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Rezension: “Die Krone der Sterne” (Teil 1+2) von Kai Meyer

Kai Meyer ist der Science Fiction Gemeinde bislang nur als Fantasy-Schriftsteller, und dort als äußerst erfolgreicher, untergekommen. Nun hat er den zweiten Band seiner Science Fiction Reihe Die Krone der Sterne vorgelegt.

Um es gleich mal vorweg zu sagen: Viele SF-Puristen sprechen den Büchern die Zugehörigkeit zum Genre ab, das ist falsch. Sind wir bereit Star Wars und/oder den Wüstenplaneten zur Science Fiction zu rechnen, dann ist auch die Krone der Sterne pure SF.

Wie komme ich auf Star Wars und den Wüstenplaneten?

Nun, ich unterstelle Kai Meyer, dass er beides gelesen/gesehen hat. Ganz offensichtlich hat er sich hier an Versatzstücken bedient.
Was vor ihm bereits genug andere getan haben, man kann das Rad halt schwer neu erfinden.
Man findet den Jedi und die Bene Gesserit, man findet die Barone und Familien, die die Welt des Wüstenplaneten (und damit meine ich ausschließlich den ersten Teil) so grandios gemacht haben. Man findet eine Droge (Schnupftabak!), die einem der Protagonisten eine gewisse Bewusstseinserweiterung bringt, man findet, nein, kein Laserschwert, aber einen besonderen Blaster … ich könnte noch weiter machen.

Worum geht es?

Nun es gibt ein riesiges Sternenreich. Das hört sich erstmal grandios an, aber es ist tatsächlich nur das Überbleibsel eines viel, sehr viel größeren Reiches. Dieses ursprüngliche Reich ist in einem gewaltigen Krieg untergegangen. Einem Krieg gegen den Maschinenherrscher. Dieser Krieg, obwohl er verdammt lange her ist, so lange, dass man sich seiner eigentlich gar nicht mehr richtig erinnert, wirkt nach. Das jetzige Sternenreich wird beherrscht von einer Welt namens Tiamande, die sich in den Außenbezirken, einem äußeren Spiralarm der Galaxis, befindet. Von dort aus geht ein kegelförmiges Herrschaftsgebiet weiter nach draußen. In der Nähe zu Tiamande befindet sich das Kernreich, weiter draußen die Marken und am weitesten entfernt die äußeren Baronien. Ganz weit draußen ist ein schwarzes Loch mit dem Katarakt, einem Sternenschweif, der vermutlich nach und nach in eben dieses schwarze Loch gezogen wird.

Auf Tiamande herrscht die Gottkaiserin (Wüstenplanet, ick hör dir trapsen!). Wer das ist, wird bis zum Ende des zweiten Bandes nicht so richtig klar. Auf jeden Fall benötigt sie in regelmäßigen Abständen Nachschub in Form einer Prinzessin aus den Marken/Baronien. Denn, da diese so nahe am Katarakt liegen, scheinen in den dort lebenden Menschen gewisse Veränderungen hervorgerufen zu werden, die eben jene Gottkaiserin benötigt. Etwas nebulös, das Ganze.

Unsere Protagonistin, zumindest eine derselben, ist eben eine jener Prinzessinnen, die dafür auserkoren wurde, nach Tiamande überführt zu werden. Da niemand so recht weiß, was dort mit den jungen Frauen geschieht, keiner je eine hat zurückkommen sehen, hat unsere Prinzessin nicht so recht Lust dazu.

Sie wird gegen ihren Willen von ihrer Familie gezwungen. Von einer Leibwache begleitet, wird sie den Hexen, einem Orden der Gottkaiserin, übergeben. Die Leibwache wird sofort gemeuchelt, denn an der besteht ja kein Interesse. Unsere Protagonistin kann fliehen, sie ist sich der Unterstützung des letzten Waffenmeisters sicher. Die Waffenmeister, die ursprünglich an Seite der Hexen gegen den Maschinenherrscher kämpften, die dann aber den Hexen zu mächtig wurden/waren, so dass diese (die Hexen) die Waffenmeister „entsorgten“.

Etwas verworren, aber durchaus spannend geschildert. Man erhält lediglich immer ein paar kleine Versatzstücke der Historie präsentiert, kann sich das oben gesagte aber nach und nach zusammenreimen.

So weit also das Grundsetting. Daran schließt sich eine wilde Verfolgungsjagd an. Immer wieder muss man fliehen, ab und an gerät einer oder mehrere der Protagonisten in Gefangenschaft oder steht kurz davor.

Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um das Schicksal des Planeten Noa. Es handelt sich hier um eine Welt, die ausschließlich von Piraten, Räubern und Mördern bewohnt ist. Ein nettes Bild, Kai Meyer macht hier jedoch einen Fehler (der in solchen Schilderungen immer wieder gerne gemacht wird) indem er versäumt aufzuzeigen, wie denn die Wirtschaft auf einem solchen Planeten funktionieren kann. Wo wird denn Nahrung für die dort lebende Bevölkerung produziert? Um nur eine Frage zu stellen, die sich mir aufdrängte. Nur von Raubzügen kann sicherlich eine Schiffscrew leben, niemals jedoch eine ganze Planetenbevölkerung. Egal, es ging dem Autor darum, ein buntes Bild zu schaffen, das ist ihm gelungen. Ich hatte eine Art Tortuga im All vor Augen, als ich es las.

Wir erleben eine Fülle an Emotionen, die Protagonisten scheuen nicht vor Verrat an den eigenen Leuten zurück, sie erwägen eine Allianz mit den immer noch vorhandenen Maschinen einzugehen. Kurz, es ist spannend.
Es kommt allerdings alles etwas plump daher. Kein Tiefgang, ein Buch für mal so eben zwischendurch. Man wird von Kapitel zu Kapitel in Action geworfen. Und dann auch noch mit einem Cliffhanger. Von Anfang an konzipiert, eine Fortsetzung zu erhalten.

Nun, Kai Meyer kann schreiben, das ist offensichtlich. Der Leser wird gefesselt, giert nach der Fortsetzung.

Ich auch?

Erstaunlicherweise ja.

Ich hatte nach der Lektüre des ersten Bandes eigentlich beschlossen, der Serie nicht weiter zu folgen, sah ich doch nicht wirklich einen Handlungsstrang, der danach gierte aufgelöst zu werden.

Nun, dann lag das erste Buch da und es dauerte, bis das zweite auf den Markt kam Anscheinend war es exakt die richtige Zeitspanne, die zwischen den Büchern lag. Ich hatte auf einmal wieder Lust auf das Thema und wurde nicht enttäuscht. Es hat Spaß gemacht, den zweiten Teil zu lesen.

Zum aktuellen Interview mit Kai Meyer

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