Uwe Post

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Name: Uwe Post
Angemeldet seit: 13. August 2012

Aktuelle Beiträge

  1. Rezension: “Serverland” von Josefine Rieks — 22. Januar 2019
  2. Rezension: “Wie ich Jesus Star Wars zeigte” von Joachim Sohn — 17. Januar 2019
  3. Neu: “Sylvej” von Axel Kruse — 3. Dezember 2018
  4. Rezension: “Die Känguru-Apokryphen” von Marc-Uwe Kling — 3. Dezember 2018
  5. Neu: “D9E – Dunkle Geheimnisse” von Susanne Schnitzler — 26. November 2018

Liste der Autorenbeiträge

Rezension: “Serverland” von Josefine Rieks

In ein paar Jahren wird es ein weltweites Referendum geben, das beschließen wird, das Internet stillzulegen.

Wenige Jahrzehnte später beginnt die Erzählung von Josefine Rieks. Ein junger Mann sammelt alte Laptops auf Schrottplätzen und sucht nach Hinterlassenschaft des digitalen Zeitalters. Er findet zusammen mit anderen jungen Leuten eine stillgelegte Serverfarm von Youtube und stößt auf seltsam faszinierende Videos.

Wer hier auf einen spannenden Thriller hofft, ist an der falschen Adresse. Der Roman ist eine undramatische, bisweilen ermüdende Beobachtung eines Haufens junger Leute eines Zeitalters, das wir uns kaum vorstellen können. Wohlgemerkt handelt es sich nicht um eine postapokalyptische Dystopie wie “Junktown” oder “Noware”. Unabhängig davon, ob ein weltweites Internet-Abschalt-Referendum überhaupt vorstellbar ist: Sich vorzustellen, wie “unvorbelastete” Leute in der Zukunft auf eine Auswahl Youtube-Videos reagieren (von 9/11 über eine Ansprache von Steve Jobs bis Robbie Williams’ berüchtigtes “Rock DJ”), ist ein bemerkenswertes Konzept. So sorgt zum Beispiel der typische menschliche Fehler, sich eher an positive Dinge zu erinnern, negative aber zu verdrängen, dafür, dass mit keinem Wort erwähnt wird, warum es beim Referendum eine Mehrheit für die Abschaltung gab. Kaum ein Wort über Fake News, Wahlmanipulationen, Datenleaks, Sicherheitslöcher. Die zumeist bemerkenswert naiven jungen Leute, die in die Youtube-Serverfarm eindringen, schauen sich die Videos an, unterhalten sich ein bisschen darüber, feiern Partys, trinken dabei jede Menge Bier und rauchen eine Zigarette nach der anderen und fahren dann einkaufen für die nächste Party. Es ist mehr als auffällig, dass der Protagonist meistens auf andere Personen reagiert, indem er einfach weggeht. Letztlich ist das ein Abbild heutiger typischer Internet-Nutzer: Sie schauen sich irgendwelche Videos an, finden sie cool, reden aneinander vorbei und gehen nicht aufeinander ein. Es mangelt an gemeinsamen Zielen, an Empathie, ja sogar an Sex (angesichts des Alters der Figuren vielleicht etwas überraschend).

Betrachtet man den Roman aus der richtigen Perspektive, bietet er eine Menge Denkanstöße. Da er flüssig geschrieben ist und nicht allzu lang, ist er daher durchaus empfehlenswert.

“Serverland” ist bei Hanser erschienen.

Unterhaltung:
Anspruch:
Originalität:

Rezension: “Wie ich Jesus Star Wars zeigte” von Joachim Sohn

Normalerweise sind Zeitreisegeschichten ja nicht mein Ding, schon gar nicht die recht abgegriffene Sorte “Zeitreise zu Jesus”. Aber der Titel verspricht zumindest eine etwas … andere Herangehensweise.

Gleich zu Anfang nordet der Autor den Leser auf das Thema ein: Der Ich-Erzähler diskutiert mit seinem Freund über Unzulänglichkeiten der neueren Star Wars-Filme. Ein beliebtes Thema unter Fans – für andere Leser vielleicht etwas schwierig nachvollziehbar.

Dann beginnt die Zeitreise (übrigens zeitgemäß per App): Die Absicht des Protagonisten ist es, Jesus zum Jediismus zu bekehren, damit das Christentum zu ersetzen und letztlich zu beweisen, dass Religion inhaltlich weitgehend austauschbar ist.

