Kategorie: Rezensionen

Rezension: „Vektor“ von Jo Koren

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt!
Warum?
Nun, zuallererst ist es in der Ich-Perrspektive geschrieben. Ich mag diese Form sehr gern, weil sie den Autor beschränkt. Er kann nicht allwissend agieren, seine Sicht der Dinge ist eine ganz persönliche, das tut dem Werk gut. Es baut Spannung auf, es zieht den Leser in den Text. Es entsteht eine Art Lagerfeueratmosphäre. Da erzählt jemand aus seinen höchstpersönlichen Erfahrungen.

Alpha Novak ist Ärztin, wie auch die Autorin, die hier unter Pseudonym auftritt (keine Angst, ich lüfte das Geheimnis nicht). Sie befindet sich auf einer Raumstation, die um den Mars kreist. Hierher kommen die Prospektoren mit ihren Raumschiffen, die den Asteroidengürtel ausbeuten. Hier behandelt sie die kleinen und großen Wehwehchen ihrer Patienten.
Eines Tages entdeckt sie ein defektes Implantat bei einem ihrer Patienten. Ein Virus scheint sich dort eingenistet zu haben. Sie unternimmt alles, um diesen Computervirus einzudämmen. Implantate tragen viele in dieser Zeit. Sie sorgen dafür, dass besser, präziser gearbeitet werden kann, helfen gegen Krankheiten, wie z. B. Parkinson. Es wimmelt demnach von potentiell Infizierten auf der Station. Sie selbst gehört auch dazu. Eine Nebenhandlung zeigt uns, dass die Menschenaffen, ebenfalls durch Implantatversorgung, uns (fast) auf Augenhöhe begegnen. Ihr engster Mitarbeiter ist einer davon.
Dann spielt irgendwann die Raumstation verrückt. Die künstliche Schwerkraft verstärkt sich temporär dramatisch. – Hier habe ich einen Kritikpunkt. Diese Verstärkung der Schwerkraft, hervorgerufen durch die Fliehkraft des großen Rades, kam mir zu plötzlich. M. E. müsste das langsamer vonstatten gehen. Aber, ich bin kein Ingenieur, da darf ich eigentlich gar nicht mitreden.
Letztendlich kommt es zum Showdown und alles ist nicht ganz so, wie ich es erwartet hatte.
Prima gemacht, finde ich einfach toll.

Ganz am Ende gibt es dann noch ein paar Rezepte hinsichtlich der im Text erwähnten Backwaren. Auch die hören sich interessant an, muss ich mal backen. – Aber vor allem, vor Kit verstecken, sonst hat man selbst nichts davon.

Rezension: „Blumen vom Mars 2, Unter Göttern“ von Gabriele Nolte

 Schade, ich hatte mehr erwartet. Der erste Band gefiel mir sehr gut. Der zweite fällt ab.
Warum?
Nun, einerseits empfand ich keine Spannung oder nur sehr wenig. Es waren mir zu viele handelnde Personen vorhanden und vor allem ging mir die Esoterik auf die Nerven. Das hört sich jetzt hart an, aber wenn ich gegen Religion eingestellt bin (bin ich auch) und vor allem gegen religiöse Eiferer jeglicher Couleur (das muss ich der Autorin hoch anrechnen, sie geht hier wirklich mit jeder existierenden großen Religion hart ins Gericht), dann muss ich nicht eine Ersatzreligion anbieten, die sich außerdem noch eines zentralen Themas der christlichen bedient (bei ihr fahren die „Götter“ auch gen Himmel, auch wenn sie das als nächste Evolutionsstufe des Menschen beschreibt). Schade, kommen wir denn nicht wirklich ohne Religion besser zurecht?
Allerdings, und das sehen wir in den heutigen Tagen nur zu deutlich, brauchen wir ja noch nicht einmal eine Religion, um Populisten nach vorne zu bringen.
Nun, gefallen hat mir durchaus der Stil, in dem die Autorin schreibt. Auffällig war allerdings auch, dass sich hier im zweiten Band doch recht viele Rechtschreibfehler zeigten. Auch waren häufiger Wortwiederholungen zu finden. (Vgl. einfach mal meine vorherigen drei Sätze, zweimal „allerdings“, das sollte auffallen, wenn man den Text auch nur ein zweites Mal liest) Hier hätte es geholfen, wenn ein Lektor sich des Bandes einmal angenommen hätte. Grundsätzlich ist das Werk jedoch auch in dieser Hinsicht noch eine Perle, verglichen mit den meisten anderen selbstverlegten Büchern, auf die man heutzutage so trifft.
Somit verbleiben in meiner Wertung 3 von möglichen 5 Sternen.

Wertung-3-Sterne

Rezension: EXODUS 35

exodus35Das EXODUS-Team hat mit Ausgabe 35 (Oktober 2016) mal wieder ein sehens- und lesenswertes Magazin auf die Beine gestellt. Es enthält eine Fülle von Stories unterschiedlichster Art:

  1. Sven Holly Nullmeyer – Mein geliebtes Kometenschweifchen

Da habe ich leider keinen Zugang gefunden, deshalb enthalte ich mich jeder Wertung.

