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Interview: Bernd Behr und die Storys in c’t

Bernd Behr ist vielen Insidern der Szene gut bekannt: Jahrzehntelang war er beim c’t-Magazin für die Story-Rubrik zuständig, d.h. er war Ansprechpartner für all die Autoren, die SF-Kurzgeschichten im c’t-Magazin unterbrachten – wohlgemerkt gegen ordentliches Honorar und in hoher Auflage, was im deutschen Sprachraum so ziemlich einzigartig ist. Nun ist Bernd Behr in den Ruhestand gegangen – höchste Zeit, ihm einige Frage zu seiner Tätigkeit zu stellen.

dsf: Lieber Bernd, hast Du eigentlich irgendeine Ahnung, wie viele
eingesendete Storys Du in der ganzen Zeit gelesen hast? Und wieviele
Jahre waren diese “ganze Zeit” insgesamt eigentlich?

bb: Gefühlt an die zehntausend in genau 30 Jahren. Aber ich habe mal überschlagen, dass wir mehr als 500 Storys seit November 1987 in c’t veröffentlicht haben müssen. Bei einem geschätzten Verhältnis von eingehenden Manuskripten und tatsächlich gedruckten von 10:1 müsste ich dann etwa 5000 Manuskripte gelesen haben.

dsf: Wie fing das alles eigentlich an? Wie kamt ihr auf die Idee,
ausgerechnet in einer Computerzeitschrift Kurzgeschichten abzudrucken?

bb: Die Idee hatte einer der beiden Chefredakteure, Detlef Grell – selbst ein eingefleischter SF-Fan. Er hatte Kontakt zu ein paar Hannoverschen SF-Autoren, und wir trafen uns zu einer Besprechung mit Gero Reimann und Winfried Czech in einer Kneipe, wo bei einigen Bierchen das Projekt geboren wurde. Nachdem die Redaktionsleitung zugestimmt hatte, habe ich dann die Betreuung des Projekts übernommen. Es hatte natürlich nur eine Chance, indem wir uns von vornherein auf Story-Inhalte beschränkten, die mit IT zu tun hatten.

dsf: Gibt es eigentlich viel Feedback von den Lesern? Negativ kann es ja grundsätzlich nicht sein, sonst gäbe es die Rubrik sicher längst nicht mehr …

bb: In den ersten Jahren gab es häufiger positives Feedback, später, als die c’t-Story zur Selbstverständlichkeit wurde, nur noch selten. Kritik gab es eher versteckt, direkt an die Chefredaktion herangetragen. Als Folge davon wurde ich dann angewiesen, die Themeneinschränkung enger zu ziehen. Es hatten sich wohl einflussreichere c’t-Leser beschwert, dass Fiktion in einem technischen Magazin, das vorwiegend von Ingenieuren gelesen wird, nichts zu suchen habe.

dsf: Oft sind die Illustrationen zu den Geschichten nicht weniger
kreativ als die Texte selbst. Gehört das zum künstlerischen Gesamtkonzept?

bb: Absicht war, dass die Story-Aufmachung sich deutlich von den Fachartikeln unterschied. Die Illustratoren Susanne Wustmann und Michael Thiele waren schon für den Verlag tätig. So lag es nahe, sie mit Illustrationen für die Storys zu beauftragen. Die Zusammenarbeit mit den beiden war 30 Jahre lang sehr fruchtbar.

dsf: Die c’t ist eine der ganz wenigen Möglichkeiten für deutsche SF-Autoren, Kurzgeschichten gegen ein ordentliches Honorar zu veröffentlichen. Gibt es eigentlich Vorgaben für Einsendungen? Müssen Texte mit Computern, Games oder Robotern zu tun haben?

bb: Wie schon früher gesagt, ist die c’t ein knallhartes Technik-Magazin. Wenn schon Fiktion darin erscheint, muss sie wenigstens von den Magazin-Themen ableitbar sein. Das einzige Argument gegenüber den Kritikern. So hatte dann auch Computer-Fantasy selten eine Chance auf Abdruck.

