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Predyl – eine neue Welt von Sylvia Kaml

Worum es geht:

Seit Jahrhunderten ist der Mond ›Predyl‹ von Menschen besiedelt. Durch die erzwungene Arbeitskraft der dort lebenden Ureinwohner haben sie sich ein Utopia erschaffen, in der Luna als verwöhntes Mädchen aufwächst. Als sich die Predyler gegen die Unterdrückung auflehnen, und es zu einem militärischen Konflikt kommt, wird Luna mit der harten Realität konfrontiert. Unterstützt vom Eingeborenen Biran versucht sie, die Feindschaft zwischen den Spezies zu beenden.

Meinungen:
Erfrischend leicht und dennoch hochwertig geschrieben, jedoch an einigen Stellen ein wenig übertrieben, wo einfachere Formulierungen den Lesefluss angenehmer gemacht hätten.
Zwischen drin gab es kleine Längen, die zwar keinen inhaltlichen Mehrwert hatten, aber gut zur Stimmung und Situation beitrugen, was an dieser Stelle keine Kritik sein soll. Gerade bei Büchern mit solchen komplexen Themen wünscht man sich die ein oder andere Atempause.

Die Beschreibungen der aufgezeigten Welt ist sehr fantasievoll, detailreich und schon recht außerirdisch. Die Predyler ebenso 🙂

Generell empfand ich alle Protagonisten als sehr glaubwürdig dargestellt.

Mein größter Kritikpunkt ist (so banal es klingt), dass die menschlichen Siedler auf der einen Seite Vegetarier sind, also das Töten und Essen von Tieren ablehnen, sich dann aber über die Einheimischen erheben, sie herabwürdigen und sogar versklaven.
Vegetarier haben ja ”eigentlich” die innere Moral eben nicht ”über” andere Lebewesen zu stehen, weshalb sie das essen von Lebewesen ablehnen – das passt nicht in der Versklavung anderer intelligenter Lebewesen, die zudem noch auf dem Mond heimisch sind.

Klar, das ist der Aufhänger der Story, aber eben auch das Manko. Die Geschichte trug meiner Meinung nach den Geschmack aus der Sklavenzeit in den USA mit sich. Ohne den Vegetarismus einfach nur die Unbelehrbarkeit der menschlichen Rasse aufzuzeigen, wäre nicht weniger gut gewesen.

Zugegeben, es ging im Grunde auch gar nicht um die Sklaven, sondern um den gerechtfertigten Aufstand der Predyler, der in einen furchtbaren, bis ins Detail beschriebenen Krieg auswächst. Und diese Details haben es in sich. Großartig geschrieben. Im Übrigen verzichtet hier die Autorin durch ihre Figur, eine Partei zu ergreifen, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Die Figuren und ihr Antrieb werden auf beiden Seiten offengelegt, und der Autorin gelingt es sogar, sich eindeutig für die Predyler auszusprechen, ohne die Menschen zu verurteilen.

Leider ist das gesamte Buch in der Ich-Perspektive verfasst, was den Nervenkitzel ausbleiben lässt, ob die Hauptfigur jemals in ernsthafter Gefahr ist. Solange es noch Seiten in der rechten Hand gibt, solange wird sie alles durchstehen, und auch darüber hinaus hat die Figur (16 Jahre alt) in ihrer kindlichen Analyse der Gesamtsituation nicht immer überzeugt, aber wenn sie es tat, dann auch richtig.

Dass es die obligatorische Liebesgeschichte in dem Buch geben muss, auch wenn ich sie nicht gebraucht hätte, war wohl notwendig, da man in schlimmen Zeiten wohl auch immer einen kleinen Hoffnungsschimmer braucht. 😉

Fazit:
Trotz dieser wenigen Schwächen ist der Roman um Luna vom Mond Predyl ein durchweg lesenswerte, spannende und emotionale Sache. Das Buch fängt fabelhaft an, hält durchgehend, was es versprochen hat und zieht sich spannend durch die Grausamkeit des Krieges und das Leid der Protagonisten. Das Ende von Predyl ist perfekt: Sehr stimmig, absolut rund und nichts anderes wäre hier besser.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