Offensichtlich hat der Autor hier eine gehörige Portion Religionskritik und Humanismus eingearbeitet (deshalb auch der Verlag – Alibri verlegt sonst Werke von Skeptikern wie Deschner oder Schmidt-Salomon). Gerade in den späteren Diskussionen zwischen Protagonist und Jesus kommen hier zahlreiche Aspekte zur Sprache, die man in SF-Romanen eher selten findet.

Gleichzeitig ist der Roman ein flüssig zu lesendes Abenteuer, das in den historischen Szenen durch farbige Inszenierung und saubere Recherche zu gefallen weiß. Neben teils überraschenden Wendungen gibt es durchschaubare Entwicklungen (wie der Schluss oder eine Romanze), die nur wenige Leser vom Stuhl hauen werden.

Die Hauptfigur handelt alles in allem nicht immer besonders durchdacht, wirkt auf mich überheblich und unsympathisch. Dem Stil hätte etwas Augenzwinkern gut getan, denn viele Stellen sind dermaßen unglaubwürdig, dass man sie nicht ernst nehmen kann, aber allzu viel Humor findet man eben auch nicht.

Ärgerlicherweise hat der Verlag beim Korrektorat furchtbar geschlampt, so dass man fast auf jeder Seite einen Fehler findet. Man gelobt allerdings Besserung für die nächste Auflage.

Das Lesen ist sicher keine Zeitverschwendung, denn das Buch schafft es, dem alten Thema “Zeitreise zu Jesus” neue Aspekte abzugewinnen.

Mit 15 Euro für 220 Seiten in recht großer Schrift ist das Taschenbuch nicht ganz billig, ein E-Book ist derzeit nicht erhältlich.

Weitere Infos beim Verlag

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Neu: “Sylvej” von Axel Kruse

Vor kurzem erschienen ist der neue SF-Roman von Axel Kruse: “Sylvej”. Die Geschichte spielt im gleichen Universum wie die Vorgängerromane.

Sylvej ist ein Planet des Derolianischen Reiches und gleichzeitig Sitz des Vizekönigs von Derolia.
Hierhin hat es den Frachtführer Samuel Kors verschlagen, nachdem er von Kirkasant geflohen ist.
Glaubte er auf Kirkasant noch, in den Derolianern Verbündete gegen das faschistische Imperium von Terra gefunden zu haben, wird er nun eines Besseren belehrt. Es dauert nämlich nicht lange und der Konflikt zwischen Terra und Derolia flammt auch auf Sylvej auf.
Und diesmal findet sich der Schmuggler zwischen allen Fronten wieder …

Erhältlich ist der Roman digital und als Paperback, überall wo es Bücher gibt, sowie als exklusives Hardcover in der Edition Atlantis, die nur beim Verlag zu haben ist.

Eine Rezension erscheint in Kürze hier bei uns.

Rezension: “Die Känguru-Apokryphen” von Marc-Uwe Kling

Marc-Uwe Kling gewann mit dem Roman “Qualityland” dieses Jahr den Deutschen Science Fiction Preis. Grund genug, sich das neueste Werk des Autors anzuschauen, auch wenn die Anekdoten aus seiner Känguru-WG nicht ins SF-Genre fallen, es sei denn, man unterstellt, dass das Känguru ein außerirdischer Besucher ist. Ganz unlogisch ist das nicht, oder gibt es auf der Erde etwa sprechende, kommunistische Kängurus? Eben.

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Neu: “D9E – Dunkle Geheimnisse” von Susanne Schnitzler

Im Wurdack-Verlag ist der neue Band der Reihe D9E erschienen. Es handelt sich gleichzeitig um das Debut der Autorin Susanne Schnitzler in der Serie, der Roman heißt “Tödliche Geheimnisse”.

Als auf dem Planeten Nonterrabat, von dessen Existenz kaum jemand weiß, ein Mord geschieht, lenkt dies die Aufmerksamkeit des Instituts auf einen alten Bekannten, der auf Malnaer ein Reiseunternehmen betreibt. Auch der dortige Geheimdienst interessiert sich für die Wellnessreisen, für die Teilnehmer aus allen Teilen des Universums nach Malnaer kommen, um in die Schönheitsklinik einer Dr. Dana Ruskin auf Nonterrabat weiterzufliegen.

