{"id":4632,"date":"2017-08-14T09:04:43","date_gmt":"2017-08-14T07:04:43","guid":{"rendered":"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/?p=4632"},"modified":"2017-08-14T09:08:01","modified_gmt":"2017-08-14T07:08:01","slug":"rezension-leichter-als-vakuum-von-simonsteinmueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/deutsche-science-fiction.de\/?p=4632","title":{"rendered":"Rezension: &#8222;Leichter als Vakuum&#8220; von Simon&#038;Steinm\u00fcller"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4631\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/SST_Vakuum_408-193x300-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" \/>&#8222;Fake Olds&#8220; &#8211; unter dieser \u00dcberschrift, in Anspielung auf &#8222;Fake News&#8220;, sa\u00dfen Angela und Karlheinz Steinm\u00fcller und Erik Simon im Juni beim Dortmunder U-Con und plauderten \u00fcber das vorliegende Buch, das sich einer Subgenre-Zuordnung weitgehend entzieht. Auf den ersten Blick k\u00f6nnte man es als Alternativhistorie bezeichnen, tats\u00e4chlich aber, so erkl\u00e4rte Professor Steinm\u00fcller, sei es erfundene Geschichte, die aber nicht im Widerspruch zu belegten Ereignissen stehe, also keineswegs kontrafaktisch ist, sondern sozusagen geschickt erg\u00e4nzend. Der Kniff, nicht explizit im Widerspruch zur tats\u00e4chlichen Historie zu stehen, macht das Buch sehr reizvoll.<\/p>\n<p>Die &#8222;Fake Olds&#8220; werden uns in Episodenform dargebracht durch einen Historiker namens Simon Zwystein, der erstaunliche historische Dokumente kommentiert und vorstellt. Zwystein ist nat\u00fcrlich eine Kunstfigur. Weder er noch alle Texte sind \u00fcbrigens neu, einige stammen aus den Achtzigern, andere sind neueren Datums, alle wurden f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung \u00fcberarbeitet. Den komplexen Entstehungsprozess beleuchtet Erik Simon im Nachwort.<\/p>\n<p>In den Texten erf\u00e4hrt der Leser aus Zwysteins erstaunlichen historischen Quellen \u00fcber bislang unbekannte Beziehungen zwischen dem Kalifat von Bagdad und Karl dem Gro\u00dfen, \u00fcber eine Reise zum Mond, \u00fcber die Malteser Tontafeln, \u00fcber den sagenhaften Ort Germelshausen, und \u00fcber die Weltreise eines r\u00f6mischen B\u00fcrgers. Die zweite H\u00e4lfte des Buchs nimmt der Roman &#8222;Die gro\u00dfe Reise&#8220; ein, der dem weitgehend vergessenen deutschen Utopiker Ernst Wegbreiter &#8222;zugeschrieben&#8220; wird. Darin finden anno 1909 zwei M\u00e4nner und eine Frau ein fremdartiges Raumfahrzeug und begeben sich auf die titelgebende Reise. Wenngleich an vielen Stellen herausragend geschrieben, k\u00e4mpft der Roman auch mit ein paar L\u00e4ngen, was aber aus heutiger Perspektive mit Sicherheit auf fast jeden utopischen Roman vom Anfang des 20. Jahrhunderts zutrifft (also auch auf die, die wirklich damals geschrieben wurden). Ein oder zwei Wendungen lassen den Leser etwas ratlos zur\u00fcck &#8211; was war real, was Einbildung oder erfunden? Letztlich steht diese Frage \u00fcber dem ganzen Buch und macht seinen Reiz aus: Die Fake Olds sind wirklich sehr gute Fakes, denn man erkennt sie kaum als solche.<\/p>\n<p>Wie Angela und Karlheinz Steinm\u00fcller sowie Erik Simon hier gemeinschaftlich mit Geschichte spielen, stets eine f\u00fcr die jeweilige Form (Tagebuch, Brief, Tontafeln) geeignete Sprache finden, die trotzdem immer gut lesbar ist, wie sie trotz der ungew\u00f6hnlichen Form mit Leichtigkeit liebenswerte Figuren erschaffen, zwischen den Zeitaltern springen, und letztlich ganz und gar moderne Botschaften transportieren, davor kann man nur den Hut ziehen. Gleichzeitig wird der Leser vorz\u00fcglich unterhalten, blitzt doch immer wieder zwischen den Zeilen ein verschmitztes L\u00e4cheln auf; ein feiner, intelligenter Humor (&#8222;Ganz schlechtes Feng Shui!&#8220;), der sich wie ein roter Faden durch die so unterschiedlichen Geschichten zieht, und sie zu einem Gesamtwerk verbindet, dessen Bedeutung weit \u00fcber die Buchdeckel hinausgeht: Es ist eine Nachricht an all die Autoren und Leser dort drau\u00dfen, und sie lautet: Lesen und Schreiben mit angeschaltetem Gehirn macht besonders viel Spa\u00df!<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Unterhaltung:<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Anspruch:<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Originalit\u00e4t:<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutsche-science-fiction.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wertungsicon.gif\" alt=\"\" width=\"15\" height=\"15\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Fake Olds&#8220; &#8211; unter dieser \u00dcberschrift, in Anspielung auf &#8222;Fake News&#8220;, sa\u00dfen Angela und Karlheinz Steinm\u00fcller und Erik Simon im Juni beim Dortmunder U-Con und plauderten \u00fcber das vorliegende Buch, das sich einer Subgenre-Zuordnung weitgehend entzieht. 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