dsf: Angenommen, ein eifriger Autor liest diese Zeilen und möchte unbedingt sein Werk einsenden. Ist das überhaupt erwünscht? Und, wenn ja: Wohin soll er es schicken und was passiert dann als nächstes?

bb: Es war und ist weiterhin erwünscht, und zwar am besten per E-Mail an story (at) heise.de. Auf jede Zusendung gab es mindestens eine Eingangsbestätigung, später meist auch eine Ablehnungsbegründung. Und mein Nachfolger in der Redaktion wird es wohl auch so halten.

dsf: Welche Anekdoten rund um die c’t-Kurzgeschichten kannst Du zum besten geben? Gab es besondere Highlights oder gar Lieblingsgeschichten?

bb: Die Erfolgreichste c’t-Story, was die Leserreaktionen betraf, war “Der Dialog der Schwestern” von Carsten Elsner. Darin ging es um RSA-Kodierung, und den Schluss der Story konnten die Leser nur entziffern, indem sie die RSA-Kodierung aufgrund der in der Story gelieferten Informationen knackten. Es kamen viele Zuschriften, die entweder erzählten, dass sie wieder aus dem Bett springen mussten, um das Rätsel zu lösen, oder die einfach nur baten, das Ende zu verraten. Einer der Leser hat sogar eine Internetseite mit einem Tool zur Dekodierung eingerichtet.

Auf eine Geschichte von Josella Playton in den 90er Jahren hin, gab es Aufregung im Verlag. Der Vorstand der Deutschen Bank hatte sich beim Verlagschef Christian Heise beschwert, und eine Rüge wälzte sich durch die Instanzen bis zu mir. In der Geschichte verabredeten sich einige Hacker auf den Servern der Deutschen Bank zu einer Straftat. Die Herren von der Bank entrüsteten sich darüber, dass man Mitarbeitern der Bank solches unterstellte. Von der Redaktion instruiert konnte unser Chef die Herren dann in die Abgründe der Vernetzung einführen. In den 90er waren die Chefetagen in dieser Beziehung noch ahnungslos.

dsf: Du hast jetzt im Ruhestand sicher eine Menge Zeit, sozusagen SF “außer Konkurrenz” zu lesen. Würdest Du Dich als SF-Fan bezeichnen? Zu welchen Romanen oder Autoren greifst Du?

bb: Ein richtiger SF-Fan bin ich wohl nicht, dafür lese ich zu wenig. In den 30 Story-Jahren war ich mit den Manuskripten SF-mäßig ausgelastet, darüber hinaus habe ich nur ein paar SF-Bestseller gelesen. Aber ich bin ein Mensch, der eher in die Zukunft blickt als zurück. Insofern ist das Weiterdenken dessen, was an technischem Wissen vorliegt, genau mein Ding. Was und wieviel ich im Ruhestand lesen werde – keine Ahnung. Auf jeden Fall muss es weiterhin ein einigermaßen realistisches Szenario bieten.

dsf: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zu diesem Interview gibt es einen Diskussionsthread im SF-Netzwerk.

 

