Kategorienarchiv: Rezensionen

Game-Test: “Surviving Mars”

Habt ihr auch den Eindruck, als wäre der erste bemannte Flug zum Mars das “nächste große Ding” der Menschheit? Seit dem Film “Der Marsianer” wirkt das gar nicht mehr so weit weg. Da wundert es nicht, wenn sich einer der großen Macher von Strategiespielen – Paradox Interactive – auf das Thema stürzt und ein Aufbauspiel herausbringt, das uns in die gar nicht so ferne Zukunft befördert, um den Mars tatsächlich zu besiedeln. Genau darum geht es in “Surviving Mars”. Weiterlesen »

Rezension: “Neanderthal” von Jens Lubbadeh

Diktatur der Fürsorge

Haben Sie Kinder? Wenn ja, dann kennen Sie das: Gehen Sie mit Ihren Kleinen auf den Spielplatz, Fahrrad mit Stützrädern im Gepäck. Lassen Sie die Kleinen dort fahren, aber bitte schön immer mit Helm, die Verletzungsgefahr ist sonst zu groß. Wagen Sie es nicht, den Helm (evtl. auf Bitten oder Quengeln) der Kinder abzusetzen, die soziale Kontrolle funktioniert! Die Eltern der anderen werden über Sie tuscheln oder Sie gar darauf hinweisen, dass es doch gefährlich ist, so ohne …

Nun, meine Kinder fuhren immer ohne Helm, wie auch ich selbst das tue. Die Gefahr (auf dem Kinderspielplatz!!!) ist doch nun wirklich äußerst gering, die Fallhöhe sowieso und die Stützräder tun ihres dazu … Viel sinnvoller wäre es da doch, dass die Erwachsenen unisono beim Spazierengehen, ja sogar in der Wohnung einen Schutzhelm tragen sollten, die Fallhöhe und Wahrscheinlichkeit einer Verletzung ist deutlich höher, als in dem oben beschriebenen Beispiel. Zumindest sollten die Kleinen aber doch bei ihren ersten Gehversuchen einen solchen tragen, auch da ist Wahrscheinlichkeit und Fallhöhe zumindest gleich der, die in dem oben beschriebenen Szenario geschildert wurde.

Nun, seltsamerweise werden diese Schutzmaßnahmen komplett abgelehnt – noch!

Warum habe ich diesen Einstieg gewählt?

Nun, weil Jens Lubbadeh uns in eine Welt entführt, die sich aus der unseren entwickelt hat. Sie liegt gerade mal ein paar Jahrzehnte in der Zukunft. In einer Zukunft, in der es zum guten Ton gehört, sich gegen alle möglichen Risiken abzusichern, in der Zuschläge zur Krankenversicherung kassiert werden, wenn man das nicht tut. In einer Zukunft, in der fast jedes ungeborene Kind einer Genanalyse unterzogen wird. In einer Zukunft, in der die Designer für jede (oder eben nur fast jede) Krankheit, die durch Gene verursacht werden könnte, eine Antwort haben. Schädliche Gene müssen aus dem Genpool ausgemerzt werden. Sie verursachen Krankheiten und schädigen somit die Gesellschaft genauso, wie Rauchen, Alkohol trinken, die Einnahme sonstiger Drogen und eben das ungeschützte Fahrradfahren schon der Allerkleinsten (der Einschub ist von mir, ich gestatte dem Autor gerne, das bei einer zweiten Auflage seines Werkes mit einzubauen). Schadhaft ist jedes Gen, das im Verdacht steht, eine Krankheit auslösen zu können und sei es auch nur die 10%ige Wahrscheinlichkeit an Heuschnupfen zu erkranken. Für Vieles werden die 1-2% Neandertalergene verantwortlich gemacht, die jeder Europäer und Asiate noch heute in sich trägt. Im späteren Verlauf der Handlung treten dann plötzlich neue Volkskrankheiten auf, von denen vermutet wird, dass sie Folge der Genhygiene sein könnten.

