: Die c’t ist eine der ganz wenigen Möglichkeiten für deutsche SF-Autoren, Kurzgeschichten gegen ein ordentliches Honorar zu veröffentlichen. Gibt es eigentlich Vorgaben für Einsendungen? Müssen Texte mit Computern, Games oder Robotern zu tun haben?

bb: Wie schon früher gesagt, ist die c’t ein knallhartes Technik-Magazin. Wenn schon Fiktion darin erscheint, muss sie wenigstens von den Magazin-Themen ableitbar sein. Das einzige Argument gegenüber den Kritikern. So hatte dann auch Computer-Fantasy selten eine Chance auf Abdruck.

dsf: Angenommen, ein eifriger Autor liest diese Zeilen und möchte unbedingt sein Werk einsenden. Ist das überhaupt erwünscht? Und, wenn ja: Wohin soll er es schicken und was passiert dann als nächstes?

bb: Es war und ist weiterhin erwünscht, und zwar am besten per E-Mail an story (at) heise.de. Auf jede Zusendung gab es mindestens eine Eingangsbestätigung, später meist auch eine Ablehnungsbegründung. Und mein Nachfolger in der Redaktion wird es wohl auch so halten.

dsf: Welche Anekdoten rund um die c’t-Kurzgeschichten kannst Du zum besten geben? Gab es besondere Highlights oder gar Lieblingsgeschichten?

bb: Die Erfolgreichste c’t-Story, was die Leserreaktionen betraf, war “Der Dialog der Schwestern” von Carsten Elsner. Darin ging es um RSA-Kodierung, und den Schluss der Story konnten die Leser nur entziffern, indem sie die RSA-Kodierung aufgrund der in der Story gelieferten Informationen knackten. Es kamen viele Zuschriften, die entweder erzählten, dass sie wieder aus dem Bett springen mussten, um das Rätsel zu lösen, oder die einfach nur baten, das Ende zu verraten. Einer der Leser hat sogar eine Internetseite mit einem Tool zur Dekodierung eingerichtet.

Auf eine Geschichte von Josella Playton in den 90er Jahren hin, gab es Aufregung im Verlag. Der Vorstand der Deutschen Bank hatte sich beim Verlagschef Christian Heise beschwert, und eine Rüge wälzte sich durch die Instanzen bis zu mir. In der Geschichte verabredeten sich einige Hacker auf den Servern der Deutschen Bank zu einer Straftat. Die Herren von der Bank entrüsteten sich darüber, dass man Mitarbeitern der Bank solches unterstellte. Von der Redaktion instruiert konnte unser Chef die Herren dann in die Abgründe der Vernetzung einführen. In den 90er waren die Chefetagen in dieser Beziehung noch ahnungslos.

dsf: Du hast jetzt im Ruhestand sicher eine Menge Zeit, sozusagen SF “außer Konkurrenz” zu lesen. Würdest Du Dich als SF-Fan bezeichnen? Zu welchen Romanen oder Autoren greifst Du?

bb: Ein richtiger SF-Fan bin ich wohl nicht, dafür lese ich zu wenig. In den 30 Story-Jahren war ich mit den Manuskripten SF-mäßig ausgelastet, darüber hinaus habe ich nur ein paar SF-Bestseller gelesen. Aber ich bin ein Mensch, der eher in die Zukunft blickt als zurück. Insofern ist das Weiterdenken dessen, was an technischem Wissen vorliegt, genau mein Ding. Was und wieviel ich im Ruhestand lesen werde – keine Ahnung. Auf jeden Fall muss es weiterhin ein einigermaßen realistisches Szenario bieten.

dsf: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zu diesem Interview gibt es einen Diskussionsthread im SF-Netzwerk.

 

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