Rezension: “Das Erwachen” von Andreas Brandhorst

Ein hoffnungsloser Romantiker …

… dieser Andreas Brandhorst!
Ein tolles Buch, das er uns hier vorlegt. Das Erwachen einer Maschinenintelligenz, nicht einer KI, einer künstlichen Intelligenz, ist sein Thema. Die alte Theorie von dem erwachenden Bewusstsein einer Maschine, wenn denn nur genügend (analog zum menschlichen Gehirn) Verknüpfungen vorhanden sind. Dies ist zwingende Folge, glaubt man der auch von namhaften Wissenschaftlern vertretenen Theorie.
Das ganze verpackt der Autor in eine spannende Thrillerhandlung. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Lediglich durch so profane Dinge, wie z. B. meine erzwungenermaßen notwendige Arbeit, musste ich die Lektüre unterbrechen.
Vor einiger Zeit hatte ich die Möglichkeit Andreas Brandhorst persönlich kennenzulernen. Ich habe ihn als bescheidenen und eher schlicht auftretenden Menschen in Erinnerung. Ganz ähnlich tritt hier sein Hauptprotagonist, Axel Krohn, in Erscheinung. Ein Protagonist, dem alles eher widerfährt, als dass er tatsächlich selbst die Handlung bestimmt und lenkt. Eine Art der Darstellung, der Erzählung einer Geschichte, wie ich sie persönlich sehr mag. Hätten wir uns früher kennen gelernt (der Autor und ich) so hätte ich fast vermuten können, das die Namensgebung …, aber so ist es ein netter Zufall.
Die Erzählung kommt daher wie eine Geschichte, die (fast) jedermann passieren könnte. Nun ja, nur fast.
Am Ende zeigt sich der Autor als hoffnungsloser Romantiker. Anders als bei D. F. Jones Colossus (kennt den überhaupt noch jemand?) zeigt er uns am Ende dann doch ein Happy End.
Was mir nach der Lektüre am meisten Angst und Sorge bereitet ist demnach nicht das Erwachen der Maschinenintelligenz, sondern die Vorstufe, in der wir uns befinden. Die zahlreichen KI, die derzeit entwickelt werden. Die die menschliche Arbeitswelt über den Haufen werfen werden, die zu unglaublichen Verwerfungen im Arbeitsmarkt weltweit führen werden. Zu einer noch nie gekannten Arbeitslosigkeit. Die vor allem aber auch zur Kriegsführung eingesetzt werden können, wie uns der Autor anschaulich zeigt. Zu einer Art Krieg in der kein Schuss fällt, keine Atombombe oder chemische/biologische Waffen zum Einsatz kommen und trotzdem alles am Boden liegt.
Das ist leider eine realistische Bedrohung, die nicht wegzudiskutieren ist.
Hut ab, vor der Erzählkunst, das Buch kommt spannend daher und verbirgt zwischen den Zeilen viel aktuelle Gesellschaftskritik. Da spielte sich in meinem Schädel ein großes Kopfkino ab.
Vielen Dank dafür, Andreas!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Interview: Andreas Brandhorst

Foto Copyright Lutz Weil

Andreas Brandhorst muss man sicher nicht vorstellen. Als einer der wenigen deutschen Autoren, der SF-Romane in großen Verlagen veröffentlicht, hat er in den letzten Jahren zig Preise abgeräumt, zuletzt auch den Kurd-Laßwitz-Preis für den besten Roman des Jahres 2016 (“Omni”). Klare Sache, dass er auch deutsche-science-fiction.de exklusiv Rede und Antwort steht.

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Rezension: “Hammer und Söckchen” von Guido Krain

“Dazwischen die typischen Partyfolgen: Hirn tropfte von der Decke, Einschusslöcher schmückten die Wände, ein abgetrennter Arm hing über einen Tisch und drei zusammengesunkene Leichen in ehemals weißen Kitteln lagen am Boden.” Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dieser blutrünstigen und makaberen, aber auch sehr witzigen kleinen Geschichte. Band 1 aus der Buchreihe Dystonia. Wie in einem rasanten Computerspiel werden wir durch ein Labyrinth aus Gängen geführt. Allerdings muß sich Sharp, der Hauptcharakter, nicht gegen gefährliche Zombies wehren. Er ist die Gefahr. Er und das sexy Mädchen auf das er nach seinem Erwachen im Labor trifft. “Ein tiefes dröhnendes Bamm ließ ihn herumfahren. Pinky hatte gerade einem der halbtoten Angreifer den Schädel eingeschlagen. Dass sie vorher ein Tuch über den Kopf gelegt hatte, ließ vermuten, dass sie Erfahrung damit hatte. Kaum etwas spritze wie ein platzender Kopf … aber woher wusste Sharp das?” Diese Frage stellt er sich immer wieder und zusammen mit Pinky macht er sich auf den Weg, herauszufinden, wer er ist und warum er in einem Labor aufgewacht ist. Pinky begleitet ihn mit ihrem besten Freund Mr Hammer und wenn Mr Hammer etwas nicht gefällt … Bamm.

