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Rezension: “Die Känguru-Apokryphen” von Marc-Uwe Kling

Marc-Uwe Kling gewann mit dem Roman “Qualityland” dieses Jahr den Deutschen Science Fiction Preis. Grund genug, sich das neueste Werk des Autors anzuschauen, auch wenn die Anekdoten aus seiner Känguru-WG nicht ins SF-Genre fallen, es sei denn, man unterstellt, dass das Känguru ein außerirdischer Besucher ist. Ganz unlogisch ist das nicht, oder gibt es auf der Erde etwa sprechende, kommunistische Kängurus? Eben.

Natürlich sind die Känguru-Apokryphen hauptsächlich dazu gedacht, vom Autor kongenial vor Publikum vorgelesen zu werden. Egal, ob man nun beim Lesen die Stimme von Marc-Uwe Kling im Kopf hört oder nicht: Eine Menge Spaß hat man so oder so. Wie immer überzeugt das Känguru durch einen Zynismus, der nur gelegentlich durch den seines Mitbewohners überboten wird. Beispiel gefällig? Hier sieht der Autor gerade eine Show im TV:

“Wie heißt die große Partei rechts von der Mitte?”, fragt der Quizmaster.

“Die SPD?”, rät der Kandidat.

“Das ist richtig!”, ruft der Quizmaster.

“Na ja”, sage ich. “Rechts von der Mitte meinetwegen. Aber groß?”

In der Art geht es etwa 200 Seiten lang weiter. Hervorzuheben sind nicht nur der entwaffnende Humor und die vielfältigen Bezüge zum aktuellen Weltgeschehen, sondern auch die immer wiederkehrenden Motive – running gags in gewisser Weise – die der Känguru-WG ihren eigenartigen Charakter von hohem Wiedererkennungswert verschaffen.

Trotzdem wird der Leser das Gefühl nicht los, in einer Standup-Comedy-Vorstellung zu sitzen, bloß eben in Buchform. Die immense Durchschlagskraft eines Romans wie “Qualityland” erreicht die vorliegende Anekdotensammlung nicht. Statt eines bepunkteten Fazits, das sich für einen Nicht-SF-Roman ohnehin verbietet, verbleiben wir mal so: Hoffen wir, dass Herr Kling mal wieder einen SF-Roman schreibt.