Daneben ist die soziale Kontrolle immens. Sich in der Öffentlichkeit ohne Fitnesstracker zu bewegen ist für die Karriere auf gar keinen Fall förderlich. Lubbadeh schildert uns hier eine Gesellschaft, deren Entwicklung wir im Hier und Heute bereits in den Anfängen (s. o.) miterleben können.

Und bevor jetzt eben diese Gesellschaft einen Shitstorm über mich hereinbrechen lässt: Selbstredend ist es vernünftig nicht zu Rauchen und keine anderen Drogen zu konsumieren und es ist auch vernünftig, beim Radfahren einen Helm zu tragen (als Radrennfahrer laufe ich ansonsten Gefahr, mich ernsthaft zu verletzen), aber man sollte doch das Risiko abwägen und dann erst eine Entscheidung treffen und nicht pauschalieren.

Und da sind wir wieder bei Lubbadeh, er zieht hier zu Felde gegen jegliche Art der Pauschalierung, der Verallgemeinerung und zeigt uns anschaulich, welche Strömungen sich da in der Gesellschaft auftun.

Das alles verpackt er in einer Science-Thriller-Umgebung (früher hätte man Science Fiction dazu gesagt).

Der Roman beginnt damit, dass Polizisten eine Leiche zu untersuchen haben, eine Leiche, die Absonderlichkeiten aufweist. Ein Behinderter? So was gibt es noch?! Ja, aber selten, sehr selten, weil eben die Genhygiene eigentlich alles abfedert.

Zweifel schleichen sich ein, als auf seinem Smart(phone) eine Datei entdeckt wird, die zu einem Massengrab im Neandertal führt. Ein Massengrab, in dem sich merkwürdige Knochen befinden. Die hinzugezogenen Experten (einer davon gehörlos, sprich behindert!) bestätigen: Neandertaler. Und das ausgerechnet an dem Fundort, der wohl weltweit zu den am besten archäologisch dokumentierten Stätten gehört. In der Folge stellt sich heraus, dass die Knochen gar nicht so alt sind, wie sie sein sollten. Nicht einmal 100 Jahre ist es her, dass man sie im Boden verscharrte. Die C14 Methode ist ungenau, bei solchen Zeitabschnitten.

Nun geht es Schlag auf Schlag, Spannung kommt auf. Protagonisten verschwinden und werden durch andere ersetzt. Es gibt eine Rückblende in die Urzeit, die uns mit der Frage konfrontiert, warum die Neandertaler, unsere Vettern, denn nun wirklich ausgestorben sind. Hat der Homo Sapiens sie ermordet? Der erste Genozid? Haben unsere Vorfahren sie gar als Eiweißquelle benutzt, sie gegessen?

Nun, in den Protagonisten liegt eine gewisse Schwäche des Romans. Nicht unbedingt in der Charakterisierung, sondern eher darin, dass gut eingeführte Personen (der Kommissar beispielsweise) an Stellen aus dem Spiel genommen werden, an denen es unnötig war, das zu tun. Er hätte einen würdigeren Abgang verdient gehabt.

Was mich ebenfalls gestört hat, war die Darstellung der Antagonisten. Die kamen für mich nicht wirklich glaubhaft rüber. Abgrundtief böse, mit nicht dem Mainstream entsprechenden sexuellen Neigungen, das war für mich zu viel des Guten (ähm, Bösen). Da bevorzuge ich Gegenspieler, deren Motive für mich als Leser nachvollziehbar sind und bleiben (aber deshalb lese ich ja auch keine Horrorromane).

Sei es drum, das Buch ist ein eindrucksvolles Plädoyer für die Vielfalt jeglicher Art begonnen im Kleinsten Baustein, in unseren Genen. Ein Thema, das mir aus dem Herzen spricht.

Und wer wissen will, warum nun die Neandertaler ausgestorben sind, der muss sich bis fast zur letzten Seite gedulden. Auch das eine eindrucksvolle Lösung des Rätsels und wenn man mich fragt, durchaus eine wahrscheinliche.