Diese sexistische, politisch unkorrekte und bizarre Liebesgeschichte liefert uns ein erfrischen anderes Lesevergnügen.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Eine Saison der Kurzatmigen – Anmerkungen zur deutschen SF-Story-Szene 2016

Es gibt wohl kaum ein populäres Genre, in dem Anthologien eine so gewichtige Rolle gespielt haben wie in der Science Fiction. Ohne die unüberschaubare Anzahl von Original- und Reprint-Anthologien, Anthologiereihen wie Orbit, New Dimensions oder New Writings in Science Fiction und den vielen, teils parallel editierten Year’s-Best-Auswahlbän­den wäre das SF-Story-Schaffen in seiner Vielfalt kaum denkbar. Der Durchbruch der Anthologien zu einem Leit­medium der Science Fiction lässt sich sogar an einem kon­kreten Datum festmachen: 1946 erschien Adventures in Time and Space, herausgegeben von Raymond J. Healy und J. Fran­cis McComas, ein von berühmten Namen und vielgepriesenen Stories nur so strotzendes Kompendium der Golden-Age-SF und sicher eines der einflussreichsten SF-Bücher über­haupt. Seitdem haben umtriebige Antho­logisten unter immer neuen Aspekten Stories zusammengetra­gen oder Autoren mit zahllosen Themenvorgaben zu Antholo­gieprojekten versam­melt. Diese Tradition spielt auch in der deutschen Science Fiction bis heute eine maßgebliche Rolle. In einer Szene, die durch ihre geringe Reichweite und ihren Mangel an starken Autoren gehandicapt ist – nicht gerade gute Vo­raussetzungen für eine befriedigende Auswahltätigkeit – stellen sich Anthologisten dennoch immer wieder der He­rausforderung, lesenswerte Storysamm­lungen zusammenzu­stellen. Bei der Betrachtung der mehr bis weniger gelun­genen Anthologien, die 2016 erschienen sind und einen wesentlichen Teil der Lektüre für den vorliegen­den Artikel ausgemacht haben, tritt dabei einiges Sympto­matisches in der deutschen SF zutage. Weiterlesen »

Österreich: KI-Ministerium!

Na, ganz so weit ist es noch nicht, aber immerhin: ein Roboter-Rat ist bereits aktiviert worden … Weiterlesen »

Tote Quote?

Alle reden über die Einschaltquoten. Werbebudgets werden auf Grundlage dieser Statistiken geplant. Serien werden zu Blockbustern – oder abgesetzt. Aber ist die herkömmliche Ermittlung der Einschaltquoten in Zeiten sozialer Netzwerke und viralem Internet überhaupt zeitgemäß? Und was hat das bitteschön mit deutscher Sciencefiction und Haßloch zu tun?

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Das war der U-Con

Schade, schon vorbei!

Drei Tage lang war Dortmund der Nabel der europäischen SF-Welt. Klingt übertrieben? Mag sein. Aber wer da war, hat es sicher nicht bereut. Statt länglichem Textbla präsentieren wir euch hier einfach eine U-Con-Bilderstrecke mit launigen Kommentaren. Wohl bekomm’s!

Weithin sichtbar für all die Millionen Autos, die täglich vorbeifahren: Das mit Hilfe von Alien-Levitation aufgehängte Con-Plakat.