  1. Arno Behrend – Drachenreiter

Klasse Story, aber das Ende kommt zu plötzlich und ist ein wenig zu melodramatisch. Könnte zu einer Novelle ausgearbeitet werden.

  1. Nicole Rensmann – Du bist das Beste!

Melodramatische Geschichte, die mich als Pflegevater stark emotional berührt hat.

  1. Fabian Tomaschek – Spectaculum Veritatis Homini

Toll, aus der Seele geschrieben. Wir müssen uns mal kennenlernen!

 

  1. Uwe Post – Amen, Smartgod

Nette Story über virtuelle Computergötter. Klasse umgesetzt! Bei der Gelegenheit: Ich habe einen Heidenrespekt vor Menschen, die an etwas glauben, was es nicht gibt!

  1. Frank Neugebauer – Das grüne und das rosa Medaillon

Solide erzählte Geschichte, die mich zwischendurch fesselte, nachdem ich Schwierigkeiten hatte hineinzufinden. Zum Ende hin wurde sie dann aber doch zu banal.

  1. R. B. Bonteque – New Mars Mayflower

Spannende Geschichte… was würden wir wirklich machen, wenn wir einen fremden Planeten besiedeln würden? Sind wir dann die Invasoren?

  1. Gabriele Behrend – Suicide Rooms

Stimmungsvoll, irgendwie poppte in meinen Gedanken immer wieder das Bild Edward G. Robinsons aus Soylent Green hoch. – Und dann zeigt sich noch die wahre Seele der Frau! Beeindruckend – und das alles ohne Raumschiffe! (Das versteht nur Gabi)

  1. Sven Holly Nullmeyer – Liebes Sternengefunkel

Nette Geschichte und irgendwie kommt mir der geschilderte Supermarkt der Zukunft gar nicht so weit hergeholt vor.
Alles in allem eine runde Ausgabe, die es lohnt gelesen zu werden. Absolute Empfehlung, die 12,90 sind gut angelegt.

 

Weitere Infos und Bestellmöglichkeit: exodusmagazin.de

 

 

Rezension: Paradox, Transport und Transport 2 von Phillip P. Peterson

Phillip P. Peterson ist das Pseudonym eines deutschen Autors. Ich weiß, wer sich dahinter verbirgt, werde aber das Geheimnis nicht lüften. Eines Selfpublishers, der mittlerweile von seinen Büchern lebt. Seine Bücher sind professionell lektoriert und machen einen guten Eindruck. Nachstehend mal eine Darstellung der bislang erschienen Werke in der Reihenfolge ihres Erscheinens.

peterson-paradox

 

Wertung-3-SterneTransport

Gateway von Frederik Pohl stand hier wohl Pate. Zumindest ist mir die Grundidee dort zum ersten Mal begegnet. Nicht, dass es ein Plagiat wäre, nein, das nicht. Aber die Grundidee kommt daher.
Für ein Erstlingswerk beeindruckend gut umgesetzt. Auch das Lektorat hat gute Arbeit geleistet, mir sind lediglich drei Tippfehler aufgefallen, erstaunlich gute Quote. Der Sprachstil ist einfach, die Charakterisierung der Protagonisten ebenfalls, aber das ist nicht weiter schlimm. Das Buch unterhält und das ist es, worauf es ankommt. Da habe ich schon weitaus schlechtere Texte von etablierten Autoren gelesen.
Das Problem, das ich mit dem Buch hatte, war, dass die (Auf-)Lösung ein wenig altbacken daherkommt. Ich verrate nichts, keine Sorge, aber es hätte dem Buch und der Story besser zu Gesicht gestanden, nichts aufzulösen. Die Phantasie des Lesers zu bemühen, das ist meines Erachtens die Kunst, an der sich ein Autor versuchen sollte. Egal, wie bereits angeführt, für ein Erstlingswerk beeindruckend. Ich werde den Autor beobachten und mir weitere seiner Bücher kaufen. Die Lektüre ist auf keinen Fall Zeitverschwendung, auch wenn manche Dinge sicherlich entwicklungsfähig sind.

Wertung-4-SterneParadox: Am Abgrund der Ewigkeit

Ich stehe Selfpublishing grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber… aber hier zu unrecht. Der Roman ist toll. Handwerklich solide geschrieben, da gibt es absolut nichts zu bemängeln. Rechtschreibung, Zeichensetzung, Storyline alles nahezu perfekt. Außerdem eine grandiose neue Idee für den SF-Kanon. Meines Wissens (und ich habe schon viel, sehr sehr viel im Genre gelesen) ist diese Idee neu! (Welche das ist, werde ich nicht verraten, das verdirbt einem Leser die Spannung).
Warum vergebe ich trotz meiner Lobrede nur 4 von möglichen 5 Sternen? Weil mich die zu lange Anfangssequenz gestört hat. Ich möchte kein Buch lesen, das mir beschreibt, wie Raumfahrt wirklich geht, das ermüdet mich. Da bin ich Purist, ich wünsche mir SF, reine SF und rund 2/3 des Buches würde ich unter Mainstream einsortieren. Das stört mich. – Bitte nicht falsch verstehen, auch dieser Teil ist gut geschrieben, auch da hebt sich Peterson wohltuend von vielen anderen Autoren ab, aber da bin ich der falsche Adressat.
Insgesamt auf jeden Fall eine Leseempfehlung, der Roman hat den Kindle Storyteller Award nicht zufällig gewonnen.

