Norbert Frischauf ist Wissenschaftler und hat z. B. schon beim Marsprogramm Aurora mitgearbeitet. Auch im CERN. Er hat in Österreich eine eigene Fernsehsendung und ist außerdem im Vorstand des Österreichischen Weltraumforums. Grund genug für uns, ihm einige Fragen zu stellen:

Norbert Frischauf
Sie sind im Vorstand des Österreichischen Weltraumforums. Was haben Sie konkret mit der NASA und der ESA zu tun und was sind Ihre Ziele?
Das ÖWF ist ein Weltraumnetzwerk aus Weltraumenthusiasten und –professionalisten, einige unserer Mitglieder arbeiten z. B. auch für die Weltraumindustrie, in der Forschung oder eben auch für die ESA oder NASA. Ich persönlich war von 1998 bis 2004 im Wissenschafts- und Technologiezentrum der ESA (ESTEC) in den Niederlanden tätig. Damals habe ich an der ISS bzw. am Marsprogramm Aurora mitgearbeitet. Nach einer kurzen Pause in der Privatindustrie bin ich seit 2008 wieder für die ESA tätig – dieses Mal aber im Bereich der Weltraumanwendungen; also Telekommunikation, Navigation und Erdbeobachtung.
Was ist ein Analog-Astronaut?
Ein speziell ausgebildeter Forscher/Ingenieur, der sich als Astronaut in einem Analogprojekt einbringt, in dem es z. B. darum geht eine Mond- oder Marsmission zu simulieren. Solche Projekte können verschiedene Zielsetzungen haben, sei es Technologieentwicklung, das Verbessern verschiedenster Prozeduren oder einfach nur medizinisch-psychologische Studien. Wenn solch ein Analogprojekt eine bemannte Komponente beinhaltet, dann ist der Analog-Astronaut derjenige, der sich in einem Analog-Raumanzug einbringt und als solches die Rolle des Astronauten auf dem Mond, Mars oder einem anderen Himmelskörper simuliert.
Viele Ihrer Projekte drehen sich um die Marsmissionen. Wird ein Fokus Ihrer Arbeit ständig hierauf liegen oder ist auch geplant, einmal andere Prioritäten zu setzen?
Zurzeit liegt das Hauptaugenmerk beim ÖWF eindeutig auf dem Bereich bemannte Raumfahrt, und das aus zwei Gründen: a) weil die bemannte Raumfahrt wohl den faszinierendsten Teil der Raumfahrtaktivitäten darstellt und b) weil speziell die Flüge zum Mars eine sehr große wissenschaftlich-technologisch aber auch finanzielle Herausforderung darstellen. Die Herausforderung ist so groß, dass keine Nation der Erde solch eine Mission alleine durchführen kann. Alleine die Entwicklung der benötigten Technologien wird noch viele Jahre dauern und viele Tests erfordern. Dementsprechend wird solch eine Mission von vielen Nationen (USA, Russland, Europa, Japan, Kanada, etc.) durchgeführt werden und erst in 20-30 Jahren stattfinden können. Aufgrund dieses weiten Zeithorizonts kann auch ein kleiner, aber sehr ambitionierter Verein wie das ÖWF einen nennenswerten Beitrag leisten: z. B. durch das Austesten von neuen Ansätzen in eigens dafür erstellten Feldversuchen wie MARS2013 – und weil wir erst am Anfang der technischen Entwicklung stehen, ist es viel wichtiger auf die Konzepte einzugehen als möglichst realistische – und sehr teure – Prototypen zu entwerfen. Es zählt also Köpfchen und Know-how und damit kann man auch mit relativ geringen finanziellen Mitteln tolle Ergebnisse erzielen – genau das macht das ÖWF. Solange das so bleibt wird wohl unser Fokus weiterhin auf den Mars gerichtet sein. Aber wer weiß; wenn die kommerzielle Raumfahrt abhebt könnte sich auch eine Verschiebung ergeben …
Ein Hauptaugenmerk des ÖWF liegt auf Feldversuchen, um Geräte und Menschen zu testen. Welche Ergebnisse haben Sie persönlich am meisten fasziniert?
1) Dass es binnen kurzer Zeit möglich ist einen ferngesteuerten Flieger in einem Analograumanzug zu fliegen und das obwohl man einen 3-lagigen Handschuh anhat und daher fast kein Gefühl in den Fingern. Wir haben den Flieger zwar zweimal hart gelandet (und beschädigt), aber beim 3. Mal gelang es uns das Fluggerät sicher zu fliegen – ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist – zumindest nicht so schnell!