Verlag: Hybrid Verlag

Print € 12,90

E-Book € 6,49

Interview: Bernd Behr und die Storys in c’t

Bernd Behr ist vielen Insidern der Szene gut bekannt: Jahrzehntelang war er beim c’t-Magazin für die Story-Rubrik zuständig, d.h. er war Ansprechpartner für all die Autoren, die SF-Kurzgeschichten im c’t-Magazin unterbrachten – wohlgemerkt gegen ordentliches Honorar und in hoher Auflage, was im deutschen Sprachraum so ziemlich einzigartig ist. Nun ist Bernd Behr in den Ruhestand gegangen – höchste Zeit, ihm einige Frage zu seiner Tätigkeit zu stellen.

dsf: Lieber Bernd, hast Du eigentlich irgendeine Ahnung, wie viele
eingesendete Storys Du in der ganzen Zeit gelesen hast? Und wieviele
Jahre waren diese “ganze Zeit” insgesamt eigentlich?

bb: Gefühlt an die zehntausend in genau 30 Jahren. Aber ich habe mal überschlagen, dass wir mehr als 500 Storys seit November 1987 in c’t veröffentlicht haben müssen. Bei einem geschätzten Verhältnis von eingehenden Manuskripten und tatsächlich gedruckten von 10:1 müsste ich dann etwa 5000 Manuskripte gelesen haben.

dsf: Wie fing das alles eigentlich an? Wie kamt ihr auf die Idee,
ausgerechnet in einer Computerzeitschrift Kurzgeschichten abzudrucken?

bb: Die Idee hatte einer der beiden Chefredakteure, Detlef Grell – selbst ein eingefleischter SF-Fan. Er hatte Kontakt zu ein paar Hannoverschen SF-Autoren, und wir trafen uns zu einer Besprechung mit Gero Reimann und Winfried Czech in einer Kneipe, wo bei einigen Bierchen das Projekt geboren wurde. Nachdem die Redaktionsleitung zugestimmt hatte, habe ich dann die Betreuung des Projekts übernommen. Es hatte natürlich nur eine Chance, indem wir uns von vornherein auf Story-Inhalte beschränkten, die mit IT zu tun hatten.

dsf: Gibt es eigentlich viel Feedback von den Lesern? Negativ kann es ja grundsätzlich nicht sein, sonst gäbe es die Rubrik sicher längst nicht mehr …

bb: In den ersten Jahren gab es häufiger positives Feedback, später, als die c’t-Story zur Selbstverständlichkeit wurde, nur noch selten. Kritik gab es eher versteckt, direkt an die Chefredaktion herangetragen. Als Folge davon wurde ich dann angewiesen, die Themeneinschränkung enger zu ziehen. Es hatten sich wohl einflussreichere c’t-Leser beschwert, dass Fiktion in einem technischen Magazin, das vorwiegend von Ingenieuren gelesen wird, nichts zu suchen habe.

dsf: Oft sind die Illustrationen zu den Geschichten nicht weniger
kreativ als die Texte selbst. Gehört das zum künstlerischen Gesamtkonzept?

bb: Absicht war, dass die Story-Aufmachung sich deutlich von den Fachartikeln unterschied. Die Illustratoren Susanne Wustmann und Michael Thiele waren schon für den Verlag tätig. So lag es nahe, sie mit Illustrationen für die Storys zu beauftragen. Die Zusammenarbeit mit den beiden war 30 Jahre lang sehr fruchtbar.

dsf: Die c’t ist eine der ganz wenigen Möglichkeiten für deutsche SF-Autoren, Kurzgeschichten gegen ein ordentliches Honorar zu veröffentlichen. Gibt es eigentlich Vorgaben für Einsendungen? Müssen Texte mit Computern, Games oder Robotern zu tun haben?

bb: Wie schon früher gesagt, ist die c’t ein knallhartes Technik-Magazin. Wenn schon Fiktion darin erscheint, muss sie wenigstens von den Magazin-Themen ableitbar sein. Das einzige Argument gegenüber den Kritikern. So hatte dann auch Computer-Fantasy selten eine Chance auf Abdruck.

dsf: Angenommen, ein eifriger Autor liest diese Zeilen und möchte unbedingt sein Werk einsenden. Ist das überhaupt erwünscht? Und, wenn ja: Wohin soll er es schicken und was passiert dann als nächstes?