 

Wertung-4-SterneTransport 2 – Todesflut

Der zweite Teil von Transport gefiel mir gut bis sehr gut.
Wir haben hier ein uraltes SF Szenario. Eines, was z. B. Heinlein bereits ausgearbeitet hat, die Besiedlung eines fremden Planeten unter widrigen Umständen. Peterson schildert uns das einhergehend mit einer interessanten Charaktersierung seiner Protagnonisten. In anderen Rezensionen wird bemängelt, dass der SF-Teil fehlen bis schwächeln würde, ich sehe das nicht so. Der Roman zieht gerade seine Stärke aus einer Art Robinsonade, die Protagonisten sind auf sich allein gestellt. Sie haben keine andere Wahl, sie müssen sich selbst helfen, von außen kann es keine Hilfe geben. Unter dem Druck, dem sie ausgesetzt sind, kommen die wirklichen Persönlichkeiten zum Vorschein. Hass bricht sich Bahn, aber auch Aufopferung für die Gemeinschaft. Das alles ohne großen Pathos, zumindest wirkte für mich die Schilderung der Personen und deren Handlungen durchaus glaubhaft und nachvollziehbar.
Schwächen hat das Buch auch, aber an anderer Stelle. Da wird seitenweise technisiert. Kein Technobabbel, wie in Star Trek, nein, es geht darum, eine Atombombe wieder funktionstüchtig zu machen, warum, das verrate ich hier nicht. – Nun, einerseits irgendwie merkwürdig, dass sich ein so kleines Häuflein ohne besondere Kenntnisse daran wagt, aber das thematisiert der Autor ja selber auch. Nein, mich stört andererseits, dass es zu sehr ins technische geht. Klar, der Auto ist selber von Haus aus Wissenschaftler, aber da ist er etwas zu weit gegangen, für mich wurde es stellenweise doch etwas langatmig, als es um das Thema ging.
Und der zweite Punkt, an dem ich stocken musste, ist die Ökologie des Planeten. Ein Paradies für die (unfreiwilligen) Siedler, wenn auch (wie bei Heinlein) mit kleinen Schönheitsfehlern. Hier gibt es Raubtiere, die ihre Beute mittels Säure in einen Brei auflösen, den sie dann absorbieren. Nettes Bild, ziemlich eklige Vorstellung, sei es drum. – Aber, wo sind die Beutetiere? Peterson beschreibt uns anschaulich Kämpfe mit Rudeln von Raubtieren unterschiedlicher Art und Gattung, zum Showdown hin geht er gar ins Gigantische! Aber wovon leben denn die Viecher, wenn sie nicht gerade Kannibalismus betreiben? Da ist ein Logikfehler, den man hätte beheben können/müssen. Notwendig wären doch auch gar nicht diese Massen an Raubtieren gewesen, auch eine durchgegangene Herde von Beutetieren stellt eine ernsthafte Bedrohung dar, Peter! Aber sei es drum, das alles ist der Dramatik geschuldet.
Durch die Bank weg ein spannendes Buch, das durchaus 5 Sterne verdient hätte, wegen den o. g. Punkten dann aber doch einen Stern Abzug von mir bekommt. Demnach 4 von 5 möglichen.
Auf seiner Lesung in Oldenburg gab der Autor Einblicke in den dritten Teil, der wohl bald das Licht dieser Welt erblicken soll. Es geht spannend weiter, diesmal spielen die Transmitter wieder eine weitaus größere Rolle, so viel sei verraten.

Rezension: !Xaver und !Alois

Xaver und AloisEine rare Ausnahme sind hierzulande inhaltlich brauchbare und gleichzeitig handliche Sekundärwerke zur SF (der Ziegelstein „Das SF-Jahr“ fällt nicht unter „handlich“).

Umso wichtiger ist es uns, auf zwei passende Beispiele hinzuweisen.

Wer in den letzten Jahren den einen oder anderen SF-Con besucht hat, der hat womöglich bereits ein Panel des „Phantastischen Quartetts“ erlebt, in dem Ralf Bodemann, Christian Hoffmann, Udo Klotz und Stefan Kuhn „Perlen der Science Fiction“ vorstellen.

Die beiden Magazine „!Xaver“ (2015) und „!Alois“ (2016) sind die Papier gewordenen Panels für alle, die sie verpasst haben, plus Bonus.

Beide Ausgaben bringen persönlich gefärbte Leseempfehlungen aus allen Sparten des Genres – Anthologien, Romane, Klassiker, Trash, Serien, Sekundäres, Neues, deutsche und internationale Werke. Hinzu kommen fachkundige Artikel über Autoren wie David Brin oder Thomas Thiemeyer, und sogar Überlegungen, was an einem SF-Werk eigentlich zu einer positiven Rezeption führt, inklusiver diverser Zitate. Auch wenn es nicht direkt im Sinne der Verfasser gewesen sein mag: Ich persönlich glaube, dass sich gerade einige weniger erfahrene SF-Autoren die beiden Magazine zu Gemüte führen sollten – für mehr Qualität in der SF!