Captain Jane Kneifel und ihre Crew haben gerade einen Auftrag für das Institut durchgeführt. Bevor sie ihre Ladung abliefern können, erhalten sie eine neue Order: Sie sollen die Reisegruppe nach Nonterrabat bringen und während der sieben Tage, welche die Teilnehmer dort verbringen, Augen und Ohren offenhalten. Im Gegensatz zu ihren früheren Aufträgen klingt das schon fast nach einer Erholungsreise.

Doch als sie mit der Heiteren Gelassenheit über Nonterrabat aus dem Mengerraum springen, überschlagen sich die Ereignisse. Auf sich allein gestellt, muss das Team nicht nur mit der Hilfe des Bordcomputers Huxley den Frachter wieder auf Vordermann bringen, sondern wird auch mit den Auswirkungen konfrontiert, die ein zerstörter Mentalfeldgenerator verursacht. Sie verfolgen die Reisegruppe und bekommen unerwartete Unterstützung von einem tot geglaubten Ehemann, dessen Lebensretter und einer Unsterblichen, die nicht mehr leben möchte.

Weitere Infos beim Verlag

Neu: Ren Dhark “Weg ins Weltall” Band 79

REN DHARK “Weg ins Weltall” Band 79 ist unter dem Titel “Der Seu­chen­brin­ger” erschienen:

Mithilfe der Energiesignatur, die Ren Dhark von den Maschi­nen­in­tel­li­gen­zen des Volkes erhalten hat, befinden sich die Terraner auf Kharamaks Spur, die ins Telin-Imperium führt. Dort, so hofft man, kann der Krayn endlich zur Rede gestellt wer­den – sofern es über­haupt Kharamak ist, der für die Seuchen die Verantwortung trägt, denn es gibt immer wieder Zweifel an dessen Schuld. Aber wem auch immer Ren Dhark und seine Begleiter tatsächlich folgen, eines ist klar: Derjenige ist der Seuchenbringer …

Autoren: Jan Gardemann, Achim Mehnert und Nina Morawietz; nach dem Exposé von Ben B. Black.

Hardcover, 272 Seiten
Herausgegeben von Ben B. Black
Unitall Verlag
EUR 16,90

Infos und Bezugsmöglichkeit beim Verlag.

Neu: “Die Reise der Skythe 2” von Dirk van den Boom

Fleißig ist er, der Dirk van den Boom, und davon abgesehen weiß er, wie man einen fesselnden SF-Roman schreibt. Beziehungsweise Trilogien.

Soeben erschienen bei Cross Cult ist der Mittelteil der Trilogie “Die Reise der Skythe”:

Unter dem Titel “Varianz” geht das Abenteuer weiter:

Auserwählte oder Gefangene? Die Besatzung des Polizeikreuzers Scythe, gefangen in einer rätselhaften Raumsphäre, muss herausfinden, welche Rolle sie in dem Drama spielt, in das sie geworfen wurde. Innerhalb des Gefängnisses, zusammengepfercht mit Hunderten anderer Zivilisationen, stehen die Zeichen auf Sturm. Ein wahnsinniger Potentat will den erlösenden Krieg, um Lebensraum zu schaffen; der mysteriöse Zentralkern beginnt erstmals seit Jahrtausenden eigene Aktivitäten zu entfalten – und es gilt, Menschen zu helfen, die sich selbst nicht mehr helfen können. 

Als die Sphäre auch noch mit einem äußeren Gegner konfrontiert wird, der dem Raubzug durch die Galaxis Einhalt gebieten möchte, wird die Situation unkontrollierbar und bedrohlich. Captain Lyma Apostol und ihre Gefährten wissen nur eins: wenn sie untätig bleiben, wird der Sturm von Gewalt und Tod, der sich zusammenbraut, sie gnadenlos zur Seite fegen. Die Frage bleibt, wie viel Varianz die Sphäre ertragen kann, ohne dass sie alle zusammen in den Abgrund gerissen werden.