bb: Es war und ist weiterhin erwünscht, und zwar am besten per E-Mail an story (at) heise.de. Auf jede Zusendung gab es mindestens eine Eingangsbestätigung, später meist auch eine Ablehnungsbegründung. Und mein Nachfolger in der Redaktion wird es wohl auch so halten.

dsf: Welche Anekdoten rund um die c’t-Kurzgeschichten kannst Du zum besten geben? Gab es besondere Highlights oder gar Lieblingsgeschichten?

bb: Die Erfolgreichste c’t-Story, was die Leserreaktionen betraf, war “Der Dialog der Schwestern” von Carsten Elsner. Darin ging es um RSA-Kodierung, und den Schluss der Story konnten die Leser nur entziffern, indem sie die RSA-Kodierung aufgrund der in der Story gelieferten Informationen knackten. Es kamen viele Zuschriften, die entweder erzählten, dass sie wieder aus dem Bett springen mussten, um das Rätsel zu lösen, oder die einfach nur baten, das Ende zu verraten. Einer der Leser hat sogar eine Internetseite mit einem Tool zur Dekodierung eingerichtet.

Auf eine Geschichte von Josella Playton in den 90er Jahren hin, gab es Aufregung im Verlag. Der Vorstand der Deutschen Bank hatte sich beim Verlagschef Christian Heise beschwert, und eine Rüge wälzte sich durch die Instanzen bis zu mir. In der Geschichte verabredeten sich einige Hacker auf den Servern der Deutschen Bank zu einer Straftat. Die Herren von der Bank entrüsteten sich darüber, dass man Mitarbeitern der Bank solches unterstellte. Von der Redaktion instruiert konnte unser Chef die Herren dann in die Abgründe der Vernetzung einführen. In den 90er waren die Chefetagen in dieser Beziehung noch ahnungslos.

dsf: Du hast jetzt im Ruhestand sicher eine Menge Zeit, sozusagen SF “außer Konkurrenz” zu lesen. Würdest Du Dich als SF-Fan bezeichnen? Zu welchen Romanen oder Autoren greifst Du?

bb: Ein richtiger SF-Fan bin ich wohl nicht, dafür lese ich zu wenig. In den 30 Story-Jahren war ich mit den Manuskripten SF-mäßig ausgelastet, darüber hinaus habe ich nur ein paar SF-Bestseller gelesen. Aber ich bin ein Mensch, der eher in die Zukunft blickt als zurück. Insofern ist das Weiterdenken dessen, was an technischem Wissen vorliegt, genau mein Ding. Was und wieviel ich im Ruhestand lesen werde – keine Ahnung. Auf jeden Fall muss es weiterhin ein einigermaßen realistisches Szenario bieten.

dsf: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zu diesem Interview gibt es einen Diskussionsthread im SF-Netzwerk.

 

SF-Tube: “D.-I.-M. – Deus in machina”

In unregelmäßigen Abständen stellen wir euch hier sehenswerte Werke deutschsprachiger Kurzfilmer vor. Zumeist ohne großes Budget und ohne Bezahlung leisten ideenreiche Künstler Erstaunliches – und stellen es dann auf Youtube. So zum Beispiel “D.-I.-M. – Deus in Machina” von Axel und Henning Ricke.

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Rezension: “Das Erwachen” von Andreas Brandhorst

