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Rezension: !Time Machine Ausgabe 2

Nach der ersten Ausgabe des SF-Fan-Magazins “!Time Machine”, die mit wenigen, dafür ausführlich beackerten Themen überzeugen konnte, waren wir natürlich gespannt auf die um den Jahreswechsel herum erschienene zweite Ausgabe.

Ausgabe 2 des erneut sehr ordentlich aufgemachten Magazins bringt im Wesentlichen vier umfangreiche Artikel, denen man den Umfang der Recherche und die Liebhaberei des jeweiligen Autors unbedingt anmerkt.

So berichtet Udo Klotz auf nicht weniger als 18 Seiten (davon 2 Seiten Literaturliste) quasi enzyklopädisch über Romane, die den Mond auf die eine oder andere Weise zum Thema haben. Dabei kommen sowohl Werke aus lange vergessenen Zeiten zu Ehren wie auch neuere Werke. Klotz schafft es, durch einen lockeren Tonfall keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Michael-Lother Höfler berichtet auf knapp 10 Seiten über die Serie “Mark Brandis”. Auch wenn die Tatsache, dass die Neuauflage immerhin im gleichen Verlag erschienen ist, ein klein wenig befremden mag, ist ein ausführlicher Bericht über diese prägende und teils auch zeitlose deutsche SF-Serie natürlich mehr als berechtigt.

Nicht weniger als 16 weitere Seiten nimmt eine Betrachtung der Relationen zwischen Religion und SF ein, geschrieben von Hans Frey. Dem Artikel kann man einerseits eine erfrischende, auf den Punkt kommende Religionskritik zugute halten, vorausgesetzt, man ist wie der Autor Atheist. Andererseits könnte man die Betrachtung als einseitig oder zumindest als “stark von persönlichen Standpunkten gefärbt” bezeichnen. Sachlichkeit darf man jedenfalls nur begrenzt erwarten. Da passt es ins Bild, dass der Artikel dem (O-Ton) “bedeutendsten Religionsroman”, nämlich “Valis” von Philip K. Dick, allein knapp drei Seiten gönnt, obwohl (oder weil?) dieses anspruchsvolle Werk für größere Publikumsschichten wohl eher schwer zugänglich ist. Nicht wirklich nachvollziehbar erscheint es dem Leser letztlich, dass der Autor offenbar keinen einzigen SF-Roman, der jünger als das Jahr 1998 ist, für erwähnenswert hält. Ohne einen Nachweis erbringen zu können (oder zu wollen), halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass in den letzten 20 Jahren kein erwähnenswerter SF-Roman mit Bezug zur Religion erschienen ist.

Überhaupt kann man den Machern von !Time Machine ganz sicher nicht vorhalten, sich zu sehr mit der Gegenwart oder jüngeren Zukunft zu beschäftigen. Auch der letzte Artikel (“Science Fiction History” von Hardy Kettlitz) handelt von den Jahren 1918, 1943, 1968 und 1993.

Auch die diesmaligen “SF-Perlen”, also Besprechungen besonders hervorzuhebender, aber wenig bekannter starker Romane, sind schon vor längerer Zeit erschienen. Immerhin wird eine Graphic Novel und ein Spielfilm thematisiert. Das sind aber Ausnahmen. Ansonsten kann man sagen, dass zumindest in dieser Ausgabe die SF der letzten 20 Jahre so gut wie nicht vorkommt.

So bleibt trotz wirklich sehr gut recherchierter und hoch interessanter Inhalte der Eindruck übrig, mit !Time Machine (Unterzeile: “Das Science Fiction Fan-Zine”) ein Magazin von älteren SF-Lesern für ältere SF-Leser vor sich zu haben. Das mag auch so beabsichtigt sein, aber dann darf man sich eben auch nicht darüber wundern, wenn das SF-Fandom “ausstirbt”.

!Time Machine ist für 4,90 im Verlagsshop erhältlich.