Einzige schlechte Nachricht: Es gibt wohl nur sehr wenige Leser, die es schaffen werden, bis zu ihrem Tod alle empfehlenswerten Werke (zuzüglich dem ohnehin schon vorhandenen Stapel ungelesener Bücher) zu genießen. Aber man kann ja zumindest mal anfangen…

Die hochwertig aufgemachten Hefte sind für 3 (Xaver) bzw. 4 Euro plus Porto im Moment nur per Email-Bestellung  zu beziehen. Wendet euch vertrauensvoll an Stefan Kuhn: stef.kuhn(at)yahoo.de

Rezension: Im Licht von Orion

Im Licht von Orion

Die große Sciencefiction-Sammlung vom Verlag „Modern Phantastik“ eint auf gut 520 Seiten zweiundzwanzig Geschichten von neunzehn Autoren, die in der deutschen SF schon länger ihr ‚Unwesen‘ treiben. Dem ein oder anderen Autoren ist man sicher schon begegnet, anderen hingegen weniger.

Einige der Geschichten sind sogar Preisträger und geben dem Buch daher noch eine kleine Note „besonders“

Nach einem netten, leicht gedehnten Prolog – oder eher ein Warm up, welches den Leser in Stimmung bringt, startet das Buch mit der Geschichte:

Impetus“ von Sven Svenson.

Eine nette, schön erzählte Geschichte mit einem anfangs leichten, nicht ganz ersichtlichen Hin- und Her, dass sich gegen Ende auflöst und selbst erklärt und ein gutes Gefühl hinterlässt.

Gerd Frey „Grauzeit“

Großartig geschriebene Geschichte aus der Sicht eines nicht weiter beleuchteten Protagonisten, der nur Beobachter der eigentlichen Hauptfigur ist: Das bedrohliche Setting einer dunklen Macht, die auf die gesamte Erde einfällt.

Peggy Weber-Gehrke „Wir werden alle Helden sein“

Anfangs etwas wunderlich entpuppt sich diese lange, aber nicht zu lange Geschichte über Menschen, Monster und Aliens zu eine Art Higlight.

Dabei ist noch nicht mal sicher, ob die Protagonisten wirklich auf einem Raumschiff sind, oder ob sich das ganze im Hinterhof einer Nervenheilanstallt stattfindet.

Es ist eine Kontaktgeschichte aus der Sicht von offenkundig durchgedrehten Schiffsbesatzung, die ihr ganzes Wissen über „Aliens“ aus der aberwitzigen Sciencefictionfilmen und -büchern nimmt und darüber auf skurrile Weise philosophiert. Oder es ist nur eine durch und durch bekloppte Welt von rückgebildeten Menschen – oder Menschhybriden oder oder oder. Viele Dinge sind denkanstößige Mahnmale an die Menschheit selbst, die wohl jeder für sich selbst finden muss.

Auf jeden Fall lesenswert.

F. Anderson „Antibiose“

Ein Versatzstück aus „Geschichten aus der Gruft“, „Outer Limits“ und „Akte X“ mit einem seichten Plot, der einige bekannte Szenarien bedient, aber sehr gut erzählt ist. Der geschmeidige Lesefluss wird höchstens davon getrübt, dass das Ende ein wenig unbefriedigend, ja sogar recht platt ist.

Jacqueline Montemurri „Die Faszination der Einsamkeit“

Großartig erzählt. Toll geschrieben.

Eine kurze und authentische Geschichte zwischen Menschen, Menschlichkeit, Hoffnung, Liebe und dem All.

Rico Gehrke: Die Verführung der Mona Lisa

Eine recht lange Geschichte, die sich sehr viel Zeit mit ihren beiden Charakteren nimmt, wobei hier auf dem weiblichen Protagonisten natürlich der Fokus liegt, da die Idee an sich wirklich großartig ist.

Anfangs dachte ich noch: „Du meine Güte … “

Vor allem an der Stelle: „Wie alt sind Sie?“ – „23“ – „Dafür haben Sie sich aber gut gehalten“ wollte ich schon aufhören. Hallo? Zeige mir einen Menschen, der heutzutage eine 16jährige von einer 23jährigen unterscheiden kann …

Der äußerst angenehme Schreibstil ließ mich jedoch weiterlesen, und abgesehen von diesen kleinen Fehltritt entwickelt sich die Erzählung zu einer sehr interessanten SF-Werk, das zwar nicht ganz innovativ, aber sehr gut präsentiert wurde.

Cliff Allister: Wer hat’s erfunden?

Wow.

Das ultimative Highlite des gesamten Buches.

Ich mag keine Zeitreisegeschichten, weil die meisten Autoren in der Geschichte rumwerkeln wie ein Schlächter. (Dabei weiß doch jeder, dass man den Zeitenstrom nicht verändern kann. Cliff Allister wusste es auch.) Seine Geschichte war nicht nur fantastisch erzählt, kurzweilig, packend und witzig. Nein, darüber hinaus war sie am Ende ebenso konsequent und originell wie zu beginn.

Große Unterhaltung!

