Uwe Post

Author's posts

Deutscher Science Fiction Preis 2020: Die Nominierungen

Gestern wurden die Nominierungen zum diesjährigen DSFP bekanntgegeben.

Nominiert sind:

In der Kategorie »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte«:

  • »Partition« von Gabriele Behrend, erschienen in »Gegen Unendlich 15«
  • »Ich bin dein Mensch« von Emma Braslavsky, erschienen in »2029 – Geschichten von morgen«
  • »Vom Krug auf dem Hügel in Tennessee« von Christopher Ecker, erschienen in »Exodus 39«
  • »Requiem« von Karl Wolfgang Flender, erschienen in »2029 – Geschichten von morgen«
  • »Der letzte Bibliothekar« bzw. »Byzantium« von Dimitrios Kasprzyk, erschienen in »Andromeda Nachrichten 267«
  • »Koloss aus dem Orbit« von Jacqueline Montemurri, erschienen in » Exodus 39«
  • »Coleo« von Nadine Muriel, erschienen in »Alien Eroticon: Erotische SF«
  • »Don’t Be Evil« von Tom Turtschi, erschienen in »Nova 28«

Und in der Kategorie »Bester deutschsprachiger Roman«:

  • »GRM« von Sibylle Berg
  • »Metropole 7 – Der letzte Admiral Band 1« von Dirk van den Boom
  • »Resonanz – Die Reise der Scythe Band 3« von Dirk van den Boom
  • »Das Netz der Sterne« von Andreas Brandhorst
  • »K.I. – Wer das Schicksal programmiert« von Christian J. Meier
  • »Der Würfel« von Bijan Moini, Atrium Verlag
  • »Die Starfarer-Verschwörung – Die Sax-Chroniken Band 1« von Richard Schwartz
  • »Shape me« von Melanie Vogltanz

Alle Details dazu gibt es auf der Webseite des DSFP.

Rezension: “Influence” von Christian Linker

Eines schönen Tages in nicht allzu ferner Zukunft bringt ein Hackerangriff das ganze Internet zum Zusammenbruch – und mittelbar fast weltweit die gesamte davon abhängige Infrastruktur. Das kann kein Zufall sein, sagt sich der Protagonist des Romans “Influence” von Christian Linker, denn er hat gerade in der Hosentasche einen USB-Stick mit Geheiminformationen, den er in Köln an einen anonymen, anarchischen Blogger übergeben soll …

Heutzutage muss die Science Fiction gar nicht weit in die Zukunft schauen, um nach dramatischen Geschichten zu suchen. Viele Was-wäre-wenn-Fragen, die sich heute stellen, sind in der SF unbestellte Äcker. Zumindest für den genannten Fall hat Christian Linker spannende Ideen ausgesät – und, um im Bild zu bleiben, einen lesenswerten Thriller geerntet.

Linker bleibt immer nah an seinen Figuren, nur selten lässt das Tempo nach. Freilich wird nicht jeder Leser alle Reaktionen der deutschen Bevölkerung auf den Internet-Ausfall für wahrscheinlich halten, aber gegen ein bisschen Spekulation und Fiktion gibt es ja nichts einzuwenden. Unter dem Strich wirkt die Handlung jedenfalls schlüssiger als typische Popcorn-Movies made in Hollywood.

Eingebettet in eine spannende Geschichte bietet Linker viel Stoff zum Nachdenken über die Gegenwart, speziell über Influencer und andere Internet-Phänomene. Er gönnt sich auch den einen oder anderen genüsslichen, satirischen Seitenhieb. Der Roman bietet einen ordentlichen Unterhaltungswert – und, das darf ich ohne groß zu spoilern verraten, eine der sonderbarsten Sexszenen, die mir seit geraumer Zeit untergekommen sind.

Einzig vorwerfen möchte man dem Roman das Ende: Das ist nicht nur offen, es ist einfach gar keines – im Grunde hört die Geschichte in der Mitte einfach auf. Womöglich ist die Fortsetzung aber bereits im Entstehen begriffen. Wir halten die Augen danach auf.