Ein hoffnungsloser Romantiker …

… dieser Andreas Brandhorst!
Ein tolles Buch, das er uns hier vorlegt. Das Erwachen einer Maschinenintelligenz, nicht einer KI, einer künstlichen Intelligenz, ist sein Thema. Die alte Theorie von dem erwachenden Bewusstsein einer Maschine, wenn denn nur genügend (analog zum menschlichen Gehirn) Verknüpfungen vorhanden sind. Dies ist zwingende Folge, glaubt man der auch von namhaften Wissenschaftlern vertretenen Theorie.
Das ganze verpackt der Autor in eine spannende Thrillerhandlung. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Lediglich durch so profane Dinge, wie z. B. meine erzwungenermaßen notwendige Arbeit, musste ich die Lektüre unterbrechen.
Vor einiger Zeit hatte ich die Möglichkeit Andreas Brandhorst persönlich kennenzulernen. Ich habe ihn als bescheidenen und eher schlicht auftretenden Menschen in Erinnerung. Ganz ähnlich tritt hier sein Hauptprotagonist, Axel Krohn, in Erscheinung. Ein Protagonist, dem alles eher widerfährt, als dass er tatsächlich selbst die Handlung bestimmt und lenkt. Eine Art der Darstellung, der Erzählung einer Geschichte, wie ich sie persönlich sehr mag. Hätten wir uns früher kennen gelernt (der Autor und ich) so hätte ich fast vermuten können, das die Namensgebung …, aber so ist es ein netter Zufall.
Die Erzählung kommt daher wie eine Geschichte, die (fast) jedermann passieren könnte. Nun ja, nur fast.
Am Ende zeigt sich der Autor als hoffnungsloser Romantiker. Anders als bei D. F. Jones Colossus (kennt den überhaupt noch jemand?) zeigt er uns am Ende dann doch ein Happy End.
Was mir nach der Lektüre am meisten Angst und Sorge bereitet ist demnach nicht das Erwachen der Maschinenintelligenz, sondern die Vorstufe, in der wir uns befinden. Die zahlreichen KI, die derzeit entwickelt werden. Die die menschliche Arbeitswelt über den Haufen werfen werden, die zu unglaublichen Verwerfungen im Arbeitsmarkt weltweit führen werden. Zu einer noch nie gekannten Arbeitslosigkeit. Die vor allem aber auch zur Kriegsführung eingesetzt werden können, wie uns der Autor anschaulich zeigt. Zu einer Art Krieg in der kein Schuss fällt, keine Atombombe oder chemische/biologische Waffen zum Einsatz kommen und trotzdem alles am Boden liegt.
Das ist leider eine realistische Bedrohung, die nicht wegzudiskutieren ist.
Hut ab, vor der Erzählkunst, das Buch kommt spannend daher und verbirgt zwischen den Zeilen viel aktuelle Gesellschaftskritik. Da spielte sich in meinem Schädel ein großes Kopfkino ab.
Vielen Dank dafür, Andreas!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Interview: Andreas Brandhorst

Foto Copyright Lutz Weil

Andreas Brandhorst muss man sicher nicht vorstellen. Als einer der wenigen deutschen Autoren, der SF-Romane in großen Verlagen veröffentlicht, hat er in den letzten Jahren zig Preise abgeräumt, zuletzt auch den Kurd-Laßwitz-Preis für den besten Roman des Jahres 2016 (“Omni”). Klare Sache, dass er auch deutsche-science-fiction.de exklusiv Rede und Antwort steht.

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Rezension: “QualityLand” von Marc-Uwe Kling

In QualityLand – einem Deutschland gar nicht ferner oder undenkbarer Zukunft – lautet die Antwort auf alle Fragen: Ok.

Zum Glück hält sich das Buch nicht an diese Information, die auf seiner Rückseite steht. Tatsächlich sind die meisten Antworten im Buch viel länger, schlauer und vor allem: witziger. Weiterlesen »

Rezension: Heliosphere 2265 1 “Das dunkle Fragment” von Andreas Suchanek

Der erste Band der Buchserie Heliosphere 2265 mit dem Titel „Dunkle Fragmente“ besteht aus den 4 Teilen, die auch als eBooks einzeln publiziert wurden.
Sicherlich ist vieles nicht neu in dieser Geschichte: Eine neu zusammengestellte Crew muß sich kennenlernen, Hindernisse überwinden und lernen zusammenzuarbeiten. Es gibt Schlachten im Weltall und es wird nach Artefakten gejagt. Über viele Seiten lernen wir mehr von dieser Welt kennen. Wir erfahren nach und nach mehr über die Charaktere und den Antagonisten in der Geschichte. Wobei es schwer zu glauben ist, dass er alleine alles über so lange Zeit planen konnte. Aber dafür gibt es ja die nächsten Bände, die dann hoffentlich eine Erklärung dafür liefern.