Matthias Falke: Flitterwochen

Anfänglich glaubte ich noch, die Geschichte hätte auch auf einen gegenwärtigen Luxusliner spielen können. Wandelt sich aber gegen Ende zu einer schönen „fremdvolk“-Erzählung, wie man sie auch in Star Trek hätte finden können.

Regine Bott: Harmonice mundi

Eine wirklich schön erzählte Geschichte aus zwei Perspektiven. Einmal der Siedlung Harmonice mundi auf Kepler und dem Schiff Galilei und seine Besatzung. Wieso, weshalb und warum das Schiff seinen Auftrag so konsequent, schnell und ohne nachzudenken erfüllen muss, wird leider nicht näher erklärt, nur angedeutet – oder ich habe es nicht verstanden. Jedenfalls endet die Geschichte wie erwartet tragisch und hinterlässt einige Fragezeichen im Kopf des Lesers.

Galax Acheronian: NNT 275

Die Sprünge bei Szenenwechsel sind mitunter hart, so dass man orientierungslos sein kann. Es ist anfangs eine Geschichte mit ein wenig Geisterflair und Horrorelementen, wandelt sich dann zu einer Ohrfeige an den Glauben der Überlegenheit einer von sich sehr eingenommenen Spezies.

Oliver Koch: Fehler im System

Uff, ist das übel … im positiven Sinne.

Eine wirklich hervorragend aufgebaut und erzählte Geschichte. Tolle Idee, sicher nicht neu, aber wunderbar dargeboten.

Der Verdacht, dass in der Erzählung über den Hauptprotagonisten Tim und seiner Geburtstagsfeier etwas nicht stimmen kann, wird subtil vom Autoren eingebettet und schenkt immer wieder Momente der Fragezeichen und der geistigen Suche nach Antworten.

Als diese dann geliefert wird, bleiben keine Fragen mehr – nur ein wenig Gemütsschwere.

Eine der Top-Geschichten in diesem Buch.

B.C. Bolt: Der Gebühreneinzugsbevollmächtigte

Eine sehr nette sehr spacige SF-Geschichte, in der kein Wunsch nach einer fiktiven Welt übrig bleibt. Am Ende war jedoch nichts geschehen, denn wie im realen Leben kann man nichts tun, wenn das Staatssystem die gierige Hand aufhält und etwas vom Kuchen nimmt, den er weder gebacken, noch gefördert oder irgendetwas für dessen entstehen beigetragen hat. Aber es hinterlässt ein gutes Gefühl, dass aus Geldgründen der Mord an einem Staatsdiener nicht geahndet wird. Wäre es doch nur in unserer Welt auch so 😉

Rico Gehrke: Bestrafung

Kurz, prägnant. Es geht um die Idiotie von Menschen und den Glauben, dass Handeln keine Konsequenzen hat. Aber … es fehlt etwas. Nach einer sehr detaillierten Einführung und Vorstellung ein jähes plumpes Ende. Unbefriedigend.

Michael Stappert: Reha 2.0

Eine Geschichte, die mich zutiefst wütend gemacht. Oh, nein, sie ist verdammt gut.

Aber in ihr steckt eine Bösartigkeit, die so subtil ist und so hinterfotzig (sry. ein anderes Wort konnte nicht gefunden werden), dass es einem die Sprache verschlägt. Es ist eine Geschichte über Missbrauch. Machtmissbrauch. Missbrauch von Menschen. Missbrauch von Vertrauen. Am Ende will einem dann ein gepflegtes „Scheiße, ihr depperten Arschlöcher“, über die Lippen kommen.

Highlight!

Gerd Frey: Anomalie

Eine Zeitreise und ihre Nichtfolgen. Eine seltsame Geschichte, weil sie für das Außen, für die anderen Protagonisten der Geschichte, ohne Belang bleibt. Andererseits werden Ideen und Konzepte aufgegriffen, die aus der Gegenwart sind und in ihrer gedanklichen Fortführung da landen können.

Adriana Wipperling: Hinter dem Schleier

Eine schöne Geschichte, gute Idee, jedoch etwas schwerfällig und spröde umgesetzt. Möglicherweise, weil es nur aus einer Perspektive erzählt werden kann. Hat das Potential zu einer größeren und sehr komplexen Geschichte. Der Titel ist passend und unpassend zugleich.

F. Anderson: Das Symbol

Weitschweifig erzählte Geschichte mit Anfängerfehlern was die Formulierungen und das Umschreibungen angeht, über einen Mann, der unschuldig von einer, einem anderen Mann versprochenen Frau verführt wird. Das Setting: 1000 und 1 Nacht in der Wüste bei den Beduinen.

Das Ganze kombiniert mit einem sadistischen Kind/ Dämonen und Folterszenen. Dazu gehört eine nicht durchdachte Plotline zusammen mit Seltsamkeiten und Charakteren, die einfach nicht überzeugen. Angesichts der teils ernsten Situation ist eigentlich kein Schmunzeln angesagt. Leider konnte ich es nicht unterdrücken.

Frank Lauenroth und Lara Möller: Deleted Scenes

Der Titel ist passend und doch sagt er sehr wenig über das, was da geschrieben steht. Eine kurze Geschichte mit mehr Facetten, als man meinen sollte und jede davon berechtigt.