Unterhaltung: Anspruch: Originalität:

DPP 2020 fällt aus

Wie soeben bekanntgegeben wurde, wird der Deutsche Phantastik Preis (der ja auch oft deutsche SF auszeichnet) in diesem Jahr nicht vergeben. Als Begründung gab Dirk von den Boom im SF-Netzwerk an:

Die Verleihung des Deutschen Phantastik Preises (DPP) wird im Jahr 2020 leider aussetzen. Aufgrund der damit verbundenen organisatorischen Herausforderungen und der Tatsache, dass das alte DPP-Orgateam nach drei Jahren größtenteils für ein erneutes Engagement nicht mehr zur Verfügung steht, wird es in diesem Jahr weder möglich sein, eine angemessene technische Lösung für die Stimmabgabe zu finden, noch einen neuen Veranstaltungsort für die Verleihung zu identifizieren. Wie der DPP ab dem Jahr 2021 wieder aktiv sein wird, geben wir zu gegebener Zeit bekannt.

Die technischen Schwierigkeiten reichen sogar noch weiter, derzeit ist nicht einmal die Homepage aufrufbar (http://www.deutscher-phantastik-preis.de/). Die Historie des DPP, also auch die Preisträger, ist aber in der Wikipedia abrufbar.

Hinter dem DPP stand stets ein Team ehrenamtlicher Phantastik-Fans und -Macher. Es ist nachvollziehbar, dass auch so engagierten Leuten irgendwann die Kraft ausgeht. Umso mehr Respekt gebührt den Veranstaltern für das bisher Geleistete und für die ehrliche Bekenntnis, so nicht weitermachen zu können.

Neuausgabe: Die Bücher zur “X”-Reihe

Nicht nur Computerspiel-Fans dürfte die “X”-Reihe (X, X², X³…) der deutschen Spieleschmiede Egosoft ein Begriff sein. Auch wenn die neueren Teile, geht man nach den einschlägigen Bewertungen, nicht mehr zur Top-Gruppe im 4x-Spielegenre der SF – Erforschung, Aufbau, Abenteuer … – zählen, gibt es doch eine bemerkenswert große Fangemeinde.

Der Hybrid-Verlag bringt nunmehr in Zusammenarbeit mit Egosoft die Bücher zu den Spielen neu heraus. Insgesamt handelt es sich um fünf Stück.

Weitere Infos beim Verlag.

Neu: “Planet Centronos” von Matt Pastore

Im Hybrid-Verlag ist ein SF-Roman von Matt Pastore erschienen: “Planet Centronos”.

Bei der Erkundung eines weit von der Erde entfernten namenlosen Wüstenplaneten stößt die Mannschaft des Raumschiffs Excelsior auf ein im Sand vergrabenes gigantisches Bauwerk.
Bei der Untersuchung verschwinden zwei Wissenschaftler. Als Reinhardt Vorch die Rettungsmission beginnt, ahnt er noch nicht, welche Gefahren von der fremden Struktur und vom gesamten Planeten ausgehen.

Sechzig Jahre nach der risikoreichen Excelsior-Expedition bricht ein Treck mit einem Dutzend verwegener Männer in die Wüste auf. Keiner von ihnen weiß, ob er zurückkehren wird.

Das Buch ist als Taschenbuch und E-Book erschienen.

Weitere Infos beim Verlag.

Neu: “Im dunklen Buch des Anbeginns” von Michael Böhnhardt

Im Wurdack-Roman ist ein SF-Roman von Michael Böhnhardt erschienen: “Im dunklen Buch des Anbeginns”.