 

Am Freitag hielt sich der Andrang in der Börse noch in Grenzen, aber am Samstag brummte das Geschäft. Viele befragte Händler und Verleger waren jedenfalls durchaus zufrieden, zumindest konnten sie sich wohl für 3,90 ein Stück Pizza an der extra aufgestellten Verpflegungs-Raumstation vor der Haustür leisten. (Foto: Norbert Fiks)

 

Ein Mini-Steampunk-Museum, präsentiert von Jürgen Lautner (versteckt im Schatten), der gerne über die Entstehung seiner aufwändigen Miniaturen berichtet, obwohl mit Sicherheit in Wirklichkeit Geheimwissenschaften dahinterstecken, nicht bloß höhere Handwerkskunst.

 

Mehr Steampunk! Warum auch nicht, ist immer cool anzuschauen. Das Amt für AEther-Angelegenheiten stellte Pässe aus, die später auch an Szene-Größen wie Angela und Karlheinz Steinmüller oder Erik Simon ausgehändigt wurden. Danach reisten sie mit unbekanntem Ziel ab.

 

Einer der gut besuchten Präsentationstische in der Börse: Das EXODUS-Magazin (im Bild: Mit-Macher Olaf Kemmler).

 

Abgesehen von Büchern hatte das Team der Serie BIOM ALPHA 3D-gedruckte Raumschiffmodelle dabei (von links: Raumstation, Uwe Post, Uwe Hermann, Frederic Brake), aber leider keine Jeserbeserekkeksar. (Foto: Norbert Fiks)

 

Noch ein Stargast! Autun Pursers Ausstellung, u.a. mit fiktiven Tourismus-Plakaten, war schon allein den Eintritt wert, außerdem stammt von ihm der riesige Alien-Aufsteller mit den Gesichtsausschnitten drin, der weiter unten zu sehen sein wird. (Foto: Norbert Fiks)

 

Der Begriff “Lesung” klingt immer so nach Einschlaftherapie. Unsinn! Das kapiert man spätestens, wenn man eine der vielen Lesungen des U-Con besuchte, hier beispielhaft Thorsten Küper, verstärkt durch Anja Bagus. (Foto: Norbert Fiks)

 

Der Stargast beim Interview: Andreas Eschbach (links) im Gespräch mit Chairman und Moderator Arno Behrend. Eschbach war ein Star “zum Anfassen” und stand den Fans auch außerhalb der Veranstaltungen jederzeit zu Gesprächen zur Verfügung. Bloß über seinen nächsten Roman verriet er nichts, und die Perry-Expokraten-Sitzung mit Wim Vandemaan fand an einem geheimen Ort statt (nicht auf dem Spielplatz, wir haben nachgesehen).

 

Gut besuchter Höhepunkt am Freitag war die Zeremonie zur Vergabe des Deutschen Science Fiction Preises. Hier nimmt Dirk van den Boom (links) seine Auszeichnung für den besten Roman “Die Welten der Skiir” entgegen. Der Preisträger in der Kategorie “Erzählungen”, Michael K. Iwoleit, hatte kurzfristig abgesagt. (Foto: Norbert Fiks)

 

Im wahrsten Sinne des Wortes eine “Night to remember”: Die von Gabriele Behrend bezaubernd (und zweisprachig!) moderierte Freitagabendshow bot viel für’s Auge und Ohr, wenngleich teils ohne direkten SF-Bezug. Ob Hanno Schreibers lyrischer Vortrag (hier im Bild) aussprachemäßig korrekt war, müssen andere beurteilen, wir verstehen leider weder vogonisch noch klingonisch. Lustig war’s allemal, oh zerfrettelter Grunzwanzling! (Foto: Norbert Fiks)

 

Vor Ort für euch (wenn auch nicht ausschließlich in Sachen dsf), von links: Uwe Post (Chefredakteur), Sylvana Freyberg und Axel Kruse (freie Mitarbeiter)

 

Vielen Dank an Norbert Fiks für die zur Verfügung gestellten Fotos!