2) Wie sich Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund des Missionsszenarios zu handfesten Diskussionen auswachsen können, wenn man sein Gegenüber nicht von Angesicht zu Angesicht sehen und auch nicht in real-time mit ihm reden kann. Da braucht es auf beiden Seiten sehr viel Einfühlungsvermögen um die Sache im Lot zu halten bzw. es wieder dorthin zu bringen.
3) Wie schnell man sich in die Simulation einlebt. Nach 14 Tagen im Habitat ist man mental zwar nicht auf dem Mars – man weiß ja rein rational dass man noch immer auf der Erde ist –, gleichzeitig ist man aber emotional doch nicht mehr ganz auf der Erde. Wenn man dann nach 14 Tagen am Ende der Mission offiziell wieder auf der Erde „gelandet“ ist und somit das erste Mal die Station ohne Raumanzug verlassen kann, ist es fast ein Schock die frische Luft zu atmen, die Geräusche direkt – ohne Helm – zu hören und das Knirschen des Sandes unter den Füßen zu spüren. Es kommt einem alles fast surreal vor …
Wie muss man sich so einen Feldversuch vorstellen? Man sitzt in der Wüste, trinkt seine Nahrung aus Plastikbeuteln und muss bei minus 6 Grad in ein Plumpsklo urinieren? Welche Vorteile hat so etwas für die Wissenschaft, welche Nachteile für die Probanten?
Größtenteils steht man in und geht man durch die Wüste, zum Sitzen kommt man nur in seltenen Fällen …
Im Ernst: es ist recht abenteuerlich, da man an recht abgelegenen Orten Forschung betreibt und die Natur aus einem ganz anderen Augenwinkel wahrnimmt. Alleine der Sternenhimmel in der Wüste haut einen fast um, so beeindruckend ist er. Das Ganze hat etwas von campen auf niedrigstem Niveau – lange Anreise mit Jetlag, wenig Schlaf, kein Luxus, aber dafür eine hochinteressante Tätigkeit – wenn man so etwas mag! Der Vorteil für die Wissenschaft ist dass man innovative Ansätze ausprobiert und in Situationen kommt, die man sich vorher kaum vorstellen konnte, die aber auf dem Mond oder dem Mars auch passieren können, nur dann sterben die Astronauten eventuell, weil man das eben vorher nie durchgedacht bzw. probiert hat, wie man diese Situation am besten meistert. Der Nachteil ist damit auch klar: Es ist zeitweise sehr stressig und sicher niemals bequem für die Probanden!
Wie kann ich das ÖWF unterstützen?
Mitarbeiten oder Mitglied werden oder am besten beides gleichzeitig!
Sie haben auch als Wissenschaftler am CERN gearbeitet. Was können Sie uns hierüber berichten? Waren Sie auch am Experiment „Beamen“ beteiligt?
Nein, ich habe bei der FCA und dem VFT mitgearbeitet, das sind zwei Detektoren am LEP, dem Elektronen-Positronen Beschleuniger und Vorläufer des LHC.
Können Sie sich vorstellen, dass in Zukunft wie auf dem Raumschiff Enterprise einmal komplexe Strukturen gebeamt werden können (ich will gar nicht von Menschen reden)?
Nein, nicht solange jemand die Heisenbergsche Unschärferelation austricksen kann – und zurzeit fürchte ich, dass Mutter Natur das auch nicht zulassen wird …
In Ihrer Sendung „Energie und Physik“ präsentieren Sie den Zuschauern ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Themen. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen? Hat man Sie angesprochen?
Ja, hat man. Aber das ist eine lange Geschichte …
In „Energie und Physik“ geht es um die verschiedensten Themen – von Biokraftstoffen bis hin zur Teilchenphysik. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Themen aus?
Nach dem was a) gerade brennt und interessant ist (z. B. Higgs-Teilchen) und/oder wo viel „Blödsinn“ geredet wird, den wir gerne korrigieren möchten (z. B. Fusion), wo wir b) ein Netzwerk an Sprechern haben, die das Thema gut „rüberbringen“ und c) wo der Einfluss auf unser aller Leben groß ist (z. B. die Zukunft der Luftfahrt oder der Eisenbahn) …
Kürzlich haben Sie beim ÖWF auch ein schriftstellerisches Experiment gewagt. Verschiedene deutschsprachige SF-Autoren sollten einen Tag auf dem Mars schildern. Wie gut ist das angekommen? Sind weitere derartige Aktionen geplant?
Persönlich bin ich ein großer SF-Fan, nicht umsonst habe ich im September 2002 die SF-Woche im Wiener Donauzentrum organisiert.
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