Jacqueline Montemurri: Schrottsammler

Die Geschichte erhielt den 2. Platz im Wettbewerb des Vereins zur Förderung der Raumfahrt 2015.

Eine Schrottsammelaktion einer kleinen Privatfirma im Orbit der Erde wandelt sich in eine Rettungsmission, die europäisch-politische Aspekte berührt. Sprachlich, inhaltlich und stilistisch müsste mal ein Lektor drüber. Manche Dialoge/ Monologe wirken arg gestelzt. Die Geschichte selbst ist nicht spannend, was entweder an der Art des Erzählens liegt oder tatsächlich am Thema. Es gibt Perspektiven, die möglicherweise einen interessanteren Blick auf das Thema geworfen hätten. Dennoch ist die Geschichte weder schlecht aber eben auch nicht gut.

Michael Thiele: Spätes Erwachen

Ein klischeebehafteter feuchter Männertraum aus dem pubertierenden Gedankengut eines 13jährigen mit bekanntem Setting, wobei die Frauen die Verführerinnen sind, der Mann ein Macho und zeitgleich die Jungfrau vom Lande … 

Ernsthaft? Amazonen(?) nehmen Männer im Urwald fest, fesseln sie aufs Bett und verlustieren sich mit ihnen? Vielleicht ein Werbetext für Männer, die noch keine Frauen abbekommen haben und sie auf anderen Planeten zu finden hoffen – denn das war in diesen eher armseligen Billigprono auch das einzige SF-Element: Ein anderer Planet und Zukunft. Huiiiiiii …

Christopher Dröge: Zilie

Spannend und für unsere Gefilde eine ungewöhnliche Umgebung, was einen weiteren Reiz darstellt. Der Dschungel in Mittelafrika in Bolanda/ Kongo. Ein Junge, noch Schüler, der fremd in der Umgebung ist und in einer Sonderwirtschaftszone lebt, wo er sich mit drei anderen Jungen anfreunden möchte und dabei in ein Abenteuer der besonderen Art rutscht – und dabei möglicherweise sein Leben riskiert. Lebhaft und bildhaft. Eigentlich keine Kurzgeschichte, sondern der Anfang von viel mehr.

Rico Gehrke: Kontaktversuche

Ich bin unsicher, ob die falsch gesetzten Wörter und der leicht gestelzt Satzbau beabsichtigt waren. Die fremde Wörter (keine Fremdwörter) klingen gut, haben aber für eine Kurzgeschichte nicht genug Bedeutung, da sie leider nicht erklärt werden.

Ersteres wandelt sich deutlich, es wird sprachlich dichter. Die Geschichte kommt trotzdem nicht auf den Punkt. Will sie Einsamkeit, Längen oder Zeitlosigkeit vermitteln?

Die drei Dimensionen des Raumes haben sich noch nicht aus ihrer Verflechtung gelöst.“

Ab hier erhöhte sich die Verwirrung spürbar. Das ganze wirkt wie eine Ich-Nabelschau mit versuchten philosophischen Tiefgang in nicht stringenter, hochtrabender Ausdrucksweise.

Fazit:

Abgesehen von den wenigen vertretbaren Fehlern, die der Lektor hier oder da mal übersehen hat

(Kleinigkeiten sollten ausgemerzt werden, ist aber nicht dramatisch für den Gesamteindruck.) ist das ganze Buch an sich schon ein großer Gewinn für den Leser.

Klar, es gibt die üblichen Schattengestalten, bei denen man sich fragte, warum um alles in der Welt diese Zeilen geschrieben worden sind. Primär jedoch – und zum Glück – finden sich in dieser Sammlung spürbar in der Mehrzahl durchweg positive Geschichten, die viele Stunden schönen Lesegenuss garantieren.

In einer Top drei würde ich im übrigen völlig subjektiv so werten:

Platz 3 geht an Oliver Koch: „Fehler im System“

Platz 2 geht an Michael Stappert: „Reha 2.0“

Platz 1 geht an Cliff Allister: „Wer hat’s erfunden?“

Modern Phantastic

Als E-Book und Print

EUR 17,90 z.B. bei Amazon

Rezension: „MEMOX: Das Zittern der Zeit“ von Peter Pakulat

MEMOXSeltsame Dinge geschehen in Berlin: Spatzen fliegen gegen Bäume und es regnet Augäpfel. Und in China kostet ein Erdbeben tausende Menschenleben. Ein Hamburger Blogger ahnt, dass es einen Zusammenhang gibt, und beginnt zu recherchieren.

Peter Pakulats SF-Roman „MEMOX: Das Zittern der Zeit“ ist ein Selfpublisher-Bestseller bei Amazon. Man versteht beim Lesen ziemlich schnell, warum: Die Geschichte überbietet an Ideenreichtum den  größten Teil der Konkurrenz. So viel Kreativität macht einfach Spaß. Das kann gar nicht genug hervorgehoben werden, denn einige andere SF-Autoren glauben, aus einer einzigen oder auch gar keiner Idee einen Roman machen zu können. Was bei Vampirschmonzetten funktionieren mag, lockt bei der SF nur hartgesottene Fans von Raumschlachten mit hoher Laserstrahl-Dichte.