Nach einer Jahrtausende währenden Reise durch das All ist Gott mit einer Sonde im irdischen Sonnensystem angekommen.
Der hyperintelligente Computer verfolgt unbeirrbar sein programmiertes Ziel: Die Spezies seiner Erbauer und ihre Technologie neu zu erschaffen.
Doch seine Geschöpfe entwickeln einen eigenen Willen und lehnen sich gegen Gottes Pläne auf.
Der Seraph Luzifer zettelt eine Revolte an und flieht mit einer Gruppe Rebellen auf den Planeten Eden. Dort gewinnt er weitere Gefährten für seinen Aufstand: z.B. den Sukkubus Lilitu und die simulierten Seelen seiner Vorfahren. Und dann ist da noch der Mensch Adam – auf der Suche nach seiner Traumfrau Eva …
Die biblische Schöpfungsgeschichte im Science-Fiction-Gewand.
Plötzlich ergibt alles Sinn.

Das Werk ist als Paperback (13,95) und E-Book erhältlich.

Weitere Infos beim Verlag.

Neu: “Das Ewigkeitsprojekt” von Caroline Hofstätter

Im Atlantis-Verlag ist der Debutroman der österreichischen Autoren Caroline Hofstätter erschienen: “Das Ewigkeitsprojekt”.

Als Dr. Sarah Berger an einem friedlichen Morgen vor die Tür ihres Hauses tritt, erkennt sie, dass Hills View nicht nur ruhig ist – es ist zu ruhig. Über Nacht sind alle Bewohner verschwunden. Aber wohin? Wie konnte eine ganze Stadt völlig lautlos evakuiert werden und warum haben die Bewohner ihre Häuser penibel aufgeräumt, bevor sie die Stadt verließen?
Die junge Ärztin beginnt zu entschlüsseln, was hinter den rätselhaften Ereignissen in Hills View steckt, doch sie befindet sich bereits mitten im Ewigkeitsprojekt. Daraus zu entkommen, wird mit aller wissenschaftlichen Logik nicht einfach, denn die Gesetze der Physik gelten nicht länger. Selbst eine Tasse Kaffee ist nicht, was sie zu sein scheint …

Der 170 Seiten starke Roman ist für 12,90 (E-Book 6,99) überall zu haben, wo es Bücher gibt, sowie als exklusives Hardcover direkt beim Verlag.

Weitere Infos beim Atlantis-Verlag

Rezension: “Hell Fever” von Peter Schattschneider

In der Reihe “Heise Online Welten” ist beim Hinstorff-Verlag der Roman “Hell Fever – Höllische Spiele” von Peter Schattschneider erschienen.

Der Held der Geschichte, im wirklichen Leben ein Gymnasiallehrer, wird in der nahen Zukunft in einen Kriminalfall verwickelt, dem ein Freund von ihm zum Opfer fiel. Dabei fällt ihm ein Helm in die Hände, der den Zugang zu einem verdammt realistisch wirkenden Online-Spiel ermöglicht.

An dem Spiel und dem Helm sind Personen interessiert, die wenig Skrupel kennen. Unser Held muss also gleichzeitig versuchen, den Mord aufzuklären, darf sich nicht von den schlimmen Jungs erwischen lassen und verfällt zudem den Reizen des Computerspiels – und einer Mathe-Nachhilfeschülerin.

Auffällig am Roman sind die zahlreichen wissenschaftlichen Exkurse, auf die der universell gebildete Autor den Leser mitnimmt. Mal geht es um Dantes “Göttliche Komödie”, mal um Philosophie, mal um Quantenphysik. Im Nachwort erfahren wir, dass das größtenteils auf realen Erkenntnissen basiert und nur hier und da etwas dazugesponnen wurde.

Weder das Gaming-Thema noch die Thriller-Elemente (oder die Pointe am Schluss) sind im Genre neu. Auch die vorangestellte “Trigger-Warnung” bezieht sich nicht darauf – sondern auf die für Romane eher seltene Wahl eines pädophilen (oder zumindest juvenophilen) Protagonisten. Wohlgemerkt gibt es keine Pornografie im Buch. Aber als Leser nehmen wir unmittelbar an den Versuchen des Protagonisten teil, seine Neigung zu kontrollieren – und erleben auch, wie das misslingt. Ziemlich schnell kommt die Frage auf, ob denn in einem virtuellen Spiel erlaubt ist, was in der Wirklichkeit aus verdammt guten Gründen strikt verboten ist. Wer sich auf solche Themen nicht einlassen möchte, ist bei diesem Buch definitiv falsch.