Im Jahr 2265 übernimmt Captain Jayden Cross das Kommando über die Hyperion. Er muß sich und seiner Crew beweisen, dass er auf den Kommando-Sessel gehört. Ausgerüstet mit einem neuartigen Antrieb und dem Besten an Offensiv- und Defensivtechnik, wird die Hyperion auf eine Bergungsmission eines verschwundenen Schiffes geschickt und stößt dabei auf ein Artefakt, das für den Tod der Crew dieses Schiffes und der Bevölkerung eines ganzen Planeten verantwortlich ist. Das Schiff und der Planet befinden sich im Grenzgebiet zu den Parliden, dem Menschen feindlich gesinnte Aliens. Diese wollen das Artefakt zerstören. Es entbrennt eine heiße Schlacht und die Parliden-Schiffe werden vernichtet. Ist das der Beginn eines neuen Krieges? Im Laufe der Handlung werden noch mehr Fragen aufgeworfen. Ein unbekanntes Alien hat anscheinend Besitz von einem Crewmitglied ergriffen. Was sind dessen Motive. Auch bei den Parliden gibt es ein großes Geheimnis: ihr Aussehen. Und was hat es mit den „Niederen“ auf sich. Einiges davon klärt sich in diesem Band, anderes hoffentlich in den Folgenden. Außerdem gibt es auch ein Kräftemessen in der Admiralität. Politische Intrigen bis hin zum einem großen Putsch spitzen auch die Lage auf der Erde zu. Admiral Michalew ist der menschliche Antagonist, der anscheinend alle Fäden in den Händen hält.
Es gibt viele Rätsel und offene Fragen. Am Anfang dieses Abenteuers stehen das Universum und die Umstände und Konflikte im Zentrum der Erzählung. Nur langsam lernen wir die Mitglieder der Crew kennen, ihre Probleme und Sorgen. Die Geschichte wird recht flott erzählt. Es gibt keine ausschweifenden Detailbeschreibungen, was das Lesen sehr angenehm macht.

Heliosphere 2265 wurde in den Jahren 2013, 2014 und 2015 für den Deutschen Phantastik Preis als “Beste Serie” nominiert. Das Hardcover „Fraktal-Zyklus 1“, erschien 2016.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: “Hammer und Söckchen” von Guido Krain

“Dazwischen die typischen Partyfolgen: Hirn tropfte von der Decke, Einschusslöcher schmückten die Wände, ein abgetrennter Arm hing über einen Tisch und drei zusammengesunkene Leichen in ehemals weißen Kitteln lagen am Boden.” Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dieser blutrünstigen und makaberen, aber auch sehr witzigen kleinen Geschichte. Band 1 aus der Buchreihe Dystonia. Wie in einem rasanten Computerspiel werden wir durch ein Labyrinth aus Gängen geführt. Allerdings muß sich Sharp, der Hauptcharakter, nicht gegen gefährliche Zombies wehren. Er ist die Gefahr. Er und das sexy Mädchen auf das er nach seinem Erwachen im Labor trifft. “Ein tiefes dröhnendes Bamm ließ ihn herumfahren. Pinky hatte gerade einem der halbtoten Angreifer den Schädel eingeschlagen. Dass sie vorher ein Tuch über den Kopf gelegt hatte, ließ vermuten, dass sie Erfahrung damit hatte. Kaum etwas spritze wie ein platzender Kopf … aber woher wusste Sharp das?” Diese Frage stellt er sich immer wieder und zusammen mit Pinky macht er sich auf den Weg, herauszufinden, wer er ist und warum er in einem Labor aufgewacht ist. Pinky begleitet ihn mit ihrem besten Freund Mr Hammer und wenn Mr Hammer etwas nicht gefällt … Bamm.

Diese sexistische, politisch unkorrekte und bizarre Liebesgeschichte liefert uns ein erfrischen anderes Lesevergnügen.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Eine Saison der Kurzatmigen – Anmerkungen zur deutschen SF-Story-Szene 2016