Wer es mit Plausibilität nicht allzu genau nimmt, wird den Roman mit großem Vergnügen lesen. Im Grunde handelt es sich „nur“ um einen Zeitreise-Plot. Bei genauem Hinsehen muss man deutlich kritisieren, dass die Figuren nicht immer logisch handeln, und dass die Handlung gähnende Logiklöcher aufweist, die der Autor mit teils seitenlangem Pseudo-Technobabbel zu kaschieren versucht. Hinzu kommen eine ganze Reihe teils haarsträubender Rechtschreibfehler. Wer darüber hinwegsehen kann, wird den Roman mit großem Vergnügen lesen.

Link zu Amazon

Unterhaltung: 

Anspruch: 

Originalität: 

Rezension: „Das Universum nach Landau“ von Karsten Kruschel

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Ein Roman in Dokumenten und Novellen.

Jede Novelle erzählt eine mehr oder weniger in sich abgeschlossene Geschichte. Ohne den Rückentext gelesen zu haben, wirken die Geschichten zunächst ziemlich zusammenhanglos und deshalb erschließt sich nur im Nachhinein der Rote Faden in der Zusammenstellung der Dokumente und Novellen: die Evolution des Menschen, getrieben von immer größeren Hindernissen, die das Universum ihm entgegenstellt.

Der sehr gute Schreibstil des Autors ermöglicht es bei den längeren Texten schnell in die Geschichte einzusteigen und man würde gern mehr erfahren. Sie beginnen meist interessant und spannend, aber bei einigen drängt sich der Verdacht auf, dass sie schnell beendet werden mussten oder der Fokus verschob sich während der Erzählung. Zum Beispiel bei der Geschichte Weiß: Der Ausweg Blanch. Hier wird am Anfang die Liebe zwischen den beiden Protagonisten in den Vordergrund gestellt, aber bald schon geht die Frau aufgrund eines Selbst-Experimentes mit beachtlichen Folgen ihren eigenen Weg und den Mann scheint das gar nicht zu berühren. Irgendwie fehlt hier etwas.

Als ergänzende Geschichtensammlung zu den anderen Büchern aus dem Universum dieses Autors ist das Buch wahrscheinlich zu empfehlen. Auch wenn man die einzelnen Texte als separate Kurzgeschichten betrachtet (die z.T. bereits in Magazinen erschienen sind), hat man durchaus Spaß an der Beschreibung der technischen Möglichkeiten und den Begegnungen mit fremden Lebensformen. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Ideen vielleicht zu groß für kurze Novellen sind und deshalb das bloße Umreißen den Leser am Ende unbefriedigt zurück lässt.

Wertung-3-Sterne

Rezension: „Unsterblich“ von Jens Lubbadeh

Unsterblich von Jens Lubbadeh

Ein SF-Roman über digitales Leben nach dem Tod – und das in einem Großverlag, mit Marlene Dietrich auf dem Cover. Sagen wir mal so: Heyne hat schon Bücher rausgebracht, die weniger neugierig gemacht haben.

Benjamin Kari geht dem Verschwinden des „Ewigen“ von Marlene Dietrich nach. Die „Ewigen“ sind die holografischen Abbilder Verstorbener. Die ganze Technik dahinter stammt von einem Monopolisten namens „Infinity“. Es gibt „Ewige“ von Berühmtheiten, aber auch von der Oma, der tragisch verstorbenen Ehefrau oder (posthum) von einem selbst. Dazu zeichnet Infinity mit „Lebenstrackern“ alles auf, was ein Mensch erlebt, um später damit die Simulation zu programmieren, die als ewiges holografisches Abbild durch die Gegend läuft – allerdings leicht modifiziert. Ich will hier nicht zu viel vorweg nehmen, aber eines sei gesagt: Man darf hier keine akkurate, realistische Darstellung einer möglichen digitalen Zukunft erwarten. Zwar gibt es auch in der Realität Bestrebungen, mehr als nur die Erinnerung an Verstorbene digital aufzubewahren, aber was Lubbadeh in seinem Roman erfindet, ist eine ganz andere Nummer. Er muss dafür einen Riesenaufwand an Technik postulieren: Billionen Nanodrohnen, Chips im Kopf um die Hologramme „einzublenden“, Lebenstracker im Handgelenk, und so weiter. Woher die nötige Energie kommt, wie die immensen Datenmengen übertragen und verarbeitet werden – geschenkt. Spätestens gegen Ende wird klar, dass die Daten sogar sehr leicht zu beschädigen sind. Der Rezensent, selbst IT-Berater, kann da nicht aus seiner Haut: Er sieht sich die ganze Zeit in einem Meetingraum bei Infinity verzweifelt erklären, dass es zwar echt cool ist, Rechenzentren an pittoresken Orten aufzustellen, dass echte IT-Sicherheit aber doch ein bisschen anders funktioniert.