Eine Beurteilung ist dementsprechend schwierig. Einerseits ist der Roman flüssig geschrieben, die Handlung ist wendungsreich und spannend, die Figuren stimmig und mit Tiefe versehen. Den philosophischen Abschweifungen kann man mit entsprechender Vorbildung folgen, sie sind aber auch so kurz, dass man sie querlesen kann. Das Virtual-Gaming-Thema ist weder neu noch restlos überzeugend dargeboten. Der Schluss (der hier nicht verraten wird) vermag sicher nicht jeden Leser zu befriedigen. Die Neigung des Protagonisten ist mindestens gewöhnungsbedürftig, seine Handlungsweise dementsprechend oft schwer nachzuvollziehen. Ergo ist der Roman ganz sicher in erster Linie dies: Geschmackssache.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Das Buch gibt es auf Papier und als E-Book überall, wo es Bücher gibt. Weitere Infos und Leseprobe beim Verlag.

Ausschreibung: Storys für dsf

Wie ihr wisst, veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Kurzgeschichten hier auf deutsche-science-fiction.de.

Was ihr vermutlich nicht wisst ist, dass diese Geschichten zu den am meisten aufgerufenen Seiten gehören! Außerdem planen wir für Dezember ein E-Book zu veröffentlichen, das alle bis dahin erschienenen Geschichten bequem zusammenfasst.

Grund genug, zum Mitmachen aufzurufen: Schreibt Geschichten oder sendet uns fertige. Für die Zeit bis zum Redaktionsschluss des diesjährigen Sammelbands starten wir hiermit eine Ausschreibung: Wir veröffentlichen die besten eingesendeten Geschichten auf unserem Portal und im E-Book.

Es gibt nur zwei einfache Vorgaben: Eure Geschichten müssen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz spielen und sie sollen witzig sein (wenigstens ein bisschen), denn ernste Geschichten haben wir schon eine ganze Reihe.

Sendet eure Texte einfach bis 30. November per Mail an kontakt (at) deutsche-science-fiction.de, wir sind gespannt!

Hinweis: Wir veröffentlichen gute Geschichten je nach Eingangsdatum, nicht erst im Dezember.

Rezension: “Userland” von Uwe Hermann

Im Jahr 2069 gibt es die SPHÄRE, eine virtuelle Kopie von Berlin, in das man wechseln kann, wenn einem das echte nicht mehr gefällt – allerdings endgültig. Auf diese Weise wird die Ehefrau des Protagonisten Lloyd vor dem ansonsten sicheren Tod gerettet. Er selbst ist im Sicherheitsteam der Firma beschäftigt, die die SPHÄRE betreibt. Als der Sitz des Unternehmens überfallen wird, fällt der Verdacht auf Lloyd, und ihm bleibt nichts anderes übrig, als auf eigene Faust nach den echten Tätern zu suchen.

Nach “Versuchsreihe 13” legt Uwe Hermann einen weiteren Thriller vor, der in einer deutschen Großstadt spielt. Auch im Jahr 2069 ist das heutige Berlin noch gut wiedererkennbar, so dass der Roman eine Portion Lokalkolorit auf der Haben-Seite verbuchen kann.

Die rasante und wendungsreiche Handlung nimmt den Leser mit auf eine Achterbahnfahrt durch das echte und das virtuelle Berlin. Gegen Ende muss man ob der vielen Figuren und gewisser Komplikationen aufpassen, dass man den Faden nicht verliert.

“Userland” ist ein abwechslungsreicher, filmreifer, futuristischer Thriller – nicht mehr und nicht weniger.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Atlantis Verlag, 240 Seiten, 12,90, auch als E-Book und Hardcover erhältlich