 

Interview mit Jo Koren

Die KLP-Nominierungen sind raus und Jo Koren ist auch hier vertreten, wie schon beim DSFP. Grund genug, die Schriftstellerin anzumailen …

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Rezension: “Transport 3 – Todeszone” von Phillip P. Peterson

Der Mann mit dem Pseudonym, von dem man nicht weiß, ob es einen angloamerikanischen oder einen norddeutschen Namen suggerieren soll, legt den dritten Teil der “Transport”-Reihe vor.

Die unfreiwilligen Siedler auf New California müssen sich damit abfinden, dass die Erde sie wiedergefunden hat. Das geschah bereits auf den letzten Seiten des zweiten Bandes. Hier wird nun klar, wie sie es geschafft haben: Der Transporter auf der Venus ist genutzt worden. Russell und sein Team hatten diesen nicht zerstört, weil sie davon ausgingen, dass er für die Erdenmenschen ohnehin unerreichbar war – ein Trugschluss.

Nun, die Kolonie auf New California wird unterdrückt. Soldaten oder vielmehr Söldner im Dienst der Erde, die selber auf einer one-way-Mission sind, gehen recht brutal vor. Als wäre das alleine nicht schon schlimm genug stellt sich heraus, dass irgendjemand damit begonnen hat, das Transporternetz in der Galaxis zu zerstören. Bald ist klar, dass nur noch wenig Zeit vergehen wird, bis auch der Transporter auf New California und wenig später dann der auf der Venus diesem Phänomen zum Opfer fallen wird.

Nun, Russell wäre nicht Russell, wenn ihm dazu nicht etwas einfiele. Was, wird an dieser Stelle selbstredend nicht erwähnt.

Das Buch ist spannend geschrieben, die einzelnen Figuren und deren zwischenmenschliche Beziehungen flechten sich gut in den allgemeinen Kontext ein. Ein gelungener Mix! Ich habe das 323 Seiten starke Werk an drei Abenden verschlungen.

Einen Kritikpunkt habe ich dennoch und der wirkt in meinen Augen recht schwer: Der Pathos. Immer wieder haben wir hier die (etwas übertriebene) Freiheitsliebe der Kolonisten auf der einen und die unbedingte Befehlstreue der irdischen Söldner auf der anderen Seite. Hm, so handeln m. E. normale Menschen nicht. Ob das in Ausnahmesituationen (und in denen befinden sich nunmal alle handelnden Personen in dem Roman) so sein mag, kann ich logischerweise nicht beurteilen, aber vorstellen mag ich es mir nicht. Wenn ich an meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr zurückdenke (gut, das ist lange her, Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts), dann erinnere ich, dass uns Rekruten von der ersten Stunde an eingebleut wurde, das Befehle zu hinterfragen und ggf. auch abzulehnen sind, wenn sie zu weit gehen. Nun, vielleicht ist das wirklichkeitsfremd, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich einen Befehl befolge, der mich und viele andere mit Sicherheit durch mein eigenes Handeln umbringen wird, wo doch eine ungefährliche Alternative vorhanden ist und sogar vorgeschlagen wird.

OK, das ist der Dramaturgie geschuldet, aber vorstellen kann ich es mir trotzdem nicht.

Und dann ist da noch der Pathos der Aufopferung! Sorry, aber das stieß mir ganz übel auf. Da wundern wir uns über die Selbstmordattentäter, reden davon, dass das nur mithilfe von Gehirnwäsche möglich ist und bedienen das Klischee stets und ständig in der Literatur. Da hätte es auch andere Lösungen gegeben, als Autor hat man es in der Hand.

Grundsätzlich ein spannendes Buch ohne Logikbrüche. Wegen der vorgenannten Punkte dennoch einen Punkt Abzug. Demnach vier von fünf möglichen.

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