Lubbadeh hat sich in meiner Wahrnehmung mit diesem Roman sehr gesteigert. Habe ich für seinen Erstling noch drei Sterne vergeben (das war auch nicht schlecht!), vergebe ich hier vier.

Passend zum Roman gibt es auch ein Interview mit dem Autor auf unserer Seite.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: Predyl – eine neue Welt von Sylvia Kaml

Worum es geht:

Seit Jahrhunderten ist der Mond ›Predyl‹ von Menschen besiedelt. Durch die erzwungene Arbeitskraft der dort lebenden Ureinwohner haben sie sich ein Utopia erschaffen, in der Luna als verwöhntes Mädchen aufwächst. Als sich die Predyler gegen die Unterdrückung auflehnen, und es zu einem militärischen Konflikt kommt, wird Luna mit der harten Realität konfrontiert. Unterstützt vom Eingeborenen Biran versucht sie, die Feindschaft zwischen den Spezies zu beenden.

Meinungen:
Erfrischend leicht und dennoch hochwertig geschrieben, jedoch an einigen Stellen ein wenig übertrieben, wo einfachere Formulierungen den Lesefluss angenehmer gemacht hätten.
Zwischen drin gab es kleine Längen, die zwar keinen inhaltlichen Mehrwert hatten, aber gut zur Stimmung und Situation beitrugen, was an dieser Stelle keine Kritik sein soll. Gerade bei Büchern mit solchen komplexen Themen wünscht man sich die ein oder andere Atempause.

Die Beschreibungen der aufgezeigten Welt ist sehr fantasievoll, detailreich und schon recht außerirdisch. Die Predyler ebenso 🙂

Generell empfand ich alle Protagonisten als sehr glaubwürdig dargestellt.

Mein größter Kritikpunkt ist (so banal es klingt), dass die menschlichen Siedler auf der einen Seite Vegetarier sind, also das Töten und Essen von Tieren ablehnen, sich dann aber über die Einheimischen erheben, sie herabwürdigen und sogar versklaven.
Vegetarier haben ja ”eigentlich” die innere Moral eben nicht ”über” andere Lebewesen zu stehen, weshalb sie das essen von Lebewesen ablehnen – das passt nicht in der Versklavung anderer intelligenter Lebewesen, die zudem noch auf dem Mond heimisch sind.

Klar, das ist der Aufhänger der Story, aber eben auch das Manko. Die Geschichte trug meiner Meinung nach den Geschmack aus der Sklavenzeit in den USA mit sich. Ohne den Vegetarismus einfach nur die Unbelehrbarkeit der menschlichen Rasse aufzuzeigen, wäre nicht weniger gut gewesen.

Zugegeben, es ging im Grunde auch gar nicht um die Sklaven, sondern um den gerechtfertigten Aufstand der Predyler, der in einen furchtbaren, bis ins Detail beschriebenen Krieg auswächst. Und diese Details haben es in sich. Großartig geschrieben. Im Übrigen verzichtet hier die Autorin durch ihre Figur, eine Partei zu ergreifen, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Die Figuren und ihr Antrieb werden auf beiden Seiten offengelegt, und der Autorin gelingt es sogar, sich eindeutig für die Predyler auszusprechen, ohne die Menschen zu verurteilen.

Leider ist das gesamte Buch in der Ich-Perspektive verfasst, was den Nervenkitzel ausbleiben lässt, ob die Hauptfigur jemals in ernsthafter Gefahr ist. Solange es noch Seiten in der rechten Hand gibt, solange wird sie alles durchstehen, und auch darüber hinaus hat die Figur (16 Jahre alt) in ihrer kindlichen Analyse der Gesamtsituation nicht immer überzeugt, aber wenn sie es tat, dann auch richtig.