Mehr Infos beim Verlag

 

Rezension: “Shadowrun: Orks weinen nicht” von Jan-Tobias Kitzel

Mit dem zweiten Band der “neuen” Shadowrun-Romanserie legt Pegasus Press ein weiteres Newcomer-Werk vor. Zumindest ist Jan-Tobias Kitzel abgesehen von Kurzgeschichten und Romanen in Szeneverlagen noch nicht groß in Erscheinung getreten. Das, soviel sei vorweg gesagt, tut der Sache aber keinen Abbruch.

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Shadowrun: Das große Interview

Anlässlich des Erscheinens des ersten Bandes der neuen, von Pegasus herausgegebenen Shadowrun-Serie haben wir den Autor des Buchs “Iwans Weg”, David Grade, sowie den Chefredakteur von Shadowrun in Deutschland, Tobias Hamelmann, ausführlich befragt.

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Rezension: NOVA Magazin Ausgabe 25

Seit kurzem ist endlich die 25. Ausgabe von NOVA erhältlich. Auf die Verzögerungen soll hier nicht weiter eingegangen werden, aber da sich das Personalkarussel bei den Herausgebern nunmehr weiter dreht und künftig ein anderer Verlag das Magazin herausbringt, kann man auf Besserung hoffen.

NOVA 25 enthält im Vergleich zur Ausgabe 24 weniger Texte, dafür ist die Schriftart größer. Den Leser erwarten 13 Kurzgeschichten, 12 davon von deutschen Autoren, eine Übersetzung. Hinzu kommen ein Artikel und zwei Nachrufe. Die meisten Storys sind zudem illustriert.

Wie es sich für ein SF-Magazin gehört, decken die Storys ganz verschiedene Subgenres der SF ab, so dass keine Langeweile aufkommt – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Im Folgenden besprechen wir nur einige in unseren Augen bemerkenswerte Geschichten.

In Dirk Alts Story “Die totale Obsoleszenz” geht es um die geplante Schließung des letzten Archivs mit historischen Aufzeichnungen der Menschheit. Leider können die verwahrten Datenträger nicht mehr gelesen werden, aber es besteht Hoffnung. Der Autor ist für seine anspruchsvollen, treffsicheren Geschichten bekannt und enttäuscht auch hier nicht.

“Baum Baum Baum” von Heidrun Jähnchen, die zuletzt für längere Zeit keine neuen Texte vorgelegt hatte, ist eine Geschichte um Kommunikationsprobleme mit Aliens und deren planetare Ökologie. Sie enthält (typisch für die Autorin) kreative Ideen (wie die lustige Pluralbildung) und hintergründigen Humor.

In “Intervention” von C.M.Dyrnberg wird eine Art Selbstjustiz auf einer Raumstation vorgestellt. Eine ideenreiche Geschichte, über die man inhaltlich aber durchaus diskutieren könnte.

In “Entkoppelt” führt Markus Hammerschmidt ein Gedankenexperiment durch: Wie fühlt sich jemand, der sich mehr oder weniger freiwillig von der vernetzten Alltagswelt abnabelt. Eine irgendwie schrullige, durchaus liebenswerte Episode.

Das Lachen im Hals stecken bleibt dem Leser in “Selfie mit Alien” von Altmeister Horst Pukallus, mehr sei dazu nicht verraten.

Das Highlight der Ausgabe ist “Enola in Ewigkeit” von Thomas Sieber. Diese Geschichte ist nicht nur sprachlich überaus gelungen, voll von abgründigem Witz und explodiert vor Ideenreichtum, sie ist außerdem gleichzeitig herrlich schräg, unendlich traurig, von epischer Breite, astrophysikalisch nach aktuellem Stand der Forschung korrekt und bietet auch noch viel Stoff zum Nachdenken, zum Beispiel über das erstaunlich “religiöse” Ende. Es würde uns wundern, wenn wir diese Geschichte nicht im nächsten Jahr auf den Nominierungslisten der einschlägigen Preise finden würden.

Naturgemäß kann nicht jede Geschichte ein Volltreffer sein. Warum ein Magazin, das den Begriff “neu” im Titel trägt, eine lahm inszenierte, beliebige Variante einer Zeitreisestory mit Jesus veröffentlicht (“Das Evangelium nach Erasmus” von Hans Lammersen), ist dem Rezensenten unverständlich.

Trotzdem kommt jeder Freund der modernen, durchaus experimentierfreudigen deutschen SF bei NOVA auf seine Kosten.

NOVA 25 gibt es derzeit nur im Verlagsshop.

 

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