Sehr überzeugend beschreibt der Autor hingegen, wie die Ewigen von Berühmtheiten im täglichen Leben wichtige Positionen einnehmen: Man glaubt sofort, dass die Wähler einen Ewigen von Helmut Schmidt jedem zeitgenössischen Politiker vorziehen würden. Die Masse schaut ja auch lieber den x-ten Aufguss von Enterprise und Spiderman – oder eben den neuen Film mit Marlene Dietrich. Hier nutzt Lubbadeh die Gelegenheit für popkulturelle Anleihen, die SF-Leser immer gerne goutieren.

Nach und nach entwickelt der Roman eine spannende Thrillerhandlung. Er bleibt fast die ganze Zeit in der Perspektive des Ben Kari, der Kapitel für Kapitel tiefer in eine Verschwörung hineingezogen wird und schließlich zum Gejagten wird. Dabei kommen natürlich diverse Schusswaffen zum Einsatz, und die Projektile treffen durchaus auch mal.  Es fließt eine Menge Blut – bis man sich am Schluss fragen muss, ob die dem Tode nahe und schon leicht verwirrte Hauptfigur mit seiner letzten Handlung nicht eine globale Katastrophe auslöst…

Auch wenn hier zweifellos ein ideenreicher und spannender Roman vorliegt: Eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema „digitaler Tod“ bleibt der Autor schuldig. Die „Ewigen“, um die es eigentlich zu gehen scheinen, treten so gut wie nie selbst auf. Am Schluss gibt es noch eine dermaßen phantastische Wendung, dass einem das „Hä!?“ glatt im Halse stecken bleibt. Hier nähert sich der Roman fast schon gefährlich dem Bloß-nichts-hinterfragen-Niveau typischer amerikanischer Blockbuster. Es bleibt aber unter dem Strich eine spannende, flott erzählte Geschichte mit vielen interessanten Einfällen. Das ergibt eine 3-Sterne-Wertung – den vierten Stern erhält hier der Großverlag für den Mut, einem SF-Roman eines recht unbekannten, ideenreichen, deutschen Autors eine Chance zu geben, der noch dazu nicht im fernen Weltraum spielt. Wollen wir hoffen, dass die Verkaufzahlen diesen Mut belohnen – eine Leseempfehlung sprechen wir allemal aus.

Aktuell gibt es im SF-Netzwerk eine Leserunde zum Roman (Link folgt, da das SFN derzeit nicht verfügbar ist).

Das Buch selbst gibt es im Buchladen eures Vertrauens.

Unterhaltung: 

Anspruch: 

Originalität: 

Rezension: „Blumen vom Mars“ von Gabriele Nolte

Ich stehe dem Selfpublishing skeptisch gegenüber, sehr sehr skeptisch. Da wimmelt es normalerweise nur so von Rechtschreibfehlern, die Geschichten sind hanebüchen und so weiter, das muss ich nicht ausführen. Deswegen finden solche Werke auch auf dieser Webseite nur Berücksichtugung, wenn sie es wirklich verdienen.
Das hier vorliegende Buch hätte ich im Leben nie gelesen, hätte mein Freund Heinz Zwack es mir nicht empfohlen. Und zwar so wärmstens, dass ich nicht anders konnte, als es schleunigst zu lesen.
Nun, ich bin selber als SF-Schriftsteller unterwegs. Habe 2014 für meine Novelle „Seitwärts in die Zeit“ den Deutschen Science Fiction Preis verliehen bekommen. Aktuell wurde mein Roman „Glühsterne“ als bester deutschsprachiger SF Roman für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Warum erzähle ich das? – Nun, ich habe das Gefühl, dass meine Texte nicht an das Niveau des hier vorliegenden Romans heranreichen.
Das Setting ist die Erde in naher Zukunft. Die Konfrontation zwischen arabischer und westlich geprägter Welt ist weiter fortgeschritten, Europa ist teils islamisiert. Als weitere Mächte existieren noch China und Russland. In dieser Situation gibt es zwei geheime Kolonien auf dem Mars, eine arabische und eine US-amerikanische. Beide sind im Stich gelassen worden, sind auf sich allein gestellt.
Nun wird anschaulich im Kleinen demonstriert, was sich auch auf der Erde im Großen abspielt: Der Kampf der Kulturen. Einfühlsam schildert Nolte uns die Gefühlswelt arabischer Frauen und amerikanischer Männer. Zeigt zwischen den Zeilen, dass es die arabischen Frauen (die Mütter) sind, die ihre eigenen Kinder so erziehen, dass sie (die Jungen) sie später unterdrücken. Hut ab, das ist realistisch. Genauso realistisch, wie sie zeigt, wie es einzelnen Frauen gelingt, sich dagegen aufzulehnen. Wie sie zeigt, wie sich durch Zusammenarbeit der Kulturen, das Beste aus allem herausholen lässt.
Schonungslos zeigt Nolte auf, was kritisierungswürdig ist, ohne auszugrenzen. Sie zeigt Lösungsmöglichkeiten im Kleinen, die sich wahrscheinlich schwerlich auf das ganz Große übertragen lassen. Aber sei es drum, wir haben hier eine Utopie, die aus einer Dystopie erwächst. Ganz großes Kopfkino!
Am Ende wird es für meinen Geschmack etwas zu esoterisch, aber das ist der Handlung geschuldet.

Wertung-5-Sterne