Dass es die obligatorische Liebesgeschichte in dem Buch geben muss, auch wenn ich sie nicht gebraucht hätte, war wohl notwendig, da man in schlimmen Zeiten wohl auch immer einen kleinen Hoffnungsschimmer braucht. 😉

Fazit:
Trotz dieser wenigen Schwächen ist der Roman um Luna vom Mond Predyl ein durchweg lesenswerte, spannende und emotionale Sache. Das Buch fängt fabelhaft an, hält durchgehend, was es versprochen hat und zieht sich spannend durch die Grausamkeit des Krieges und das Leid der Protagonisten. Das Ende von Predyl ist perfekt: Sehr stimmig, absolut rund und nichts anderes wäre hier besser.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

Verlag: Hybrid Verlag

Print € 12,90

E-Book € 6,49

Rezension: “Das Erwachen” von Andreas Brandhorst

Ein hoffnungsloser Romantiker …

… dieser Andreas Brandhorst!
Ein tolles Buch, das er uns hier vorlegt. Das Erwachen einer Maschinenintelligenz, nicht einer KI, einer künstlichen Intelligenz, ist sein Thema. Die alte Theorie von dem erwachenden Bewusstsein einer Maschine, wenn denn nur genügend (analog zum menschlichen Gehirn) Verknüpfungen vorhanden sind. Dies ist zwingende Folge, glaubt man der auch von namhaften Wissenschaftlern vertretenen Theorie.
Das ganze verpackt der Autor in eine spannende Thrillerhandlung. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Lediglich durch so profane Dinge, wie z. B. meine erzwungenermaßen notwendige Arbeit, musste ich die Lektüre unterbrechen.
Vor einiger Zeit hatte ich die Möglichkeit Andreas Brandhorst persönlich kennenzulernen. Ich habe ihn als bescheidenen und eher schlicht auftretenden Menschen in Erinnerung. Ganz ähnlich tritt hier sein Hauptprotagonist, Axel Krohn, in Erscheinung. Ein Protagonist, dem alles eher widerfährt, als dass er tatsächlich selbst die Handlung bestimmt und lenkt. Eine Art der Darstellung, der Erzählung einer Geschichte, wie ich sie persönlich sehr mag. Hätten wir uns früher kennen gelernt (der Autor und ich) so hätte ich fast vermuten können, das die Namensgebung …, aber so ist es ein netter Zufall.
Die Erzählung kommt daher wie eine Geschichte, die (fast) jedermann passieren könnte. Nun ja, nur fast.
Am Ende zeigt sich der Autor als hoffnungsloser Romantiker. Anders als bei D. F. Jones Colossus (kennt den überhaupt noch jemand?) zeigt er uns am Ende dann doch ein Happy End.
Was mir nach der Lektüre am meisten Angst und Sorge bereitet ist demnach nicht das Erwachen der Maschinenintelligenz, sondern die Vorstufe, in der wir uns befinden. Die zahlreichen KI, die derzeit entwickelt werden. Die die menschliche Arbeitswelt über den Haufen werfen werden, die zu unglaublichen Verwerfungen im Arbeitsmarkt weltweit führen werden. Zu einer noch nie gekannten Arbeitslosigkeit. Die vor allem aber auch zur Kriegsführung eingesetzt werden können, wie uns der Autor anschaulich zeigt. Zu einer Art Krieg in der kein Schuss fällt, keine Atombombe oder chemische/biologische Waffen zum Einsatz kommen und trotzdem alles am Boden liegt.
Das ist leider eine realistische Bedrohung, die nicht wegzudiskutieren ist.
Hut ab, vor der Erzählkunst, das Buch kommt spannend daher und verbirgt zwischen den Zeilen viel aktuelle Gesellschaftskritik. Da spielte sich in meinem Schädel ein großes Kopfkino ab.
Vielen Dank dafür, Andreas!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: “QualityLand” von Marc-Uwe Kling

In QualityLand – einem Deutschland gar nicht ferner oder undenkbarer Zukunft – lautet die Antwort auf alle Fragen: Ok.