Es gibt wohl kaum ein populäres Genre, in dem Anthologien eine so gewichtige Rolle gespielt haben wie in der Science Fiction. Ohne die unüberschaubare Anzahl von Original- und Reprint-Anthologien, Anthologiereihen wie Orbit, New Dimensions oder New Writings in Science Fiction und den vielen, teils parallel editierten Year’s-Best-Auswahlbän­den wäre das SF-Story-Schaffen in seiner Vielfalt kaum denkbar. Der Durchbruch der Anthologien zu einem Leit­medium der Science Fiction lässt sich sogar an einem kon­kreten Datum festmachen: 1946 erschien Adventures in Time and Space, herausgegeben von Raymond J. Healy und J. Fran­cis McComas, ein von berühmten Namen und vielgepriesenen Stories nur so strotzendes Kompendium der Golden-Age-SF und sicher eines der einflussreichsten SF-Bücher über­haupt. Seitdem haben umtriebige Antho­logisten unter immer neuen Aspekten Stories zusammengetra­gen oder Autoren mit zahllosen Themenvorgaben zu Antholo­gieprojekten versam­melt. Diese Tradition spielt auch in der deutschen Science Fiction bis heute eine maßgebliche Rolle. In einer Szene, die durch ihre geringe Reichweite und ihren Mangel an starken Autoren gehandicapt ist – nicht gerade gute Vo­raussetzungen für eine befriedigende Auswahltätigkeit – stellen sich Anthologisten dennoch immer wieder der He­rausforderung, lesenswerte Storysamm­lungen zusammenzu­stellen. Bei der Betrachtung der mehr bis weniger gelun­genen Anthologien, die 2016 erschienen sind und einen wesentlichen Teil der Lektüre für den vorliegen­den Artikel ausgemacht haben, tritt dabei einiges Sympto­matisches in der deutschen SF zutage. Weiterlesen »

Rezension: “Kirkasant” von Axel Kruse

Das Axel Kruse sein Handwerk versteht, soll hier nicht weiter zum Thema gemacht werden, denn das steht außer Frage.

In seinem Roman “Kirkasant”, der wie schon die anderen Werke aus der Feder Kruses auf einem abseits gelegenen Planeten spielt, sind es eher die kleinen Probleme vor Ort.

Es gibt keine universellen Mächte, die um die Vorherrschaft ganzer Quadranten Armaden von Schiffen aufeinander schicken. Es sind die kleinen Dinge. Einzelne glaubwürdige Menschen, die ihre eigenen glaubwürdigen Dinge erleben. Das macht auch den Charme dieser Geschichten aus. Hier sei noch einmal „Glühstern“ erwähnt, das man unbedingt gelesen haben sollte.

Zurück zu Kirkasant:

Samuel ‘Sam’ Kors, Besitzer des Frachters ›Lahme Ente‹ landet nach langer Abwesenheit einmal mehr auf dem zum Roman gleichnamigen Planeten, um sein Schiff einmal gründlich überholen zu lassen. Es ist viel passiert auf dieser Welt:  Aktuell steht eine Abstimmung an, ob die Bewohner des Planeten sich zu Terra oder zum Königreich Deroila zugehörig sein wollen, da beide Mächte diesen Planeten beanspruchen. Beides hat seine unbestrittenen Nachteile, die Unruhe bei den Menschen, aber auch bei den Derolianerm wecken.

Um sich die Reparaturen leisten zu können, lässt sich Sam darauf ein, eine Reisegruppe über den Planeten zu führen, was wie selbstverständlich zu weiteren Problemen führt. Aus dem Touristenspaß wird ein Planet-trek zurück in eine der wenigen Siedlungen Kirkasants.

Das ganze Buch hat etwas ruhiges, stilles. Ein wenig erinnert es an alte Zeiten auf der Erde und doch ist es modern und die Spannung wird gehalten. Die Welt, über die uns der Autor führt ist eine fremde und zugleich erschreckend bekannte. Eine gelungen Mischung aus Bauchweh und Faszination.

Auf jeden Fall empfehlenswert.

Fazit:
Schade ist, dass hier vom Verlag her ordentlich Seiten geschunden worden sind. So hat man diese kurze Geschichte auf knapp 110 Seiten gestreckt, indem man sich hier und da einiges an Freiraum hineingeschummelt hat, weshalb man nun auf das nächste Heftchen warten muss, das sich dann Fortsetzung nennt. Es sei nicht dem Autor angelastet. Vermutlich lag diese Entscheidung beim Verlag.

Sollte es eine zweite Auflage geben, kann ich nur empfehlen, den Roman als ganzes zwischen einen Deckel zu schieben, das macht dann deutlich mehr her.

 

Ebenfalls sollte man das beeindruckende Coverbild des begnadeten Lothar Bauer beachten!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

Verlag: Atlantis Verlag

Print, € 10,90

E-Book € 3,99

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