Zum Glück hält sich das Buch nicht an diese Information, die auf seiner Rückseite steht. Tatsächlich sind die meisten Antworten im Buch viel länger, schlauer und vor allem: witziger. Weiterlesen »

Rezension: Heliosphere 2265 1 “Das dunkle Fragment” von Andreas Suchanek

Der erste Band der Buchserie Heliosphere 2265 mit dem Titel „Dunkle Fragmente“ besteht aus den 4 Teilen, die auch als eBooks einzeln publiziert wurden.
Sicherlich ist vieles nicht neu in dieser Geschichte: Eine neu zusammengestellte Crew muß sich kennenlernen, Hindernisse überwinden und lernen zusammenzuarbeiten. Es gibt Schlachten im Weltall und es wird nach Artefakten gejagt. Über viele Seiten lernen wir mehr von dieser Welt kennen. Wir erfahren nach und nach mehr über die Charaktere und den Antagonisten in der Geschichte. Wobei es schwer zu glauben ist, dass er alleine alles über so lange Zeit planen konnte. Aber dafür gibt es ja die nächsten Bände, die dann hoffentlich eine Erklärung dafür liefern.

Im Jahr 2265 übernimmt Captain Jayden Cross das Kommando über die Hyperion. Er muß sich und seiner Crew beweisen, dass er auf den Kommando-Sessel gehört. Ausgerüstet mit einem neuartigen Antrieb und dem Besten an Offensiv- und Defensivtechnik, wird die Hyperion auf eine Bergungsmission eines verschwundenen Schiffes geschickt und stößt dabei auf ein Artefakt, das für den Tod der Crew dieses Schiffes und der Bevölkerung eines ganzen Planeten verantwortlich ist. Das Schiff und der Planet befinden sich im Grenzgebiet zu den Parliden, dem Menschen feindlich gesinnte Aliens. Diese wollen das Artefakt zerstören. Es entbrennt eine heiße Schlacht und die Parliden-Schiffe werden vernichtet. Ist das der Beginn eines neuen Krieges? Im Laufe der Handlung werden noch mehr Fragen aufgeworfen. Ein unbekanntes Alien hat anscheinend Besitz von einem Crewmitglied ergriffen. Was sind dessen Motive. Auch bei den Parliden gibt es ein großes Geheimnis: ihr Aussehen. Und was hat es mit den „Niederen“ auf sich. Einiges davon klärt sich in diesem Band, anderes hoffentlich in den Folgenden. Außerdem gibt es auch ein Kräftemessen in der Admiralität. Politische Intrigen bis hin zum einem großen Putsch spitzen auch die Lage auf der Erde zu. Admiral Michalew ist der menschliche Antagonist, der anscheinend alle Fäden in den Händen hält.
Es gibt viele Rätsel und offene Fragen. Am Anfang dieses Abenteuers stehen das Universum und die Umstände und Konflikte im Zentrum der Erzählung. Nur langsam lernen wir die Mitglieder der Crew kennen, ihre Probleme und Sorgen. Die Geschichte wird recht flott erzählt. Es gibt keine ausschweifenden Detailbeschreibungen, was das Lesen sehr angenehm macht.

Heliosphere 2265 wurde in den Jahren 2013, 2014 und 2015 für den Deutschen Phantastik Preis als “Beste Serie” nominiert. Das Hardcover „Fraktal-Zyklus 1“, erschien 2016.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

Rezension: “Hammer und Söckchen” von Guido Krain

“Dazwischen die typischen Partyfolgen: Hirn tropfte von der Decke, Einschusslöcher schmückten die Wände, ein abgetrennter Arm hing über einen Tisch und drei zusammengesunkene Leichen in ehemals weißen Kitteln lagen am Boden.” Das ist ein kleiner Ausschnitt aus dieser blutrünstigen und makaberen, aber auch sehr witzigen kleinen Geschichte. Band 1 aus der Buchreihe Dystonia. Wie in einem rasanten Computerspiel werden wir durch ein Labyrinth aus Gängen geführt. Allerdings muß sich Sharp, der Hauptcharakter, nicht gegen gefährliche Zombies wehren. Er ist die Gefahr. Er und das sexy Mädchen auf das er nach seinem Erwachen im Labor trifft. “Ein tiefes dröhnendes Bamm ließ ihn herumfahren. Pinky hatte gerade einem der halbtoten Angreifer den Schädel eingeschlagen. Dass sie vorher ein Tuch über den Kopf gelegt hatte, ließ vermuten, dass sie Erfahrung damit hatte. Kaum etwas spritze wie ein platzender Kopf … aber woher wusste Sharp das?” Diese Frage stellt er sich immer wieder und zusammen mit Pinky macht er sich auf den Weg, herauszufinden, wer er ist und warum er in einem Labor aufgewacht ist. Pinky begleitet ihn mit ihrem besten Freund Mr Hammer und wenn Mr Hammer etwas nicht gefällt … Bamm.

Diese sexistische, politisch unkorrekte und bizarre Liebesgeschichte liefert uns ein erfrischen anderes Lesevergnügen.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

E-Books, die’s drauf haben: “Neunundneunzig Namen” von Jens-Michael Volckmann

Nur selten schafft es ein Selfpublishing-E-Book auf unsere Empfehlungsliste. Die vorliegende Erzählung von Jens-Michael Volckmann bildet eine Ausnahme: Selten gelingt es einem neuen Autor, eine Social Fiction zu einem schwierigen Thema so einfühlsam und ideenreich zu erzählen.

“Neunundneunzig Namen” dreht sich um eine Flugzeugkatastrophe in der Innenstadt von Frankfurt(Main). Auf einer letzten Audio-Aufzeichnung aus dem Flugzeug ist der Ruf „Allahu Akbar!“ zu hören. Als dies bvekasnnt wird, dreht sich die Stimmung, es kommt zu Ausschreitungen gegen Muslime, obwohl es bis auf die Aufzeichnung keinerlei Beweis für ein Bombenattentat gibt.

Der Autor erzählt die Geschichte episodenhaft. Er zeigt Szenen aus der Familie des mutmaßlichen Attentäters, aus Talkshows, Nachrichten und aus einem Dokumentarfilm. So fügt sich nach und nach aus Bruckstücken ein Gesamtbild zusammen, das dem Leser zu Denken gibt. Über die Figuren in der Geschichte, über Menschen in Deutschland – und über sich selbst.

Gerade in der heutigen Zeit (das Buch erschien bereits 2014) kann man sich nur darüber wundern, wie wenig religiöser oder durch soziale Netzwerke verbreiteter Irrglaube in der Nahzukunfts-SF thematisiert werden. Gerade in Deutschland. Freilich ist das ein Stoff, in dem es kaum vermeidbar ist, Leuten auf die Füße zu treten. Es wäre wünschenswert, wenn mehr Autoren den Mut aufbringen würden, sich mit wichtigeren Themen zu beschäftigen als Lasergefechten über fremden Planeten.

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

“Neunundneunzig Namen” gibt es bei Amazon als E-Book (0,99 EUR, kostenlos ausleihbar mit Prime) und Taschenbuch. Weitere Infos auf der Homepage des Autors.

Eine Saison der Kurzatmigen – Anmerkungen zur deutschen SF-Story-Szene 2016

Es gibt wohl kaum ein populäres Genre, in dem Anthologien eine so gewichtige Rolle gespielt haben wie in der Science Fiction. Ohne die unüberschaubare Anzahl von Original- und Reprint-Anthologien, Anthologiereihen wie Orbit, New Dimensions oder New Writings in Science Fiction und den vielen, teils parallel editierten Year’s-Best-Auswahlbän­den wäre das SF-Story-Schaffen in seiner Vielfalt kaum denkbar. Der Durchbruch der Anthologien zu einem Leit­medium der Science Fiction lässt sich sogar an einem kon­kreten Datum festmachen: 1946 erschien Adventures in Time and Space, herausgegeben von Raymond J. Healy und J. Fran­cis McComas, ein von berühmten Namen und vielgepriesenen Stories nur so strotzendes Kompendium der Golden-Age-SF und sicher eines der einflussreichsten SF-Bücher über­haupt. Seitdem haben umtriebige Antho­logisten unter immer neuen Aspekten Stories zusammengetra­gen oder Autoren mit zahllosen Themenvorgaben zu Antholo­gieprojekten versam­melt. Diese Tradition spielt auch in der deutschen Science Fiction bis heute eine maßgebliche Rolle. In einer Szene, die durch ihre geringe Reichweite und ihren Mangel an starken Autoren gehandicapt ist – nicht gerade gute Vo­raussetzungen für eine befriedigende Auswahltätigkeit – stellen sich Anthologisten dennoch immer wieder der He­rausforderung, lesenswerte Storysamm­lungen zusammenzu­stellen. Bei der Betrachtung der mehr bis weniger gelun­genen Anthologien, die 2016 erschienen sind und einen wesentlichen Teil der Lektüre für den vorliegen­den Artikel ausgemacht haben, tritt dabei einiges Sympto­matisches in der deutschen SF zutage. Weiterlesen »

Rezension: “Kirkasant” von Axel Kruse

Das Axel Kruse sein Handwerk versteht, soll hier nicht weiter zum Thema gemacht werden, denn das steht außer Frage.

In seinem Roman “Kirkasant”, der wie schon die anderen Werke aus der Feder Kruses auf einem abseits gelegenen Planeten spielt, sind es eher die kleinen Probleme vor Ort.

Es gibt keine universellen Mächte, die um die Vorherrschaft ganzer Quadranten Armaden von Schiffen aufeinander schicken. Es sind die kleinen Dinge. Einzelne glaubwürdige Menschen, die ihre eigenen glaubwürdigen Dinge erleben. Das macht auch den Charme dieser Geschichten aus. Hier sei noch einmal „Glühstern“ erwähnt, das man unbedingt gelesen haben sollte.

Zurück zu Kirkasant:

Samuel ‘Sam’ Kors, Besitzer des Frachters ›Lahme Ente‹ landet nach langer Abwesenheit einmal mehr auf dem zum Roman gleichnamigen Planeten, um sein Schiff einmal gründlich überholen zu lassen. Es ist viel passiert auf dieser Welt:  Aktuell steht eine Abstimmung an, ob die Bewohner des Planeten sich zu Terra oder zum Königreich Deroila zugehörig sein wollen, da beide Mächte diesen Planeten beanspruchen. Beides hat seine unbestrittenen Nachteile, die Unruhe bei den Menschen, aber auch bei den Derolianerm wecken.

Um sich die Reparaturen leisten zu können, lässt sich Sam darauf ein, eine Reisegruppe über den Planeten zu führen, was wie selbstverständlich zu weiteren Problemen führt. Aus dem Touristenspaß wird ein Planet-trek zurück in eine der wenigen Siedlungen Kirkasants.

Das ganze Buch hat etwas ruhiges, stilles. Ein wenig erinnert es an alte Zeiten auf der Erde und doch ist es modern und die Spannung wird gehalten. Die Welt, über die uns der Autor führt ist eine fremde und zugleich erschreckend bekannte. Eine gelungen Mischung aus Bauchweh und Faszination.

Auf jeden Fall empfehlenswert.

Fazit:
Schade ist, dass hier vom Verlag her ordentlich Seiten geschunden worden sind. So hat man diese kurze Geschichte auf knapp 110 Seiten gestreckt, indem man sich hier und da einiges an Freiraum hineingeschummelt hat, weshalb man nun auf das nächste Heftchen warten muss, das sich dann Fortsetzung nennt. Es sei nicht dem Autor angelastet. Vermutlich lag diese Entscheidung beim Verlag.

Sollte es eine zweite Auflage geben, kann ich nur empfehlen, den Roman als ganzes zwischen einen Deckel zu schieben, das macht dann deutlich mehr her.

 

Ebenfalls sollte man das beeindruckende Coverbild des begnadeten Lothar Bauer beachten!

Unterhaltung:

Anspruch:

Originalität:

 

Verlag: Atlantis Verlag

Print, € 10,90

E-Book € 3,99

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